Ist es wirklich so, dass Frauen nach vaginaler Geburt doppelt so häufig an Harninkontinenz leiden, wie nach einem Kaiserschnitt?

Das geht aus einer norwegischen Studie hervor. Eine dänische Studie kommt hingegen nur auf ein häufigeres Auftreten einer Harninkontinenz (Unfähigkeit, den Urin zu halten) von 20% gegenüber eines Kaiserschnittes.

Die Entscheidung sollte aber nicht allein von solchen Statistiken abhängig gemacht werden, sondern vielmehr von der klinischen Situation:    

  • Wie groß ist das Kind? Bei einem sehr großen Kind kommt es bei einer Spontangeburt zu einer starken Belastung des Beckenbodens, hier sollte eher ein Kaiserschnitt in Anbetracht gezogen werden.
  • Wie verläuft die Geburt? Wenn sich eine Geburt über Stunden hinzieht (sog. protrahierte Geburt) ist die Gefahr für eine Schädigung des Beckenbodens größer, insbesondere, wenn sog. vaginal-operative Eingriffe (Zange oder Saugglocke) notwendig werden.                                                                      
  • Aber auch eine sehr schnelle Geburt (Sturzgeburt) stellt eine Gefährdung des Beckenbodens dar, da der Beckenboden weniger Zeit hat, sich in der Austreibungsphase zu dehnen.
  • Auch bei älteren Müttern neigt man eher zum Kaiserschnitt, da das Gewebe nicht mehr so elastisch ist.
  • Ist es nach einer vorhergehenden Schwangerschaft zu einer Inkontinenz gekommen, wäre bei einer erneuten Spontangeburt mit einer Verschlechterung der Situation zu rechnen, so dass hier ebenfalls ein Kaiserschnitt die geeignetere Entbindungsmethode darstellt.
  • Wenn in der Geburtsvorbereitung durch Hebammen besonders viel Wert auf den Beckenboden, z.B. mit speziellen Übungen, gelegt worden ist, kann eine Spontangeburt in Betracht gezogen werden.     

Allgemein kann gesagt werden, dass ein Kaiserschnitt das Risiko für einen Beckenbodenschwäche und damit auch für eine Inkontinenz senkt. Nicht sicher sind sich aber die Untersucher, ob eine Kaiserschnitt einer solchen Störung auch im späteren Leben vorbeugt. Möglicherweise führt ja die Schwangerschaft selber unabhängig vom Geburtsmodus schon zu einer Schwächung des Beckenbodens, wobei schon eine starke Geichtszunahme und körperlich anstrengende Arbeit zu einer Inkontinenz führen können.

Allerdings kann auch das Gegenteil eintreten, dass es in bis zu 10 % zur Harnverhaltung kommt, es kann nicht mehr spontan Wasser gelassen werden. Teilweise muss dann katheterisiert werden.  Untersuchungen haben gezeigt, dass dieses Problem seltener auftritt, je näher die Geburt zum berechneten Geburtstermin stattfindet.

 

 

 

         

 

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