Was tun bei einer schwerwiegenden Anomalie eines der Zwillinge?

Zunächst muss einmal sehr genau die Fehlbildung analysiert werden, am besten von einem Gynäkologen mit der DEGUM-Stufe II oder III oder in einem Pränatalzentrum. Handelt es sich um gravierende Anomalien, die das Leben des gesunden Zwillings oder die Gesundheit der Mutter beeinträchtigen könnten?

Erst, wenn das bestätigt wird,  sind Überlegungen gerechtfertigt, die in einem Fetozid (medizinisch hervorgerufener Fruchttod) enden könnten. Hier gibt es keine allgemein gültigen Regeln, jeder Mensch reagiert auf eine derartige Ausnahmesituation unterschiedlich, und jede Situation ist anders. 

Ich erinnere mich noch an eine Patientin mit Zwillingen, von denen in der 12. SSW beim Ultraschall festgestellt wurde, dass einer der beiden einen sog. Anencephalus hatte (Kinder mit einem sog. offenen Hirn-Schädel sind nicht lebensfähig). Es gab zwei Möglichkeiten: das Austragen beider Kinder mit der Gefahr von Schwangerschaftskomplikationen (erhöhte Rate Präeklampsien – Gestose oder Schwangerschaftsvergiftung mit Bluthochdruck u.a., Blutarmut und verstärkte nachgeburtlichen Blutungen), oder die Durchführung eines Fetozids in der spätestens 14. SSW.

Wir haben eingehend über Wochen das Für und Wider besprochen. Die Patientin, eine starke Person, hatte sich letztlich zum Austragen beider Kinder entschlossen. Die behandelnde Klinik war informiert, Hebammen und Schwestern haben sich sehr um das Kind bemüht, das letztlich nach 3 Tagen in den Armen der Mutter einschlief. Obwohl das für sie extrem schmerzhaft war, führte das doch zu einer großen Genugtuung der Mutter. Aber, die Hälfte einer Schwangerschaft mit der Gewißheit eines totkranken Zwillings durchzustehen und bestehende Gefahren auszublenden, wird man sicherlich nicht allen Müttern empfehlen können.

 

 

 

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