Wie kann Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen vermieden werden?

Ein großes Gesundheitsproblem ist das zunehmende Übergewicht bei Kinder und Jugendlichen. Die Zahlen sind erschreckend: waren es vor 10 Jahren noch 10 % aller Kinder, sind es heute 20 %. Somit ist heute jedes 5. Kind zu dick. Wie viele werden es in 10 Jahren sein? Man spricht bereits von einer Epidemie des 21. Jahrhunderts.

Übergewichtige Kinder bedeuten eine große Herausforderung in der Therapie, denn die Ursachen und die Gewohnheiten sind schwer zu beheben. Die Behandlung bedeutet eine starke Motivation der Eltern und ab dem Alter von 10-12 Jahren auch der Jugendlichen.
Meistens kommen diese Kinder erst in die Praxis, wenn sie in ihrem Umfeld bereits negative Erlebnisse gehabt haben: Sie werden in der Schule gehänselt, sie sind im Sportunterricht nicht beweglich, in Wettkämpfen kommen sie rasch außer Puste, sie ziehen sich zunehmend von ihrem sozialen Umfeld zurück. Sie mögen nicht in den Sportverein oder zum Schwimmen, da sie sich ohne bedeckende Kleidung schämen. Sie sitzen lieber zu Hause vor dem Fernseher oder Computer, naschen dazu noch häufig und setzen dadurch noch mehr an Gewicht an. Ein gefährlicher Teufelskreis.

Doch es sind nicht nur seelische Probleme, die durch Übergewicht entstehen können. Diese Kinder haben bereits im frühen Alter ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit der Folge von Herzinfarkt und Schlaganfall, für Überlastungsbeschwerden der Wirbelsäule und Gelenke, für Gicht, Diabetes mellitus und Darmkrebs. Der beste Ansatz zur Vermeidung dieser Folgen ist die Prävention, die bereits im Säuglings- und Kleinkindesalter beginnen muß. Eine gute Möglichkeit, die Eltern auf die sich anbahnenden Gewichtsprobleme anzusprechen, bieten die Vorsorgeuntersuchungen bis zum 6. Lebensjahr.
Doch nicht alle Eltern nehmen diese wahr. Daneben gibt es die Möglichkeit, bei jeder Vorstellung des Kindes im Rahmen von Erkrankungen oder Impfungen den Eltern ein Gespräch und eine Untersuchung anzuraten.

Bei vielen Kindern besteht eine familiäre Veranlagung zu Übergewicht, die dann durch negative Einflüsse aus der Umgebung ausgelöst oder verstärkt wird. Dies sind nicht selten seelische Probleme infolge von Konflikten in der Familie in Form von Elterntrennung, chronischer Erkrankung der Eltern (hierzu zählen auch Drogen und Alkohol), Tod eines Familienmitglieds, Gewalt in der Familie und Rivalitäten unter den Geschwistern. Aber auch Schulprobleme mit Überforderung und Mißerfolgen können den Anstoß zu Übergewicht geben.

Vor einer Therapie müssen organische Erkrankungen und Erbkrankheiten ausgeschlossen werden. Eine mögliche Unterfunktion der Schilddrüse sowie das zusätzliche Risiko einer Cholesterinerhöhung muß durch Blutdiagnostik untersucht werden. Es folgt ein intensives Gespräch mit den Eltern, ab dem 10.-12. Lebensjahr auch mit dem Jugendlichen. Es wird nach Eßgewohnheiten gefragt, die umgestellt werden müssen. Dabei werden Tipps für kalorienarme Ernährung gegeben. Es reicht manchmal schon aus, die abendliche Mahlzeit auf mittags umzustellen oder das gewohnte Trinken von kalorienhaltigen Getränken (Milch!) zu unterbinden. Problem sind die Kinder, die nach der Schule keine elterliche Betreuung haben. Durch regelmäßige Gewichtskontrolle und positive Verstärkung der Motivation können Erfolge eintreten. Eine gute Lösung des Problems mit ca. 80 % Erfolg bietet ein wohnortnahes ambulantes Programm über ein Jahr, in dem die Kinder durch regelmäßiges Treffen mit Aufklärung, psychologischen Gesprächen, Back- und Kochkurs und Bewegung gemeinsam abnehmen. Eine stationäre Kur in einer Klinik kann nur den Anfangserfolg geben, die intensive Weiterbetreuung muß ambulant erfolgen.

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