Wie kann eine Sensibilisierung und damit die Gefahr der Rhesus-Erythroblastose (Morbus haemolyticus neonatorum) erkannt werden.

Zunächst wird nach einer Blutgruppenbestimmung der Mutter der sog. Antikörper-Suchtest durchgeführt. Das ist die Kontrolle auf irreguläre Antikörper wie auch Antikörper gegen das Rhesus-System.

Dieser sollte bei Rh-negativen („d“) Schwangeren auch im 2. Trimenon (ca. 16.-28. SSW) wiederholt werden. Ein Titer über 1:16 wurde früher als Grenzwert angesehen und löste eine Fruchtwasserpunktion zur Bestimmung des Bilirubingehaltes im Fruchtwasser aus. (Ein Titer ist der Wert in einer Verdünnungsreihe, z.B. 1:2, 1:4, 1:8,1:16 usw) bei der die Antikörper noch nachgewiesen werden können).

In den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde darin photometrisch der sog. Delta-E-Wert nach Schellong G. u.a., Dtsch med.Wschr. (1976) 100: 1591 bestimmt

Da der Delta-E-Wert von der Schwangerschaftswoche abhängt, hatte Liley A.W. bereits 1961 ein Schema dafür entwickelt (Amer.J.Obstet.Gynec. (1961) 82: 1359). In ihm wurden 3 Gefährdungsbereiche dargestellt, wobei Zone II einen kontrollbedürftigen Gefährdungsbereich darstellt, Zone III bereits auf eine schwere Erkrankung hinweist.

Aber weder die Antikörperkontrollen noch der Nachweis des Bilirubingehaltes (Abbauprodukt des Haemoglobins, des Blutfarbstoffes) im Fruchtwasser können den Krankheitsverlauf sicher bestimmen, auch die Abklärung einer Anämie mittels Ultraschalluntersuchung (Doppleruntersuchung der Arteria cerebri media, eines der Hauptstammgefässe des Gehirns,) erbrachte keine absolute Sicherheit. 

Erst die Laboruntersuchung des fetalen Blutes, zum Beispiel durch eine Nabelschnurpunktion, bringt hier Klarheit.

Dabei werden die Antikörpermenge (Titer) im Blut des Feten direkt bestimmt, ebenso, wie der Hb-Wert (Blutfarbstoffgehalt), wie die fetale Blutgruppe und der Hämatokrit-Wert, das ist der Anteil der roten Blutkörperchen am Gesamtblut. Auch die Zahl der Blutplättchen (Thrombozyten) kann so untersucht werden.

Nun ist eine Nabelschnurpunktion nicht gänzlich risikolos, man rechnet bei geübten Untersuchern mit einem 1 % igen Risiko. Die Punktion wird allerdings nur angewendet, wenn entsprechende Faktoren auf ein hohes Risiko einer Rh-Erythroblastose hinweisen.

Bei Rhesusunverträglichkiet (Rhesusinkompatibilität) und Nachweis einer Anämie (Blutarmut = erniedrigter Haematokritwert) kann dann  in gleicher Sitzung ein Konzentrat aus roten Blutkörperchen (Erythrozytenkonzentrat) zur Behebung der Amämie in die Nabelvene transfundiert (eingeleitet) werden. Dieses Konzentrat besteht aus gewaschenen und bestrahlten 0 Rh-negativen – und CMV-negativen (Cytomegalie-neg)- roten Blutkörperchen.

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