Influenzagrippe (Grippe)

Was ist eine Influenza?

 

Jedes Jahr sterben allein in Deutschland mehrere tausend Menschen an einer Grippe (Influenza), nicht zu verwechseln mit dem üblichen grippalen Infekt.

Influenza ist eine Infektion, die je nach Zusammensetzung der Antigenstruktur des Erregers unterschiedliche Schweregrade eine Epidemie oder sogar eine weltweite Pandemie auslösen kann. Die letzte bekannteste Pandemie war die 2009 aufgetretene Schweinegrippe.

Kinder sind bei einer Infektion mit Influenza deutlich häufiger betroffen als Erwachsene und erkranken auch häufiger und schwerer an Komplikationen.                         Dennoch wird eine Prävention (Vorsorge) durch Impfung in Deutschland nur für Kinder mit schweren Grunderkrankungen empfohlen. Zumindest die Risikogruppen: Ältere über 60 Jahre, solche mit einem geschwächten Immunsystem, Kinder und Schwangere, sollten sich in jedem Jahr auf eigene Kosten gegen die Influenza impfen lassen.

Bisher standen nur Totimpfstoffe (enthält keine lebenden Viren) für eine Impfung in einer Spritze zur Verfügung. Ein neuer Impfstoff mit abgeschwächten Lebendviren, der schmerzfrei nasal (als Nasenspray) appliziert wird, kann die Impfstrategie wesentlich verbessern. Dieser Impfstoff löst eine deutlich schnellere, höhere und länger anhaltende Schutzwirkung aus.
 

Warum wird die Influenza auch saisonale Grippe genannt?

Die Influenza tritt weltweit saisonal auf, so ist sie auf der nördlichen Erdhalbkugel von November bis April, auf der Südhalbkugel von Mai bis Oktober aktiv.

Es werden ca. 10-20% der Bevölkerung infiziert. Auch, wenn die Influenza häufig leicht verläuft, stellt sie doch für Kinder, für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem und für Schwangere eine Gefahr dar.

Sie darf nicht verwechselt werden mit dem banalen, im Frühjahr und Herbst auftretendem grippalen Infekt. Dieser wird durch Rhinoviren (Schnupfen-auslösenden Viren) ausgelöst, während die Influenza von sog. Orthomyxoviren hervorgerufen wird.

Erreger

Unter den drei verschiedenen Influenza-Typen führen Influenza-A-Viren und in geringerem Ausmaß auch Influenza-B-Viren zu regelmäßig wiederkehrenden Epidemien, während Influenza-C nur sporadisch auftritt und lediglich milde Krankheitssymptome verursacht.
Aufgrund der genetischen Instabilität kann es bei Influenza-A-Viren zu Mutationen und Neukombinationen und damit zu neuen Varianten des Virus kommen, weshalb der Impfstoff jährlich auf seine Wirksamkeit überprüft und ggf. geändert werden muss.

Die wichtigsten für den Menschen gefährlichen Influenza-Typen sind H3N2, H2N2 und H1N1 (Schweinegrippe). Jährlich auftretende Influenza-Epidemien führen weltweit zu 3-5 Millionen Fällen von schweren Erkrankungen mit 250.000 bis 500.000 Todesfällen. In Deutschland sterben jährlich etwa 6.000 Menschen an Influenza.

Wie wird die Influenza übertragen?

Grippeviren werden fast ausschließlich durch Tröpfcheninfektionen übertragen.
Größere Menschenansammlungen z.B. in Fussballstadien, in U- und S-Bahn, Pop-Konzerten, Türgriffe in Toiletten usw. begünstigen die Ausbreitung der Infektion.
Zum Selbstschutz, und um Viren nicht weiter zu verbreiten, eignet sich ein Mundschutz, der aber in regelmäßigen Abständen erneuert werden sollte.
 

Symptome (Krankheitserscheinung)

Die Influenza ist eine schwere Erkrankung der mittleren und unteren Luftwege mit einer Virus-bedingten Lungenentzündung, auf der gelegentlich der Boden für eine bakteriell bedingte Lungenentzündung bereitet wird.
Bei Säuglingen
finden sich häufig schwere Krankheitsverläufe mit sehr hohem Fieber und erheblichen Atembeschwerden. Sie machen den größten Teil intensivmedizinisch notwendigen Behandlungen aus.
Bei Klein-und Schulkindern
kommen häufig Bauchschmerzen mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall hinzu. Bei plötzlichem Fieberanstieg kann es zu Fieberkrämpfen kommen.
Bei Jugendlichen und Erwachsenen stehen zunächst grippale Symptome im Vordergrund (Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen.Die Influenza kann plötzlich mit hohem Fieber beginnen. Kranke meiden Licht und leiden z.T. unter Nasenbluten und Keuchhusten-artigem Husten.       Nach einer knappen Woche bilden sich die Symptome zurück, es verbleibt aber eine wochenlange Abgeschlagenheit mit quälenden Husten. Gefürchtet sind akute Formen mit Herz-Kreislaufversagen mit Todesfällen durch eine massive Lungenentzündung.
Schwangere
haben insbesondere im letzten Drittel der Schwangerschaft (27-40.SSW) ein erhöhtes Risiko für schwere Komplikationen, auch für Influenza-Todesfälle.

Aus diesen Gründen fordert die STIKO (Ständige Impfkommission)
Schwangere auf, sich schon frühzeitig Grippe-impfen zu lassen.
 

Welche Therapie wird bei der Influenza, der saisonalen Grippe angewandt?

Die Influenza ist eine sich selbst beschränkende Erkrankung.
Deshalb steht die Behandlung der Symptome im Vordergrund.

Dazu gehört eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine medikamentöse Fiebersenkung mit Iboprufen.

Sollte es zu einem schweren Verlauf kommen, setzen Sie sich bitte mit Ihrem Arzt, ggf. einem Lungenfacharzt in Verbindung.

Es gibt gegen Viren gerichtete Medikamente, die die Vermehrung der Influenza-A-Viren hemmen, z.B. Amantidin oder Rimantidin.
Andere, wie Neuramidasehemmer verhindern die Freisetzung neugebildeter Viren. Sie vermindern die Schwere der Infektion und wohl auch die Sterblichkeit.

Bei Schwangeren ist die Anwendung von Amantidin kontraindiziert, da dadurch möglicherweise Fehlbildungen ausgelöst werden könnten. Über Neuramidasehemmer wie Oseltamivir (Tamiflu®) gibt es noch nicht ausreichende Untersuchungen, denn auch dieses Medikament passiert die Plazenta.
Da somit bei Schwangeren kaum eine geeignete Therapie zur Verfügung steht, wird zu einer Impfung vor oder auch in der Schwangerschaft geraten. 

Welche Impfung sollte erfolgen?

Bisher war es möglich, Kinder und Erwachsene jährlich mit einem Totimpfstoff (besteht aus abgetöteten Viren) gegen Influenza intramuskulär zu impfen.

Die STIKO empfiehlt diese Impfung nur für besonders gefährdete Personen.               Sie wird jedoch nur von einem geringen Teil der gefährdeten Bevölkerung angenommen. In der Saison 2011 / 2012 ließen sich nur 56% der über 60-Jährigen und 49% der chronisch Kranken gegen Influenza impfen. Selbst in der gefährdeten Gruppe des Klinikpersonals wird die Impfung nur zu 20-25% durchgeführt!

Diese Zurückhaltung liegt zum großen Teil daran, dass der Schutz durch einen nicht verstärkten Grippeimpfstoff je nach Aktualität des Impfstoffes nur etwa 50 % beträgt.

Es hat sich aber gezeigt, dass eine regelmäßige jährliche Impfung eine Teilimmunität auch gegenüber genetischen („Drift")-Varianten bewirkt, da von Jahr zu Jahr leicht veränderte Virustypen auftauchen.

Die WHO und viele nationale Fachgesellschaften empfehlen deshalb eine jährliche generelle Impfung gegen saisonale Influenza für alle Bevölkerungsschichten.  

Neuer Influenza-Impfstoff für Kinder

Seit Mitte September 2012 ist in Deutschland unter dem Namen Fluenz® ein neu entwickelter Impfstoff für Kinder vom 2. bis zum vollendeten 18. Lebensjahr im Handel. Es ist der erste abgeschwächte (attentuierte) Lebendimpfstoff, der zudem schmerzfrei als Spray in die Nase appliziert wird.

Dieser Impfstoff ist den USA bereits seit 2003 zugelassen und hatte dort im Jahr 2007 eine Zulassungserweiterung von 5 auf 2 Jahre. Bisher sind ca. 50 Millionen Dosen verwendet worden. Zuvor wurde der Impfstoff in 70 klinischen Studien getestet, an denen 141.000 Personen teilgenommen hatten, darunter waren 40.000 Kinder und Jugendliche.  

Diagnostik

Die Diagnose wird meist anhand des klinischen Bildes gestellt.

Da aber die Unterscheidung zu anderen fieberhaften Infektionen der oberen Luftwege nicht ganz einfach ist, sollte bei schweren Verläufen und Komplikationen immer eine Labordiagnose erfolgen.

Zur Diagnosesicherung aus dem Blut z.B. mit dem ELISA-Test braucht man einen zweiten Test nach 14 Tagen, um einen Anstieg der Antikörper zu erfassen. Diese Zeitdauer ist aber für die Akutdiagnostik nicht geeignet.
Besser sind dafür die Schnelltests.

Die Methode der Wahl ist der molekulargenetische Nachweis der spezifischen Influenza A-Viren. 

Wer sollte auf jeden Fall geimpft werden?

Die WHO und viele nationale Fachgesellschaften empfehlen eine jährliche generelle Impfung gegen saisonale Influenza für alle Bevölkerungsschichten.

Eine Prävention (Vorsorge) durch Impfung in Deutschland aber nur für Kinder mit schweren Grunderkrankungen empfohlen.
Zumindest die Risikogruppen, wie Ältere über 60 Jahre, solche mit einem geschwächten Immunsystem, Kinder und Schwangere (gesunde Schwangere im II.Dittel, chronisch kranke Schwangere schon im I.Drittel der Schwangerschaft) sollten sich aber in jedem Jahr auf eigene Kosten gegen die Influenza impfen lassen.  

Bisher standen nur Totimpfstoffe (enthält keine lebenden Viren) für eine Impfung in einer Spritze zur Verfügung.
Ein neuer Impfstoff mit abgeschwächten Lebendviren, der schmerzfrei über ein Nasenspray gegeben wird, kann den Impferfolg wesentlich verbessern. Außerdem bietet er eine deutlich schnellere, höhere und länger anhaltende Schutzwirkung aus.

 

Hat die Impfung Nebenwirkungen?

Die verwendeten Lebendimpfstoffe mit abgeschwächten Viren sowie die Totimpfstoffe sind arm an Nebenwirkungen.

Außer leichtem Fieber, Schwellung und Rötung an der Einstichstelle sowie einer verstopfte Nase bei den Lebendimpfstoffen treten keine Beschwerden auf.
 

Ich habe eine Hühner-Eiweißallergie, kann ich auch geimpft werden?

Impfstoffe werden mithilfe von Hühnereiern erstellt. Für jede Impfdosis ist ein bebrütetes Hühnerei erforderlich.

 

Für Allergiker gibt es einen teuren und aufwendige Impfstoff der auf einer Zellkulturbasis produziert wird.

 

Enthält der Impfstoff das Konservierungsmittel Thiomersal?

Nein, da der Impfstoff in Einmalspritzen vorliegt, ist ein Konservierungsmittel nicht mehr erforderlich.

Thiomersal war besonders während der Schweinegrippe, es war in dem Impfstoff Pandemrix enthalten, als möglicherweise gesundheitsschädlich eingeschätzt worden.
 

Welcher Impfstoff in welchem Alter?

Der Lebendimpfstoff als Nasenspray sollte bevorzugt Kinder zwischen 2 und 6 Jahren verabreicht werden.
Damit wird eine bessere Schutzwirkung erzielt, zumal in diesem Alter verständlicherweise ein Spray einer Spritze gegenüber vorgezogen wird.
Bei schwerem Asthma und bei einer Immunkrankheit sollte allerdings besser der Totimpfstoff in einer Spritze gegeben werden.

Zwischen 7 und 17 Jahre gibt es keine speziellen Empfehlungen, es kann beides verwendet werden. Ein Lebendimpfstoff ist in Deutschland nur bis zum 18. Lebensjahr zugelassen. Alle Personen über 18 Jahre müssen mit dem Totimpfstoff in der Spritze vorlieb nehmen.

 

Lebendimpfstoff – Totimpfstoff,was ist das?

Lebendimpfstoffe bestehen aus geringen Mengen lebender Viren. Sie sind aber so abgeschwächt, dass sie die Krankheit nicht mehr auslösen können, sich aber noch vermehren können.
Totimpfstoffe hingegen enthalten abgetötete oder inaktivierte Erreger oder auch nur Teile von ihnen.
 

Wie kann man erkennen, dass ein grippaler Infekt keine Influenza ist?

Grippaler Infekt und Influenza unterscheiden sich in einer ganzen Reihe von Beschwerden von einander.

1. Krankheitsbeginn. Während es bei einem grippalen Infekt zu einer langsamen Verschlechterung der Beschwerden kommt, tritt diese bei der Influenza sehr plötzlich mit starken Beschwerden auf.

2. Fieber: Bei einem grippalen Infekt kommt es nur zu einem geringer Temperaturanstieg im Vergleich zu einer Influenza, bei der Temperaturen bis 41°C möglich sind.

3. Abgeschlagenheit, bei einer Influenza kommt es zu einem starken Schwächegefühl.

4. Appetitlosigkeit besteht im wesentlichen bei der Influenza.

5. Muskelschmerzen finden sich bei beiden Erkrankungen, die aber bei der Influenza über Kopf- und Gliederschmerzen hinausgehen.

6. Husten, beim grippalen Infekt nur mäßig vorhanden, zeigt sich bei der Influenza als trockener, schmerzhafter Reizhusten.

7. zeitliches Auftreten. Während die Influenza überwiegend in den Monaten November bis April vorkommt, kann der grippale Infekt das ganze Jahr über auftreten.