Kann man bei einer drohenden Frühgeburt in jedes Krankenhaus gehen?

Es gibt mittlerweile eine Klassifizierung der Krankenhäuser je nach ihrer Ausstattung, Erfahrung und personeller Präsenz.

Im Notfall muss Sie jedes Krankenhaus aufnehmen; es kann aber sein, dass, wenn die Situation unter Kontrolle ist, Sie und/oder Ihr Kind in ein Krankenhaus mit einem höheren Versorgungs-Level verlegt werden müssen.

So hat man festgestellt, dass es aus verschiedenen Gründen sinnvoll ist, die Betreuung von Frühgeburten in einigen wenigen Zentren zu konzentrieren, da nur dort eine perfekte Rund-um-die-Uhr- Versorgung gewährleistet werden kann, jederzeit Neonatologen (Kinderärzte für die Betreuung des Kindes unmittelbar nach der Geburt) vor Ort sind und ausreichend Apparate für eine entsprechende intensivmedizinische Behandlung vorhanden sind.       Aus diesem Grunde werden Geburtskliniken heute nach Ihrem Potential hinsichtlich der Betreuung von Frühgeborenen bewertet und in Level 1-, 2- oder 3-Krankenhaus eingeteilt:

  •  Level 1-Krankenhaus – hier werden u.a. extrem kleine Frühgeborene mit eigener Frühgeborenenstation betreut, und es gibt neben dem speziell qualifizierten Leiter der Geburtsklinik einen ausgebildeten Leiter in der Neonatologie; ein Kinderarzt ist rund um die Uhr im Krankenhaus anwesend.
  • Level 2-Krankenhaus – betreut auch Frühgeburten oberhalb 1500 g bzw. jenseits der 30. Schwangerschaftswoche und ist ausgestattet mit Frühgeborenenstation und Kinderarzt.
  • Level 3-Krankenhaus – betreut Kinder oberhalb von 2500 g als Normal- und Regelversorgung. Diese Unterteilung bezieht sich nur auf die Möglichkeit der Vorsorgung von Frühgeburten und sagt meist nichts über die sonstige Qualität einer Entbindungsklinik aus. Auch ein Level 3-Krankenhaus kann notfallmäßig ein Frühgeborenes versorgen, das dann aber weiter verlegt werden muss. Allerdings sollten solche Frühgeborenentransporte nach Möglichkeit vermieden werden, da sie deutlich das Risiko für Komplikationen erhöhen.

140 Neonatologie-Stationen in Deutschland haben eine Level-1-Versorgung. 

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft möchte aber mehr Kliniken in der Frühgeburtenversorgung belassen, um längere Transportwege zu vermeiden, die letztlich eine zusätzliche Gefahr (z.B. Unterkühlung) darstellen könnte.

Zahlen aus Finnland und Portugal sprechen allerdings gegen diese Annahme. 41 Krankenhäuser hatten gegen die Erhöhung der Mindestmenge von 14 auf 30 Frühgeborene (unter 1250g) pro Jahr geklagt. Das Gericht sah die „besondere Abhängigkeit  der Leistungsqualität von der Leistungsmenge“ nicht hinreichend belegt (Az.: L7KA64/10KL). Deshalb wurde vom Landessozialgericht Berlin am 21.12.2012 sowohl gegen die Mindestmengenregelung als auch gegen den gesunden Menschenverstand entschieden.

 

Sie sollten sich dennoch bei drohender Frühgeburt rechtzeitig um ein Level-1 oder -2 Krankenhaus kümmern, um für den Fall einer Frühgeburt das optimale Krankenhaus für den neuen Erdenbürger auszuwählen. 

Literatur:

Stellungnahme des Gemeinsamen Bundesausschusses:

http://www.g-ba.de/downloads/62-492-404/2009-08-20-VB-NICU.pdf

Siehe auch die Stellungnahme des Elternverbandes „das frühgeborene Kind e.V.“:

http://www.fruehgeborene.de/index.php?option=com_content&view=article&id=178&Itemid=1.

 

 

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