Wie steht es mit den Chancen einer Behandlung der Rhesus-Unverträglichkeit?

Der Fortschritt der Medizin ist insbesondere an den immer weiter entwickelten Techniken bei der Behandlung der Rh-Inkompatibilität zu erkennen.

Während es noch bis weit in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts, also bis 1965, keine Behandlungsmöglichkeit gab, entwickelten sich diese rasant, nachdem man die Ursachen der Erkrankung erforscht und erkannt hatte.

In dieser Zeit wurde die sog. intrauterine Transfusion eingeführt (also eine Bluttransfusion in das lebende Kind im Mutterleib). 

Nachdem man bei einer Schwangeren mittels Fruchtwasserpunktion das hohe Risiko einer Rhesus-Unverträglichkeit erkannt hatte (Zone III nach Liley, s.o.), wurde über die liegende Kanüle ein Röntgen-Kontrastmittel in das Fruchtwasser gegeben. Da Fruchtwasser auch vom Kind geschluckt wird, gelangte dieses Kontrastmittel in den Darm des Kindes, wo es über eine Strahlen-reduzierende Röntgenkette sichtbar gemacht werden konnte. Solange der Mutterkuchen noch nicht mit Ultraschall dargestellt werden konnte (bis 1970), musste  der Mutterkuchen mittels Radioisotopen dargestellt werden, um eine Punktion durch die Plazenta zu vermeiden. Am darauffolgenden Tag wurde eine erneute Punktion durchgeführt, und, nachdem die Kanüle im Fruchtwasser zu erkennen war, die Bauchdecke des Kindes punktiert und das Erythrozytenkonzentrat eingeleitet (transfundiert).

Leider musste diese Prozedur alle 2-3 Wochen wiederholt werden. Es gab nur wenige Zentren in Deutschland. In Hamburg-Eppendorf war es die Gruppe um Prof. Fischer / Dr. Poschmann aus der Kinderklinik und Prof. Schulze-Mosgau und, die in der Lage, waren dies komplizierte Verfahren durchzuführen. Später wurde diese Abteilung der Universitäts-Frauenklinik von Dr. Masson weitergeführt.

Auf diese Weise konnten über 60% der Kinder gerettet werden, die zuvor allesamt verstorben wären.

Die zunehmende Verbreitung und Verbesserung der Ultraschallgeräte ermöglichte es, auf die Radio-Isotopendarstellung der Plazenta ebenso zu verzichten, wie auch die Röntgenkontrastmittel-Darstellung des fetalen Bauches. Zudem wurde die zuvor nicht erkennbare Nabelschnur sichtbar. In der Folge wurden an den Zentren in Basel, Bonn, Berlin, Erlangen, Frankfurt a.M., Freiburg, Hamburg, München und Münster die intrauterine Transfusion direkt in die Nabelschnur geleitet und damit die Überlebenschancen der betroffenen Kinder auf über 90 % angehoben.

Zugleich aber sank der Anteil der notwendigen Behandlungen durch die Einführung des Anti-D-Gammaglobulins, da dadurch immer weniger  Rh-negative Mütter gegen „D“ (Rh-positiv) sensibilisiert wurden. 

Häufig erhalten aber Schwangere das Anti-D-Gammaglobulin überflüssigerweise, weil der Rhesusstatus des Ungeborenen nicht bekannt ist.

Dies wird nunmehr in Erlangen durch Prof. Dr. Weisbach untersucht, der Rh-negative Mütter sucht. Bei den Blutabnahmen im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge müsste einmal ein zusätzliches Röhrchen abgenommen und an Prof. Dr. Weisbach gesendet werden, um aus der fetalen DNA (der Erbsubstanz) im mütterlichen Blut, den Rhesus-Faktor zu erkennen. Dazu ist in 2013 und 2014 eine große Anzahl von Untersuchungen erforderlich, um in Zukunft unnötige Impfungen zu vermeiden (s. Anhang).

PDF Icon Fetale Bestimmung des Merkmals D

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