Welches kindliche Risiko besteht bei Zwillings- und höhergradigen Mehrlings-Schwangerschaften?

 Statistisch gesehen bestehen folgende Risiken:

  • Schwangere mit Mehrlingen erleiden eine höhere Fehlgeburtsrate (bis zu 50 %), also warten Sie am besten bis zur 12. SSW (Schwangerschaftswoche) bevor Sie sich mit dem Gedanken an eine Zwillingsschwangerschaft anfreunden, häufig genug verabschiedet sich noch eines der Kinder.
  • Erhöhte Frühgeburtsrate – die Entbindung bei einer komplikationslosen zweieiigen (dichorialen) Zwillingsschwangerschaft findet meist um die 38. SSW  statt, die einer eineiigen (monochorialen – diamnioten, in 2 Fruchthöhlen gelegen) in der 36. SSW und die einer eieiigen (monochorial-monamnioten, in einer gemeinsamen Fruchthöhle gelegen) in der 34. SSW. 
  • Vorzeitiger Blasensprung (PROM – premature rupture of membranes) – ist der häufige Auslöser einer Frühgeburt. Vorzeitig heißt: weit vor dem voraussichtlcihen Geburtstermin.
  • Fetale Wachstumsretardierung (kindliche Wachstumsverzögerung). Zwillinge wachsen meist im ersten und zweiten Drittel der Schwangerschaft in gleichem Masse wie Einlinge, oft setzt aber ab der 30.-32. SSW ein verlangsamtes Wachstum ein. Häufig reicht die räumliche Enge nicht aus, um die Plazenten (Mutterkuchen) ausreichend groß werden zu lassen, zudem reicht dann die mütterliche Blutversorgung nicht aus, so dass es zu Wachstumsverzögerungen kommt, die sich zunächst an dem zunehmend eingeschränkten Größenwachstum des kindlichen Brustkorbes, später aber auch an Schädel und Röhrenknochen bemerkbar machen.
  • Kongenitale Anomalien (angeborene Fehlbildungen) – die Häufigkeit von Fehlbildungen ist bei Zwillingen erhöht; während sie bei Einlingen, geringe Fehlbildungen eingerechnet, ist die Häufigkeit bei Zwillingen 1,5-2% und liegt damit bei Zwillingen etwa 3-4 mal höher.
  • Feto-fetales Transfusionssyndrom (FFTS) – schwere Erkrankung von Zwillingen, die aber nur bei eineiigen Schwangerschaften auftreten kann (s. Fragen/Antworten weiter unten).
  • Erhöhte Mortalität – die mittlerweile erfreulich sehr niedrige perinatale Mortalität (Kindersterblichkeit um die Geburt herum) von 0,4 % in Deutschland ist leider für Zwillingskinder 3-4 mal höher. Bei höhergradigen Mehrlingen (mehr als 3 Kinder) liegt sie allerdings noch höher.

Eine sehr sorgfältige Schwangerschaftsbetreuung durch erfahrene Ärzte und Hebammen und ausführliche Ultraschalluntersuchung in der 12., 20. und von da ab alle 4 Wochen sollte bei einer Mehrlingsschwangerschaft selbstverständlich sein.

 

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