Harnwegsinfektion

Was sind Harnwegsinfekte?

Harnwegsinfekte sind Infektionen der Harnblase, der Harnleiter und des Nierenbeckens.
Harnwegsinfekte gehören zu den häufigsten Infektionen gynäkologischer Patientinnen.

Bei Schwangeren steigt die Zahl der Harnwegsinfektionen mit dem Alter und der Zahl der Geburten und kann bis zu 10 % von ihnen betreffen.
Die Ursache liegt an der größer werdenden Gebärmutter, die ein Abflusshindernis darstellt und damit den Urin im Harnleiter aufstaut. Das wiederum stellt einen idealen Nährboden für Bakterien dar.

Symptome

Aufgrund der kurzen Harnröhre bei der Frau kann es leicht zum Aufsteigen von Bakterien in die Harnblase kommen. Bei starker Vermehrung der Bakterien spricht man dann von einer Harnröhrenentzündung (Urethritis) oder einer Blasenentzündung (Cystitis).
Patienten klagen bei derartigen Entzündungen über Brennen beim häufigen Wasserlassen, zudem können Unterleibsschmerzen auftreten.
 

Was ist eine Bakteriurie?

Jeder spontangelassene Urin enthält Bakterien, da beim Durchfluss durch den Scheideneingang der Urin mit Bakterien verunreinigt wird, die überall auf unserer Haut vorhanden sind. Das bedeutet noch keine Infektion.

Untersucht wird die Keimzahl entweder im sog. Mittelstrahlurin, der im Becher aufgefangen wird, nachdem in die Toilette abgegen wurde und der Urin, der mittels eine Katheters gewonnen wird.

Bei einem Harnwegsinfekt liegt im Mittelstrahlurin die Keimzahl oberhalb des Grenzwertes von 1 Million Bakterien pro Milliliter!
Bei Urin, der mittels eines Katheters gewonnen wurde sind das immer noch 100.000 Keime pro Milliliter.

 

Diagnostik

Am einfachsten ist das Eintauchen eines vorpräparierten Teststreifens (Urinstix) in den Urin. Mit ihm kann schnell und einfach festgestellt werden, ob sich im Urin z.B. zuviel Glucose (Zucker), Eiweiß, oder Blut befindet.

Zusätzlich gibt es aber auch eine Aussage über das Vorhandensein von weißen Blutkörperchen, die bei Infektionen erhöht sind (Leukozyten)und Nitrit.
(Die häufigsten Erreger des Harnwegsinfektes, u.a. E.Coli, wandeln das mit der Nahrung aufgenommene Nitrat (z.B. in Wurzel- und Blattgemüse) zu Nitrit um.

Wenn zusätzlich Blut nachgewiesen wird, ist ein Harnwegsinfekt sehr sicher.

Auch die Untersuchung des sog. Urin-Sediments kann einen Hinweis auf eine Infektion liefern. Um ein Sediment zu erhalten, muss der Urin zentrifugiert werden, damit sich die Zellbestandteile am Boden absetzen (sedimentieren). Im Sediment finden sich dann häufig rote und weiße Blutkörperchen.
Das führt zwar zur Diagnose eines Harnwegsinfektes, sagt aber nichts über die auslösenden Bakterien aus.

Dazu bedarf es einer Urinkultur, am einfachsten im sog. Eintauchverfahren eines fertigen Nährbodens in den Urin, auf dem die am häufigsten vorkommenden Bakterien (u.a. die Darmbakterien E.Coli und Enterokokken) anwachsen können und nach 24 Stunden als Kolonien sichtbar werden. Direkt daran kann sich die Therapie anschließen.
 

Therapie

Diese Therapie wird meist mit einem Antibiotikum durchgeführt, da alle Antibiotika über die Niere ausgeschieden werden und dann in ausreichender Konzentration im Urin vorhanden sind.

Hier kommen im wesentlichen Amoxycillin, Co-Trimazol u.a. zur Anwendung. Die Therapiedauer in der Schwangerschaft sollte mindestens 5 Tage betragen.
 

Besonderheiten beim Harnwegsinfekt

• Sollten zwar Bakterien nachweisbar, aber auf dem Nährboden einer Urinkultur nichts   gewachsen sein, sollte mit einer Spezialuntersuchung nach Clamydien, Herpes und     ggf. nach Tuberkulose, Myco- und Ureaplasmen gesucht werden.
• Sollte die Antibiotikabehandlung innerhalb von kurzer Zeit keine Besserung ergeben,   sollte auf ein anderes Präparat gewechselt werden z.B. Gyrasehemmer oder                 Cephalosporine.

• Im Falle einer Infektion durch Aufsteigens der Bakterien über den Harnleiter in das       Nierenbecken spricht man von einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis).
  Sie zeichnet sich besonders durch ein klopfschmerzhaftes Nierenlager aus. Hier           muss die Behandlung auf 14 Tage ausgedehnt werden.

 

Welche Auswirkungen hat eine Harnwegsentzündung auf die Schwangerschaft?

• Zunächst kann es durch die Behinderung des Urinabflusses durch die größer               werdende Gebärmutter zu einem Urinaufstau in Harnleiter und Nierenbecken               kommen, was zum einen schmerzhaft sein kann, zum anderen kann durch starken       Druck die Niere selbst Schaden nehmen.
  In seltenen Fällen muss den Harnleiter geschient werden, d.h. es wird ein Katheter       bis ins Nierenbecken vorgeschoben.

• Prostaglandine sind für die Auslösung von Wehen verantwortlich. Bestimmte                 Bakterien führen zu einer Steigerung der Prostaglandin-Produktion, was zu                   vorzeitigen Wehen führen könnte.

• Für den Feten bedeutet ein mütterlicher Harnwegsinfekt eine erhöhte                             Fehlgeburtsrate im zweiten Drittel der Schwangerschaft und eine Erhöhung der             Sterblichkeit um die Geburt herum, besonders, wenn eine chronische                             Nierenerkrankung mit Bluthochdruck und Eiweiß im Urin das Risiko für eine                   Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie) erhöht.