Mütterliche Gerinnungsstörungen als Ursache für Fehlgeburten

Etwa 20 % alle Menschen haben eine Thrombophilie, d.h. eine erblich bedingte Thromboseneigung.

Die häufigste Form ist die aPC-Resistenz, die in 95 % auf die Faktor-V-Leiden-Mutation zurückzuführen ist.
Die Gerinnung ist gekennzeichnet durch eine Reihe ineinander greifender Faktoren, was als Gerinnungskaskade bezeichnet wird. Der Faktor „Protein C“ soll eine zu starke Gerinnungsfähigkeit verhindern. Durch eine Mutation (genetische Veränderung) an der Andockstelle für das aktivierte Protein C (aPC) kann der Gerinnungsfaktor V nur schlecht abgebaut werden, es kommt zur erhöhten Thrombosebereitschaft.

Die Lungenembolie stellt nach der Haemorrhagie (Blutungsbereitschaft) immer noch die zweithäufigste Todesursache der Schwangeren oder der Frau im Wochenbett dar.

Bei Nachweis von sog. Antiphospholipid-Antikörper (APA) in Verbindung mit Thromboembolien, Wachstumsverzögerungen, Präeklampsie und dem Hellp-syndrom spricht man von einem Antiphospholipid-Syndrom.

Das Hellp-Syndrom ist bei Schwangeren eine lebensgefährliche Variante der Präeklampsie („Schwangerschaftsvergiftung“) mit H-ämolyse (Auflösung roter Blutkörperchen), erhöhten Leberwerten (elevated liver enzymes) und erniedrigten Thrombozytenzahlen (low platelets) sowie charakteristischen Schmerzen im Leberbereich und bedarf einer intensivmedizinischen Betreuung. Auch kurz nach der Geburt besteht noch eine massive Nachblutungsgefahr.

Ist eine Thrombose aus der Anamnese (Krankheitsvorgeschichte) bekannt, ist mit einem deutlich erhöhten Wiederholungsrisiko zu rechnen und die Schwangere sollte vom ersten Tag an eine Heparin-Prophylaxe erhalten. (Heparin ist ein Mittel, um die Thrombosebereitschaft zu verringern.
Ohne entsprechende Krankheitsvorgeschichte braucht auch eine Patientin mit nachgewiesener Thrombophilie keine entsprechende Prophylaxe (Vorbeugung)!

Aber, die Vorgeschichte muss diesbezüglich auch gründlich erfragt werden;
Denn nicht nur Thrombosen in der Anamnese, sondern auch Erkrankungen, die in einer vorigen Schwangerschaft aufgetreten sind, bedürfen einer Prophylaxe (Vorbeugung).
Dazu zählen folgende Erkrankungen in der Schwangerschaft:

Später intrauteriner Fruchttod, die vorzeitige Plazentaablösung, die fetale Wachstumsretardierung (Verzögerung – beim Kind auch als small-for-date-Baby bezeichnet; das Kind ist zu klein für den errechneten Zeitpunkt.), aber auch Fehlgeburten und eine Präeklampsie (sog. Schwangerschaftsvergiftung).
Dabei ist zu beachten, dass in den Gerinnungsambulanzen das Augenmerk fast ausschließlich auf die Thrombose ausgerichtet ist, nicht aber auf die oben genannten Blutgefäß-bedingten Schwangerschaftskomplikationen. Aus diesem Grunde unterbleibt häufig die segensreichen Methode zur „Blutverdünnung“ , die Heparinisierung.
(Nach: U.Peters, Praenatalinfo 12/2006, Pränatalzentrum Hamburg)
 

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