Hepatitis

Hepatitis C

10-15 % der als Hepatitis gemeldeten Patienten ergeben bei genauerer Diagnostik ein Hepatitis C und sind anti-HCV positiv.
In Europa schätzt man das Vorkommen auf ca. 4 Millionen.

Das HCV wird überwiegend durch Drogen, die über die Vene zugeführt werden und durch Sexualkontakte verbreitet.

Die Inkubationszeit liegt, wie bei anderen Hepatitis-Fällen bei 8-9 Wochen.

Die Übertragung von einer infizierten Mutter auf ihr ungeborenes Kind (sog. vertikale Übertragung) kommt bei bis zu 6 % der Kinder HCV-positiver Mütter vor und ist die häufigste Übertragungsart bei Kindern.

Das klinische Bild unterscheidet sich kaum von der Hepatitis A oder B. Es können Abgeschlagenheit, rasche Ermüdung und Oberbauchschmerzen vorhanden sein. Ansonsten ähneln die Symptome sehr den unter Hepatitis B beschriebenen Begleiterkrankungen.

Zur Diagnose wird des ELISA-Tests das anti-HCV nachgewiesen. Damit kann aber nicht zwischen einer akuten und einer chronischen Hepatitis unterschieden werden, dazu ist eine molekulargenetischer Test erforderlich.

Zur Therapie ist es möglich eine aktive Hepatitis C innerhalb von 4 Wochen für ca. 2 Jahre mit einem Interferon zu behandeln, wodurch in den meisten Fällen der Übergang in ein chronisches Stadium vermieden wird. Ohne diese Behandlung ist die Prognose schlecht und die Hepatitis C geht in 60-80 % in ein chronisches Stadium über mit den Folgen einer Leberzirrhose (bindegewebige Umwandlung) und eines Leberzellcarcinoms.
Prophylaxe.
Eine Impfung gibt es nicht. Seit Spender nachgetestet werden und Blutkonserven so lange in Quarantäne verbleiben, bis alle Spenden auf HCV-RNA
(das Erbmaterial des Hepatitis C) nachuntersucht wurden, ist das Risiko, HCV zu übertragen, stark zurückgegangen.

Bei Anti-HCV-positiven Schwangeren sollten auf ihre Viruslast (HCV-RNA) untersucht werden. Untersucht man die HCV-positiven Kinder, fällt auf, dass die Rate von anfänglich 13 % auf 3 % innerhalb von 4 Monaten abfällt.
Das mütterliche Anti-HCV das auf das Kind übergeht, bleibt 12-18 Monate bestehen, aber 95 % der nicht infizierten Kinder sind nach dem ersten Lebensjahr anti-HCV negativ.
Mit gewissen Einschränkungen kann das Kind gestillt werden. Sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.
Auch eine Hepatitis C muss dem Gesundheitsamt gemeldet werden.

 

Hepatitis D und E

Eine Infektion mit einem Hepatitis D-Virus kann nur zusammen mit einer HBV eine Hepatitis auslösen; die Hepatitis E ist in Mitteleuropa kaum anzutreffen, führt aber in Endemieländern (Infektionen in begrenztem Umfeld) bei Schwangeren zu hohen Todesfällen durch schlechte hygienische Verhältnisse. 

Was ist eine Hepatitis?

Die Häufigkeit akuter Hepatitisinfektionen liegt bei 35 auf 100.000 Einwohner.

Eine Hepatitis ist eine Leberentzündung, die von Viren ausgelöst wird.
Mittlerweile unterscheidet man 5 verschiedene Leberentzündungen die nach dem Alphabet A, B, C, D, E und H genannt werden.
Im Folgenden sollen nur die vorrangig auftretenden Hepatitis A, B und C vorgestellt werden.

 

Hepatitis A

Das ist eine Leberentzündung, die durch Schmierinfektion übertragen wird. Schlechte hygienische Verhältnisse sind der Hauptgrund dafür.

Übertragungen des Virus sind aber auch möglich z.B. bei Genuss von Austern und Meeresfrüchten, bei verunreinigtem Wasser und Eis und bei Sexualkontakten.


In Deutschland haben lediglich 20 % der Erwachsenen eine Hepatitis A durchgemacht, Kinder und Jugendliche sind in Mitteleuropa daher meist nicht mit dem Virus in Kontakt gekommen und sollten vor einem Auslandsaufenthalt in südlichen Länder eine passive Impfung erhalten. Dort findet sich denn auch

eine bis zu 90% ige Durchseuchung (Ursache s. voriger Absatz).

Kinder sind hierzulande nur gefährdet, wenn eine Hepatitis A in Gemeinschaftsräumen und Heimen auftritt.


Die Symptome der Hepatitis A: sie kann akut mit Fieber beginnen, Übelkeit, Erbrechen Oberbauchschmerzen. Auffällig sind die Gelbfärbung der Skleren im Auge, dunkler Urin und heller Stuhl.

Die Hepatitis A hat keinen Einfluss auf die Schwangerschaft oder das Kind.


Die Diagnose wird durch den Nachweis des Immunglobulin M im Serum gestellt.

Dieses IgM ist etwa 3 Monate nachweisbar, während das später gebildete IgG lebenslang im Körper verbleibt.


Eine Therapie kann nur symptomatisch sein, d.h. es gibt keine Behandlung der Ursache.


Die Prognose ist überwiegend gut, so dass auch bei länger anhaltenden erhöhten Leberenzymen (Transaminasen) eine völlige Heilung eintritt.

Es gibt aber auch einige wenige Fälle, in denen die Leberentzündung tödlich verlaufen kann.


Eine Meldepflicht an das Gesundheitsamt besteht sowohl bei Verdacht, als auch bei einer nachgewiesenen Infektion.


Prophylaxe: Als Vorsorge können Kinder ab dem 1.Lebensjahr mit einem Kombinationsimpfstoff gegen Hepatitis A und B (Twinrix Kinder) als aktive Immunprophylaxe geimpft werden.

Bei Hepatitis A- Ausbruch sollte innerhalb einer Woche eine sog. Riegelungsimpfung durchgeführt werden z.B. mit HAVpur®, da sind inaktivierte Hepatitis–A-Viren, auf Zellen gezüchtet.

Säuglinge und Patienten mit einem schwachen Immunsystem sollten dagegen nicht aktiv geimpft werden sondern Immunglobuline erhalten.

 

Hepatitis B

Die Hepatitis B wird ebenfalls von einem Virus ausgelöst und kann von Blut, Blutprodukten und durch intensiven Schleimhautkontakt (Intimkontakte) übertragen werden.
Auch durch Tätowieren und Piercing ist eine Übertragung möglich.
Bei 0,4 % oder bei 300 bis 500.000 der deutschen Bevölkerung ist das HBsAg im Serum nachgewiesen. Häufiger kommt das HBsAg in Ost- und Südeuropa vor.
Bei 10 % von ihnen geht die akute in die chronische Form der Hepatitis B über. Das sind die sog. HBs-Dauerausscheider (das kleine „s“ steht für surface= Oberfläche).
Die Fehlbildungsrate ist bei Kinder infizierter Müttern nicht erhöht.
Die Infektion des Neugeborenen erfolgt in der Regel unter der Geburt.
Ca. 5 % der Kinder stecken sich bei der infizierten Mutter an, bei denen dann bereits im Nabelschnurblut das HBsAg nachgewiesen werden kann.

Die Symptome der Hepatitis B ähneln denen der Hepatitis A. Besonders im Neugeborenen-Alter sind auch völlig symptomlose Verläufe bekannt. Nicht selten treten aber Krankheitserscheinungen wie Gelenk- und Muskelschmerzen,
Hautausschläge, Nierenerkrankungen (Glomerulonephritis) und Infektionen des Herzmuskels auf.

Die Diagnose der akuten Hepatitis B kann im Blutserum durch den Nachweis des HBsAg erfolgen. Dieses Antigen wird aber rel. schnell aus dem Organismus entfernt. Bei klinischem Verdacht sollte dann eine Untersuchung auf das Immungobulin Anti-HBc-IgM, das über 6 Monate nach der Infektion nachweisbar ist. (HBs ist ein Antigen der Virushülle, das HBc ein Antigen des Innenkörpers). Ist das HBsAg länger als 6 Monate nachweisbar ist von einer chronischen Hepatitis auszugehen.

Auch hier, wie bei der Hepatitis A, steht eine Therapie nicht zur Verfügung und muss symptomatisch erfolgen.

Prophylaxe: zunächst ist auf die strenge Einhaltung hygienischer Maßnahmen zu achten.
HBsAg-positive Kinder können weiter Kindergarten oder Schule besuchen. Vorsichtshalber sollten aber alle Kinder im direkten Umfeld geimpft werden. Bei Biss o.ä. muss sofort geimpft werden.

Der Impfschutz hält in der Regel 10-15 Jahre und sollte dann aufgefrischt werden. Bei über 95 % der Geimpften kann danach ein Antikörpertiter von über 10 IE/l (internationale Einheiten pro Liter) festgestellt werden, nur ein geringer Teil entwickelt keine Antikörper. Aber nur in besonderen Fällen (z.B. bei chron. Erkrankungen oder bei Kindern mit einem Immunmangel) werden Antikörpertests nach eine Impfung durchgeführt. Bei 5 % der Kinder gibt es leichtere Nebenwirkungen

Hepatitis in der Schwangerschaft
(nach Huchzermeyer in „Erkrankungen in der Schwangerschaft“ Hrsg. W.Rath, K. Friese, Thieme-Verlag 2005)
Die Virushepatitis ist mit 40% die häufigste Ursache einer Lebererkrankung.
Dabei unterscheidet sich der Krankheitsverlauf bei Schwangeren nicht wesentlich von dem der Allgemeinbevölkerung.
Aber eine Hepatitis hat Auswirkungen auf das ungeborene Kind. Zwar sind bei allen Hepatitisformen keine vermehrten Fehlbildungen aufgetreten, aber die
Frühgeburtenrate ist deutlich erhöht, weniger stark die Totgeburtsrate.

Das wesentliche Problem liegt in der Infektion des Kindes, da 80-90% der
Kinder zu chronischen Virusträgern werden.

Nach den Mutterschaftsrichtlinien sind alle Mütter möglichst nahe am Geburtstermin auf HBsAg zu untersuchen.
Da die Infektion üblicherweise bei der Geburt stattfindet, ist bei allen Kinder HBs-Antigen positiver Mütter, eine Impfung unmittelbar nach der Geburt* sowie nach 4 Wochen und 6 Monaten erforderlich.
HBsAg bedeutet Hepatitis B surface (Oberfläche)-Antigen; Ein Antigen ist eine Substanz, die vom Organismus als fremd erkannt wird und eine Antikörperbildung auslöst.
*Die Kinder sollen direkt nach der Geburt, spätestens 12 Stunden später ein spezielles Immunglobulin (0,5ml/kgKG) (0,5 ml pro Kilogramm Körpergewicht)
als passive Impfung intramuskulär oder in die Vene erhalten, und gleichzeitig als aktive Impfung die erste Impfdosis auf die andere Pobacke.

Diese Impfung verhindert in über 95 % die Infektion.

Mittlerweile wird bei HBsAg-positiven Schwangeren im Labor auch die sog. „Viruslast“ bestimmt, das ist die Menge an Viren pro Milliliter.
Bei einer hohen Viruslast werden weitere Behandlungsschritte erforderlich.
Bei von Viren ausgelösten chronischen Leberentzündungen kann eine Therapie mit Interferon erforderlich sein.

HBsAg-positive Schwangere müssen nicht isoliert werden, sollten aber getrennt entbunden werden. Anschließend muss eine sorgfältige Desinfektion des Raumes erfolgen.
Das besonders gefährdete Pflegepersonal sollte gut geschult sein im Umgang mit infektiösen Materialien (Tragen von Handschuhen, Gefahren bei Nadelstichen, usw.)