Wie hoch ist die Gefährdung von Jugendlichen durch Alkohol und Drogen?

In deutschen Krankenhäusern werden mindestens zweimal pro Woche Jugendliche wegen exzessivem Alkoholmissbrauch stationär aufgenommen. Dabei ergibt sich fast immer die typische Vorgeschichte: Party – Geburtstag oder Feier zum Schulabschluss – mehrere Jugendliche unter sich ohne Aufsicht durch Erwachsene – Wetttrinken und Mutproben. Es kommt dabei zunehmend zur Eintrübung des Bewusstseins, zu Sprachstörungen, schließlich zur Bewusstlosigkeit. In dieser Phase ist dringend medizinische Hilfe notwendig, da der Betroffene eine Atemstörung oder durch Erbrechen eine Aspiration des Erbrochen in die Lunge bekommen kann. Durch Lähmung der Muskelreflexe kommt es fast immer zum unkontrollierten Einnässen. Problematisch wird es, wenn außerdem noch zusätzlich illegale Drogen eingenommen wurden. In der Klinik muss sofort eine Entgiftungstherapie eingeleitet werden, da es sich um einen lebensbedrohlichen Zustand handelt. Jungen deutlich häufiger betroffen als Mädchen.

Während der Konsum von illegalen Drogen in der Gesamtbevölkerung zurückgeht, nimmt der Konsum von Alkohol vor allem bei Jugendlichen zu. Jeder zwölfte Patient, der zum Beispiel in einem Krankenhaus in Baden-Württemberg wegen seines Alkoholkonsums behandelt werden musste, ist unter 20 Jahre alt. In dieser Altergruppe steigt auch der Konsum von illegalen Drogen wie Haschisch, Marihuana und die Psyche verändernden Tabletten. Eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ergab, dass 32 Prozent der 12 bis 25-jährigen Drogen probiert haben. Dies ist eine Steigerung von 16 Prozent seit 1979. Dabei hat der exzessive Alkoholkonsum bei Jugendlichen alleine innerhalb des letzten Jahres um 15 Prozent zugenommen. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden mussten, stieg innerhalb der letzten fünf Jahre um 50 Prozent.

Für die meisten Jugendlichen ist der Aufenthalt in der Klinik wegen einer Entgiftung ein einschneidendes Erlebnis und sie werden in Zukunft mit Alkoholkonsum sorgsam und verantwortungsvoll umgehen. Problematisch sind jedoch die Jugendlichen, die in einem schlechten familiären oder sozialen Umfeld ohne Vorbilder leben. Diese Jugendlichen fühlen sich in negativen Gruppen mit ähnlichen Konflikten bestätigt, weil sie in der Familie oder Schule zu wenig Anerkennung finden. Belastende Faktoren sind vor allem die Phase einer Elterntrennung, die Pubertätsentwicklung, schwere chronische Erkrankung der Eltern sowie Arbeitslosigkeit der Eltern, die in dieser depressiven Lebensphase den Kindern weniger Beachtung schenken und leicht dem Alkohol und anderen Drogen zusprechen. Hinzu kommen meist Probleme in der Schule und später bei schlechten Zeugnissen eine ungünstige Voraussetzung für die berufliche Laufbahn mit negativer Zukunftsperspektive. Eine zusätzliche Gefährdung besteht bei Jugendlichen mit Aufmerksamkeit-Defizit-Syndrom, dies sind ca. 5 % aller Jugendlichen. Durch ihr krankheitsbedingtes Verhalten stoßen sie zunehmend auf Ablehnung innerhalb der Familie, des Freundeskreises und in der Schule. Bestätigung und Anerkennung finden sie oft in Randgruppen mit der Gefahr von Alkohol, Drogen und Kriminalität. Diese Kinder müssen frühzeitig erkannt werden und bereits vor der Einschulung eine entsprechende Therapie erhalten.

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