Welchen Vorteil bietet das Stillen für das Neugeborene?

In der Muttermilch finden sich wichtige Abwehrstoffe, die dem Baby Schutz vor Infektionen bieten.

So haben gestillte Kinder seltener Mittelohrentzündungen, Durchfallerkrankungen oder Atemwegs- oder Harnwegsinfektionen.
Letzteres soll im wesentlichen an den sog. Milch-Oligosacchariden liegen, das sind Kohlehydrate die aus Einfachzuckern zusammengesetzt sind. Mittlerweile hat man hunderte davon in der Muttermilch isoliert, weitaus mehr als in jeder Tiermilch. Zusätzlich sollen gestillte Kinder besser Milch verdauen können, da ein bestimmtes, für die Verdauung wichtiges Bifido-Bakterium durch die Zuckermoleküle der Muttermilch besser gedeiht. (Applied and Environmental Microbiology, Vol 76: 7373). Diese Zuckermoleküle schützen damit auch vor einer Darmentzündung des Kindes.

Stillen senkt das Risiko für den plötzlichen Kindstod, insbesondere beim ausschließlichem Stillen (Vennemann MM et al.: Pediatrics 2009,123:406). Muttermilch soll die geistige Reifung der Kinder fördern, jedenfalls sollen sie in der Entwicklung Flaschenkindern voraus sein (J. Pediatrics 2012,160: 25).

Stillen scheint zudem ein Schutz vor einer Allergiebildung zu sein. So führte ein Stillen über mehr als 6 Monate zu einem deutlichen Rückgang der Atopien (Überempfindlichkeit z.B. gegenüber Pollen u.a.) (Saarinen UM et al Lancet 1995, 346:1065). Stillen kann also schützen vor Neurodermitis, Asthma bronchiale und Heuschnupfen.

In Deutschland stillen ca. 80 % der Mütter direkt nach der Geburt, angeleitet von Hebammen, Kinderkrankenschwestern und Still-Baraterinnen, besonders in stillfreundlichen Krankenhäusern.
Die Rate der stillenden Frauen nimmt zwar in den folgenden Wochen ab, aber die Kinder haben schon einmal einen Teil, der 
Antikörper mitbekommen, die sie vor Infektionen schützen. In den Westeuropäischen Ländern gilt "Breast is best", die "Brust ist am besten".

In Entwicklungsländern wird bei Stillschwierigkeiten schnell zu industriell gefertigten Säuglingsnahrung gegriffen und die Milchbildung dieser Mütter versiegt. Damit können auch keine Antikörper übertragen werden. Die Folge ist, dass ungestillte Babys ein 10-15- fach höheres Risiko haben, an Infektionen wie Durchfall und Lungenentzündung zu sterben. Das zu verbessern, ist eine große Aufgabe für die WHO (Welt-Gesundheits-organisation) bzw. die UNICEF.
 

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