Werden heutzutage zu viele Kaiserschnitte durchgeführt?

Dazu sehen Sie bitte auch unter "Pro und Kontra zum Kaiserschnitt" die ausführliche Stellungnahme von Prof. Carstensen zu diesem Thema (nächster Punkt).

In den 70er Jahren wurden selbst in Hochleistungs-Krankenhäusern nur in ca. 7 % Kaiserschnitte (Sectiones) durchgeführt. Nach Einschätzung der WHO (Welt-Gesundheits-Organisation) ist heute eine Rate von 15 % medizinisch gerechtfertigt.                                                                                                         Höhere Raten gingen nicht mit einem weiteren Rückgang der Komplikationsraten einher.                        Die höchsten Kaiserschnittraten finden sich in Mittel- und Südamerika, Italien und Portugal. Die niedrigste europäische Rate bieten die Niederlande mit 15 %. Afrika hat eine Rate von 5 %, die allerdings mit der schlechten medizinischen Versorgung in Verbindung gebracht werden muss.

Generell geht man davon aus, dass sich in den letzten 20 Jahren die Zahl der Kaiserschnitt-Geburten verdoppelt hat.                                                                                              

Zu diesem Thema haben im März 2012 die grünen Abgeordneten Birgit Bender und Katrin Göring-Eckardt u.a. eine "Kleine Anfrage" bei der Bundesregierung gestellt:

Darin heißt es u.a.: "Nach Angaben des statistischen Bundesamtes waren 28 % aller Entbindungen im Jahr 2005 Kaiserschnittentbindungen, im Jahr 2009 bereits 31,3 %. Dabei variierte die Zahl der Kaiserschnittentbindungen stark nach Bundesländern. Die höchste Kaiserschnittreten im Jahr 2009 hatte das Saarland mit 38,4 % , die niedrigste hatte Sachsen mit 22,6 %.

Die Kaiserschnittstudie der Gmünder Ersatzkasse (GEK) aus dem Jahr 2006 zeigt, dass Ärzte und Ärztinnen einen massgeblichen Einfluss auf die Entscheidung zum Kaiserschnitt nehmen und bei 60 Prozent aller Kaiserschnitte sie diesen Schritt empfohlen haben. Auf der anderen Seite empfehlen Hebammen Kaiserschnitte deutlich seltener (27 %). Die steigende Tendenz zu Kaiserschnitten ist lt. GEK mit der angeblich "geringeren Intensität der Hebammenbetreuung verbunden".

Die gestiegenen Kaiserschnittzahlen bewertet die Bundesregierung wie folgt:

"Von 2009 (31,4% aller Geburten) auf 2010 (31,9 % aller Geburten) gab es nur noch eine sehr geringe Steigerung (Quelle: Statistisches Bundesamt). Zu den Ursachen gehören vielfältige gesellschaftliche, medizinische, epidemiologische und psychosoziale Aspekte….    …Zu den Faktoren, die für oder gegen eine Sectio in Betracht kommen, gehören Merkmale wie Schmerzen, Eingriffsrisiko, Geburtserlebnis, künftige Schwangerschafts- und Geburtsrisiken, Kontinenzprobleme".                                                       Die Bundesregierung geht davon aus, dass grundsätzlich die Entscheidung zum Einsatz medizinischer Massnahmen verantwortungsvoll zwischen dem Arzt/ Ärztin, der Hebamme und der werdenden Mutter auf der Grundlage der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse getroffen wird und dabei die medizinische Notwendigkeit und Abwägung der gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kind vorrangig ausschlaggebend sind".

Lt. dpa aus aus dem Jahren 2013 hätten im Jahre 2012 31,7 % der Schwangeren einen Kaiserschnitt erhalten, womit möglicherweise der Trend zu immer mehr Kaiserschnitt gebrochen sei, im Vergleich zu 2011 seien es 0,4 % weniger. 

Zu den Unterschieden in den Bundesländern erklärt die Bundesregierung, dass in den neuen Bundesländern das geringere Durchschnittsalter der Schwangeren wegen der damit verbundenen geringeren Rate an Risiken und Komplikationen seltener einen Kaiserschnitt erforderlich macht. Zudem waren schon in den 80er Jahren im Westen die Sectio-Raten deutlich höher als in der DDR.

Die höhere Sectio-Rate im Vergleich zu den Niederlanden wird erklärt mit den unterschiedlichen Versorgungssystemen:

a) der überwiegenden Hebammenbetreuung,

b) der Tatsache, dass eine Entbindung im Krankenhaus ohne zwingende Indikation in den Niederlanden meist selbst bezahlt werden muss.

Die Sectio-Rate ist in den Niederlanden zwar geringer, geht aber vermulich mit einer höhreren Säuglingssterblichkeit einher. Die "im internationalen Vergleich schlechten "Outcome-Ergebnisse" in den Niederlanden führen derzeit zu einer Umstrukturierungvon der Hausgeburtshilfe zu einer klinikgebundenen Geburtshilfe".

 

 

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