Unglücklich verlaufende Schwangerschaften

Was ist ein Intrauteriner Fruchttod (IUFT), auch infans mortuus genannt?

Wenn das Ungeborene Kind in der 2. Schwangerschaftshälfte, noch vor dem Entbindungstermin stirbt, handelt es sich um einen "intrauterinen Fruchttod" (Tod innerhalb der Gebärmutter). Man spricht jedoch von einer Fehlgeburt, wenn das Gewicht des Kindes unter 500g liegt.

Ein intrauterinen Fruchttod kommt allerdings nur in knapp 0,2 % aller Schwangerschaften vor, d.h. in Deutschland ca. 3000 mal pro Jahr. 

Wie verarbeiten Mütter und Väter einen intrauterinen Fruchttod (IUFT)?

Es gibt keinen Zweifel, ein ungeborenes Kind zu verlieren, ist tragisch. Von einer zur anderen Minute kehrt sich grenzenlose Freude in tiefe Betroffenheit um und versetzt allen Betroffenen einen tiefen Schock.

Da ist zunächst Unglaube, Verständnislosigkeit, das Gefühl des ins Bodenlose-fallens, auch das Gefühl des Alleinseins, des nicht-wahr-haben-Wollens, des Rebellierens gegen das Schicksal: Fragen nach dem "warum ich?", "warum wir?"; Fragen die unbeantwortet bleiben werden. Sprachlosigkeit stellt sich ein. Irgendwann, die Zeitabläufe sind bei allen Menschen unterschiedlich, werden die Betroffenen das Unvermeidliche und damit die Realität zulassen. Aber nach dieser Phase dominieren noch einmal Ärger, Abwehr und Aggression, um dann in Resignation und gar Depression zu fallen. In dieser Zeit ist es wichtig für den Trauernden da zu sein, um mit ihm über seine Gefühle zu sprechen.

Erst dann kommt die Zeit der Abschiednahme von all den Vorfreuden, Wünschen, Vorstellungen, die man mit der Geburt eines gemeinsamen Kindes verbunden hatte. Auch die Trauerphase kann ganz unterschiedlich lange dauern, bis man dann irgendwann wieder offen für Neues ist.

Bekannte, Freunde und Familienmitglieder werden mit Ihnen trauern. Aber immer wieder kann festgestellt werden, dass man für Ihnen ca. ein Vierteljahr lang großes Verständnis entgegen bringt. Danach muss aber für die meisten Menschen in Ihrer Umgebung alles wieder in Ordnung sein. Für Sie ist aber gar nichts in Ordnung und es wird lange dauern, bis Sie den Verlust überwunden haben. Am besten gelingt das mit Eltern, die das gleiche Schicksal erlitten haben; sie haben auch nach langer Zeit noch Verständnis für Ihre Trauer, die anderen sind meist damit überfordert. Sie können sich z.B. an www.verwaiste Eltern.de wenden.

Manchmal hilft folgende Überlegung:
Das Leben ist wie das Meer: mal schwimmt man tief unten im Wellental. Es besteht aber immer die Gewissheit, dass man irgendwann auch wieder nach oben kommt.

Welche Ursachen können zum intrauterinen Fruchttod (IUFT) führen?

Kindliche Ursachen:

  • In erster Linie trifft es Kinder mit Chromosomenstörungen, z.B. Trisomie 13 oder 18, bei denen praktisch kaum eine Lebensfähigkeit besteht kann das zum IUFT ebenso führen, wie auch schwerwiegende Fehlbildungen von z.B. Herz und Gehirn.                                                                                                                                                                     
  • Weitere Ursachen können z.B. das vorzeitige Ablösen der Plazenta, ein Nabelschnurvorfall, seltener eine Nabelschnurumschlingung.
  • Auch eine Plazentainsuffizienz (Mangelversorgung der Plazenta) z.B. im Rahmen einer Präeklampsie (typische Schwangerschaftserkrankung mit Bluthochdruck, Eiweiß im Urin und Wasser in den Beinen), die eine mangelhafte Sauerstoffversorgung nach sich zieht, kann zu einem intrauterinen Fruchttod führen. Die Mangelversorgung ist meist erkennbar an einer zu kleinen, verkalkten Plazenta und an einem für die Schwangerschaftswoche zu kleinen Kind, wobei insbesondere der Brustkorb deutlich zurückgeblieben ist.
  • Auch genetisch, z.B. chromosomal bedingte oder durch Gen-Veränderungen hervorgerufene Syndrome (Krankheitsbilder) des Kindes können zum IUFT führen.

Mütterliche Ursachen:

  • Insbesondere auch Infektionserkrankungen der Mutter, wie Toxoplasmose, Listeriose und Zytomegalie, können das ungeborenen Kind gefährden.
  • Schlecht eingestellter, mütterlicher Diabetes kann ebenso eine Ursache sein wie eine bestehende Präeklampsie (s.o.), die sich zu einer Eklampsie (Schwangerschaftskrämpfe) entwickelt sowie das plötzlich auftretende sog. Hellp-Syndrom, das mit schweren Leberschmerzen beginnen kann.

Besonders schmerzhaft ist für die Eltern, wenn es keine Erklärung für den Tod des Kindes gibt.

 

 

Verhalten des Partners beim intrauterinen Fruchttod (IUFT)?

In der Bibel steht, "der Eine trage des Anderen Last". Sicherlich gelingt einigen Paaren, gemeinsam zu trauern, und den Partner zu stützen, wenn die Trauer unerträglich wird.

Andere wollen stark sein und lassen die Trauer nicht zu, verschließen sich, suchen nach Schuldigen. Schuldzuweisungen an den Partner, an Ärzte, Hebammen und an das Krankenhaus sind immer verzweifelte Versuche, mit dem Geschehenen fertig zu werden. Durch eine Vielzahl von sozialen Institutionen werden wir immer seltener mit dem Tod konfrontiert, was auf dem Lande z.B. durch das Zusammenleben mehrerer Generationen, u.a. auch durch den Umgang mit den Tieren eher selbstverständlich ist, so fällt es heutzutage immer schwerer, schicksalhafte Verläufe zu akzeptieren. Aber solche Ereignisse wie ein IUFT sind in der überwiegenden Zahl Schicksal und durch keine Macht der Welt zu verhindern. Schuldzuweisungen bürden dem anderen zur Trauer eine weitere Last auf.

Wenn Partner aus diesem Konflikt nicht heraus kommen, ist eine psychologische Partnertherapie anzuraten.

Freunde und Angehörige in der Trauer beim intrauterinen Fruchttod (IUFT)

Freunde und Familie trauern mit. Aber viele verschließen sich auch, wissen nicht, wie sie dem Menschen, der einen Schicksalsschlag erlitten hat, begegnen sollen, wie sie mit ihm reden sollen. Aus falscher Zurückhaltung möchten sie den Betroffenen nicht ständig an das Erlittene erinnern und schweigen lieber. Aber die betroffenen Mütter oder Väter brauchen gerade in dieser Zeit die Kommunikation, sie müssen immer und immer wieder darüber reden und dies gehört auch zur Aufarbeitung ihrer Trauer.

Freunde halten es nur bedingt aus, immer wieder mit den Problemen der Trauernden konfrontiert zu werden. Irgendwann muss auch für sie der Alltag wieder einkehren. In Freundeskreisen wird meist akzeptiert, wenn ein Vierteljahr getrauert wird, dann "sollte der Alltag wieder wie gewohnt verlaufen".

Immer wieder einmal, jedoch nicht ständig, sollten enge Freunde das Thema erneut aufnehmen. Vielen fällt das schwer, sie möchten möglicherweise damit vermeiden, die Betroffenen wieder an ihr Schicksal zu erinnern. Das Trauma ist aber noch lange gegenwärtig, daher ist die Ansprache immer hilfreich und tröstlich.

Welche professionellen Ansprechpartner und Hilfen gibt es nach dem intrauterinen Fruchttod (IUFT)?

Eltern, die ihr Kind durch Fehl-, Früh- oder Totgeburt oder kurz nach der Geburt  verloren haben, können sich Rat und Hilfestellung bei Selbsthilfe-Initiativen holen. Trauernde Eltern treffen hier auf Betroffene, die Ihren Kummer und Schmerz mit ihnen teilen und feststellen, dass sie nicht allein sind mit ihrem Schicksal.

Buchtip:

"Unendlich ist der Schmerz…Eltern trauern um ihr Kind"
Von J.Fritsch und Sh.Ilse, Kösel Verlag
Gedichte und Plastiken:
"Gute Hoffnung – Jähes Ende: Fehlgeburt, Totgeburt und Verluste in der frühen Lebenszeit. Begleitung und neue Hoffnung für Eltern" Hanna Lothrop

Soll man sein ungeborenes verstorbenes Kind beerdigen?

Für viele Betroffene ist es wichtig, einen Ort zu haben, an dem sie trauern können. Zudem unterliegt ein totgeborenes Kind in allen deutschen Bundesländern der Bestattungspflicht.

 

 

Wie ist die rechtliche Situation nach dem intrauterinen Fruchttod?

 Wikipedia schreibt dazu:

Eine Totgeburt ist meldepflichtig. Die Eltern erhalten für ihr totgeborenes Kind eine Geburtsurkunde und einen Totenschein. Sie haben das Recht, dem Kind einen Namen zu geben; ob es sich dabei um den Familiennamen der Mutter oder des Kindsvaters handelt, ist unerheblich.

Die Mutter hat Anspruch auf gesetzlich festgelegte Hebammenhilfe, die neben der Schwangerschafts- und Geburtsbegleitung auch die Betreuung im Wochenbett umfasst.

Darüber hinaus steht ihr nach § 6 des Mutterschutzgesetzes das Recht auf Mutterschutz zu. Die Wöchnerin darf demnach acht bzw. zwölf Wochen nach der Geburt des toten Kindes nicht beschäftigt werden. Eine Ausnahme ist nur auf ausdrückliches Verlangen der Mutter und mit ärztlichem Zeugnis möglich. Das Beschäftigungsverbot beträgt in diesem Fall mindestens zwei Wochen. Der Mutter steht es frei, ihre Erklärung jederzeit zu widerrufen.