Welche Gefahren bestehen durch Piercing und Tattoos?

Das Tragen von Körperschmuck in Form von Piercing und Tattoos ist bei Jugendlichen seit vielen Jahren zunehmend beliebt, ein Rückgang dieses Modetrends ist nicht abzusehen. Es wird geschätzt, dass in Deutschland ca. 2-3 Millionen Menschen an anderer Stelle als am Ohrläppchen gepierct sind, in den USA sollen ca.10-20 % der Teenager und jüngeren Erwachsenen ein Tattoo tragen: durchgestochene Nasenflügel, Lippen, Genitalien, Zunge oder Ohren bzw. skurrile Tätowierung, die sich einzeln oder gehäuft auf fast allen Teilen der Hautoberfläche befinden. Im Zeitalter der Massengesellschaft versuchen viele Menschen, auf diese Weise ihre eigene Individualität offen zur Schau zu tragen. Im Alter von 14 bis 24 Jahren sind es 41 % Frauen und 27 % Männer. Die größte Gruppe betrifft das Piercing des äußeren Ohres. Probleme gibt es nicht selten bei der Einstellung in einen Beruf. Viele Firmen verlangen, dass die sichtbaren Tattoos und Piercings entfernt werden. Die Entfernung von Tattoos ist zwar möglich, doch sind mehrere Sitzungen mit Lasertechnik notwendig und es bleiben in der Regel Hautnarben zurück. Die Behandlung ist teuer und wird von den Krankenkassen nicht bezahlt.

Ein besonderes Problem bereiten die Komplikationen von Piercing und Tattoos, die zum Teil lebensbedrohliche Formen annehmen können. Bereits beim Anbringen oder Auftragen besteht die Gefahr der Übertragung von Hepatitis B, Hepatitis C und HIV, wenn die Instrumente nicht steril und hygienisch vorbereitet sind oder die Haut unzureichend desinfiziert wurde. Bei Piercing werden in der Fachliteratur die Komplikationen mit 17-70 % angegeben. Unverträglichkeit auf Metalle (z.B. Nickel, Gold ) kann eine lokale Allergiereaktion auslösen. Bei Piercing des äußeren Ohres mit Durchstechen von Haut und Knorpel zur Anlage eines meist metallischen Schmuckelementes kann es zur Entzündung des äußeren Ohres kommen. Eine Infektion mit Staphylokokken und Streptokokken kann durch Ausbreitung über die Lymphbahnen eine Knochenentzündung, Gelenkentzündung, Hirnentzündung ( Meningitis), Herzentzündung sowie schwerwiegende lokale kosmetische Entstellungen mit Gewebsnekrosen hervorrufen.
Auch bei Tätowierungen oder Bemalung mit Henna sind Komplikationen nicht selten. Beim Tätowieren werden die Farbpigmente bis zu 3 mm tief in die Haut eingestochen und bleiben dauerhaft dort liegen. Sehr bunte und leuchtende Farben können Teerfarbstoffe enthalten, die Hautkrebs auslösen können. Auch Farben mit Chlor, Brom oder Schwermetallen sind gesundheitsschädlich. Henna-Tattoos (sog. Temptoos) können durch das häufig der Henna-Paste beigemengte Paraphenyldiamin hochgradige Allergien auslösen.

Wegen der möglichen Gefahren sollten Menschen mit Allergien, Hauterkrankungen, Wundheilungs- oder Gerinnungsstörung, Herzfehler, mit Hepatitis B oder HIV sowie bei fehlender Milz vom Piercen und Tätowieren ausgeschlossen werden. Bei Einhaltung dieser Kontraindikationen und Erfüllung aller Vorschriften der Hygiene ist die Gefahr von Komplikationen relativ gering. Minderjährige benötigen die Erlaubnis der Erziehungsberechtigten. Piercen und Tätowieren ist juristisch gesehen Körperverletzung, daher muss vorher ein schriftliches Einverständnis gegeben werden. Es ist jedoch nicht geklärt, wer Piercen darf. Diese Personen unterliegen in der Regel keiner Kontrolle durch die Gesundheitsämter. Es genügt lediglich ein Gewerbeschein und der Nachweis "geeigneter" Räumlichkeiten, um ein Piercing- und Tattoostudio eröffnen zu können. Die Betreibenden verfügen meist über keinerlei Qualifikation oder Handwerksabschluss und sind in keiner Berufsgenossenschaft organisiert. Die Tätowierfarben unterliegen keiner gesetzlichen Regelung bezüglich Reinheit, Qualität und Prüfung der Unbedenklichkeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.