Welche Gefahren entstehen durch Zeckenbisse?

Die warmen Jahreszeiten sind beliebt für Familien zum Aufenthalt im Freien. Besonders Kinder halten sich dabei gerne auf Wiesen sowie in der Nähe von Büschen und Sträuchern auf. Doch hier halten sich gerne auch Zecken auf, die im Volksmund "Holzbock" genannt werden. Die Zecken tragen verschiedene Krankheitserreger in ihrem Körper, die durch den Biss übertragen werden und schwere Erkrankungen auslösen können. Von März bis Oktober sitzen die kleinen Sauger auf den Spitzen der Gräser sowie an Wald- und Buschlichtungen. Hier halten sich die Tiere auf, deren Blut sie bevorzugen: Rehe, Hasen, Wildschweine, Mäuse. Aber sie beißen auch gerne Menschen, nachdem sie durch deren Körpertemperatur, das ausgeatmete Kohlendioxyd sowie durch Erschütterung angelockt wurden. Sie beginnen dann, auf die Reizquelle loszukrabbeln oder sich abstreifen zu lassen. Die heimischen Zecken beherbergen in ihrem Körper drei verschiedene Krankheitserreger, die beim Saugakt über den Speichel in das Blut des "Opfers" gelangen können. Der Speichel enthält ein Anästhetikum, so daß der Biß nicht bemerkt wird.

Der gefährlichste Erreger ist ein Virus und löst die FSME (FrühSommer-Meningo-Encephalitis) aus, eine Infektion des Nervensystems mit hohem Fieber, Erbrechen, Bewusstseinseintrübung und Krampfanfällen. Bis zu 5 % der Zecken beherbergen dieses Virus, doch nur 10-30 % der Infizierten erkranken. Eine spezifische Therapie gibt es nicht, nur eine dreimalige prophylaktische Impfung gibt ausreichend Schutz. Allerdings kommt das FSME-Virus nur südlich des Mains (Baden-Württemberg, Bayern, Österreich, Schweiz, südliches Polen, Ungarn) sowie in Skandinavien gehäuft vor, so daß sich der nördliche Teil der Bevölkerung nur bei Reisen oder längeren Aufenthalten in diese Gebiete impfen lassen sollte.

Eine deutlich häufigere Erkrankung ist die Borreliose, die auf der gesamten Welt verbreitet ist. Bei uns sind bis zu 30 % der Zecken mit dem Erreger (Borrelia burgdorferi) infiziert, doch auch hier kommt es nicht in jedem Fall zu einer Erkrankung. Man schätzt für Deutschland jährlich ca. 40.000 Erkrankungsfälle. In Europa gibt es bisher noch keine Impfung. Da es sich bei dem Erreger um Bakterien handelt, können diese mit Antibiotika behandelt werden. Nach einem Zeckenbiss ist eine prophylaktische Behandlung nicht sinnvoll. Vielmehr sollte die Bißstelle in den nächsten Tagen genau beobachtet werden. In über 80 % der Infektionen tritt 3-30 Tage nach dem Biß um die Bißstelle herum eine kreisrunde, geschwollene und juckende Rötung, die sich ausbreitet (Erythema migrans). Jetzt sollte sofort eine Antibiotika-Therapie über 14 Tage begonnen werden. Unbehandelt führt die Borreliose zu mehrtägigem Fieber mit chronischer Erkrankung des Nervensystems und der Gelenke.

Eine dritte Erkrankung ist die Escherichiose, die durch Ehrlichien im Speichel der Zecken ausgelöst wird. Ca 4 % der Zecken sind infiziert, nur 30 % der Infizierten zeigen Krankheitssymptome: Grippeähnliche Beschwerden, hohes Fieber, Zerstörung der Blutzellen, Funktionsstörung von Leber und Nieren. Besonders häufig und schwer erkranken Kinder und ältere Menschen infolge ihrer verminderten Immunabwehr. Die exakte Diagnose kann nur durch Blutdiagnostik gestellt werden, eine Antibiotika-Therapie bei positivem Befund ist notwendig. Eine Impfung ist nicht möglich.

Kinder sollten nach einem Aufenthalt im Freien immer nach Zecken abgesucht werden.
Gerne saugen die Zecken an dünnen und feuchten Hautstellen (Axel, Leistenbeuge). Die Zecke sollte mit einer spitzen Pinzette oder Zeckenzange dicht unterhalb des Kopfes angepackt werden und mit leichtem Zug und Drehen aus der Haut gezogen werden. Eine gute Prophylaxe sind Einreibung mit abschreckenden Mitteln (Repellents), Kleidung mit langen Ärmeln, lange Hose sowie eine Kopfbedeckung.

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