Toxoplasmose

Was ist eine Toxoplasmose

Bei der Toxoplasmose handelt es sich um eine Erkrankung, die durch Protozoen (tierische Einzeller) ausgelöst wird.

Erreger ist das Protozoon Toxoplasma gondii, das sich durch ein breites Wirtsspektrum auszeichnet. In der Darmschleimhaut einer Katze, dem Hauptwirt, kommt es zu einer geschlechtlichen Vermehrung der Toxoplasmen. Die daraus entstehenden Oozyten scheidet eine frisch infizierte Katze mit dem Kot wochenlang aus. Diese sind äußerst widerstandsfähig und werden durch Staub und Wind weiterverbreitet. Über die Nahrungsaufnahme infizierten diese Oozyten Vögel, Schlachttiere und auch Menschen.
 

Wie können sich Schwangere mit der Toxoplasmose infizieren?

Die wesentliche Infektionsquelle für den Menschen sind oozytenausscheidende (Oozyten = Eizellen) Katzen, deshalb sollten Schwangere sich von freilaufenden Katzen fernhalten, und roh genossenes, zystenhaltiges Fleisch wie Mett, Tartar u.ä. meiden. 

Wie lang ist die Inkubationszeit?

Als Inkubationszeit gilt die Zeit zwischen Beginn der Infektion  durch Stich, durch Tröpfcheninfektion oder über die Nahrungskette o.ä. bis zum Ausbruch der Krankheit.                                                                                                               Man geht von etwa 2-3 Wochen aus.

 

 

Welche Symptome können bei einer Toxoplasmose auftreten?

Bei etwa 50 % der infizierten Menschen verläuft die Erstinfektion mit grippalen Symptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen.
Teilweise kommt es zu Lymphknotenschwellungen besonders im Halsbereich. Als Komplikationen können Leberentzündung, Herzmuskelentzündung, Ader- und Netzhautentzündung (Chorio-Retinitis).
Im allgemeinen ist die Toxoplasmose, so sie nachgeburtlich auftritt, eine eher harmlose Infektion. Ihre Bedeutung liegt in der Gefahr der vorgeburtlichen (konnatalen) Infektion.

Wenn sich eine Schwangere infiziert, gehen die Parasiten in ca. 50 % über die Plazenta auf die Frucht über. Bei einer Infektion im ersten Drittel der Schwangerschaft ist die Gefahr für das ungeborene Kind geringer, da die Toxoplasmen in dieser Zeit Schwierigkeiten haben, die Plazenta zu durchdringen und so die mütterliche Abwehr erfolgreicher ist. Vor der 16. SSW können sie das praktisch nicht.
Dennoch ist die Gefahr kindlicher Schädigungen bei einer Infektion vor der 20. SSW größer als bei einer Infektion gegen Ende des 2. oder 3. Schwangerschaftsdrittels (nach: Enders,G., 2009, Infektionen und Impfungen in der Schwangerschaft, Urban&Schwarzenberg Verlag).
Es kann dann zu einer konnatalen (angeborenen) Infektion des Feten mit Beteiligung von Leber, Herz, Lunge und Gehirn kommen. Eine generalisierte Erkrankung (sie betrifft alle Organsysteme) ist selten, es können aber Schäden an Augen (Chorioretinitis)und am Gehirn (Encephalitis) auftreten.
Am häufigsten fallen infizierte Kinder durch wesentlich später auftretende Symptome auf, die auf eine vorgeburtliche Encephalitis zurückzuführen sind (Intelligenzdefekte und Epilepsie-ähnliche Anfälle).
 

Wie wird die Toxoplasmose diagnostiziert?

An erster Stelle steht die Verhütung eines infizierten und geschädigten Kindes. Dafür ist eine exakte Antikörperbestimmung aus dem Blut der Mutter erforderlich, für die eine Vielzahl von Untersuchungsverfahren zur Verfügung stehen.
Im wesentlichen werden die Immunglobuline (IgG und IgM) untersucht, wobei das IgM nur bei einer frischen Infektion nachweisbar ist. Ein positives Toxoplasmose-IgG zeigt an, dass der Patient bereits früher mit Toxoplasmen in Berührung gekommen ist und damit weitgehend vor einer erneuten Infektion mit Gefahr für den Feten geschützt ist.
Das IgM zeigt etwa in der 3.-4. SSW den höchsten Titer (Antikörpermenge) um danach rel. schnell wieder abzufallen.
Auf diese Weise kann durch Mehrfachbestimmungen nachträglich der Zeitpunkt der Infektion relativ genau festgelegt werden.
 

Welche Auswirkungen kann eine Toxoplasmoseinfektion auf das ungeborene Kind haben?

Schwere Krankheitsverläufe kommen in bis zu 15 % vor.                                      

Die bekanntesten Symptome, sie sind möglicherweise auch im Ultraschall zu erkennen, sind Mangelgeburt, Hydrocephalus (Wasserkopf), Mikrocephalus (zu kleiner Kopf), Verkalkungen im Gehirn und Leber und Milzvergrößerungen.
                                                                                                                                    In über 85 % kommt es zu milden Krankheitsverläufen, die gelegentlich zu Frühgeburten und zu den oben beschriebenen Symptomen einer vorgeburtlichen Encephalitis führen können.

 

Wie verhält man sich bei einer Toxoplasmoseinfektion?

Die Infektion ist meldepflichtig.
Der beste Schutz vor einer Toxoplasmoseinfektion in der Schwangerschaft ist ein positiver Antikörperbefund. Wegen des in der Bundesrepublik als niedrig angesehenen kindlichen Risikos ist aber die Antikörperbestimmung nicht Bestandteil der Mutterschaftsvorsorge, die Kosten werden also nur im Falle einer Erkrankung der Schwangeren von den Kassen übernommen.
 

Wie sollten sich Schwangere mit einem negativen Antikörperbefund verhalten?

Ein negativer Antikörperbefund (Toxoplasmose IgG nicht nachweisbar) bedeutet, dass Sie noch keinen Toxoplasmosekontakt hatten, Ihr Körper also keine Antikörper hat entwickeln können.                                                                                                 Sie sollten dann besondere hygienische Massnahmen beachten:                            a) Vermeidung von Katzenkontakt,                                                                        b) Verzicht auf den Genuss von rohem oder kurzgebratenen Fleisch und             c) Tragen von Handschuhen bei Garten- und Erdarbeiten

Wichtig ist auch eine regelmäßige Antikörperkontrolle im Verlaufe der Schwangerschaft.

 

 

Wie wird eine Toxoplasmose behandelt?

Ohne Behandlung wird bei mütterlicher Erstinfektion die Gefahr für eine konnatale Toxoplasmose (vorgeburtlich übertragen) mit etwa 5 % angegeben.

Deshalb wird bei einer durch Antikörperbestimmung festgestellten Toxoplasmose bis zur 16. SSW häufig eine Spiramycin- Sulfonamid-Therapie und nach der 17. SSW eine kombinierte Sulfonamid-Pyrimethamin-Behandlung durchgeführt. Da die beiden letzt-genannten Medikamente auch über die Plazenta auf das Kind übergehen, wird somit ein infizierter Fetus mitbehandelt.
Bei rechtzeitiger Therapie wird das Risiko einer konnatalen Toxoplasmose um ca. 80 % reduziert.
Da durch diese Medikamente Wirkungen auf das Knochenmark beschrieben wurden, sollten die Thrombozyten (Blutplättchen) wöchentlich gezählt werden.