Wie hat sich die Pränataldiagnostik entwickelt?

Bis in die 70er Jahre war Geburtshilfe eine reine Hebammengeburtshilfe. Ärzte wurden nur in Notfällen hinzugezogen.
Die Ausrüstung der Hebammen bestand aus einem Holzrohr zum Hören der kindlichen Herztöne, einem Beckenzirkel zum Ausmessen der Breite des Beckens und aus einem Zentimeterband zum Messen des Bauchumfanges.

Leiter von Hebammenschulen waren häufig Ärzte, einer davon der Heidelberger Gynäkologe Franz Naegele, (1778-1851). Nach ihm wurde die Berechnung des Geburtstermins benannt (Naegel´sche Regel). Ein anderer Gynäkologe, Christian Leopold (1846-1911), entwickelte die nach ihm benannten Handgriffe zur Abschätzung einer zeitgerechten Entwicklung des Kindes, zur Lage des Kindes und zur Klärung, ob es sich um eine Schädel-, eine Steiß- oder eine Querlage handelte.

In der Statistik der Kinder- und Müttersterblichkeit nahm Deutschland noch zu Beginn der 70er Jahre einen der letzten Plätze in Europa ein. Wenn Deutschland jetzt einen der vordersten Plätze einnimmt, ist das ganz wesentlich der Einführung zahlreicher Techniken wie Ultraschall, CTG usw. zu verdanken.

Professor Saling in Berlin, der Nestor der deutschen und europäischen Geburtshilfe, führte 1961 die Amnioskopie ein. Damit gab es die Möglichkeit, das , Fruchtwasser noch vor der Geburt zu kontrollieren. Grünes Fruchtwasser zeigt an, dass dieses Kind bereits einmal einen Sauerstoffmangel (Asphyxie) erlitten hatte. Bei fehlenden Vernixflocken (Käseschmiere) besteht die Gefahr der Übertragung.
Ärzte und Hebammen aus aller Welt besuchten seine jährlichen Berliner Kongresse.

In den 70er Jahren wurde das CTG (Cardiotokographie – Herzton-Wehenschreiber) in die Geburtshilfe eingeführt und ermöglicht verlässliche Aussagen über den Zustand des Kindes vor und unter der Geburt. Die Interpretation der CTG´s erfordert spezielle Kenntnisse des behandelnden Arztes bzw. der beurteilenden Hebamme.

Zu dieser Zeit wurde auch die Ultraschalluntersuchung in die Diagnostik eingeführt. Namhafte Vertreter waren Prof. Ian Donald / England (seit 1958) und Prof. M. Hansmann in Bonn. Zu Beginn der 70er Jahren gelang es zunächst nur das Köpfchen des Kindes, später dann den Brustkorb des Kindes und andere Organe auf dem Bildschirm sichtbar zu machen. Die so gewonnenen Bilder sind allerdings mit den heutigen in keiner Weise zu vergleichen.
Die Ultraschalltechnologie entwickelte sich rasant. Während es früher 16 Stufen zur Darstellung unterschiedlicher Grauwerte gab, sind es heute 64 Stufen. In den 70er Jahren bestand der Schallkopf aus 8, heute aus 128 Kristallelementen, wodurch das Auflösevermögen ist um ein Vielfaches gestiegen ist..
Es entwickelte sich die Doppler-Sonographie, in den 80er Jahren die Farbsonographie, später kam die 3D-Sonographie, der zunächst mit großer Skepsis, später dann mit übergroßer Euphorie begegnet wurde. Die 4-D-Sonographie ist nicht anderes als ein bewegtes 3D-Bild.

Mitte der 70er Jahren wurden sog. invasive Eingriffe wie Amniozentese (Fruchtwasserpunktion), später Ende der 80er Jahre die Chorionzottenbiopsie und die Nabelschnurpunktion ganz wesentlicher Bestandteil der pränatalen Diagnostik.
Sie zielte im wesentlichen darauf ab Chromosomenanomalien wie die Trisomie 21 (Down-Syndrom), aber auch die Trisomie 13 und 18 zu erkennen.

In den vergangenen 40 Jahren hat sich damit die pränatale Diagnostik, d.h. das vorgeburtliche Erkennen von Krankheiten, so vielfältig verändert wie kaum ein anderer medizinischer Bereich und hat damit zugleich hohe Anforderungen an die Kenntnisse von Ärzten und an das Verständnis von Patienten gestellt.
Zudem unterlag die Pränataldiagnostik immer auch den vielschichtigen Strömungen unterschiedlicher Gesellschaftsschichten, wenn es um ethische Fragen ging. Dabei wurde auch von konfessioneller Seite heftig diskutiert, in wie weit es gerechtfertigt ist,
wie auch immer behinderte Kinder vorgeburtlich zu selektieren
 

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