Haut- und Schwangerschaft

Haut und Schwangerschaft: Vorwort

Die nachfolgenden Fragen und Antworten zum Thema „Schwangerschaft und Haut“ sind dem Buch „Haut – gesund, schön, gepflegt“, erschienen im Dumont Verlag, ISBN 978-3-8321-6128-6, mit Einverständnis der Autoren: Prof. Dr. med. Volker Steinkraus (Experte bei mothers-talk), Prof. Dr. med. Kristian Reich und Marie-Anne-Schlolaut entnommen.

 

Vorwort

 

Die Zeit der Schwangerschaft ist für die werdenden Mütter – und natürlich Väter – eine Zeit der Freude auf das Kind. Aber in den neun Monaten, in denen aus der befruchteten Eizelle ein kleiner Mensch wird, muss der Körper der Frau Enormes leisten, angefangen beim Immunsystem, das sich auf einmal auf einen völlig anderen Organismus einstellen muss, nämlich den des werdenden Kindes, der auch durch das Erbgut des Mannes gebildet wird. Das eine grandiose Herausforderung. In den rund 267 Tagen einer Schwangerschaft, in denen die Frau durchschnittlich 250 Gramm pro Woche zunimmt, wird auch der Haut einiges zugemutet. Sie muss sich am Bauch extrem dehnen, sie muss so stabil sein, dass sie das zusätzliche Gewicht gut „ertragen“ kann, und damit fertig werden, dass auch die Blutmenge im mütterlichen Kreislauf von 5,5 auf 6,4 Liter steigt, um das werdende Kind gut zu versorgen. Also auch die Blutgefäße arbeiten hart. Die erhöhte Menge an Blut, der Druck und die hormonell bedingte Erweiterung der Gefäße können dazu führen, dass Schwangere Krampfadern und Besenreiser bekommen. Östrogene sorgen zudem dafür, dass sich mehr Flüssigkeit im Hautgewebe einlagert. Das lässt die Haut einerseits frisch und prall erscheinen, kann aber auch die Ursache sein für geschwollene und schmerzende Beine. Der Trost, dass das alles nach neun Monaten vorbei ist, mag gelegentlich nicht

ausreichen, denn nicht alle Veränderungen der Haut während der Schwangerschaft bilden sich wieder zurück. Die Dehnungsstreifen am Bauch und Krampfadern können nämlich bestehen bleiben.

Mittlerweile sind die Behandlungsmethoden in der Medizin so weit fortgeschritten, dass die sichtbaren Veränderungen der Haut bei Schwangeren gut therapiert werden können. Vor allem die sichtbaren Zeichen der Schwangerschaft auf der Haut können in vielen Fällen gemildert werden. Dennoch ist es nicht ratsam, alles, was machbar ist, auch anzuwenden. Vorrang bei allen Therapien sollte das ungeborene Kind haben. Bei vielen Beschwerden lässt sich Abhilfe schaffen, damit die werdenden Mütter nicht unnötig leiden, wenn sich in ihrem Körper das Wunder der Schwangerschaft vollzieht.

 Alle Fragen zum Thema „Haut und Schwangerschaft“, sind mit Einverständnis der Autoren dem Buch: „Haut, gesund, schön, gepflegt“ von Prof. Dr. V. Steinkraus, Prof. Dr. K. Reich und Marie-Anne Schlolaut, erschienen im Dumont-Verlag, entnommen.

 

Was passiert mit der Haut während der Schwangerschaft?

Während der Schwangerschaft kommt es zu ausgeprägten Veränderungen, bedingt durch Hormone, Immunsystem und  Stoffwechsel. Die Haut verändert Form, Farbe, Struktur und ihr Erscheinungsbild. Am auffälligsten sind die Veränderungen der Hautfarbe, der Blutgefäße, der Lederhaut und des Unterhautfettgewebes. Mit Ende der Schwangerschaft bildet sich all dies meist langsam wieder zurück.

 Alle Fragen zum Thema „Haut und Schwangerschaft“, sind mit Einverständnis der Autoren dem Buch: „Haut, gesund, schön, gepflegt“ von Prof. Dr. V. Steinkraus, Prof. Dr. K. Reich und Marie-Anne Schlolaut, erschienen im Dumont-Verlag, entnommen.

 

Treten die Veränderungen an der Haut gleich zu Beginn der Schwangerschaft auf?

Teils, teils. Die meisten Hautveränderungen treten im mittleren Drittel der  Schwangerschaft auf. Dazu gehören die Farbveränderungen. Wer eine Veranlagung zu Neurodermitis hat, bei dem können sich bereits in der Frühschwangerschaft Ekzeme bilden. Der typische Schwangerschaftsjuckreiz, der keine Hautveränderungen verursacht, tritt eher in der Spätschwangerschaft auf.

 

Alle Fragen zum Thema „Haut und Schwangerschaft“, sind mit Einverständnis der Autoren dem Buch: „Haut, gesund, schön, gepflegt“ von Prof. Dr. V. Steinkraus, Prof. Dr. K. Reich und Marie-Anne Schlolaut, erschienen im Dumont-Verlag, entnommen.

 

Welches sind die häufigsten Hautveränderungen?

Am stärksten wird das Pigmentsystem beeinflusst. Je dunkelhäutiger eine Schwangere ist, desto mehr fällt diese Veränderung auf, was besonders bei südeuropäischen oder südamerikanischen Frauen zu beobachten ist.

Während der Schwangerschaft steigt die Produktion der Hormone Östrogen, Progesteron sowie alpha-MSH an. Das aktiviert die Pigmentzellen der Haut (Melanozyten). Im Gesicht kommt es oft zur so genannten  Schwangerschaftsmaske mit dunklen Flecken in der Gesichtsmitte, also an Nase, Wangen, Stirn, am Jochbein oder Unterkiefer. Dies wird auch als Melasma oder Chloasma bezeichnet. Diese Schwangerschaftsmaske wird durch die UV-Strahlen der Sonne noch verstärkt, sodass sie mit aufhellenden Cremes und hohem Lichtschutz gepflegt werden muss.

 

Treten Flecken im Gesicht nur während der Schwangerschaft auf?

Nein, diese Flecken können auch bei der Antibabypille auftreten, da diese ja ebenfalls Hormone enthält. Bei manchen Frauen können sich diese Veränderungen auch aufgrund einer individuellen Neigung entwickeln. In der Regel sind es drei Dinge, die eine Schwangerschaftsmaske verursachen: genetische Veranlagung, Hormone und UV-Licht.

Alle Fragen zum Thema „Haut und Schwangerschaft“, sind mit Einverständnis der Autoren dem Buch: „Haut, gesund, schön, gepflegt“ von Prof. Dr. V. Steinkraus, Prof. Dr. K. Reich und Marie-Anne Schlolaut, erschienen im Dumont-Verlag, entnommen.

 

Wie lassen sich Flecken im Gesicht am besten behandeln?

Da sich die Veränderungen nach einer Schwangerschaft häufig von selbst zurückbilden und alle möglichen Therapien während der Schwangerschaft nicht unproblematisch sind, sollte ein hoher Lichtschutz unbedingt durchgeführt werden.

Bleiben die Veränderungen nach einer Schwangerschaft bestehen, gilt als Standardtherapie eine Creme mit Hydrochinon (Hemmstoff der Pigmentsynthese), Vitamin A-Säure und Kortison. Kundige Hautärzte verzichten meist auf Kortison und arbeiten stattdessen mit einer kombinierten Creme aus Hydrochinon, Vitamin-A-Säure, Vitamin E und C. Alternativ können Cremes mit Azelainsäure oder Fruchtsäure angewendet werden, die aber deutlich schwächer wirken.

Bisherige Laseranwendungen haben durchweg enttäuscht. Eine Ausnahme ist der relativ neu auf dem Markt befindliche fraktonierte Laser, der punktuell Hautpartien bearbeitet und bei diesen Hautverfärbungen relativ gute Ergebnisse liefert. Am besten lasert man zu Anfang nur einen kleinen Hautbereich, um zu sehen, ob es wirkt. Begleitend muss man sich immer – egal bei welcher Behandlung – konsequent vor der Sonne schützen. Das wird bedauerlicherweise oft vergessen.

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Treten nur Flecken im Gesicht auf, oder sind noch andere Körperregionen betroffen?

Brustwarzen, Warzenvorhöfe, Achselhöhlen sowie die Hautlinie, die vom Oberbauch über den Nabel zur Mitte der Schamregion führt, können sich ebenfalls verfärben. Letzteres, auch „weiße Linie“ (linea alba) genannt,  wird in der Schwangerschaft zur „schwarzen Linie“ (linea nigra). Auch Sommersprossen, Muttermale sowie Mund- und Genitalschleimhäute werden meist dunkler.

 

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Vor allem aber muss sich die Haut während der Schwangerschaft dehnen. Schafft sie das problemlos?

Nur bedingt. Das hängt davon ab, wie fest das Bindegewebe der Frau ist und wie schnell und stark sich der Bauch dehnen muss. Insbesondere bei jüngeren Frauen hat die Haut keine Probleme, sich nach der Schwangerschaft zurückzubilden. Wird das Dehnungsvermögen des Bindegewebes überreizt, bleiben oft sichtbare Spuren der Schwangerschaft zurück: Schwangerschaftsstreifen, auch „stretch marks“ oder Dehnungsstreifen genannt.

Zudem bilden sich vermehrt Krampfadern. Sie entstehen und werden begünstigt, weil die Blutgefäße weit gestellt sind und das Bindegewebe aufgelockert ist. Hiervon ist etwa jede zweite Frau betroffen.

 

 

Alle Fragen zum Thema „Haut und Schwangerschaft“, sind mit Einverständnis der Autoren dem Buch: „Haut, gesund, schön, gepflegt“ von Prof. Dr. V. Steinkraus, Prof. Dr. K. Reich und Marie-Anne Schlolaut, erschienen im Dumont-Verlag, entnommen.

 

Sind Schwangerschaftsstreifen zu verhindern, und wenn nicht, wie kann man sie behandeln?

Schwangerschaftsstreifen sind kleine Bruchstellen im Bindegewebe der Haut. Wie sie genau entstehen und warum die elastischen Fasern der Lederhaut überdehnt werden, weiß man bis heute nicht genau.

Eine Rolle spielt unter anderem, wie fest das Bindegewebe der Frau zu Beginn der Schwangerschaft ist, aber auch das Ausmaß der mechanischen Belastung und die hormonell bedingte Auflockerung des Bindegewebes sind maßgeblich. Die Fasern können dann der Dehnung nicht standhalten und reißen. Fast jede Frau entwickelt während der Schwangerschaft kleinere oder größere Schwangerschaftsstreifen, oft sind diese jedoch kaum  sichtbar.

Markante Schwangerschaftsstreifen sind zu Beginn meist rötlich, verblassen später und werden im günstigsten Falle hautfarben und relativ unauffällig. Schwangerschaftsstreifen werden als kosmetisch störend empfunden und Frauen unternehmen in der Regel alles, um sie zu verhindern oder aber später behandeln zu lassen.

 

Bei den angebotenen Mitteln gilt es, die Spreu vom Weizen zu trennen – doch die  Mehrzahl der angebotenen Produkte ist bedauerlicherweise nur Spreu. Salben, Cremes, Lotionen,  „wertvolle“ Öle, Vitamine, Heilpflanzenextrakte und andere pflanzliche Inhaltsstoffe versprechen Hilfe. Nichts davon verhindert, dass diese Dehnungsstreifen entstehen.

Einigermaßen erfolgreich soll der pflanzliche Wirkstoff Centella asiatica sein, worüber vereinzelte Studien berichten. Untersuchungen zu anderen Wirkstoffen wie Vitamin E, Panthenol, Hyaluronsäure, Aloe vera, Allantoin sowie schlecht definierten und exotischen pflanzlichen Extrakten haben bisher keine positive Wirkung erwiesen. Am besten hilft, übermäßige Gewichtszunahme möglichst zu vermeiden.

 

 

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Anmerkung der Redaktion:
Sicher spielt auch die Genetik eine entscheidende Rolle. Wenn z.B. Mutter oder Schwester Schwangerschaftsstreifen bekommen haben, sind die Chancen eher schlecht, diese bei Ihnen zu vermeiden. 
Meist kann man es dem Hauttyp ansehen, wer dazu neigt, Schwangerschaftsstreifen zu entwickeln oder nicht.
Das Einreiben hilft wahrscheinlich nicht wirklich, aber es ist angenehm für Mutter und möglicherweise auch für das Kind.
 
 

Muss aufgrund all dieser Veränderungen die Haut während der Schwangerschaft anders gepflegt werden?

Das ist absolut nicht nötig. Die Haut soll während der Schwangerschaft genauso gereinigt und gepflegt werden wie davor und danach. Viele Frauen neigen dazu, sich während der Schwangerschaft zu überpflegen, was zu hausgemachten Problemen wie einer Akne rund um den Mund führen, die sich bis zur Nase oder seitlich der Unterlider ausweiten kann. Ursache dieser Akne und Entzündungen ist meist eine Überfettung der Haut durch zu viel Pflegecreme.

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Welche Hauterkrankungen können während der Schwangerschaft auftreten?

Glücklicherweise wenige. Neben dem generellen Jucken in der Schwangerschaft kommt es am Bauch gelegentlich zu kleinen juckenden Quaddeln, meist beim ersten Kind und dann fast nur in den letzten drei Monaten der Schwangerschaft. Zudem bilden sich Ekzeme mit juckenden und trocknen Stellen, meist aufgrund einer Veranlagung zu Neurodermitis.

In der Schwangerschaft entstehen häufig neue kleine Blutgefäße in der oberen Körperregion, also kleine erweiterte Äderchen (Spider Nävi) oder auch kleine, leicht blutende, aber völlig harmlose Blutschwämmchen und Knötchen. Die siedeln sich gern am Zahnfleisch und in der Mundhöhle an, deren Schleimhaut wie auch die Genitalschleimhaut während der Schwangerschaft stark durchblutet ist. Auch Wassereinlagerungen können das Bindegewebe zusätzlich belasten. Nach der Schwangerschaft bilden sich diese Hautveränderungen fast immer zurück.

Hautkrankheiten, die schon vor der Schwangerschaft bestanden, können sich in der Schwangerschaft verbessern oder verschlechtern. Das hat mit der hormonellen Umstellung und Veränderungen im Immunsystem der  Schwangeren zu tun. Aus immunologischer Sicht handelt es sich bei dem ungeborenen Kind um einen völlig andere Organismus – bedingt durch das väterliche Erbgut – , und das Immunsystem der Mutter muss lernen, diese Andersartigkeit erst einmal zu akzeptieren. Dies stellt höchste Anforderungen an die immunologische Toleranz der Mutter.

 

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Kann man während der Schwangerschaft an Neurodermitis erkranken?

Ja, sehr häufig. Gefördert durch die veränderte immunologische Situation treten Hauterkrankungen wie Neurodermitis während der Schwangerschaft leicht auf.

 

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Was passiert mit einer Schuppenflechte während der Schwangerschaft?

Sie profitiert von der auf Toleranz eingestellten Immunanlage in der Schwangerschaft und verbessern sich häufig.

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Ist die Haut während der Schwangerschaft anfälliger für Pilzinfektionen?

Pilzinfektionen der Scheide sind in der Schwangerschaft relativ häufig, offensichtlich begünstigt durch den erhöhten Östrogenspiegel. Es handelt sich fast immer um Hefepilze, eine harmlose Infektion, die mit Antipilzmitteln gut behandelt werden kann.

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Verschlechtert sich Akne durch die Schwangerschaft?

Akne ist eine Erkrankung der Talgdrüsen. Die Aktivität der Talgdrüsen steigt während der Schwangerschaft. Dies bedeutet aber nicht, dass man während einer Schwangerschaft zwangsläufig zur Akne neigt, sondern oft ist das Gegenteil der Fall. Die meisten Frauen haben in der Schwangerschaft eine glatte, reine und sehr schöne Haut. Selten kommt es jedoch auch während einer Schwangerschaft zu einer schweren Akne, deren Behandlung dann nicht ganz einfach ist.

 

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Die meisten Schwangeren haben keine Hautkrankheiten, leiden aber unter Juckreiz. Warum juckt die Haut so fürchterlich?

Ein gewisser Juckreiz gehört zum normalen Verlauf einer Schwangerschaft und betrifft rund 70 Prozent der Schwangeren.

In seltenen Fällen ist der Juckreiz sehr stark. Ausgelöst wird er durch einen Anstieg der Gallensäure im Blut, wodurch vor allem die Handflächen und Fußsohlen, aber auch die Außenseiten der Arme und Beine oder gelegentlich der ganze Körper jucken. Steigen die Gallensäure -Werte sehr stark an, ist nicht auszuschließen, dass das ungeborene Kind gefährdet ist. Durch normalen Juckreiz verändert sich die Haut nicht, sondern höchstens, wenn gekratzt wird. Wenn der Juckreiz während der Schwangerschaft sehr heftig ist, muss der Arzt konsultiert werden.

 

Ein gewisser Juckreiz gehört zum normalen Verlauf einer Schwangerschaft und betrifft rund 70 Prozent der Schwangeren.

 

 

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Sind in der Schwangerschaft sichtbare Äderchen und rote Knötchen auf der Haut unvermeidbar?

In der Schwangerschaft ist alles auf den sich neu bildenden kindlichen Organismus eingestellt. Daher muss sich auch das Versorgungssystem der Blutgefäße auf Zuwachs einrichten.

Das geht am mütterlichen Organismus nicht spurlos vorüber. Die Schleimhäute sind stark durchblutet, es kommt leichter mal zu einer Gesichtsrötung und die Handinnenflächen, besonders am kleinen Finger, sind oft deutlich gerötet. Neue, erweiterte Äderchen bilden sich im Gesicht und im Dekollete`(sogenannte Spider Nävi), und auch kleine Blutknötchen sind typisch für die Schwangerschaft. Die erweiterten Äderchen verschwinden meist nach der Schwangerschaft von allein.

Vereinzelt kann ein Blutknötchen schon bei der kleinsten Berührung bluten – ein so genanntes Granuloma pyogenicum. Mit einem chirurgischen Minieingriff, der nicht länger als drei Minuten dauert, können diese Knötchen ohne Gefahr entfernt werden.

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Da sich während der Schwangerschaft fast alles verändert – verändern sich auch die Muttermale?

Bei den typischen Muttermalen, den Leberflecken, handelt es sich um harmlose Ansammlungen von Pigmentzellen.

Muttermale werden während der Schwangerschaft meist dunkler und auch neue Muttermale können entstehen. Ursache dieses Phänomens ist, dass die hormonelle Umstellung in der Schwangerschaft dazu führt, dass auch Stoffe vermehrt gebildet werden, die die Pigmentbildung in der Haut anregen. Die dadurch dunkleren Muttermale sind aber nicht mehr oder weniger gefährlich als sonst auch.

Muttermale sollten – egal ob schwanger oder nicht – immer kontrolliert werden, da sie auch entarten können. Aber der schwarze Hautkrebs, das Melanom, tritt während der Schwangerschaft weder gehäuft auf, noch verschlechtert er sich.

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Muss man die Haut während der Schwangerschaft intensiv vor der Sonne schützen?

Sonnenschutz ist vor, während und nach der Schwangerschaft immer gleich wichtig und muss an den Hauttyp angepasst werden.

Beachtet werden sollte die individuelle Sonnenverträglichkeit, die genetische Vorbelastung, die Anzahl der Muttermale, ob die Haut bereits an Sonne gewöhnt ist, die Nähe zum Äquator, die Höhe über dem Meeresspiegel, Jahreszeit und die Tageszeit. Ein Sonnenbrand ist während  der Schwangerschaft genauso gefährlich wie davor und danach und sollte unbedingt vermieden werden.

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Warum bilden sich in der Schwangerschaft Krampfadern?

Durch die Entwicklung des Kindes in der Gebärmutter wächst der Bauch, was den Druck in den großen Venen, den Blutadern des Beckens, der Leisten und der Beine erhöht. Es kommt zu einem Blut-rückstau in der unteren Körperhälfte. Außerdem werden die Gefäße in der Schwangerschaft weit gestellt und das Bindegewebe wird gelockert. Als Folge dieser Vorgänge wird die Entstehung von Krampfadern begünstigt.

 

Erweiterte Venen können ohne Probleme nach der Schwangerschaft entfernt werden. Eine sehr effektive und vor allem sehr schonende Methode ist die Radiofrequenz – Technik. Die Vene wird von innen mit einem Katheder unter Ultraschall – Kontrolle mit Hitze verödet. Die verödete Vene verbleibt im Bein und wird durch körpereigene Zellen abgebaut. Bei dieser Operation ist man am nächsten Tag schon wieder fit und kann Tennis spielen oder Wandern gehen, was unter anderem gegenüber dem herkömmlichen „Stripping“, dem operativ – blutigen herausziehen von Krampfadern, vom Vorteil ist. Kleine Venen, die Besenreiser, werden am besten verödet, da der Laser sich hier nicht bewährt hat. Auch dies macht man nach der Schwangerschaft.

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Können Schwangere Krampfadern vorbeugen?

Damit es während der Schwangerschaft erst gar nicht zu Krampfadern kommt, sollten Schwangere von Beginn an Stützstrümpfe tragen. Außerdem gibt es eine goldene Regel, die besagt, dass LL gut und SS schlecht ist. LL steht für Laufen und Liegen, was das Venensystem entlastet, und SS steht für Sitzen und Stehen, was das Venensystem belastet. Das Befolgen dieser Regel hilft, das Problem klein zu halten.

 

Sind Krampfadern für Schwangere gefährlich?

Prinzipiell sind Krampfadern relativ ungefährlich. Wenn sie kosmetisch nicht stören, könnte man sie eigentlich unbehandelt lassen.

Dennoch gibt es eine Reihe von medizinischen Gründen, weshalb Krampfadern behandelt oder zumindest untersucht und kontrolliert werden sollten. Durch den Rückstau des Blutes in einer Krampfader verlangsamt sich der Blutfluss, das Blut dickt ein, das Risiko einer Thrombose erhöht sich und die Vene kann sich leichter entzünden (Thrombophlebitis). Unabhängig davon leidet auch die Haut dort, wo sich Krampfadern bilden. Sie wird schlechter mit Nährstoffen versorgt, kann sich bräunlich verfärben und Ekzeme können sich bilden (Stauungsdermatitis). Alles spricht also doch für eine Behandlung der Krampfadern.

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Warum verändert sich bei Schwangeren der Haarwuchs?

Während der Schwangerschaft wachsen die Haare besser, weil sie länger in der Wachstumsphase bleiben. Alle Haare der Kopfhaut unterliegen in ihrem Wachstum einem Zyklus, der aus der Wachstumphase von drei bis sechs Jahren, der Übergangsphase von wenigen Tagen und der Ruhephase von drei bis vier Monaten besteht. Bei einer gesunden Kopfhaut sind mehr als 80 Prozent der Haare in der Wachstumsphase, rund ein bis drei Prozent der Haare in der Übergangs- und weniger als 20 Prozent in der Ruhephase.

Durch die höheren Östrogenwerte während der Schwangerschaft wird die Wachstumsphase der Haare verlängert. Weniger Haare fallen aus. Die Kopfhaare sind also während der Schwangerschaft verstärkt auf Wachstum ausgerichtet. Die Haare wirken voller und attraktiver. Mit Ende der Schwangerschaft wechseln dann aufgrund des plötzlichen Östrogenabfalls sehr viele Haare gleichzeitig in die Ruhephase und werden nach  circa drei Monaten durch neu wachsende Haare abgestoßen. Das ist dann der gefürchtete, aber normale Haarausfall nach einer Schwangerschaft (postpartales Effluvium). Nach maximal 15 Monaten pendelt sich das normale Haarwachstum wieder ein.

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Krampfadern, veränderter Haarwuchs, Dehnungsstreifen, all das sind Begleiterscheinungen der Schwangerschaft. Sind auch Finger – und Fuß-Nägel betroffen?

Eher in positiver Hinsicht, denn normalerweise wachsen die Nägel gut und unkompliziert während einer Schwangerschaft.

Es können sich aber Querrillen bilden, die Nägel können brüchig werden und sich vom Nagelbett lösen. All das bildet sich nach der Schwangerschaft wieder zurück.

 

Ist eine spezielle Ernährung der Haut während der Schwangerschaft besonders zu empfehlen?

Es gibt keine spezielle Ernährung während der Schwangerschaft, von der die Haut besonders profitiert.

Gut ist für die Haut, wie für jedes andere Organ auch, eine Ernährung mit genügend Obst und Gemüse, das heißt, pro Tag fünf Portionen Obst oder Gemüse. Jede Portion entspricht der Menge, die in eine Hand passt. Bei der Wahl zwischen Obst und Gemüse sollte der Schwerpunkt auf Gemüse liegen, sodass von den fünf täglichen Portionen drei für Gemüse reserviert sind.

Allerdings ist der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen in der Schwangerschaft erhöht, da das ungeborene Kind auf die Zufuhr durch die mütterliche Ernährung angewiesen ist. Schwangere sollten besonders auf eine ausreichende Calcium – und Vitamin – D – Zufuhr achten, da diese für den Aufbau von Knochen und Zähnen und für das Immunsystem wichtig sind.

Die besten Calciumlieferanten sind Milch und Milchprodukte. Vitamin D wird in der Haut durch Lichteinwirkung selbst produziert, daher ist es wichtig, sich viel im Freien aufzuhalten. In Nahrungsmitteln kommt Vitamin D vor allem in fettreichen Seefischen wie Hering und Makrele vor, in Eigelb und Butter, Margarine ist oft mit Vitamin D angereichert. Ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche sind in der Schwangerschaft zu empfehlen, vor allem, weil Seefisch der beste Jodlieferant ist. Die Verwendung von Jodsalz allein reicht nicht aus. Die Einnahme von Jodtabletten muss mit dem Arzt abgeklärt werden.

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Darf ich in der Schwangerschaft ins Solarium gehen, um einem Vitamin D-Mangel vorzubeugen.

mothers-talk rät davon ab: Das Vitamin D spielt eine entscheidende Rolle für unseren Calcium-Stoffwechsel und damit beim Knochenbau. 

Vitamin  D ist eigentlich kein eigentliches Vitamin. Vitamine kann unser Organismus nicht selber herstellen und benötigt ihre Zufuhr über Obst und Gemüse u.a. Das Vitamin D hingegen wird im Körper des Menschen durch Sonnenbestrahlung in der Haut gebildet. Eine starke Vitamin D-Bildung ist schon durch einen kurzen Aufenthalt in der Sonne gegeben.

Geschickterweise hat unser Körper die Fähigkeit, das Vitamin D zu speichern, um in den großen Pausen der Sonnenbestrahlung den notwendigen Vitamin  D-Spiegel aufrecht zu erhalten. 

 

Dennoch wird immer wieder behauptet, dass gerade in der dunkleren Jahreszeit eine  UV-Bestrahlung im Solarium notwendig sei, um den Vitamin D-Bedarf zu decken.

Die Versuchung ist groß, da zumindest die Stadtbevölkerung sich überwiegend in Gebäuden aufhält, im Winter noch mehr als im Sommer und stundenlang in Büros oder zu Hause an Computern sitzt.

 

Dennoch wird eindringlich vor dem Besuch von Solarien gewarnt: Gemeinsame Pressemitteilung der Deutschen Dermatologische Gesellschaft (DDG), des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD) und des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) im Februar 2013.

 

Der Grund: in den vergangenen 30 Jahren hat sich die Zahl der UV-bedingten Hautkrebs-Neuerkrankungen verdreifacht. Ursache ist die übermäßige UV-Bestrahlung „Die Haut vergisst nichts!“ heißt es bei besorgten Hautärzten.

Dr. Thomas Jung, Leiter im BfS sagt: Im Solarium kann die UV-Strahlung so stark sein, wie im Sommer zur Mittagszeit am Äquator.

Nach aktuellen Untersuchungen erhöht die Nutzung von Solarien das Risiko am schwarzen Hautkrebs zu erkranken um 20 % gegenüber Personen, die gar nicht ins Solarium gehen. Wer schon vor dem 35. Lebensjahr das Solarium aufsucht hat sogar ein um 90% erhöhtes Risiko.

 

Insbesondere auch als Schwangere sollten Sie deshalb Solarien meiden.  Wenn Sie den Stand Ihrer Vitamin-D-Versorgung überprüfen wollen, bitten Sie Ihren Arzt diesen Wert zu überprüfen (das ist allerdings keine Leistung der Krankenkasse- kostet in etwa so viel wie ein Solarium-Besuch!).

 

Was ist eine humangenetische Beratung?

Die Humangenetik ist eine besondere Fachrichtung in der Medizin, die sich mit Erbkrankheiten und den diesbezüglichen Erkrankungsrisiken befasst.

Die humangenetische Beratung im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft beinhaltet ein ausführliches Gespräch zwischen der Patientin und einem Arzt für Humangenetik. Dabei wird alles Wissenswerte über Erbkrankheiten oder erbliche Erkrankungsanlagen mitgeteilt, zum Beispiel der Verlauf einer solchen Erkrankung, der mögliche Schweregrad, der Weg der Vererbung und das Risiko der Wiederholung einer Erbkrankheit innerhalb eines Familienverbandes.

Nicht zuletzt geht es auch darum, bei der Patientin das Wissen um das Risiko von Erbkrankheiten zu vertiefen, und dies zum eigenen Vorteil und zur Gesundheitsvorsorge.

Wie verläuft eine humangenetische Beratung?

 

Zunächst wird das Beratungsziel durch den Patienten festgelegt.

 

Dann werden eine ausführliche Eigenanamnese (Anamnese = Krankheitsvorgeschichte) und Familienanamnese erhoben.

 

Es findet schließlich eine ausführliche Beratung zu den festgelegten Themen statt, wobei genügend Zeit für alle Fragen bleibt. Eine genetische Beratung dauert im Durchschnitt eine Stunde.

Anschließend wird ein Gutachten, in dem alles Besprochene noch einmal zusammengefasst wird, durch den Arzt geschrieben und an den Patienten und an den behandelnden Arzt geschickt.

 

Was sind häufige Themen in der humangenetischen Beratung?

Außerhalb einer Schwangerschaft sind es wiederholte Fehlgeburten, späte Fehlgeburten oder Totgeburten, Komplikationen in der vorangegangenen Schwangerschaft, Kinderwunsch bei Medikamenteneinnahme oder mütterlicher Grunderkrankung, Kinderwunsch bei Verwandtenehen, Kinderwunsch nach Chemo- oder Strahlentherapie, das Vorkommen erbliche Erkrankungen in der Familie wie z.B. erbliche Tumorerkrankungen (Brustkrebs, Darmkrebs), Stoffwechselerkrankungen, Thromboseneigungen, neurologische Erkrankungen, Muskelerkrankungen, u.a.m., Kinder mit Behinderungen und dem Verdacht auf eine genetische Erkrankung, die von Ihren Eltern vorgestellt werden.

In der Schwangerschaft sind es meist Fragen zu den Möglichkeiten der vorgeburtlichen Diagnostik, das mütterliche Altersrisiko, die versehentlich erfolgte Medikamenteneinnahme oder Röntgenuntersuchung in der Schwangerschaft, die Einnahme von Alkohol und Drogen während der Schwangerschaft, Infektionen während der Schwangerschaft, auffällige Untersuchungsbefunde in der Schwangerschaft wie z.B. Blutbefunde, Ultraschallbefunde, Befunde der Fruchtwasseruntersuchung (Amniocentese) oder der Untersuchung an Zellen aus dem Mutterkuchen (sog. Chorionzottenbiopsie).

 

Bekommt man in der humangenetischen Beratung einen Rat, wie man sich verhalten soll?

Eine humangenetische Beratung soll Ihnen ausführliche Informationen liefern.

Sie wird aber immer Ergebnis-offen durchgeführt, d.h. sie soll die Patientin/den Patienten so gut informieren, dass sie oder er eine gute Wissensgrundlage hat, die eigene Entscheidung zu treffen.

Der Arzt kann allerdings, wenn es gewünscht wird, den Entscheidungsprozeß begleiten.

Ist eine humangenetische Beratung bereits vor Durchführung einer vorgeburtlichen Diagnostik sinnvoll?

Eine humangenetische Beratung sollte vor jeder Pränataldiagnostik einer Schwangeren angeboten werden, damit sie und ihr Partner sich zunächst einmal über die Möglichkeiten, Grenzen und Risiken der einzelnen Untersuchungen informieren können, um sich dann für die Untersuchungen zu entscheiden, die zu ihren individuellen Vorstellungen passen.

Muss man eine Praenataldiagnostik machen lassen?

Nein, denn es ist allein Ihre Entscheidung, ob Sie wissen wollen, ob Ihr Kind gesund ist.

Vorab sollten Sie aber wissen, dass 96 % aller Kinder gesund zu Welt kommen. Dennoch bleiben bei vielen Frauen Ängste bestehen.

Eine Praenataldiagnostik (vorgeburtliche Diagnostik) soll im wesentlichen dazu beitragen, Ihre Ängste zu mildern. In seltenen Fällen kann eine solche Diagnostik aber auch Ängste auslösen und Sie vor Entscheidungen stellen: wie gehen Sie damit um, wenn ein Kind nicht gesund zu sein scheint.

Welche diagnostischen Möglichkeiten hat ein Humangenetiker?

 1. die Beratung incl. der Eigen- und Familienanamnese 

2. die Chromosomenuntersuchung aus dem Blut der Geschwister des Ungeborenen, der Eltern und der verwandten

3. die Chromosomenuntersuchung aus Einzelzellen bei der Präimplantationsdaignostik, der Polkörperchendiagnostik, der Chorionzottenbiopsie (aus Zellen der fetalen Plazenta), der Amniozentese (Fruchtwasserpunktion) oder aus Nabelschnurpunktionen.

4.  die Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FisH-Diagnostik) aus den gleichen Zellen, wie unter 4 aufgeführt.

5.  die molekulargentischen Untersuchungen auf Stoffwechselerkrankungen oder Einzelgendefekten.

Was sind Chromosomen?

Chromosomen sind Träger der Erbinformationen und sind im jedem Zellkern enthalten.

Jede Zelle hat normalerweise 46 Chromosomen, die paarig angelegt sind, das heißt also, dass sich in jeder einzelnen Körperzelle 23 Chromosomenpaare befinden. Bei den Frauen sind das so genannte XX-Chromosomen-Paare, bei den Männern XY-Chromosomen-Paare.

Sie sind Träger der Gene, die alle unsere Erbinformationen beinhalten. Diese bestehen aus 2 DNA-Doppelsträngen, die mit zahllosen Eiweißmolekülen verbunden in den Chromosomen vorhanden sind.

Was ist das Gendiagnostik-Gesetz?

Das ist ein bundesdeutsche Gesetz, das 2010 in Kraft trat,  und die Untersuchung menschlicher genetischer Eigenschaften für medizinische Zwecke regelt.

Um Gefahren und genetische Diskriminierung zu verhindern, aber die Chancen des Einsatzes zu wahren, gilt das Grundprinzip der informationellen Selbstbestimmung.

 

Daraus ergibt sich das Recht auf Kenntnis der eigenen Befunde als auch das Recht auf Nichtwissen der Befunde.

Das Gesetz führt eine Reihe von Fallbeispielen an.

 

Für die Untersuchung wird die rechtswirksame Einwilligung der betroffenen Person vorausgesetzt.

Genetische Untersuchungen zu medizinischen Zwecken dürfen nur durch einen Arzt durchgeführt werden  (nach Wikipedia).

D.h. vor jeder Messung der Nackentransparenz und vor jedem First-Trimester-Screening und vor jeder Fehlbildungsdiagnostik um die 20. SSW herum, ist eine Unterschrift der Patientin erforderlich, um sie in Kenntnis zu setzen, welche Auswirkung eine solche Untersuchung bedeuten kann: ggf. die Entscheidung über den Abbruch einer Schwangerschaft.

 

Das ist im übrigen auch der Grund, warum Krankenkassen die letzt genannten Untersuchungen nicht bezahlen müssen, da sie auch nicht (mehr) in den Mutterschaftsrichtlinien aufgeführt werden.

 

Diese Gesetz ist seit einiger Zeit (Febr. 2013) in die Kritik geraten, weil seine praktische Umsetzung auf erhebliche Schwierigkeiten stößt, und es sich bei einem Teil der diagnostischen Massnahmen auch nicht einhalten läßt.

 

Was versteht man unter „Praenataldiagnostik“

"Praenatal" bedeutet "vorgeburtlich", das heißt, dass letztlich alle Untersuchungen, die in der Schwangerschaft vor der Geburt durchgeführt werden, eine Praenataldiagnostik darstellen, ob es jetzt Blutuntersuchungen, Ultraschall oder die Messung des Blutdruckes ist.

Im engeren Sinn wird die Praenataldiagnostik aber für Ultraschalluntersuchungen, invasive Eingriffe wie z.B. Fruchtwasseruntersuchungen oder die Nackentransparenzmessung (Nackenfaltenmessung), für die Ultraschalluntersuchung zum Ausschluss von Fehlbildungen um die 20. Schwangerschaftswoche (SSW) und ähnliches verwendet. 

Auch Chomosomen- und Molekulargenetische Untersuchungen im Rahmen der Praeimplantationsdiagnostik, der Polkörperchendiagnostik u.a. zählen zur Praenataldiagnostik.

 

Was sind Gene?

Gene sind die Träger von Erbinformationen, die an die Nachkommen weitergegeben werden.

Sie sind auf einem DNA-Strang (Desoxyribonukleinsäure) mit tausenden anderer Gene angeordnet, und liegen kondensiert (verdichtet) als Chromosomen vor. Sie bilden den genetischen Code, der aus einer Kombination der verschiedenen Aminosäuren Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin bestehen. Jedes Gen besteht aus einer Vielzahl dieser sog. Basenpaare, etwa so, wie ein Wort aus mehreren Buchstaben besteht.

 Ihre Aufgabe ist die Herstellung der Ribonukleinsäure (RNA), das ist quasi eine Negativkopie der DNA. Von dieser werden bei der Produktion von Eiweißen, die einzelnen Bausteine des Eiweißes ( Aminosäuren) wie bei einem Reißverschluss abgelesen.

Der Mensch verfügt nach neueren Kenntnissen über lediglich 25.000 Gene, viel weniger als ursprünglich gedacht.

Defekte von bestimmten Genen sind häufig die Ursache von einer Vielzahl von Krankheiten. So sind die Gene für Nachtblindheit, Kleinwuchs und geistige Behinderungen u.a. bekannt. Durch weitere Analysen hofft man auch Erkrankungen wie Krebs, Bluthochdruck u.v.a.m.– also die wesentlichen Volkskrankheiten – zu entschlüsseln.

Wie kann ein DNA-Test gemacht werden?

 Zunächst müssen die Zellen quasi aufgeschlossen werden, um an die Zellkerne heranzukommen, denn in ihnen findet sich die DNA (Desoxyribunucleinsäure), unser Erbgut. Dafür werden Zellen meist erhitzt und platzen auf. In einer Salzlösung wird dann die DNA von den übrigen Zellbestandteilen getrennt. 

Anschließend wird die DNA in einem PCR-Gerät (Polymerase-Kettenreaktion) vervielfältigt.  und konzentriert. Als Kettenreaktion gilt in diesem Fall, dass die Produkte einer vorherigen Reaktion Ausgangspunkt für eine Verdoppelung der DNA-Abschnitte sorgen. Diese Verdoppleungen verlaufen rasend schnell nach der arrhytmetrischen Reihe: 2, 4, 8, 16, 32, 64 usw. Damit können nach zahlreichen Wiederholungen des Vorgangs bestimmte DNA-Abschnitte sichtbar gemacht werden.

Diese Untersuchung wird verwendet z.B. bei Erbkrankheiten, für die Erstellung eines genetischen Fingerabdrucks usw. Ohne die PCR wäre die moderne Molekularbiologie nicht möglich gewesen, mit der u.a die Genome von Mensch und Tier und die Ursache zahlreicher Krankheiten erkannt werden.