Wodurch können Verhaltensprobleme in der Schule ausgelöst werden?

Verhaltensprobleme in der Schule (Unruhe, Zappeligkeit, Stören des Unterrichts, Aggressivität) sind zu Beginn des ersten Schuljahres nicht selten und verschwinden meist von selbst. Besonders Einzelkinder müssen stehen jetzt nicht mehr im Mittelpunkt und müssen soziales Verhalten und Rücksichtnahme erst erlernen. Sollten die Problem jedoch mehrere Wochen anhalten oder bei älteren Schülern plötzlich auftreten, müssen die Ursachen herausgefunden werden.
In den meisten Fällen können die Probleme im familiären Umfeld liegen (Ehekonflikte, Ehescheidung, schwere Erkrankung in der Familie, Tod eines nahen Familienangehörigen, Gewalt in der Familie/Schule/im Freundeskreis). Auch die genetische Anlage zur Hochbegabung kann diese Verhaltensweisen auslösen. Die betroffenen Kinder lernen extrem schnell, sie fragen sehr viel und können alle Antworten und Erfahrungen gut speichern und abrufen. Sie bringen bereits ein umfangreiches Wissen in die Schule mit und können meist bereits lesen und schreiben. Die beschriebenen Verhaltensprobleme sind durch lange Weile zu erklären, die mit Erreichen von mehr Aufmerksamkeit kompensiert wird. In diesem Fall ist eine psychologische Testung mit Bestimmung des Intelligenzquotienten anzuraten.
Wenn keine der beschriebenen Umstände zutreffen, liegt mit großer Wahrscheinlichkeit ein Aufmerksamkeit-Defizit-Hyperaktivität-Syndrom (ADHS) vor. Ca 5 % aller Jungen sind davon betroffen, Mädchen sind eher "Träumer" mit einer Aufmerksamkeitsstörung (ADS). Statistisch sind in jeder Schulklasse 1-2 Kinder mit diesen Störungen anzutreffen. In früheren Zeiten dachte man, diese Verhaltensweisen seien durch fehlerhafte bzw. mangelhafte Erziehung zu erklären, den Eltern wurden familientherapeutische Sitzungen angeraten. Viele Kinder haben dadurch viel Zeit verloren, ohne dass sich die Symptome verändert haben. In den letzten 10 Jahren hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es sich hier um ein erblich bedingtes Krankheitsbild handelt. In der Familie finden sich oft Personen, die in der Schule ähnlich aufgefallen sind und auch heute noch Probleme haben (Ausbildung, Ehe, Streitigkeiten, Neigung zu Drogen und Alkohol, Verkehrsüberschreitungen, Kontakte mit der Polizei).
Die Symptome können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Bei typischer Veränderung fallen die Kinder bereits als Säugling und Kleinkinder auf: Schlafprobleme, extreme Unruhe, nächtliches Schreien und wenig Blickkontakt. Im Kindergarten sind sie Außenseiter, so dass den Eltern oft eine Herausnahme aus dem Kindergarten wegen schlechtem Sozialverhalten und Aggressivität empfohlen wird. Die Familie hat sich oft an dieses abnorme Verhalten gewöhnt und toleriert es mit viel Liebe. Leider sind diese Familien oft abgeschnitten von Freunden und deren Kinder, da das Verhalten für Fremde schwer zu ertragen ist. In der Schule erleben diese Kinder eine extreme Situation: sie sind nicht mehr im Mittelpunkt und werden immer wieder ermahnt. Durch Unruhe und Zwischenreden erreichen sie anfangs zwar Aufmerksamkeit als "Klassenclown", doch nach kurzer Zeit werden sie gemieden. Ohne Therapie kann es zum Verweis von der Schule kommen, durch die soziale Ausgrenzung zur Hinwendung zu Randgruppen, Drogen, Alkohol und zur Kriminalität.
Die Behandlung sollte bereits im Vorschulalter beginnen, um die Kinder rechtzeitig für die Schule vorzubereiten. Im Vordergrund stehen Ergo- und Verhaltenstherapien in besonders spezialisierten Einrichtungen, wobei die Eltern mit einbezogen werden müssen. Sollte diese Therapie nicht ausreichend wirksam sein oder sollten bei der Erstdiagnostik die Verhaltensprobleme extrem sein, ist eine zusätzliche medikamentöse Therapie mit Methylphenidat (z.B. Ritalin, Medikinet) oder mit Atomoxetin (Stattera) erforderlich. Die Kinder haben dann die große Chance, eine normale Schulausbildung zu durchlaufen.

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