Mein Kind schläft schlecht

In allen Altersgruppen bestehen bei den Menschen starke Unterschiede im Bedürfnis nach Schlaf. Säuglinge nach der Geburt schlafen durchschnittlich 16 Stunden pro Tag, bei den Sechsjährigen sind es etwa 12 Stunden, bei Vierzehnjährigen etwa 10 Stunden. Beim Schlaf wechseln sich verschiedene Schlafstadien einander ab. So unterscheidet man den ruhigen Schlaf, den aktiven Traumschlaf sowie Wachzustände, die zwischen den einzelnen Schlafphasen auftreten können. Beim Säugling ist der Wechsel zwischen Schlaf- und Wachphase noch recht ungeordnet. Mit zunehmendem Alter entwickelt sich ein geordnetes Muster. Mit 12 -14 Wochen schlafen Säuglinge nachts deutlich mehr als am Tage, oft schlafen sie schon durch. Jeder Mensch hat bereits bei Geburt eine "innere Uhr", die den Schlaf-Wach-Rhythmus bestimmt. Die Steuerung geschieht durch zwei in verschiedenen Hirnregionen angesiedelte Bezirke, die in den ersten Lebenswochen erst ihr Zusammenspiel erlernen müssen. Im Alter von sechs Monaten entwickelt der Säugling einen "Vier-Stunden-Rhythmus", der lebenslang die Schlaf-Wachphasen bestimmt. Dabei ist der Wechsel zwischen Schlaf- und Wachphase nicht von der Nahrungsaufnahme abhängig. Ob das Kind nach einer nächtlichen Nahrungsaufnahme wieder einschläft, bestimmt seine "innere Uhr".

Junge Säuglinge schreien nicht selten zwischen den Schlafphasen nach dem Erwachen aus dem Schlaf. Manchmal sind Hunger, volle Windel, Erbrechen oder Überwärmungsgefühl der Grund für das Schreien. Oft aber findet sich keine erklärbare Ursache. Zur Beruhigung der Eltern muß gesagt werden, daß ein gesunder, gut versorgter sechs Wochen alter Säugling durchschnittlich 2,75 Stunden pro Tag schreit. Wenn diese Phase nachts ist, sind die Eltern oft verzweifelt. Mit zwei Lebensmonaten ist dieses Schreien am häufigsten und sehr ausdauernd, danach nimmt es kontinuierlich ab. In dieser Phase macht sich die Ausreifung des Schlaf-Wach-Rhytmus bemerkbar.

Die Säuglinge entwickeln in den ersten Lebenswochen allmählich Einschlafrituale und sie gewöhnen sich an die Einschlafbedingungen, die ihnen die Eltern anbieten. Wenn die Kinder nach der Schlafphase erwachen und keine anderen Bedürfnisse haben, suchen sie nach "ihren" Einschlafbedingungen. Dies kann die Brust der Mutter sein, leises Summen eines Liedes oder der "Beruhigungsschnuller". Sie suchen dann nach "ihrer Einschlafhilfe", um selbsttätig ihr Bedürfnis nach erneutem Schlaf zu befriedigen. Bieten die Eltern ihnen falsche Hilfe an, geraten die Kinder aus ihrem Rhythmus und schreien. Die oft angewendeten falschen Hilfen sind Wechsel des Zimmers (Ehebett) und langes Herumtragen in der Wohnung. Wird dies oft praktiziert, schreien diese Kinder nach diesem neuen Rhythmus. Die Eltern sind verzweifelt und suchen spätestens dann den Kinder- und Jugendarzt auf.

Junge Säuglinge besitzen bereits eine hohe Sensibilität gegenüber ihrer Umgebung. Bei Unruhe in der Familie mit Konflikten der Eltern, Trauer, schwerer Erkrankung der Eltern oder Trennung der Eltern reagieren Säuglinge und Kleinkinder sehr empfindlich mit anhaltendem Schreien. Sie merken, dass ihre gewohnte Umgebung sich verändert hat. Die Sorgen und Ängste der Eltern werden übertragen. Auch innere Konflikte der Mutter mit gewisser Ablehnung bei unerschwünschter Schwangerschaft kann eine Rolle spielen. Kinder benötigen die kontinuierliche und enge Betreuung durch die Eltern und können auf Dauer nicht durch Tagesmütter oder Krippenbetreuung ersetzt werden.

Für die Behandlung und zur Beratung der Eltern gibt es in Deutschland "Schreiambulanzen". Diese empfehlen, den Säuglingen von Anfang an die Möglichkeit zu einer eigenständigen Regulierung des Schlafbedürfnisses zu lassen. Die jungen Kinder sollten möglichst nicht an Hilfsmittel und Situationen gewöhnt werden, die sie nicht selbständig einsetzen könne. Einen verlorenen Schnuller können junge Säuglinge beispielsweise nicht eigenständig im Bett wiederfinden und der Säugling schreit nach den Eltern um Hilfe.

Viele Säuglinge nach dem sechsten Monat, Kleinkinder und Kinder leiden an Schlafstörungen, die ihre Eltern sehr beunruhigen. Nach neueren Untersuchungen klagen bis zu 50 % der Eltern über das Nicht-zu-Bett-gehen-Wollen ihrer Kinder, bis zu 50 % über Durchschlafstörungen und bis zu 33 % über Einschlafstörungen. Durch konsequentes Verhalten der Eltern lassen sich diese lästigen Erscheinungen meist bewältigen. Hier müssen beide Elternteile ein gut abgesprochenes Konzept haben. Schlafstörungen mit lang anhaltendem Schreien kann den Zusammenhalt der Familie zerstören bzw. kann in bestimmten Situationen zur Gewaltanwendung an den Kindern führen (Schütteltrauma).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.