Cytomegalie

Was ist eine Zytomegalie/ Cytomegalie?

Cytomegalie heißt eigentlich nur „große Zelle“.                                                                 Eine Infektion mit diesen Cytomegalie-Viren in der Schwangerschaft führt aber häufiger zu schweren Schäden als z.B. Röteln oder Toxoplasmose.
Insofern ist es erstaunlich, wie wenig Schwangere darüber wissen.                                      
Lt. einer Untersuchung (Dt.Ges. f. Kinder- und Jugendmedizin) hatten nur 36 % der Schwangeren von einer Cytomegalie gehört.

Bislang wurde ein Screening (Suchtest) nicht durchgeführt, ebenso gibt es keine Verhütungsmöglichkeit, mittlerweile bei Schwangeren aber die Möglichkeit einer Behandlungder Gabe eines Hyperimmunglobulins (200 IE/kg KG i.v., d.h. 200 internationale Einheiten pro Kilogramm Körpergewicht, intravenös gegeben). Das wird nur dann gegeben, wenn bei einer Schwangeren ein zuvor negativer CMV-Antikörpertiter positiv wird (Serokonversion)

Das Cytomegalie-Virus (CMV) gehört zur Gruppe der Herpes-Viren. Anders als bei Röteln oder dem Parvovirus B19, aber wie bei den anderen Herpesviren auch, kann sich das CMV im Körper festsetzen und eine Reaktivierung ist jederzeit möglich (Sekundärinfektion).


Symptome einer Cytomegalie-Infektion:

Die Infektion erfolgt nach Eintritt des Virus über die Schleimhäute des Atmungs- und Geschlechtstraktes in das Blut. Die Viren gelangen dann in Lungen, Nieren, Herz und Leber.

Die Erstinfektion verläuft meist unbemerkt im Kindesalter. Bei Jugendlichen kann es zu gelegentlichem Unwohlsein, Müdigkeit, Lymphknotenschwellungen und leichtem Fieber kommen.
Nur selten kommt es zur Myocarditis (Herzmuskelentzündung) und zum Guillain-Barré-Syndrom mit schlaffen Lähmungen und Reflexabschwächungen.
Eine Sekundärinfektion (Zweitinfektion) ist fast immer symptomlos.

Gefährlich werden kann die Erkrankung bei Menschen mit verminderter Immunreaktion (Transplantationspatienten, HIV-Patienten) hier kann die CMV-Infektion zu einer schweren, lebensbedrohlichen Symptomatik führen.

In der Schwangerschaft kommt es zu einer Übertragungsrate in 40-50 % auf Plazenta und Kind. 10 % der infizierten Kinder zeigen nach der Geburt Symptome  und weitere 10 % entwicklen später Hör-, Augen-und Hirnschäden.
 

Diagnostik der Cytomegalie-Infektion:

Die Erstinfektion wird wegen der geringen Symptomatik nur selten diagnostiziert. In der Schwangerschaft aber sollte u.a. frühzeitig eine Untersuchung auf Toxoplasmose und Cytomegalie erfolgen.
Dabei werden sog. CMV-Antikörperuntersuchungen durchgeführt. Bislang kann eine CMV-Erstinfektion nur aufgrund einer Serokonversion eindeutig erkannt werden. (Bei einer Serokonversion wird – als Beweis für eine Infektion – ein anfänglich negativer Antikörperwert positiv). Zusätzlich gibt es einen deutlichen Anstieg der Immunglubuline (IgG und IgM).

Ein positiver direkter Virusnachweis kann aus dem Urin oder von der Zervix (Muttermundsbereich), aus Speichel, Rachensekret, aus Chorionzotten und Fruchtwasser, aus fetalem Blut und aus der Muttermilch erfolgen.

Die pränatale Diagnostik (Chorionzottenbiopsie, Fruchtwasseranalyse, Nabelschnurblut) wird im wesentlichen bei auffälligen serologischen Befunden (Untersuchungen aus dem Serum zur Antikörperbestimmung) oder bei abnormen Befunden im Ultraschall durchgeführt.
 

Wie kann man sich mit dem CMV-Virus infizieren?

Sowohl bei einer Erst-, als auch bei einer sog. Sekundärinfektion kann das Virus über Tränen, Speichel, Urin, Genitalsekret, Blut und Muttermilch übertragen werden.
Kinder, die vorgeburtlich mit diesen Viren in Kontakt gekommen sind, scheiden sie in großen Mengen aus. In solchen Fällen kann die Ausscheidung bis weit in die Schulzeit hinein reichen. Diese Kinder stellen für die Frauen bei weiteren Schwangerschaften die größte Gefahr dar.
 

Wie lang ist die Inkubationszeit? (die Zeit zwischen Beginn der Infektion, z.B. durch Tröpfcheninfektion o.ä., bis zum Ausbruch der Krankheit).

 Die Inkubationszeit ist nicht sicher bekannt, möglicherweise 4-8 Wochen.

Welche Gefahr besteht für Schwangere und Ungeborene?

Das Hauptrisiko für kindliche Schäden mit Spätfolgen ist eine Erstinfektion der Mutter im ersten bis zum Beginn des dritten Trimenons.
5 % der Kinder weisen die klassischen Symptome wie Seh- und Hörstörungen sowie Entwicklungs- und auch geistige Verzögerungen auf.

Wie kann ich mich schützen, und wie verhalte ich mich bei einer Infektion?

Generell sollten Frauen vor Beginn der Schwangerschaft ihren Antikörperstatus bestimmen lassen, das gilt besonders für Erzieherinnen und Kindergärtnerinnen.

Seronegative Schwangere, also solche, ohne vorherigen Kontakt mit Cytomegalie-Viren, sollten auf folgendes achten:
Händewaschen
1. nach dem Windelwechsel,
2. nach dem Waschen und Füttern des Kindes
3. Vermeiden des Kontaktes mit Tränen und dem Speichel des infizierten Kindes
4. Vermeiden Sie Küsse auf den Mund
5. Kein gemeinsames Benutzen von Zahnbürste, Geschirr und Waschlappen

Da es aber vielfältige Übertragungswege gibt, ist eine Ansteckungsvermeidung kaum möglich.
 

Ich bin CMV-positiv, darf ich mein Kind stillen?

Fast alle seropositiven (mit positivem Antikörpernachweis) Mütter scheiden das Virus über die Muttermilch aus.
Auch, wenn sich ca. 35 % der Kinder sich dabei anstecken ist das Stillen reifer Säuglinge kein Problem, denn Stillen ist der beste Schutz vor zukünftiges CMV-negativen Schwangeren dar.
Zudem verläuft bei ihnen die Erkrankung so harmlos, wie bei anderen Erstinfizierten. Sie können dann allerdings jahrelang größere Erregermengen ausscheiden.
Ein Impfstoff steht nicht zur Verfügung.

 

Wie wird eine Cytomegalie behandelt?

An erster Stelle wird heute bei Neugeborenen oder Säuglingen mit schwerer CMV-Symptomatik das Ganciclovir, ggf. das Aciclovir (beides sind Virusstatika, also Medikamente, die die Vermehrung von Viren verhindern sollen) eingesetzt, häufig in Kombination mit einem CMV-Hyperimmunglobulin (ein menschliches Serum mit einem hohen Anteil an Antikörpern (Immunglobulinen)gegen CMV).

Bei Schwangeren wird mittlerweile das CMV-Hyperimmunglobulin eingesetzt werden. Es senkt die Übertragungsrate auf das ungeborene Kind (von 40 auf 16 %), mindert die Entzündungsreaktion der infizierten Plazenta und vermindert deutlich Schäden bei infizierten Kindern (von 50 auf 3 %)!.

Bei primärer CMV-Infektion der Mutter sollte unbedingt CMV- HIG gegeben werden, vorzugsweise an Universitätskliniken im Rahmen von Studien.

• Auskunft bei: julia.jueckstock@med.uni-muenchen.de; und (Robert-Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 2014; Nr.3: 23-28)