Ab wann kann man eine Sprach- oder Hörstörung erkennen?

Die Sprache ist das wichtigste Kommunikationsmittel und beginnt bei Säuglingen bereits sehr früh. Schon im Alter von 10-12 Monaten plappern sie einfache Silben nach, die sie von den Mitgliedern der Familie hören. Im Alter von 16 – 26 Monaten sollten die Kinder Zwei-Wort-Sätze bilden (z.B. Mama da, Papa Auto, Mama nein). Nun setzt eine stürmische Sprachentwicklung ein, es folgen ganze Sätze mit zunehmend korrekter Grammatik. Im Alter von 4 Jahren ist die Sprachentwicklung weitgehend abgeschlossen.

5-10 % aller Kinder haben eine verzögerte Sprachentwicklung und bedürfen einer logopädischen Therapie. Oft wird leider mit der Therapie bis zum 5. Lebensjahr abgewartet, da gehofft wird, dass das Kind in der Umgebung des Kindergartens die Sprachentwicklung rasch aufholt. Wird eine Therapie zu spät begonnen, dauert diese in der Regel deutlich länger und die Zeit bis zur Einschulung reicht für den korrekten Spracherwerb oft nicht aus, um eine Regelschule besuchen zu können. Diese Kinder werden dann in einer Sprachheilschule aufgenommen, wo sie intensiven Sprachunterricht erhalten.

Die wichtigste Voraussetzung zum Erwerb der Sprache ist das Gehör. Das Gehör nimmt die Sprache auf und kontrolliert ständig die selbst gesprochenen Wörter. Vor einer Sprachtherapie muss daher immer zuerst ein Hörtest durchgeführt werde. In Regel wird dieser Hörtest beim Kinder- und Jugendarzt im Rahmen der Vierjährigen-Vorsorgeuntersuchung durchgeführt. In diesem Alter sind die Kinder sehr kooperativ und das Ergebnis des Hörtests ist verlässlich. In vielen Bundesländern wird heute bei allen Neugebornen in den ersten Lebenstagen das Gehör durch "Otoakustische Emissionen" (OAE) überprüft. Damit wird verhindert, dass Kinder mit eingeschränktem Gehör zu spät erkannt werden und zu spät mit Hörgeräten versorgt werden. Bei früher Erkennung einer Hörstörung kann hiermit eine recht gute Sprachentwicklung erreicht werden. Wird eine schwere Hörstörung erst nach dem 2. Lebensjahr erkannt, kann auch mit Einsatz von Hörgeräten eine Verbesserung nicht mehr erreicht werden, da die feinen Nervenzellen des Innenohres sich nicht mehr für das Gehör differenzieren können. Daher ist es wichtig, dass besonders im Säuglings- und Kleinkindesalter ständig das Gehör mit Hilfe von Rasseln und leisen Tönen und Geräuschen überprüft wird.

Eine Logopädische Therapie wird zuerst mit den Kindern alleine durchgeführt, bei sensiblen Kindern im Beisein der Mutter oder des Vaters. Jedoch müssen zunehmend die Eltern in die Sprachtherapie eingebunden werden, um zu Hause bestimmte Übungen durchzuführen. Dies geilt besonders für das Lispeln, das durch eine falsche Beweglichkeit der Zunge hervorgerufen wird. Eltern müssen sich zu Hause angewöhnen, auch in der täglichen Umgangssprache langsam und deutlich zu sprechen, um dem Kind gute Vorbilder zu sein und dem Kind die Möglichkeit zu geben, die normale Aussprache zu hören. Problematisch ist die Therapie oft bei Kindern aus anderen Kulturkreisen, wenn zu Hause in der eigenen Landessprache gesprochen wird. Hier kann nicht erwartet werden, dass bei diesen Kindern mit einer Therapiestunde pro Woche die Sprachstörung behoben werden kann. Diese Kinder sind auch in der Grundschule ein Problem, da sie im Klassenverband besondere Aufmerksamkeit erhalten müssen und der der Unterricht langsamer vorangeht. Es besteht immer wieder die Frage, ob Kinder, die gleichzeitig mit 2 oder 3 Sprachen aufwachsen, überfordert wären. Bei normaler Begabung erlernen Kinder spielerisch diese Sprachen und sind gerüstet für das spätere Leben. Jeder Erwachsene weiß, wie schwer das Erlernen einer neuen Sprache im späteren Alter ist.

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