Veränderungen in der Schwangerschaft

Wie verändert sich mein Körper in der Schwangerschaft?

In der Schwangerschaft treten eine Fülle von Veränderungen auf, einzig aus dem Grund, um dem darin neu heranwachsenden Organismus die besten Lebensbedingungen zu bieten.
Das geht über Veränderungen der Haut und des Kreislaufs, über Veränderungen der Lungen- und Nierenfunktion bis zu Veränderungen der Blutgerinnung, des Stoffwechsels und zu den aufwändigen Anpassungen von Gebärmutter, Muttermund und Scheide an die größer werdende Frucht.

 

Welche Veränderungen ergeben sich an der Haut?

Veränderungen an der Haut zählen zu den frühesten Schwangerschaftszeichen: Pigmentverschiebungen, Verfärbungen der Gesichtshaut, Schwangerschaftsstreifen und Spider (s.bitte die nachfolgenden Fragen): 

Wodurch kommt es in der Schwangerschaft zu Pigmentverschiebungen?

Fast dreiviertel aller Frauen weisen im Verlaufe der Schwangerschaft eine verstärkte Pigmentierung auf, die individuell sehr unterschiedlich ausfallen kann. Nach Beendigung der Schwangerschaft bildet sie sich fast immer wieder zurück.
Am häufigsten sind davon die Stellen betroffen, die ohnehin schon stärker pigmentiert sind: also Brustwarzen, die sog. „linea nigra“, die von der Schamhaargrenze über den Nabel hinaus als schmaler Strich verläuft, der Nabel selbst und der Scheideneingang sowie frische Narben.
Als Ursache nimmt man an, dass die in der Schwangerschaft verstärkt ausgeschütteten Hormone, besonders das Progesteron, eine Auswirkung auf die Pigment produzierenden Zellen (Melanocyten) haben, die zu einer verstärkten Melaninablagerung führen.
 

Mein Gesicht verfärbt sich in der Schwangerschaft, verschwindet das wieder? Was ist ein Chloasma uterinum?

Besonders belastend für die Frauen ist insbesondere die Verfärbung der Gesichtshaut. Das Chloasma bezeichnet gelblich-bräunliche Verfärbungen im Bereich der Stirn, der Wangenknochen manchmal auch des ganzen Gesichts. Auch das „Chloasma uterinum“, wie es früher genannt wurde, verschwindet weitgehend nach der Entbindung ebenso wie die häufig gröberen Gesichtsstrukturen. Die Ursache für letzteres kann nur vermutet werden: vielleicht ist es von der Natur so eingerichtet, dass Frauen in der Schwangerschaft einfach etwas weniger attraktiv erscheinen sollen, um nach außen zu dokumentieren: „ich bin schwanger“.
 

Wodurch entstehen Schwangerschaftsstreifen (Striae gravidarum)?

Man versteht darunter oft streifenförmig angeordnete, narbenähnliche Dehnungsstreifen der Haut, überwiegend am Bauch, den Hüften, Brüsten und Gesäß, manchmal auch an den Beinen.

Die Farbe ist blaurot bis lilafarben, nach der Geburt verbleiben sie als weißlich bis silbrig- glänzende Streifen, meist treten sie erst ab 5. Schwangerschaftsmonat auf.
Ursprünglich glaubte man, die Streifen entstünden durch die Dehnung der Haut. Mittlerweile nimmt man an, dass die Nebennierenrindenhormone für die Streifen verantwortlich sind, weil sie auch bei best. Erkrankungen mit erhöhten Cortison-Werten und bei Behandlungen mit hohen Mengen von Cortison entstehen.

Ganz wesentlich sind aber konstitutionelle Faktoren, so gibt es Schwangere, die auch bei starker Dehnung der Bauchdecke keine Schwangerschaftsstreifen entwickeln.
Dass Massagen und Fettsalben das Entstehen der Streifen verhindern, darf aufgrund
des oben genannten bezweifelt werden. Das Einreiben und Einmassieren ist aber sicherlich gut für die Psyche von Mutter und Kind.
 

Verschwinden die verstärkten Gefäßzeichnungen in der Haut (Spider) nach der Geburt?

Diese erweiterten Gefäßbäumchen können sich schon in den ersten Schwangerschaftsmonaten bilden. Sie bevorzugen das Gesicht, Nacken, Oberarme und Beine und verschwinden in ca. 90 % nach der Geburt.
Solche Gefäßzeichnungen findet man des öfteren bei Patienten mit Lebererkrankungen. Die entsprechenden Untersuchungen lassen bei Schwangeren aber nur selten diesen Zusammenhang erkennen.
Aus diesen Gefäßspidern (Spinnen) können sich echte Haemangiome (kleine, gutartige Gefäßtumore) bilden, die sich ebenfalls nach der Geburt zurückbilden.
 

Welche Veränderungen ergeben sich in der Schwangerschaft an den Haaren?

In der Schwangerschaft kommt es meist zu einem verstärkten Haarwuchs, häufig passiert nach der Entbindung das Gegenteil.


In der Schwangerschaft findet sich im Bereich des Gesichts häufig eine vermehrte Flaumhaarbildung. Viele Schwangere berichten über fülligeres Haupthaar, was aber leider nach der Entbindung meist in einen verstärkten Haarausfall mündet. Einige Monate nach der Entbindung hat sich aber meist die ursprüngliche Haarpracht wieder entfaltet.

 

Welche Herz-Kreislaufveränderungen gibt es in der Schwangerschaft?

Gerade im Bereich des Herz-Kreislaufsystems gibt es die vielleicht gravierendsten Veränderungen in der Schwangerschaft. Aber, auch trotz erheblicher physiologischen Veränderungen wie erschwerter Atemtätigkeit, Herzklopfen und schnellerer Puls, bleiben Frauen über lange Zeit enorm leistungsfähig.
Die Anpassung der verschiedenen Kreislaufgrößen in der Schwangerschaft erscheinen überaus zweckmäßig, da auf die Vergrößerung der Blutstromgebiete wie Uterus, Plazenta und Brust entsprechende Änderungen erforderlich sind. So verändert sich das Blutvolumen, das sog. Herzminutenvolumen (die Menge, die pro Minute durch das Herz gepumpt werden muss), die Pulsfrequenz und z.T. der Blutdruck.
 

Welche Veränderungen ergeben sich bezüglich Herzlage, Herzgröße und Frequenz?

Die Herzlage verändert sich durch die größer werdende Gebärmutter; das Herz verlagert sich nach oben, vorn und links.
Das Volumen des Blutes nimmt zwischen 10 und 35 % zu. Bewältigt wird das durch ein größer werden der Herzkammern in Verbindung mit einer erhöhten Herzfrequenz (Tachykardie von griech: tachykardia für „schnelles Herz). Letztere kann über 100 Schläge pro Minute betragen.
 

Welche Veränderungen ergeben sich hinsichtlich des Blutdrucks?

Der Blutdruck bleibt in der Schwangerschaft im wesentlichen konstant und steigt evt. unter der Geburt selbst um 10 – 20 mmHg (Messeinheit in Millimeter Quecksilbersäule).          Ein bereits vor der Schwangerschaft bestehenden erhöhter Blutdruck (RR über 140/90) hat meist eine geringere Bedeutung als eine Blutdruckerhöhung in der Schwangerschaft selbst (RR heißt Riva Rocci, nach dem Erfinder des ersten Blutdruckgerätes).
Gemeinsam mit dem Auftreten von Eiweiß im Urin und Oedemen (Wasser in den Beinen) entspricht das dem Krankheitsbild einer Gestose (Schwangerschaftsvergiftung, Präeklampsie) mit der Gefahr der kindlichen Mangelversorgung durch eine Plazentainsuffizienz.
In der Spätschwangerschaft kann der Blutdruck besonders beim Liegen auf dem Rücken ein sog. Vena-cava-Syndrom auslösen.
 

Was ist ein Vena-Cava-Syndrom?

Die „Vena Cava“ ist die untere Hohlvene, die rechts neben der Körperschlagader liegend, durch die in Rückenlage auf ihr lastende Gebärmutter „zusammengedrückt“ wird, so dass weniger sauerstoffarmes (venöses) Blut zum Herzen aber auch zum Kopf zurückfließen kann. Das führt zu Kurzatmigkeit, zu Schweißausbrüchen, Übelkeit, Kribbeln in den Händen und Blutdruckabfall bis hin zur Ohnmacht.
Schwangere versuchen den Zustand erträglich zu machen, indem sie besonders tief Luftholen und stöhnend ausatmen (hyperventilieren). Diese beschleunigte und vertiefte Atmung kann aber die Symptome eher verstärken.
Durch Lagewechsel, z.B. Links-Seitenlagerung, verschwinden die oben genannten Symptome schnell.

Warum fällt das Atmen in der Schwangerschaft häufig so schwer?

Veränderungen im Bereich der Lunge machen sich neben den an der Haut beschriebenen für die Schwangere am stärksten bemerkbar. Es kommt mit zunehmender Schwangerschaftsdauer meist bis zur 36. SSW (Schwangerschaftswoche) zu einer zunehmenden Atemnot (med.: Dyspnoe).

 Die Atemnot ist unabhängig von körperlicher Belastung, und kann auch im Sitzen und schon in früher Schwangerschaftsphase auftreten. Somit ist nicht allein die zunehmende Größe der Gebärmutter für die Atemnot verantwortlich.

Die Vitalkapazität, das ist die Kenngröße des Lungenvolumens, nimmt zu Beginn der Schwangerschaft ab, um dann bis zum Ende der Schwangerschaft wieder anzusteigen.

Wie verändert sich die Nierenfunktion in der Schwangerschaft?

In der Schwangerschaft gibt es einige physiologische Veränderungen, die für eine problemlose Schwangerschaft keine Bedeutung haben, sie können aber diesbezüglicher Schwangerschaftskomplikationen begünstigen:


Mit zunehmender Schwangerschaft kommt es zu einer Erweiterung der Nierenkelche und des Harn- ableitenden Systems, den Harnleitern. Diese Erweiterung ist hormonal bedingt. 

Diese Erweiterungen spielen in der unkomplizierten Schwangerschaft keine Rolle. Im Falle einer Blasenentzündung wird das Aufsteigen von Keimen bis in das Nierenbecken begünstigt und kann so eine Nierenbeckenentzündung in der Schwangerschaft (Pyelitis gravidarum) hervorrufen. 

In der Schwangerschaft fließt deutlich mehr Blut durch die Nieren. Das führt zu  einer höheren Urinproduktion und ist einer der Gründe, warum Schwangere so häufig die Toilette aufsuchen müssen.  

Der andere Grund für den häufigen Toilettengang: dass Fassungsvermögen der Harnblase wird durch die größer werdende Gebärmutter vermindert.  

 

Wie verändern sich die Geschlechtsorgane?

Geschlechtsorgane unterliegen sowohl anatomischen als auch funktionellen Veränderungen, die die Anpassung an den zunehmenden Platzbedarf des heranwachsenden Kindes ebenso ermöglichen, wie die Fruchthalterfunktion und schließlich die Möglichkeit des schnellen Austreibens der Frucht bei der Geburt.

Wie verändert sich die Gebärmutter (Uterus) in der Schwangerschaft?

Unter hormonellem Einfluss wird zunächst die Schleimhaut der Gebärmutter, das Endometrium, für die Aufnahme des befruchteten Eies vorbereitet.



Für die dann folgende Größenzunahme des Uterus sind zwei Ursachen verantwortlich: es kommt sowohl zu einem aktiven Wachstum der Muskelzellen, als auch zu einer passiven Dehnung.

Wichtig für die Schwangerschaft ist, das dieser Vorgang ohne wesentliche Erhöhung des Grundtonus (der Wandspannung) abläuft. 

Es kommen zwar in der Schwangerschaft immer mal wieder Kontraktionen vor, die aber nur zu geringen Drucksteigerungen führen.

Als Auslöser dafür gelten Lageänderungen der Schwangeren, Bewegungen und Lageänderungen des Kindes, Stöße von außen, insbesondere stellt es aber für die Muskulatur ein Training dar:

An der Gebärmuttermuskulatur sind Millionen von Muskelfasern beteiligt, die gegenläufig und spiralig angeordnet sind und ein Netzwerk bilden.

Zum Zeitpunkt der Geburt müssen die Fasern auf Kommando „an einem Strang ziehen“; das wird vermutlich mit den Schwangerschaftswehen „eingeübt“.

 

Die Blutversorgung erfolgt über die links- und rechts vom Uterus angeordneten Gebärmutterarterien (Arteria uterina), die schon durch ihren gewundenen Verlauf hervorragend geeignet sind, sich an das Größenwachstum anzupassen. An diesen Arterien wird später ein Teil der sog. Doppler-Untersuchung vorgenommen, zum Ausschluss einer Mangelversorgung des Kindes (Plazentainsuffizienz),.

 

Wie verändert sich der Muttermund in der Schwangerschaft?

Im Gegensatz zur Gebärmutter, die ja überwiegend aus Muskelfasern besteht, sind im Muttermund überwiegend bindegewebige Anteile vorhanden, die zunächst die Funktion des Gebärmutterverschlusses übernehmen.

Im Laufe der Schwangerschaft kommt es zu einer ausgeprägten Steigerung der Durchblutung, als Voraussetzung für die Entwicklung der Geburtsreife der Zervix, wie der Muttermund auch genannt wird. Diese Durchblutung erklärt auch die leichte Verletzlichkeit des äußeren Muttermundes, was zu Schmierblutungen führen kann. Unter der Geburt entfaltet sich dann der Muttermund und wird durch die zunehmenden Wehen aufgeweitet.

Wodurch kann es zu Krampfadern an der Scheide kommen? Welche Veränderungen in der Schwangerschaft entstehen an der Scheide und dem Scheideneingang?

Auch an der Scheide finden Veränderungen statt, sie muss den Durchtritt des Kindes bei der Geburt durch ermöglichen, das geht nur, wenn sie hormonell auf diese Dehnung vorbereitet wird. 

Auch hier kommt es zu einer stärkeren Blutgefäß-Vermehrung und zu einer starken Weiterstellung der Venen, die das sauerstoffarme Blut befördern. 

Durch die Weiterstellung kann es zur Ausbildung von Krampfadern (Varizen) kommen, die nicht nur die Scheide sondern auch den Scheideneingang betreffen.


In der Scheide passen sich auch Bindegewebe und Muskelfasern der neuen Aufgabe an. Ähnliche Veränderungen gibt es am Scheideneingang (Vulva), am Damm, dem Bereich zwischen Scheideneingang und Anus sowie am Beckenboden.

Letzterer wird bei der Geburt regelrecht ausgewalzt.

 

All diese Veränderungen bilden sich nach der Geburt zurück, mit zunehmenden Schwangerschaften kann es aber zur Überdehnung des Beckenbodens kommen,

der später vereinzelt nicht mehr die gewohnte Halte- und Verschlußfunktion von Blase, Uterus und Darm wahrnehmen kann. Als Folge könnte eine Inkontinenz (z.B. unfreiwilliger Urinabgang) auftreten. 

Aus diesem Grunde wird nach einer Spontangeburt zu einer intensiven Beckenbodengymnastik geraten.

 

Welche Veränderungen ergeben sich im mütterlichen Stoffwechsel?

Auch im mütterlichen Stoffwechsel ergeben sich erhebliche Veränderungen, die nicht nur Anpassungsvorgänge an das Wachstum von Fet und Plazenta sind, sondern auch durch Wechselwirkungen zwischen mütterlichem und kindlichen Organismus darstellen.

Auch wenn diese Anpassungen den Kohlehydrat, Eiweiß und Fettstoffwechsel betreffen, ist es erstaunlich, dass die entsprechenden Laborwerte bei Schwangeren sich nicht wesentlich von denen Nicht-Schwangerer unterscheiden.


Veränderungen gibt es dennoch, so steigert sich der Sauerstoffbedarf und der Grundumsatz, das ist die „Energieproduktion, die zur Erhaltung der Organfunktionen notwendig ist“, um ca. 20 %. 

Gleichzeitig ist der Blutglucosespiegel vermindert bei Erhöhung des Insulinspiegels.

Glucose (Traubenzucker) ist die wichtigste Energiequelle für den Feten und kann bei Änderung des mütterlichen Glucosespiegels zu Veränderungen beim Kind führen.

Derartige Veränderungen werden jetzt gerade unter dem Begriff der Epigenetik

kritisch untersucht. 

 

Wie verändert sich der Flüssigkeitsgehalt im Verlaufe der Schwangerschaft?

Die Gewichtszunahme einer Schwangeren ist nur zum Teil auf das Wachstum des Kindes und auf die Zunahme des Fruchtwasser zurückzuführen. Diese Gewichtszunahme macht etwa 5-6 kg. aus.

 

Eine Schwangere nimmt aber ca. 12-14 kg zu. Ein Großteil ist auf die Einlagerung von Körperwasser zurückzuführen, so kann die Wassermenge von etwa 1500 ml in der 20. SSW (Schwangerschaftswoche) auf etwa 6-7000 ml zum Ende der Schwangerschaft steigen. Bis zu 1000 ml entfallen auf die Gewebe in Brust und Uterus, der Rest findet sich als vermehrtes Blutvolumen und im sog. interstitiellen Raum, dem Raum zwischen den Zellen.

So nimmt nicht nur das Blutvolumen um ca. 30 % zu, sondern auch die Zahl der roten Blutkörperchen jeweils um etwa 20 %. Durch die Verschiebung der Relation dieser beiden Faktoren zueinander scheint eine Anaemie (Blutarmut)  vorzuliegen.

 

Was versteht man unter Epigenetik?

Conrad Hal Waddington hat den Begriff Epigenetik 1942 erstmals (lt. wikipedia) benutzt und definierte Epigenetik als  „der Zweig der Biologie, der die kausalen Wechselwirkungen zwischen Genen und ihren Produkten, die den Phänotyp (Erscheinungsbild eines Individuums) hervorbringen, studiert“, oder Epigenetik ist das „Studium der erblichen Veränderungen in der Genomfunktion (Gesamtheit der Gene), die ohne eine Änderung der DNA-Sequenz auftreten“ (Jablonka, E. und Lamb, MJ. (2002): The Changing Concept of Epigenetics. In: Annals of the New York Academy of Sciences Vol. 981, S. 82–96).


Es wird also z.B. untersucht, inwieweit mütterliches erhöhtes Fruchtwasser-Insulin bei Nachkommen einen Diabetes auslösen kann, und das ist in der Tat in ca. 33 % der Fall.

Hier kommt es bereits im fetalen Leben zu einer Programmierung einer erst später auftretenden Erkrankung. 

Die Epigenetik erforscht also auch die mütterlichen, möglicherweise schädigenden, Einflussfaktoren und möchte sie begrenzen.

 

Wie kommt es in der Schwangerschaft zu einer Anaemie (Blutarmut)?

In der Tat findet sich ein Absinken der Haemoglubinwerte (roter Blutfarbstoff) auf  12 g%, Werte unter 11 g% gelten aber allgemein als Anaemie und sollten behandelt werden, denn nur ein ausreichender Hb-Wert (Hb =Haemoglobin) sorgt für eine ausreichende Sauerstoffversorgung des Kindes.

 

Ein wesentlicher Faktor für die Aufrechterhaltung eines normalen Haemoglobins ist das Eisen. Eisen (Fe) muss mit der Nahrung zu sich genommen werden. Eine Schwangere benötigt etwa 0,5 – 2 mg Eisen. In der Nahrung finden sich etwa 5mg, davon werden ca. 0,5 mg pro 1000 kcal (Kilokalorien) über den Darm aufgenommen, glücklicherweise ist bei Schwangeren die Eisenresorption (Eisenaufnahme) über den Darm 3 x größer. Allerdings steigt der Eisenbedarf in der Schwangerschaft deutlich an, so dass häufig im 3. Schwangerschaftsdrittel zusätzlich Eisen in Form von Tabletten oder Spritzen gegeben werden muss.

 

Wie verändert sich die Blutgerinnung in der Schwangerschaft?

In der Schwangerschaft wird das komplexe System von Blutgerinnung und  Auflösung von Blutgerinnseln stark gefordert: normalerweise herrscht ein Gleichgewicht zwischen beiden Faktoren;                                                             

Störungen dieses Gleichgewichtes spielen bei einer Reihe von Komplikationen wie z.B. bei der vorzeitigen Lösung des Mutterkuchens (Plazenta) eine Rolle. 

Die z.T. ausgeprägten Aktivitätssteigerungen der verschiedenen Gerinnungsfaktoren (Faktoren VII, VIII, X und XI) inklusive einer Zunahme des Fibrinogenspiegels bedingen eine erhöhte Gerinnungsfähigkeit bis zum Ende der Schwangerschaft als Vorbereitung auf die Ablösung der Plazenta.

Schon in der ersten Wochenbettswoche sinken die erhöhten Konzentrationen wieder merklich.

 

Warum haben viele Frauen in der Schwangerschaft Heißhunger?

Kein saure Gurken- oder Rollmopsglas ist in den Supermarktregalen vor Schwangeren sicher, Schokoladen ebenso wenig. Dafür schmecken Kaffee und Zigaretten plötzlich nicht mehr. Was mag der Grund sein?


Es sind Geruchs- und Geschmacksumstellungen, die viele Frauen in der Schwangerschaft erleben.

 

Man nimmt an, dass dafür die hormonellen Veränderungen verantwortlich sind, und dabei sind es insbesondere die Auswirkungen des in den ersten Wochen stark ansteigenden ß-HCG-Spiegels. 

ß-HCG (ß-humanes Choriongonadotropin) ist das entscheidende Hormon in der Frühschwangerschaft, das, in den äußeren Zellschichten des befruchteten Eis gebildet, auch für die Schwangerschaftsübelkeit verantwortlich gemacht wird.

 

Warum gibt es diese Geruchs- und Geschmacksveränderungen?

Die Frage kann niemand so genau beantworten. Man kann aber ziemlich sicher sein, dass „Mutter Natur“ sich etwas dabei gedacht hat:

Heißhunger, also der Wunsch, deutlich mehr zu essen als üblicherweise, soll                       wahrscheinlich der vermehrten Kalorienaufnahme dienen.

 

Die Heißhungerattacken entstehen gerade bei Frauen, die darauf achten, in der                   Schwangerschaft nicht zu viel zu essen, durch zu niedrige Blutzuckerwerte. Das geht           eine Zeit gut, bis der Körper revoltiert und Sie geradezu zum Essen auffordert.

        Dann aber reicht nicht nur ein Stück Schokolade, es muss schon die ganze Tafel sein.         Damit steigt der Blutzuckerspiegel stark an, fällt danach aber ebenso schnell               wieder ab, mit den gleichen Folgen, wie oben. Sie sollten also regelmäßig kleine                 Portionen zu sich nehmen, um die starken Blutzuckerschwankungen zu vermeiden.

 

Eine weitere Annahme ist, mit einem gesteigerten Bedürfnis nach bestimmten                     Speisen, einen Vitamin- und Nährstoffmangel auszugleichen. 

        So könnte z.B. der Heißhunger auf Fleisch geeignet sein, den meist bestehenden                 Eisenmangel in der Schwangerschaft zu beheben.

 

Es ist zumindest denkbar, dass mit den Geruchsveränderungen in der                                   Schwangerschaft möglicherweise die Abwehr von schädlichen Substanzen verstärkt           wird, wie Nikotin und Coffein u.a.


Das klingt alles so, als ob der Körper schon wüsste, was ihm fehlt und er seine Bedürfnisse in diesem Fall mit Heißhunger einfordert.

Ob das so ist, ist nur zu vermuten aber nicht zu beweisen.


Das Fazit aus diesen Antworten lautet: Essen Sie das, was Ihnen Spaß macht, so ungewöhnlich Ihnen Ihre Ess-Gelüste auch vorkommen mögen, aber essen Sie kleinere Mengen in regelmäßigen Abständen.

 

Wie bekomme ich den Heißhunger in den Griff?

Heißhunger führt zu übermäßiger Kalorienaufnahme, die dann in die Fettdepots wandern, was meist in der Schwangerschaft noch hingenommen wird, was aber nach der Geburt nur unter Mühen wieder zu beseitigen ist.

Sie sollten aber schon auch aus folgendem Grund nicht ungebremst essen:
Übergewicht kann einen Schwangerschaftsdiabetes auslösen, aus dem später ein echter Diabetes (Zuckererkrankung) werden kann. Ein sog. Gestationsdiabetes kann Auslöser einer Präeklampsie (Gestose = Erkrankung in der Schwangerschaft mit Wasser in den Beinen, Bluthochdruck und Eiweiß im Urin), die zu mütterlichen und kindlichen Komplikationen führen kann.

Achten Sie darauf, nicht mehr, aber regelmäßiger zu essen, und jeweils nur kleinere Portionen zu sich zu nehmen, um den Blutzuckerspiegel nicht so stark schwanken zu lassen.
Achten Sie auch auf eine nährstoffreiche und vitaminhaltige Nahrung.
 

Was hilft, den Heißhunger zu vermeiden?

 Wenn Sie wieder vom Heißhunger heimgesucht werden sollten, versuchen Sie, Ihre geliebte Schokolade oder Ihren Appetit auf etwas Herzhaftes zu unterdrücken, und probieren Sie es mit einer Portion Obst, einer Quarkspeise, einem Müsli mit Obst oder einer Banane.                          

Wenn Sie Ihrem Magen diese Auswahl etwa alle 2 Stunden anbieten, evt. noch im Wechsel mit nicht geschwefeltem Trockenobst oder Studentenfutter und Nüssen, werden Sie bald Ihre Essgelüste im Griff haben.

Ich habe viel mehr Verlangen nach Nicht-Essbarem.

Sie möchten am liebsten Holz, Erde oder anderes eigentlich nicht Essbares zu sich nehmen?

Das könnte bedeuten, dass Ihnen Mineralstoffe fehlen, die medikamentös aufgefüllt werden müssten. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber.

Diese ausgefallenen Essgelüste nennt man auch „picae“. Sie werden seit Jahrhunderten beschrieben, und machten früher, zu Zeiten, als man Mineralstoffe noch nicht so einfach, z.B. in Tablettenform, zu sich nehmen konnte, durchaus Sinn.

Als "Ersatz" gibt es eine ganze Reihe von Nahrungsergänzungsmitteln wie Multivitaminpräparate mit Micronährstoffen, die den Bedarf befriedigen können. Diese sollten Vitamine, insbesondere Folsäure und Vitamin D enthalten, aber auch eine ausreichende Zufuhr von Calcium, Eisen und Jod gewährleisten. Ihre Apotheke wird Sie ausreichend beraten.