Was passiert im Krankenhaus zur Vermeidung der Frühgeburt?

An erster Stelle stehen Bettruhe, CTG-Überwachung der Wehentätigkeit, Messung des Muttermundes und die Gabe von Wehenhemmern.

  1. Bei einer drohenden Frühgeburt ist Bettruhe angesagt, bei größerer kindlicher Unreife, also vor der 34. Schwangerschaftswoche, sollte eine stationäre Behandlung erwogen werden, u.a. um ggf. eine vorzeitige Lungenreifung (RDS-Prophylaxe = respiratory deficiency syndrom- Atemnotsyndrom) medikamentös auszulösen; meist wird hierzu Betamethason (Celestan®) 2 x 12 mg im Abstand von 24 Stunden im. (intramuskulär) gegeben.
  2. Es werden regelmäßig CTGs (Cardiotokogramm- bzw. Herzschlag-Wehen- Aufzeichnungen) durchgeführt. Dabei wird ein Wehenschreiber und ein Übertragungsgerät für die Herzschläge mittels eines Bauchgurtes befestigt, und so die Häufigkeit und Regelmäßigkeit der Wehen festgestellt. Bitten Sie die Hebamme die Lautstärke der kindlichen "Herztöne" so weit wie möglich zu drosseln, sonst macht es Sie zusätzlich unruhig. Man hört mittels dieses Gerätes nicht die Herztöne des ungeboren Kindes (das gelingt eigentlich nur mit einem Holzhörrohr) sondern die in akustische Signale umgesetzten Bewegungen des pulsierenden Herzens.
  3. Ein verkürzter Gebärmutterhals (normale Länge ca. 4-5 cm) kann mittels vaginaler Untersuchung, heute aber meist mittels des vaginalem Ultraschalls, festgestellt werden. Aber nicht nur diese Länge ist entscheidend, sondern auch die Form des inneren Muttermundes am unteren Eipol, der tiefsten Stelle der Fruchthöhle. Es ist problematischer, wenn sich eine deutliche Eindellung Richtung Scheide findet (sog. innerer Trichter- "Funneling"). Kommen beide Kriterien zusammen, ist das Risiko deutlich erhöht und erfordert ggf. körperliche Schonung und den Einsatz eines Wehenhemmers.
  4. Im Falle regelmäßiger Wehen und bei verkürztem Gebärmutterhals wird versucht, mittels einer Infusion eines Wehenhemmers, meist Fenoterol (Partusisten®) die Wehen zu stoppen (meist nur für 1-2 Tage). Immer häufiger wird allerdings wegen der geringeren Kreislaufreaktionen das Atosiban (Tractocile®) eingesetzt. Diese sog. Tokolyse wird therapeutisch frühestens ab der 24. Schwangerschaftswoche bis längstens zur 34. Schwangerschaftswoche durchgeführt.

    Bei der Partusistenanwendung kann es anfänglich zu Begleiterscheinungen wie Herzrasen und Kurzatmigkeit kommen, was sich meist im Verlaufe der Behandlung deutlich bessert oder mit anderen Medikamenten abgemildert werden kann. Denken Sie aber bei allen Beschwerden daran, jeder Tag, den Ihr Kind insbesondere unterhalb der 30. Schwangerschaftswoche, noch in der Gebärmutter verbleibt, ist ein gewonnener Tag für eine bessere Ausreifung vor allem von Lunge und Gehirn. Damit verbessern sich die Chancen für ein gesundes, überlebensfähiges Kind.

  5. Früher hat man versucht, mit Aspirin die Wehen zu stoppen. Aspirin ist der direkte Gegenspieler des die Wehen auslösenden Prostaglandins. Diese Behandlung war aber nicht sehr effektiv, weshalb sie heute wieder verlassen wurde.
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