Wodurch werden häufige Kopfschmerzen bei Kindern ausgelöst?

Gelegentliche Kopfschmerzen sind neben den Bauchschmerzen bei Kindern ein häufiges Beschwerdebild, jedoch ist die Findung der Ursachen deutlich schwieriger als bei Bauchschmerzen. Als chronisch werden Kopfschmerzen bezeichnet, wenn sie mehrfach am Tage oder fast ohne Pause über sechs bis acht Wochen auftreten. Es muß geklärt werden, ob es sich um ein organisches oder ein psychosomatisches (seelisches) Beschwerdebild handelt. Die psychosomatische Ursache hat in den letzten 15 Jahren deutlich zugenommen und findet sich bereits bei 10 % der Kinder im Vorschulalter. 80 % der Kinder machen in den beiden Schuljahren ersten Erfahrungen mit Kopfschmerzen, dies hat ähnliche Ursachen wie bei Erwachsenen: Streß, Überforderung, Ängste und Konflikte mit der Umwelt.

Bereits bei der Erhebung der Vorgeschichte kann eine Differenzierung erfolgen, ob eine organische Ursache vorliegen kann: Bestehen die Kopfschmerzen auch am Wochenende, also außerhalb der Schulzeit? Sind andere Symptome (Übelkeit und Erbrechen) dabei? Leidet jemand in der Familie an Migräne? Es muß dann eine stufenweise Diagnostik erfolgen bis hin zur Erstellung eines Computertomogrammes (CT) des Kopfes zum Ausschluß eines Hirnprozesses. Nur bei ca. einem Prozent der Kinder mit Kopfschmerzen finden sich organische Ursachen.
Zunächst muss eine körperliche und neurologische Untersuchung durchgeführt werden. Hierbei kann ein Bluthochdruck als Ursache durch Messung des Blutdruckes ausgeschlossen werden. Eine Blutdiagnostik schließt eine Blutarmut bzw. eine Leukämie aus. Bei großen Jugendlichen mit niedrigem Blutdruck ist meist die Blutdruckfehlregulation bei längerem Stehen oder beim Aufstehen die Ursache für Kopfschmerzen. Im Rahmen einer Infektionserkrankung sind Kopfschmerzen nur kurzzeitig vorhanden und bedürfen keiner besonderen Diagnostik. Bei länger anhaltenden Kopfschmerzen müssen andere Fachärzte aufgesucht werden: Der Augenarzt zur Überprüfung der Sehfähigkeit und zum Ausschluss von Hirndruckzeichen im Augenhintergrund, der HNO-Arzt zum Ausschluss einer Nebenhöhlenentzündung, der Orthopäde zum Ausschluss einer Fehlhaltung oder angeborenen Fehlbildung der Halswirbelsäule, der Kinderneurologe zur Durchführung eines EEG und zum Ausschluss einer Migräne. Sind alle diese Untersuchungen ohne krankhaften Befund, muss abschließend ein CT durchgeführt werden. Bei zunehmenden und schweren Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen muss die Diagnostik abgekürzt und unmittelbar ein CT durchgeführt werden. Eine rechtzeitige Erkennung eines Hirnprozesses bedeutet eine größere Heilungschance.
Die psychosomatischen Beschwerden bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu, da diese Altersgruppe in steigender Zahl in den Familien nicht mehr im Mittelpunkt steht. Die Eltern der betroffenen Kinder haben nicht selten Probleme mit sich selbst, Krisen in der Familie führen häufiger zur Trennung, es entstehen nicht selten Patchworkfamilien, viele Väter sind arbeitslos, die Armut in den Familien nimmt zu (in Hamburg muss zum Beispiel jedes 5. Kind von der Sozialfürsorge unterstützt werden), in vielen Familien spielen Alkohol und Drogen eine Rolle. Auf der anderen Seite muss herausgefunden werden, ob andere Konflikte bestehen: Unter- oder Überforderung in der Schule? Unterrichtstunden bis in den Nachmittag hinein? Zu hohe Erwartungshaltung der Eltern? Überforderung durch zu viel Freizeitaktivität? Schwere oder chronische Erkrankung in der Familie? Gewalt in der Schule oder Familie?.
Bei psychosomatischen Kopfschmerzen sind meist auch anderen Symptome vorhanden: Schlaflosigkeit, Ängste, Aggressivität, Lustlosigkeit, nächtliches Einnässen, Einkoten.

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