Welche apparativen oder medikamentösen Mittel helfen gegen den Geburtsschmerz (Peridural-Anästhesie)?

1. Was ist TENS?
Tens bedeutet transkutane elektrische Nervenstimulation.
Über einen kleinen Apparat werden elektrische Impulse erzeugt, die über Elektroden über die Haut (transkutan) auf das Nervensystem einwirken, und die körpereigenen schmerzhemmenden Systeme aktivieren.
Je 2 Elektroden werden links und rechts der Wirbelsäule in Höhe des unteren Brustkorbes und in Höhe der Beckenschaufel angebracht und geben von dort leichte elektrische Reize ab.
Sie sollen die Weiterleitung der Schmerzsignale insbesondere vom Muttermund unterbrechen. Unter der Geburt kann man selbst die Stärke der Impulse steigern oder verringern.
Sie sollten aber ein solches System zuvor an einem Leihgerät ausprobieren, damit Sie sich mit dem System vertraut machen.


2. Formen der Anästhesie im Kreißsaal

Eine medikamentöse Schmerzlinderung, zu der in diesem Fall auch die Narkosegase zählen, wurde erstmals 1847 durchgeführt. Die Mittel waren Äther und Chloroform.
Seitdem wurde die Geburtsanästhesie konsequent weiter entwickelt.
In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde das Lachgas favorisiert, häufig in einer Atemmaske, die von der Schwangeren selber aufgesetzt werden konnte.
Eine Überdosierung wurde dadurch vermieden, dass ihr die Maske bei einer tieferen Narkose aus den Händen glitt.
Durch andere Verfahren verschwand die Lachgasmaske aus den Kreißsälen, erlebt aber gerade eine Wiedergeburt.
Das Lachgas ist ein farbloses Gas, mit beruhigenden, Angst-lösenden und schmerzlindernden Eigenschaften.
Seine euphorisierende Wirkung macht sie mittlerweile zur nicht ganz ungefährlichen Freizeitdroge.
Nach dem Einatmen wird das Lachgas schnell im Körper aufgenommen und zu 99 % wieder über die Lunge entfernt.

3. Weit verbreitet ist die Anwendung von Medikamenten, die
krampflösend und damit auch schmerzlindernd
wirken, wie Spasmolytika z.B. Buscopan®, als Zäpfchen oder als Spritze in den Gesäßmuskel gegeben. Auch damit wird die Spirale: Angst-Verspannung-Schmerz unterbrochen.
Die Wirkung tritt relativ rasch ein und dauert ca. 3 Stunden an.
Eine vollständige Schmerzausschaltung ist damit aber nicht gegeben.

4. Am gebräuchlichsten ist mittlerweile die Peridural-Anästhesie.
Wenn der Muttermund schon ein wenig erweitert ist, die Geburt also schon im Gange ist, wird zunächst entweder in Seitlagerung oder im Sitzen eine örtliche Betäubung in Höhe der unteren Lendenwirbelsäule angelegt. Nach kurzer Zeit wird dann der Wirbelkanal (Periduralraum) punktiert (sog. Kreuzstich) und ein dünner Katheter eingelegt, über den dann örtlich betäubende Medikamente gegeben werden können.
(Der Periduralraum liegt in dem schmalen Bereich zwischen beiden Blättern der harten Wirbelkanalhaut).
Im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule gibt es kein Rückenmark mehr, so dass es auch nicht verletzt werden kann.

Die Kanüle wird dann entfernt und der Katheter am Rücken festgeklebt; damit stört er den weiteren Geburtsverlauf nicht. Dadurch besteht aber die Möglichkeit zum Nachspritzen, falls die betäubende Wirkung nachlässt. Ggf. kann die Schwangere über eine Pumpe das Nachspritzen selbst steuern.
So kann der größte Teil der Eröffnungsphase schmerzfrei erlebt werden und Sie sparen sich Ihre Kräfte für den Pressvorgang auf. Sie spüren Ihre Beine noch, auch wenn Sie sich etwas taub und wie eingeschlafen anfühlen.

Im Falle eines Kaiserschnittes wird ein höher konzentriertes Mittel gegeben, so dass keine weitere Narkose erforderlich wird.
So sind auch die Risiken einer Allgemeinnarkose vermindert, das Kind wird nicht beeinträchtigt und die Geburt kann bei vollem Bewusstsein erlebt werden.
Komplikationen wie punktionsbedingte Kopfschmerzen und Nervenschäden sind sehr selten geworden.
Sie müssen von Anästhesisten (Narkosearzt) über die Vorgehensweise und mögliche Komplikationen aufgeklärt werden.
Nachteilig ist, dass Sie meist in liegender Position entbinden müssen, da eine senkrechte Haltung aufgrund der fehlenden Kraft in den Beinen kaum möglich ist.
Auch die Wehentätigkeit kann etwas nachlassen, so dass mit einer Oxytocin-Infusion (Wehen-auslösendes Hormon) ein wenig nachgeholfen werden muss.
Sie müssen dafür etwas kräftiger mitpressen, da der unbedingte Pressreflex nicht ausgelöst wird. Dadurch fehlt Pressdrang und es verlängert sich die Austreibungsphase. Aus diesem Grund muss auch häufiger eine Saugglocke oder Zange eingesetzt werden, um Ihrem Baby den Weg ans Tageslicht zu erleichtern.

 

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