Getränke und Schwangerschaft

Warum soll ich in der Schangerschaft mindestens 2 Liter trinken?

In der Schwangerschaft ist der Bedarf an Flüssigkeit deutlich erhöht, allein das Blutvolumen steigt um über ein Drittel. Außerdem wird Wasser hormonbedingt in das Gewebe eingelagert. Die Nieren filtern diese Flüssigkeit, und der Körper reagiert mit vermehrtem Durst.

Süße Getränke (Softdrinks, Fruchtsäfte, Kaffee oder Tee mit Zucker) sollten – nicht nur in der Schwangerschaft – aus den Gewohnheiten verschwinden, Wasser und ungesüßte Getränke sind vorzuziehen. Bis zu drei Tassen Kaffee gelten als unbedenklich, besonders in den Phasen, in denen der Blutdruck niedrig ist.

Milch gilt im eigentlichen Sinn nicht als Getränk, sondern als Nahrungsmittel. Sie ist eine gute Kalziumquelle, kann aber auch durch Kalzium-angereicherte Sojamilch oder kalziumreiche Mineralwässer ersetzt werden.

 

Was soll ich auf keinen Fall trinken?

An allererster Stelle steht der Alkohol. Jedes Jahr kommen ca. 4000 Kinder mit Hirnschäden in Deutschland zur Welt. Ihre Mütter hatten Alkohol in der Schwangerschaft getrunken.

Nicht vergessen: der Promillegehalt beim Kind im Mutterleib ist genauso hoch, wie bei der Mutter, mit dem Unterschied, dass das Kind bzw. die kindliche Leber den Alkohol sehr viel schlechter abbauen kann und der Alkohol so deutlich länger im Kind verbleibt als in der Mutter. Alkohol ist ein Zellgift, das die Zellen, die sich schnell teilen und besonders Nervenzellen zerstört.

 

 

Lt. Dr. Spohr von der Charité in Berlin stellt die Schädigung durch Alkohol in der Schwangerschaft die häufigste angeborene Schädigung dar: „Trinken in der Schwangerschaft ist Kindes-Misshandlung! Das Gehirn des betroffenen Kindes leidet ein Leben lang“.

Diese Schädigungen werden unter dem Bild der Alkohol- Embryopathie (fetales Alkoholsyndrom) zusammengefasst.

 

Ist es egal, in welcher Form ich Alkohol zu mir nehme?

Das ist prinzipiell egal.

Vordergründig geht es dabei um den Alkohol in Getränken. Und dabei ist auch die Menge nicht entscheidend. 3 Glas Bier, 1 Glas Wein, oder 2 Gläser Sekt oder 3 Schnäpse sorgen für den gleichen Alkoholgehalt im Blut (0,5 Promille).

Häufig findet sich Alkohol versteckt in Lebensmitteln, er findet sich in Apfelsaft (0,2 %), in Traubensaft (0,4%) selbst in homöopathischen Tropfen beträgt der Alkoholanteil teilweise über 50 %. Alkohol findet sich in zahlreichen Torten, Pralinen und Soßen sowie Nachtisch-Speisen. 

 

Leider wird oft bei der Zutatenliste auf die Nennung von Alkohol verzichtet und selbst bei Getränken muss der Alkoholgehalt erst ab 1,2 % angegeben werden, d.h. auch „alkohol“-freies Bier enthält bis zu 0,5 % Alkohol. (Daten teilweise aus „Elternwissen kompakt“ e-mail vom 1.11.2012.)

 

Was ist das fetale Alkoholsyndrom?

Das fetale Alkoholsyndrom ist eine durch den Alkoholkonsum der Mutter in der Schwangerschaft hervorgerufene vorgenurtliche Erkrankung des Feten mit einer Wachstumsverzögerung, die schon im Mutterleib ihren Ausgang nimmt. 

Bekannt sind die körperlichen Auswirkungen wie Mikrozephalie (zu kleiner Kopf mit unterentwickeltem Gehirn), Gesichtsauffälligkeiten, wie kleine Augen, schmale Oberlippe, Minderwuchs und Fehlbildungen innerer Organe. Besonders die Nieren sind häufig betroffen. 

Weniger bekannt sind die Auswirkungen auf eine vermehrte Fehlgeburtsrate, sowie eine allgemeine Wachstumsverzögerung mit Schädigung des Zentralnervensystems verbunden mit Hyperaktivität, Lernschwäche und Sprach- und Hörstörungen.

Kinder, die vorgeburtlich Alkohol ausgesetzt worden sind, können aber das Alkohol-Syndrom auch in verminderter Form aufzeigen. Spezielle Erkrankungen, zeigen sich auch erst nachgeburtlich, wie: Verhaltensauffälligkeiten und Hyperaktivität sowie Störungen des Sozialverhaltens, zudem sind sie selbst extrem suchtgefährdet.

 

Gibt es eine bestimmte Menge Alkohol, die man ohne Risiko für das Kind zu sich nehmen kann?

Nein, obgleich es unterschiedliche Meinungen dazu gibt, ob es ein derartiges Level gibt.

In einer der neuesten Untersuchungen von Anderson AM. aus Kopenhagen (Int.J.Epidemiol 41 (2012) 405, wird berichtet, dass selbst kleine Mengen das Risiko für eine Fehlgeburt erhöhen.

Dies spricht dafür, dass Feten auch schon in sehr frühen Schwangerschaftswochen auf Alkohol sehr empfindlich reagieren.

Auch das Risiko für einen Intrauterinen Kindstod (Absterben des Kindes schon in der Gebärmutter) ist gegenüber der Norm verdoppelt.

 

Das bedeutet, dass es bei Alkohol keine untere Grenze gibt, nur mit 0 % (Null Prozent) Alkohol sind Sie auf der sicheren Seite.

 

 

Frauen, die regelmäßig Alkohol trinken, haben häufiger untergewichtige Kinder. Im schlimmsten Fall kommen ihre Kinder mit dem sog. Alkoholsyndrom (Alkohol-Embryopathie, s.o.) zur Welt. 

Alkohol führt in solchen Fällen zu schweren Hirnreifungsstörungen und Leberbelastungen; sie können zudem Zeit Ihres Lebens durch Gesichtsauffälligkeiten gezeichnet sein. 

 

Gibt es ein vor- und nachgeburtliches Screening betr. Alkohol?

Als Screening wird eine Suchmethode genannt (.z.B. Neugeborenen-Screening zur Frühdiagnose gut therapierbarer Erkrankungen, die unerkannt nur schwer behandelbar wären).

Zum Ausschluß eines Alkoholsyndroms werden mittlerweise dazu die sog. T-ACER3-Kriterien verwandt. T-ACER 3 ist ein Enzym (Alkalin ceramidase) für das Gen ACER3 codiert.

Mit der Bestimmung dieses Enzyms kann relativ schnell und einfach das Risiko des Trinken in der Schwangerschaft ebenso bestimmt werden, ebenso die Langzeit-Vorhersage betr. der neurologischen Entwicklung der betroffenen Kinder. (Jones T.B. et al. Clin. Obstet. Gynec. 02/14(2013).

 

Einmal diagnostiziert, bestehen bessere Chancen für ein Einwirken auf Schwangere, die Alkohol trinken.

 

Ich habe in der Frühschwangerschaft Alkohol getrunken. Wie gefährlich ist das für mein Kind?

Natürlich ist es besser, auch zu Beginn der Schwangerschaft auf Alkohol zu verzichten. Da Sie aber erst in der rechnerisch 6. / 7. SSW sicher wissen, dass Sie schwanger sind, ist das nicht realistisch. 

Ein Trost: in den ersten 14 Tagen sind Sie noch gar nicht schwanger, gerechnet wird ja vom ersten Tag der letzten Regel an. Dann dauert es noch 7-10 Tage, bis das aus dem Eierstock gesprungene Ei befruchtet ist und sich einnistet. Auch hier dürfte Alkohol keine schädigende Wirkung entfalten.

 

Erst danach, also ab der 5.-6. SSW, könnte es problematisch werden.

 

Man geht aber davon aus, dass es eher zu einer Fehlgeburt als zu einer Fehlbildung kommt, wenn sich eine schädigende Wirkung in den folgenden 14 Tagen durch Alkohol eintreten sollte. (Gesichert ist das aber nicht). Die oben beschriebenen Fehlbildungen

treten erst danach auf.

 

 

 

 

Was sollte ich in der Schwangerschaft nur in Maßen trinken?

Nur in Maßen sollten Kaffee, Tee, Kakao, Schokolade und andere koffeinhaltige Getränke wie z.B. Coca-Cola und Energy-Drinks getrunken werden.

Bestehen in der Schwangerschaft Risiken durch erhöhten Kaffeekonsum?

Sog. epidemiologische Studien (Studien, die sich mit der Verteilung von Erkrankungen ihren Ursachen in der Bevölkerung befassen) kommen zu dem Schluss, das bis zu 3 Tassen Kaffee pro Tag (ca. 300 mg Koffein pro 100 ml entspricht drei mäßig gefüllten Kaffeetassen) für die Schwangerschaft unbedenklich sind.

Hierbei bleibt unberücksichtigt, dass unterschiedliche Portionsgrößen, der unterschiedliche Koffeingehalt der verschiedenen Kaffeesorten den realen Koffeingehalt beeinflussen können können. 

 

Beachten Sie bitte, dass Sie dann aber neben den 3 Tassen Kaffee keine weiteren koffeinhaltigen Getränke mehr zu sich nehmen dürfen.

 

Welche Wirkung hat Kaffee in der Schwangerschaft auf mein Kind?

Bei starkem Kaffeekonsum besteht ein erhöhtes Risiko für fetale Todesfälle in der Schwangerschaft.

 

In einer großen dänischen Studie an über 88000 Schwangeren wurde festgestellt, dass mit steigendem Kaffeekonsum in der Schwangerschaft das Risiko für derartige Todesfälle ansteigt:

3 % bei 0,5-3 Tassen Kaffee, 33 % bei 4-7 Tassen und 60 % !! bei 8 Tassen pro Tag. (Bech, B.H. et al. Am.J.Epidemiol 162 (2005) 983).

 

Die genaue Ursach dafür ist unklar. Die Autoren kommen aber, wie auch andere vor und nach ihnen, zu dem Ergebnis, dass bei einem Kaffeekonsum von 300 mg pro Tag nicht mit schädigenden Wirkungen auf die ungeborenen Kinder auszugehen ist, so fanden sich keine Hinweise dafür, dass Kaffee für eine vermehrte Fehlbildungsrate verantwortlich ist.

 

Ab welcher Menge habe ich bei welchen Getränken den vorgegebenen Grenzwert von 300 mg Koffein pro Tag erreicht?

Gebrühter Kaffee 3 Tassen durchschnittlicher Größe

Instant Kaffee 4 Tassen

Tee         6 Tassen

 

Cola 8 Dosen

 

Energy Drink 4 Dosen

 

Schokolade 400g

 

(für  Informationen zum Thema Koffein wurden teilweise der Bereich „Ernährung“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. – www.dge.de – herangezogen).

 

Kann die zu sich genommene Koffeinmenge im Blut bestimmt werden?

Koffein ist ein Alkaloid (Methylxanthin), das besonders in Kaffee- und Kakaobohnen, und in Teeblättern vorkommt. 

Die eingenommenen Koffeinmenge kann mit dem Biomarker Paraxanthin im mütterlichen Blut bestimmt werden. 

 

Geht Alkohol- und Koffeinkonsum sofort in die Blutbahn von Ungeborenen?

Alkohol und Koffein werden über den Verdauungstrakt sehr schnell aufgenommen und können über den Mutterkuchen zum Feten gelangen, so dass sich der Blutalkohol- und der Blutkoffeingehalt zwischen Mutter und Kind angleichen.

Das ungeborenen Kind kann allerdings diese Substanzen wesentlich schwerer verstoffwechseln (abbauen), so dass ihre Wirkung ausgeprägter ist.

Welche Gefahren bestehen bei übermäßigen Genuss von Cola oder Energy Drinks?

Der normale Genuss einer normalen Menge Cola oder auch eines Energy Drinks ist ungefährlich.

Das Problem liegt in: „was ist eine normale Menge?

 

In 100 ml Cola sind 10 Milligramm Koffein enthalten, d.h. nach der oben gezeigten Aufstellung könnten Sie auch in der Schwangerschaft knapp 2 l Cola pro Tag trinken und würden erst dann den Grenzbereich von 300 mg pro Tag Koffein erreichen;

Gleichzeitig nehmen Sie aber erhebliche Mengen Zucker zu sich: 10g auf 100 ml . 

 

Es entspräche in den oben genannten 2 l Cola einer Menge von 72 Stück Würfelzucker, d.h. etwas mehr als 2 Stück Zucker auf 100 ml (ein Glas Cola.)

(Legen Sie doch einmal Spaßes halber 36 Stück Würfelzucker auf Ihren Teller. Diese Menge ist  in einem Liter Cola enthalten.)

Damit kommt Cola auf eine große Menge an Kilokalorien, ca. 40 auf 100 ml.

 

Der Todesfall einer Neuseeländerin nach dem Genuss von 10 Liter Cola pro Tag hatte im Februar 2013 Aufsehen erregt. Diese Frau hatte also neben der großen Menge an Koffein auch 4000 Kcal

(Kilokalorien) täglich zu sich genommen. Erwachsene kommen normalerweise mit 2000 Kcal aus.

 

Energy Drinks dürfen sogar den 3-fachen Koffeingehalt der Cola haben.

Im Zusammenhang mit Energy Drinks ist in der Vergangenheit mehrfach von Todesfällen berichtet worden. 

Hohe Dosen Koffein können zu tödlichen Herzrhythmusstörungen führen.

Normalerweise aber ist Koffein, in üblichen Menge verkostet, unschädlich für Herz und Kreislauf.

 

Vorsicht auch bei den sog. Light-Limonaden. Bei ihnen wird die Süße nicht durch Zucker erzeugt, sondern mit Hilfe von Süßstoffen. Sie sind zwar kalorienärmer als Cola, erhöhen aber das Risiko einer Zuckererkrankung (Diabetes).

(Mittlerweile weiß man, dass reichlicher Softdrink-Konsum kleine Kinder aggressiver

macht).

 

Vorwort

Vorwort

Ernährung in der Schwangerschaft


Die organischen und stoffwechselbedingten Veränderungen in der Schwangerschaft führen nicht so sehr zu einem zusätzlichen Bedarf an Kalorien, sondern zu einem zusätzlichen Bedarf an Mikronährstoffen.
Der Ernährungszustand vor der Geburt hat, wie sich seit längerem herausstellt, einen erheblichen Einfluss auf die Fruchtbarkeit, den Schwangerschaftsverlauf und die Entwicklung und Auswirkungen von Komplikationen.
Seit geraumer Zeit beschäftigt sich die sog. Eugenik, auf Grund des zunehmende Verständnis für die Stoffwechselvorgänge im schwangeren Körper, mit den Folgen zu niedriger und zu hoher Gewichtszunahme und den Einfluss der Ernährungszusammensetzung und ihre Bedeutung für die kurz- aber auch langfristige Entwicklung und Gesundheit des neugeborenen Kindes.

In der Bevölkerung ist das Verständnis für eine ausgewogene Ernährung größer geworden ist, dennoch klafft in der Umsetzung in der Realität eine große Lücke.
Denn, obwohl sich insbesondere Schwangere heute immer kritischer mit Fragen der Lebensführung auseinandersetzen (Ernährung, körperlich-sportliche Betätigung, Vermeidung von Alkohol und Nikotin etc), beruhen zahlreiche Empfehlungen auf dem nicht immer ganz korrekten Menschenverstand (z.B. für 2 essen). (Frei 
Zit. nach Bung,P. in Die Geburtshilfe / Springer Verlag)

Im Folgenden sollen Fragen und Antworten zu diesen Themen weitere Aufklärung bieten: