Infektionen und Schwangerschaft

Welche Infektionserkrankungen sollten Sie vor Beginn oder am Anfang einer Schwangerschaft durch eine Blutuntersuchung ausschließen?

Neben der vaginalen Untersuchung auf Bakterien und Clamydien sollten insbesondere Blutuntersuchungen auf Röteln, Toxoplasmose, Cytomegalie (ggf. auch Listeriose) und Windpocken (Varizellen) erfolgen. Besonders Lehrerinnen, Kindergärtnerinnen etc. sollten wissen, ob sie Ringelröteln gehabt haben. Selbstverständlich gehört auch eine HIV-Untersuchung dazu, zum Ausschluss von Viren, die AIDS auslösen können. Die Untersuchung auf Lues (Syphilis) ist nach den Mutterschaftsrichtlinien Pflicht.

Infektionen in der Schwangerschaft. Achtung! Teilweise werden hier auch reine Kinderkrankheiten aufgeführt. Warum?

Der Grund ist, dass Kinder, die vor der jetzigen Schwangerschaft geboren wurden, diese Kinderkrankheiten mit nach Hause bringen und Mütter meist in große Unruhe versetzen hinsichtlich der Gefahr der Infektion des ungeborenen Kindes.

Infektion, was ist das?

Infektionen sind für die meisten von uns fieberhafte Erkrankungen,
wie grippale Infekte, die mit Abgeschlagenheit, Unwohlsein und Begleiterscheinungen wie Husten und Schnupfen einhergehen.

Infektionen werden ausgelöst durch Krankheitserreger, die auf vielfältige Art und Weise auf uns übertragen werden können: durch Übertragung von Tröpfchen beim Anhusten oder Niesen, durch Übertragung über Hände u.ä. als Schmierinfektion, durch Insektenstiche, durch infizierte Spritzen, durch Verletzungen, durch Tierbisse usw.

Auf diese Art und Weise werden die verschiedensten Erreger
übertragen: Bakterien, Viren, Pilze, Würmer und Parasiten.

Bakterien sind mikroskopisch sichtbare einzellige Kleinlebewesen, die in den unterschiedlichsten Formen auftreten können: als Kokken (Kügelchen), als Stäbchen mit oder ohne Geißeln oder als Schrauben.

Bakterien können sich, in einen Organismus gelangt, durch Zweiteilung vermehren.
Im menschlichen Körper spielen Bakterien eine große Rolle.
Die überwiegende Anzahl der Bakterien lebt im menschlichen Darm und fördert die Verdauung. Auch die Haut ist von meist harmlosen Bakterien besiedelt, besonders hohe Bakterienzahlen finden sich an Händen und Zähnen, die auch als Krankheiterreger wirken können.

Da sie einen eigenen Stoffwechsel haben, können Sie auf unbelebten Nährböden gezüchtet werden. Dieser wird auch dazu benutzt, festzustellen, welches Medikament am wirksamsten die krankmachenden Bakterien bekämpft. Das ist notwendig, da Bakterien im Laufe der Zeit gegen viele der sog. Antibiotika resistent geworden sind.
Unter dem Wort „Resistenz“ versteht man die Tatsache, dass Infektionserkrankungen immer schwieriger zu behandeln sind.
Noch ist nicht ganz geklärt, ob die auslösenden Bakterien tatsächlich von dem entsprechenden Antibiotikum nicht mehr angegriffen werden können, oder ob sie sich in einer Art Schlafzustand befinden. Zudem hat man festgestellt, dass es langsam- und schnell-wachsende Bakterien der gleichen Spezies (Gattung) gibt. Mit dem Antibiotikum werden dann vermutlich die schnell-wachsenden bzw. sich schnell vermehrenden Bakterien abgetötet, nicht jedoch die langsam wachsenden, die eine erfolgreiche Therapie verzögern.
Ursachen für eine Resistenz können aber auch eigenes Fehlverhalten sein: z.B. frühzeitig abgebrochene und nicht ausreichend dosierte Einnahme eines Antibiotikums. Auch die übermäßige Verwendung von Antibiotika in der Massentierhaltung kann aber zu Resistenzen führen.

Bakterien besitzen aber nicht nur die Fähigkeit, eine Erkrankung auszulösen, sie produzieren für den Menschen auch so wichtige Dinge wie Antibiotika oder Enzyme.

Viren sind Zellparasiten, sie dringen in eine Wirtszelle ein und vermehren sich durch Zerstörung der Zelle und wirken dann ab einer bestimmten Menge krankmachend.

Es gibt Viren mit und ohne Hülle, sie sind nicht mit bloßem Auge sichtbar, und, da sie keinen eigenen Stoffwechsel haben, können sie nur auf lebenden Zellen (Gewebekultur, Eikultur) mittels eines Elektronen-Mikroskops untersucht werden.

Viruserkrankungen können in den meisten Fällen nur symptomatisch behandelt werden, d.h. der Arzt versucht die Symptome zu behandeln
Wie z.B. den Juckreiz bei Windpocken. Das lindert die Beschwerden, wirkt aber nicht auf die Viren und anders als bei den Bakterien können
Viren nicht mit einem Antibiotikum behandelt werden. Hier muss abgewartet werden, bis das körpereigene Immunsystem die Anzahl der Viren (sog. Viruslast) selbst vermindert.

Pilze sind eine eigene Spezies neben Tieren und Pflanzen. Es gibt sowohl Einzeller wie Hefen, aber auch Vielzeller wie z.B. Schimmelpilze.
Sie vermehren sich durch Sporen und bilden z.T. langlebige Myocelien.

Pilze können beim Menschen eine Vielzahl von Erkrankungen hervorrufen, die besonders an Kopf, Füßen und Händen, an Fußnägeln und Schleimhäuten auftreten.
Ohne Pilze müssten wir aber auch auf eine Vielzahl von Dingen verzichten: ohne sie würde es weder Wein noch Bier geben, auch das Backen kommt ohne sie nicht aus.
Das bedeutsame Penizillin gäbe es ebenfalls ohne Pilze nicht.

Parasiten, auch Mitesser oder Schmarotzer genannt, sind Lebewesen, die ganz oder teilweise auf Kosten anderer Spezies im Darm, Blut oder Gewebe leben.

Dazu gehören z.B. die Toxoplasmen, die in der Schwangerschaft die gefürchtete Toxoplasmose auslösen oder auch Ureaplasmen, die zu Harnröhren- und Scheidenentzündungen beitragen können.

Aber auch Würmer zählen zu dieser Gruppe. Das Thema wird meist als unschicklich abgetan, da Würmer und Wurmeier sich meist nur, mit wenigen Ausnahmen, aus dem Stuhlgang erkennen lassen. Bandwürmer, Spulwürmer und Oxyuren (Madenwürmer) zählen nicht zu unseren beliebtesten Begleitern und lösen z.T. heftige Erkrankungen aus.
 

Was kennzeichnet eine Infektion?

Bei einer Infektion finden wir ein präzis aufeinander abgestimmtes
Zusammenspiel von Eindring- und Abwehrvorgängen in zeitlich gesetzmäßiger Abfolge bis zur Heilung, wie es von W. Goebel und M. Glöckler, in Ihrem Buch „Kindersprechstunde“ im Verlag Urachhaus erschienen, beschrieben worden ist. Wegen dieses präzisen Zeitablaufs nennt man diese Erkrankungen auch „ selbst-limitierend-
(selbst begrenzend)“.
Die Eigenanstrengungen des Körpers zur Überwindung der Infektion
erkennt man an: Fieber, Abgeschlagenheit, Haut-Ausschlägen, Lymphknotenschwellungen (teilweise) und Erbrechen. Mit Hilfe dieser körperlichen Reaktionen wird die Krankheit überwunden und der Organismus verschafft sich dadurch eine bessere Immunität für eine zukünftige Auseinandersetzung mit dem gleichen Erreger.
 

Worauf muss man bei der Hände-Desinfektion achten?

Es gibt eine ganze Reihe von Präparaten zur Hände-Desinfektion (z.B. Sterilium®, Desderman®, um nur einige zu nennen). Nicht alle wirken allerdings gleichermassen gegen Bakterien und Viren.

Der "Verbund für angewandte Hygiene" hat die Wirksamkeit gegen die entsprechenden Erreger geprüft und dabei eine gute Wirksamkeit der Desinfektionsmittel gegen Staphylokokken (Eitererreger), Enterokokken und E.coli (Darmbakterien), gegen Streptokokken und gegen den Erreger des Krankenhauskeims MRSA (methicillin-resistenter Staphylokokkus Aureus) und gegen Candida albicans festgestellt. 

Die Wirksamkeit gegen Tuberkelbakterien und Hautpilzerreger ist dagegen fraglich.

Sog. behüllte Viren werden bei der Händedesinfektion gut inaktiviert: dazu gehören HIV, HCV (Hepatitis C-Virus) und HCV (Hepatitis-B-Virus), sowie Masern-, Mumps-, Röteln und Influenza-Viren. Auch Herpes-, Cytomegalie-, Epstein-Barr- und Varizella-Zoster-Viren werden unschädlich gemacht.                                                                                   Die sogenannten "nackten" Viren (ohne besagte Hülle), wie die Durchfall-auslösenden Noro- und Rotaviren, Viren die Hepatitis-A auslösen, Coxsackie-, Papilloma-, Polio- (Kinderlähmung) und Rhinoviren (u.a. Schnupfen) sind dagegen nur schwer angreifbar. Und wenn dann auch nur mit Präparaten, die als "viruzid" einzuordnen sind.

Ganz wichtig bei der Händedesinfektion ist allerdings, das Desinfektionsmittel in die trockenen Hände einzureiben und die Einwirkzeit zu beachten, d.h. die Hände vollständig zu benetzen und sie mindestens 30 Sekunden zu "waschen", wobei auch auf die Daumen, die Fingerkuppen und die Zwischenfingerräume zu achten ist. Unverträglichkeitsreaktionen können durch Farbstoffe oder Parfums ausgelöst werden, Händedesinfektionsmittel sollten daher nur aus Alkohol und rückfettenden Substanzen bestehen.