Ist mein Neugeborenes durch Keuchhusten gefährdet?

Der Keuchhusten wird durch das Bakterium Bordatella pertussis ausgelöst und durch Tröpfcheninfektion bei engem Kontakt direkt auf andere Menschen übertragen. Weltweit erkranken heute noch ca. 60 Millionen Menschen pro Jahr. Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung beträgt 4 – 14 Tage. Im typischen Verlauf beginnt ein nächtlicher Husten, der sich innerhalb von 3 Wochen zu heftigen Hustenanfällen mit Erstickungsanfällen steigert.

Ohne Behandlung dauern diese Hustenanfälle dann auch am Tage über 3 Wochen an, um danach über 3-5 Wochen allmählich zu verschwinden. Der Erkrankte fühlt sich während der Hustenphasen sehr elend, die gesamte Familie kann nachts kaum Schlaf finden. Als Komplikationen sind Lungenentzündungen sehr gefürchtet. Bei Säuglingen und Kleinkindern kommt es bis zu 10% zu einer Beteiligung des Gehirns im Sinne einer Encephalitis (Gehirnentzündung). Nicht selten können diese Kinder daran sterben.

Neugeborene erhalten gegenüber einer Infektion mit Keuchhusten keinen Nestschutz von der Mutter, wie es bei Masern, Mumps, Röteln und Windpocken der Fall ist. Die Infektion ist in diesem Alter schwer zu erkennen, da kein typischer Husten besteht. Die Säuglinge wirken krank, sie hüsteln leicht und haben Atempausen (Apnoe-Anfälle). Nicht selten ist ein "Plötzlicher Säuglingstod" in Wahrheit eine Keuchhusten-Infektion, die wegen der untypischen Symptome nicht erkannt wurde.

 

Nach durchgemachter Erkrankung besteht keine lebenslange Immunität, sondern nur für 10-15 Jahre. Dies gilt auch für Personen, die gegen Keuchhusten geimpft sind. Daher ist Keuchhusten auch eine Erkrankung im Jugendlichen- und Erwachsenenalter.

Bei den Erwachsenen ist die Diagnose schwer zu stellen, da die behandelnden Ärzte meist nicht an Keuchhusten als Ursache für die schweren Hustenanfälle denken. Die Patienten durchlaufen nicht selten eine Odyssee an Diagnostik mit Allergietest, Röntgen, Lungenszintigraphie und Lungenspiegelung, bis die Diagnose schließlich vermutet und dann durch Bluttests bestätigt wird. In dieser langen Phase der Erkrankung wurden dann bereits viele Kontaktpersonen angesteckt.

Die Behandlung besteht in der Gabe eines Antibiotikums. Diese Therapie wirkt jedoch nur in den ersten 2-3 Wochen der Erkrankung, da der weitere Verlauf durch Toxine der Bakterien hervorgerufen werden, die durch Antibiotika nicht beeinflußt werden können. Durch das rechtzeitig eingenommene Antibiotikum ist der Erkrankte nach 6 Tagen nicht mehr ansteckend. Gegen den Hustenreiz helfen nur stark wirksame Hustenblocker.

Der beste Schutz wird durch eine konsequente Impfung gegen Keuchhusten erreicht. Wegen der hohen Gefährdung für Säuglinge wird diese Impfung bereits im Alter von 2-3 Monaten durchgeführt, heute in der 6-fach Kombination auch gegen andere Erreger.


Bis zum 2. Lebensjahr müssen 4 Impfungen durchgeführt werden. Der Impfstoff war bis vor 20 Jahren als "Ganzkeim-Impfstoff" problematisch mit häufigen Nebenreaktionen. Heute ist nur ein Teil der Keuchhustenbakterien ohne Zellkern im Impfstoff enthalten und dieser wird gut vertragen.

Der Impfschutz hält nur 10-15 Jahre und sollte dann alle 10-15 Jahre mit einer Impfung aufgefrischt werden. Wichtig ist, daß nach den Empfehlungen der "Ständigen Impfkommission" (STIKO) außer den Säuglingen und Kleinkindern zumindest Jugendliche konsequent geimpft werden, um ihnen den schweren Krankheitsverlauf mit Fehlzeiten in der Schule und Fehlzeiten im Beruf der Eltern zu ersparen. Außerdem ist die Impfung für Erwachsene empfohlen, die engen Kontakt zu Neugeborenen und Säuglingen haben.

 
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