Welche Ursachen haben immer wiederkehrende Bauchschmerzen?

Bauchschmerzen sind ein häufiger Grund, weswegen Kinder in der Arztpraxis vorgestellt werden. Die Ursache kann organisch oder aber seelisch bedingt sein. Die seelischen Ursachen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen, da die Kinder zunehmend in einem Spannungsfeld der Umgebung aufwachsen. In der Beurteilung müssen zuerst die organischen Ursachen ausgeschlossen werden (Darmentzündung, Nieren-Blasenentzündung, Lungenentzündung, Diabetes, Verstopfung, Durchfallerkrankungen, Nahrungsmittelallergie, Enzymmangel). Wenn alle diese Erkrankungen durch breite Diagnostik ausgeschlossen wurden, muss an seelische Ursachen gedacht werden. Kinder im jungen Alter sind sehr sensibel und reagieren bei seelischen Problemen meist zuerst mit Bauchschmerzen. Man sagt, die Seele eines Kindes steckt im Bauch.
Bei Verdacht auf seelische (bzw. psychosomatische) Ursache müssen Gespräche mit den Eltern bzw. den Erziehungspersonen des Kindes geführt werden. Manchmal müssen auch Erzieherinnen des Kindergartens oder Lehrer der Schule mit einbezogen werden. Welche Ursachen haben die seelischen Konflikte? Elternhaus? Freundeskreis? Kindergarten? Schule? Gewalt in der Familie oder in der Schule? In den Gesprächen kann in der Regel recht sicher die Ursache für die immer wiederkehrenden Bauchschmerzen herausgefunden werden. Meist sind es Probleme im Elternhaus. Es handelt sich dann um Konflikte der Ehepartner, die sich dann irgendwann trennen und die eine für das Kind belastenden Besuchsregelung eingehen. Bereits vor einer Trennung erfahren die Kinder auch bei größter Vorsicht der Eltern die Differenzen zwischen ihren Eltern. Der Auszug eines der Elternteile bedeutet für die Kinder einen tiefen Einschnitt in ihrem Leben. Neben dem Verlust des einen Elternteils kommt die Angst hinzu, auch den zweiten Elternteil durch Krankheit, Unfall und Tod zu verlieren. Bei jeder Erkrankung werden diese Ängste neu stimuliert. Bei der Besuchsregelung nach der Trennung (meist alle 14 Tage beim anderen Elternteil) werden die Kinder mit einer fremden Umgebung konfrontiert, dazu mit fremden neuen Bezugspersonen. Es muss sehr viel Einfühlungsvermögen und Nachsicht aufgebracht werden, um diese Situation für das Kind abzumildern. Oft waren es jedoch auch unterschiedliche Erziehungsvorstellungen, die in dem Ehezwist mitgespielt haben. Nun bestehen erst recht keine Absprachen zwischen den Eltern und das Kind befindet sich in einem zusätzlichen Spannungsfeld. Was ein Elternteil erlaubt, wird beim anderen aus erzieherischen Gründen nicht toleriert. Beide Teile werden gegeneinander ausgespielt. Nach Erfahrungen aus der Praxis sind es höchstens 10% der sich trennenden Eltern, die sich in allen Belangen des Kindes weiterhin absprechen und auch noch gemeinsame Unternehmungen planen.
Neben dem Leistungsdruck in der Schule können Konflikte mit anderen Kinder (Gewalt in Schulen) oder auch mit Freunden sein. Sollten keine Ursachen gefunden werden, muss unbedingt an Gewalt gegen Kinder gedacht werden, hier besteht eine sehr hohe Dunkelziffer. Die Therapie der seelischen Störung besteht in positive Veränderung der Umgebung, in Konfliktgesprächen mit allen Beteiligten sowie bei Bedarf eine psychotherapeutische Betreuung.

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