Myome und Schwangerschaft

Was sind Myome?

Myome sind gutartige, in der Regel harmlose Wucherungen (Tumore, Geschwülste), die vom Muskelgewebe der Gebärmutter ausgehen. Die Gebärmutter besteht aus zahlreichen Muskelschichten, die um die Gebärmutterhöhle zikulär und gegenläufig angelegt sind, so dass sie sich mehrfach überkreuzen. Nur dadurch wird verständlich, wie diese Muskulatur die Kraft entfaltet, die notwendig ist, um ein Kind bei der Geburt auszutreiben.

Myome können in der Gebärmutterhöhle liegen und dort Schmerzen und Blutungsstörungen verursachen sowie Schwangerschaften verhindern. Sie können aber auch außen an der Gebärmutter liegen und machen dann in der Regel nur Beschwerden, wenn sie sehr groß sind.

Sind Myome altersabhängig?

Ja. Vor dem 20. Lebensjahr sind Myome sehr selten. Bis zum 40. Lebensjahr haben ca. 25 bis 30 % aller Frauen Myome.

Die meisten Myome sind bei Frauen zwischen dem 45. und dem 54. Lebensjahr zu finden. Sollten bei Beginn der Wechseljahre keine Myome vorhanden sein, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch keine mehr gebildet, da sie ja von einer Oestrogenzufuhr abhängig sind. In den Wechseljahren wird kein ausreichendes Oestrogen mehr gebildet.

 

Welche Myome unterscheidet man?

Prinzipiell unterscheidet man schnell wachsende und langsam wachsende Myome; man unterscheidet sie aber auch nach Ihrer Lokalisationen, nach dem Ort, an dem sie entstanden sind.

Es gibt Myome, die in der Gebärmutterhöhle liegen (intracavitär), unter der Gebärmutterschleimhaut und damit noch innerhalb der Gebärmutter (submucös), in der Gebärmutterwand (intramural) und an der Außenseite der Gebärmutter (subserös). Myome können sich aber auch seitlich neben der Gebärmutter in dem dazugehörigen Bindegewebe liegen (intraligamentär).

Je nach Lage und Größe machen Myome unterschiedliche Beschwerden und Symptome.

Wie häufig kommen Myome in der Schwangerschaft vor?

Die statistische Anzahl von Myomen in Schwangerschaften variiert je nach Genauigkeit der Ultraschall-Untersuchung sehr.

Man rechnet dass Myome in 1-20 % aller Schwangerschaften vorkommen. Nur 10 % dieser Myome machen jedoch in der Schwangerschaft Probleme.

Was ist die Ursache für ein Myomwachstum in der Schwangerschaft?

Vermutlich sind Hormone für das Myomwachstum verantwortlich.

Myome können in der Schwangerschaft manchmal sehr schnell wachsen, selten können Myome aber auch schrumpfen. Das hängt mit der Abhängigkeit des Myomwachstums von der Hormonkonzentration im Blut ab. Da in der Schwangerschaft viele weibliche Hormone freigesetzt werden, kann das Myomwachstum in dieser Zeit besonders stimuliert werden.

Welche Probleme können in der Schwangerschaft durch Myome entstehen?

Myome können Schwangerschaften verhindern, Aborte auslösen oder Geburtshindernisse darstellen.

In seltenen Fällen können Myome überhaupt verhindern, dass eine Schwangerschaft eintritt, indem sie die Einnistung des Eies in der Gebärmutter stören.                                             Myome können auch das frühe Wachstum des Embryos so stark stören, dass es zu einer Fehlgeburt kommen kann.                                                                                                          Hat sich eine Schwangerschaft trotz eines Myoms erst einmal bis zur 12.-14. Schwangerschaftswoche entwickelt, läuft das Wachstum des Feten meist ungestört in der Schwangerschaft weiter. Schädigungen des Kindes durch Myome sind nicht zu erwarten und extrem selten. Es kann aber zu Frühgeburten kommen.

Große Myome können den Gebärkanal verlegen, so dass ein Kaiserschnitt gemacht werden muss. Myome können in der Schwangerschaft sehr stark an Größe zunehmen, so dass es manchmal zu Schmerzen und Druckgefühlen kommt.

Wann sollten Myome in der Schwangerschaft operiert werden?

Myome sollten in der Schwangerschaft grundsätzlich nicht operiert werden.

Die Ausnahme für eine Myomoperation in der Schwangerschaft besteht nur dann, wenn es lebensnotwendig für die Mutter ist. Eine Myomoperation in der Schwangerschaft ist immer ein sehr hohes Risiko wegen der starken Durchblutung der Gebärmutter und der Myome. Zusätzlich können derartige Operation vorzeitige Wehen auslösen.

Kann man ein Myom bei einem Kaiserschnitt mit entfernen?

Theoretisch ja, es wird aber wegen der hohen Blutungsgefahr davon abgeraten.

Prinzipiell ist die Entfernung eines Myoms bei einem Kaiserschnitt möglich. Es wird aber stark davon abgeraten, es sei denn das Myom liegt dort, wo man ohnehin die Gebärmutter für den Kaiserschnitt eröffnen muss. Wegen der erheblichen Blutungsgefahr sollte eine zusätzliche Operation möglichst vermieden werden.

Zudem ist es so, dass in der Schwangerschaft sehr schnell wachsende Myome meist nach der Schwangerschaft absterben und nicht mehr weiterwachsen. Die Myome werden häufig von allein kleiner und machen dann auch keine Beschwerden mehr.

Daher sollte auch möglichst ein halbes bis 1 Jahr abgewartet werden, wie sich die Größe des Myoms nach der Entbindung und die damit verbundenen Beschwerden entwickelt haben.

Sollten Myome vor einer Schwangerschaft entfernt werden?

Das ist sowohl von der Lage der Myome als auch von den bestehenden Beschwerden abhängig.

Auch spielt die Tatsache eine Rolle, ob eine Patientin bisher nur schwer schwanger geworden ist oder ob häufiger Fehlgeburten aufgetreten sind. Dieses muss sehr individuell und nach einer genauen Ultraschalluntersuchung von einem Spezialisten entschieden werden.

Welche Zeit sollte zwischen einer Myomoperation und einer Schwangerschaft vergehen?

Das ist zunächst einmal abhängig von der Lokalisation des Myoms, meist braucht man aber nicht länger als ein Vierteljahr zu warten.

Hierzu gibt es leider keine wissenschaftlichen Untersuchungen sondern nur Expertenempfehlungen.

Bei einem Myom, welches vor der Operation an der Gebärmutteraußenwand lag, muss keine Schwangerschaftskarenzzeit (Pause) eingehalten werden. Nach einer Gebärmutteroperation, die auch im Uterus selbst stattgefunden hat, sollte ca. ein ¼ Jahr Pause eingelegt werden. Früher sprach man von einem, manchmal sogar 1,5 Jahren. Dieses ist aus heutiger Sicht viel zu lang.

Welche Operationsmethode wird heute bei Myomen bevorzugt?

An erster Stelle stehen laparoskopische Operationen (Operationen per Bauchspiegelung).

Der Operateur sollte zunächst die Methode anwenden, die er am besten beherrscht.

In Myomzentren werden meist verschiedene Methoden beherrscht und diese werden sehr individuell an die gegebenen Umstände angepasst. Es gibt Operationen von der Vagina aus, die meisten Operationen erfolgen heutzutage per Bauchspiegelung (Laparoskopie). Aber auch Bauchschnittoperationen sind in einigen Fällen durchaus zu empfehlen.

Was ist eine Myomembolisation?

Die Myomembolisation ist ein Verfahren, bei dem in örtlicher Betäubung eine dünne Sonde über ein Blutgefäss von der Leiste bis in eine Gebärmutterarterie eingeführt wird. Dort werden Kunststoffpartikel in die Gebärmutter gespritzt, die sich im Blutgefäßsystem der Myome festsetzen und die Blutgefäße verstopfen (Embolisation). Dadurch sterben die Myome ab und schrumpfen.

In der Regel werden Myomembolisationen nur Frauen empfohlen, die nicht mehr schwanger werden wollen. Und nur in seltenen Ausnahmefällen ist eine Myomembolisation vor einer Schwangerschaft zu empfehlen.

Myomembolisationen werden in speziellen Zentren durchgeführt, in denen Frauenärzte mit Röntgenärzten eng zusammenarbeiten.

Fokussierter Ultraschall bei Myomen, was ist das?

Dieses ist ein spezielles Verfahren, das nur in wenigen Zentren in Deutschland angeboten wird, da es mit einem hoher technischer Aufwand verbunden ist.

Bei dieser Methode werden Myome durch spezielle Ultraschallwellen erhitzt. Um die Ultraschallwellen gezielt zu steuern, wird dieses unter Kontrolle einer Magnetresonanztomographie durchgeführt (MRT, das ist ein Verfahren, bei dem in einem starken Magnetfeld Schnitte (Tomographie) vom Körperinneren erstellt werden). Genauer heißt das Verfahren MRgFUS (MR-gesteuerter fokussierter Ultraschall).

Dieses Verfahren ist bei Frauen, die schwanger werden wollen, ebenfalls noch nicht erprobt. Klinische Studien hierzu laufen. Bisher übernehmen auch nur wenige Krankenkassen das sehr teure Verfahren. Nicht jedes Myom ist hierfür geeignet, aber das Verfahren macht in Einzelfällen Sinn.

Kann man Myome durch Hormone am Wachstum hindern?

Ja, seit 2012 gibt es den sog. selektiven (speziell wirkenden) Progesteron-Rezeptor-Modulator Ulipristalacetat.

Erst, wenn Myome mit Bauchschmerzen und starken Regelblutungen einhergehen oder schnell größer werden, ist eine Behandlung der Myome angezeigt.

Unter Ulipristalacetat (Esmya®) nahmen die starken Blutungen deutlich schneller ab, als unter dem bislang verwendeten weniger gut verträglichem GnRH-Analogon. Die Myomgröße reduzierte sich deutlich, die Schmerzen liessen rasch nach.                                                    Das Medikament sollte nicht länger als 3 Monate eingenommen werden, zusätzlich wird geraten, in dieser Zeit zusätzlich zu verhüten, da es keine Untersuchungen dazu gibt, ob sich der Wirkstoff nachteilig auf das Baby auswirkt. Deshalb sollte Ulipristalacetat auch nicht in der Schwangerschaft und während des Stillens eingenommen werden.

Ulipristalacetat unterdrückt während der Einnahme meist den Eisprung (es wird auch als "Pille- danach" verwendet.(Lunch-Symposium Düsseldorf März 2013)

 

 

 

Kann man Myomen vorbeugen?

Nein. Myome sind überwiegend erblich bedingt. Eine vorbeugende Maßnahme ist bisher nicht bekannt.

Kann man mit Diäten oder mittels Homöopathie das Wachstum der Myome beeinflussen?

Weder mit Diäten noch mit chinesischen Mitteln wie Akupunktur u.ä. lässt sich das Myomwachstum beeinflussen.

Geht es nicht um das Verkleinern von Myomen sondern um die Verringerung von Beschwerden wie Blutungen und Schmerzen können Versuche mit Scharfgabenkraut, Frauenmantel und Agnus Castus (Agnolyt®) erfolgreich sein. 

Sind Myome immer harmlos, oder können sie entarten?

Myome sind in der Tat fast immer harmlos, es sind Muskelknoten, die sich aus der normalen Gebärmuttermuskulatur entwickeln.

Nach der heutigen wissenschaftlichen Meinung gibt es keine Entwartung von Myomen. Die sehr selten auftretenden bösartigen Gebärmutter-Sarkome haben genetisch eine andere Ursache. Bei einem Verdacht auf ein Sarkom muss allerdings eine Gewebsuntersuchung (Histologie) erfolgen, anders lassen sich Myome und Sarkome nicht voneinander unterscheiden. Sarkome sind schnell wachsende Tumore, insofern ist es anfänglich richtig, eine viertel-jährliche Wachstumskontrolle bei Myomen durchzuführen. Im Zweifel sollte unter Sicht eine Probeentnahme erfolgen.

Ein Myom zu operieren oder gleich die ganze Gebärmutter zu entfernen, nur um eine spätere Entartung zu vermeiden, entspricht also nicht mehr dem Stand der Wissenschaft.



 

Welche Symptome können bei Myomen auftreten?

Eines der führenden Symptome sind Blutungsstörungen, meist länger dauernde und starke Menstruationsblutungen, die auf Dauer zu einem starken Eisenmangel mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Blässe führen können.                                                                                                                            Zusätzlich kann es bei der Menstruation zu krampfartigen, wehenähnlichen Schmerzen kommen.

Weitere Beschwerden können sein:

  • Harndrang (durch den Drück des vergrößerten Uterus auf die Blase)
  • Rücken- und Bauchschmerzen
  • Verstopfung (durch Einengung des Enddarms)
  • Nierenschmerzen (z.B. bei Verlegung eines Harnleiters und Aufstau des Urins)
  • Schmerzen bei Verkehr
  • erhöhtes Risiko für Fehl- und Frühgeburten
  • eingeschränkte Chancen für die Befruchtung, sollten Myome den Zugang zu den Eileitern verlegen.