Welche Formen der Verhütung sind im Wochenbett möglich?

Prinzipiell sind alle Varianten der Verhütung möglich. Beim Stillen sollten zumindest keine östrogenhaltigen Verhütungsmittel, also Kombinationspillen, verwendet werden.
Man unterscheidet folgende Verfahren:

1. natürliche Verhütung im Wochenbett
damit ist im wesentlichen die Temperaturmethode (Messung der Basaltemperatur) gemeint sowie die Beobachtung von Zervixschleim und Muttermund.
Diese Methoden sind aber erst nach der ersten Regelblutung sinnvoll einsetzbar, denn erst danach kann sich ein regulärer Zyklus ausbilden.
Das gleiche gilt natürlich auch für den Zykluscomputer.

Die natürlichste Verhütung ist, wie schon mehrfach beschrieben, das Stillen, wenn es regelmäßig (tagsüber alle 4 Stunden, nachts mindestens alle 6 Stunden) durchgeführt wird.

2. Barrieremethoden zur Verhütung im Wochenbett

a) Kondom: Das bekannteste Barrieremittel ist das Kondom.
Auch wenn es nicht zu den sichersten Verhütungsmitteln gehört, im Wochenbett mit seiner eingeschränkten Befruchtungsfähigkeit leistet es gute Dienste.
Bei sehr sorgfältiger Anwendung liegt der Pearl-Index bei unter 1, bei der normalen Anwendung ergeben sich aber viele Unsicherheitsfaktoren, die in erster Linie auf die fehlerhafte Anwendung, die falsche Kondomgröße oder die falsche Lagerung der Kondome (z.B. Hitze) zurückzuführen sind.

b) Diaphragma: Wenn Sie bereits früher mit einem Diaphragma verhütet haben, sind Sie in der Handhabung geübt. Das Diaphragma muss aber u.U. neu angepasst werden. Durch die enorme Überdehnung des Vaginalbereiches unter der Geburt können sich nach der Geburt die Größenverhältnisse verändert haben.
Zudem bildet sich auch der Beckenboden erst langsam wieder zurück. Die alte „Sicherheit“ (Pearl-Index 5-20 !) dürfte also erst nach 6-8 Wochen wieder erreicht werden.
Zur Erinnerung: der Pearl-Index gibt an, wie viele von 100 Frauen, die ein Jahr lang mit einer bestimmten Methode verhüten, schwanger werden.

c) Femidom: Das Femidom ist ein Kondom für die Frau, das bereits bis zu 10 Stunden vor dem Verkehr eingesetzt werden kann. Es besteht meist nicht aus Latex und kann daher auch bei einer Latexallergie eingesetzt werden.
Auch Femidom hat einen Pearl-Index von 5-25, je nach Untersucher. Aber es kann in Verbindung mit einem Sperma-abtötenden Gel im Wochenbett eingesetzt werden.

d) Portiokappe: Da auch der Muttermund nach der Geburt starken Veränderungen unterworfen ist, sollte eine Portiokappe erst 6-8 Wochen nach der Geburt Anwendung finden. Aber auch in der Stillzeit muss eine Portiokappe immer wieder auf ihren Sitz kontrolliert werden.

3. Hormonelle Methoden im Wochenbett

Hier muss sehr deutlich unterschieden werden, ob es sich um stillende oder nicht-stillende Wöchnerinnen handelt.

Solange eine Frau stillt, sollte sie keine kombinierte Hormontherapie zur Verhütung verwenden. Lt. WHO stellt diese Methode ein unangemessen hohes Risiko dar, weil hier sowohl die Milchmenge als auch die Milchqualität beeinflusst wird und eine Beeinträchtigung des Kindes nicht ausgeschlossen werden kann (s.unten auch „Thrombosegefahr“).

Auch bei Gestagenen (z.B. Minipille) sieht die WHO ein größeres Risiko als einen Nutzen. Schon nach 6 Wochen wird jedoch keine Einschränkung der Methode mehr ausgesprochen.
Nach 6 Monaten können auch Kombinationspillen verwendet werden, da ab diesem Zeitpunkt nicht mehr voll gestillt wird.

Zu den Gestagenen zählt natürlich auch die Dreimonatsspritze. Bei ihr wurde in der Muttermilch aber eine deutlich höhere Hormonmenge gefunden, als bei Gestagenpillen oder Implantaten. Zudem ist sie, im Gegensatz zur Minipille und dem
gestagenhaltigen IUD (Intrauterinspirale) mit einem höheren Thromboserisiko verbunden; Frauen mit hohem Thromboserisiko sollte deshalb auf die Spritze verzichten.

Negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Kinder konnten aber bei allen
hormonellen Anwendungen ausgeschlossen werden.

Generell aber sollte eine hormonelle Verhütung erst nach 3-4 Woche starten, und auch nur dann, wenn keine Thrombosegefahr besteht.
Risikofaktoren
sind erhöhtes mütterliches Alter, Rauchen, Bluthochdruck, Thrombosen in der Anamnese (der eigenen Krankheitsvorgeschichte) und bei Übergewicht. Die kombinierte Hormontherapie sollte auch vermieden werden, wenn ein Kaiserschnitt durchgeführt wurde, oder die Patientin aus einem anderen Grund bewegungseingeschränkt ist.

4. Operative Verhütungs – Methoden im Wochenbett

Dazu zählen im wesentlichen die verschiedenen Sterilisationsverfahren (s.dort).
 

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