Terminüberschreitung/Übertragung

Welchen Vorteil bietet die frühe Ultraschalluntersuchung zur Bestimmung des Geburtstermins?

Je früher die Schwangerschaftswoche mittels Ultraschall bestimmt wird, umso genauer ist die Aussage.

Als besonders aussagefähig hat sich die 12. – 14. Schwangerschaftswoche ergeben. Hierbei ergibt sich eine Messgenauigkeit von plus/minus 3 Tagen. Das bedeutet, dass der eigentliche, durch Ultraschall festgelegte, Geburtstermin des Kindes nur eine geringe Schwankungsbreite aufweist und die Geburt in der dadurch errechneten Woche des Jahres stattfinden müsste, wenn keine anderen Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen diesen Termin beeinflussen.

Eine Ultraschalluntersuchung in der 20. Schwangerschaftswoche hat nur noch eine Messgenauigkeit von plus/minus 1 Woche, eine Ultraschalluntersuchung in der 34. Schwangerschaftswoche ergibt eine Genauigkeit von 3-4 Wochen.

Die Messgenauigkeit der Ultraschalluntersuchung kann auch an folgenden Zahlen abgelesen werden:

In Ländern ohne generelles Ultraschallscreening wird die Terminüberschreitung mit 33-36 % aller Schwangerschaften, die Übertragung mit einer Häufigkeit von bis zu 4-14% angegeben.                                                                                                                             In Deutschland lag sie 2007 nur bei 1,08 %! Eine Terminüberschreitung fand sich in 10,5%. (aus Leitlinien der DGGG, Frauenarzt 51 (2010) Nr3); DGGG – Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

 



 

 

 

Ab wann spricht man in der Schwangerschaft von einer Terminüberschreitung, wann von einer Übertragung?

Von einer Terminüberschreitung spricht man, wenn die Dauer der Schwangerschaft über 40+0 Schwangerschaftswochen hinausgeht, aber die 41+6. Schwangerschaftswoche noch nicht überschritten hat.

Ab 42+0 Schwangerschaftswoche spricht man von Übertragung.

Aus welchem Grunde kann es zur Terminüberschreitung kommen?

Bislang hat sich kein Einflussfaktor ergeben, den man für eine Überschreitung oder Übertragung verantwortlich machen könnte.

Sie sind über die 40+0. Schwangerschaftswoche (d.h. über die 41. Schwangerschaftswoche) hinaus. Was müssen Sie tun? Was macht Ihr Arzt/Ärztin oder Ihre Hebamme?

Die Empfehlungen gehen dahin, dass Sie ab der 40+0. SSW alle 3 Tage Ihren Arzt aufzusuchen sollten. 

Zur Überwachung des Kindes dient in erster Linie das Cardiotokogramm (CTG), der Herzton-Wehenschreiber. Dabei lassen sich die Herzfrequenz des Kindes und auch der Wehendruck erkennen und messen.

Das Wohlergen des Kindes lässt sich dabei am Verlauf der Herzfrequenz, besonders auch in Beziehung zu vielleicht vereinzelt auftretenden Wehen beurteilen. Aus einem möglichen Abfall der Herzfrequenz unter einer Wehe können Arzt und Hebamme sogar erkennen, ob eine Umschlingung durch die Nabelschnur oder eine unzureichende Versorgung der Plazenta vorliegt.

Ein Wehen-Belastungstest, bei dem über eine Oxytocin-Infusion (wehenauslösendes Hormon)  Wehen erzeugt und mit dem CTG die Herzaktionen beobachtet werden, kann keine absolut zuverlässige Aussage über das Befinden eines Kindes machen.

 

Verändert sich die Herzfrequenz auffällig, wird man zur Einleitung der Geburt raten.

Eine Amnioskopie (Fruchtwasserspiegelung von der Scheide aus) wird nur noch selten vorgenommen.

 

Je länger eine Schwangerschaft über den errechneten Geburtstermin hinausgeht, umso größer werden die Risiken für Mutter und Kind. Die Plazenta, der Mutterkuchen, wächst gegen Ende der Schwangerschaft immer weniger. Sie kann das größer werdende Kind unter Umständen immer schlechter versorgen. Das macht sich zuerst an der Fruchtwassermenge bemerkbar, die nach und nach abnimmt, weshalb die Fruchtwassermenge in 3-tägigen Abständen mittels Ultraschall bestimmt werden sollte.

Warum steigt die Rate an operativen Eingriffen ab 40+0 Schwangerschaftswoche an?

Dafür sind verschiedene Gründe verantwortlich wie erhöhtes mütterliches Alter, große Kinder und auffällige CTGs.

  • Da das Gebäralter der Mütter ständig steigt, steigt statistisch gesehen auch das Risiko, kein gesundes und lebendes Kind zu gebären.
  • Obwohl die Wachstumskurve der Kinder zu diesem Zeitpunkt flacher verläuft, kann eine steigende Gewichtszunahme den normalen Geburtsvorgang verkomplizieren (Die Gewichtsbestimmung mittels Ultraschall, wird leider immer ungenauer, je größer die Kinder werden). Je größer ein Kind, umso größer wird unter Umständen das Missverhältnis zwischen Kopf und mütterlichem Becken.
  • Das Risiko einer Mekoniumaspiration steigt an. Mekonium ist das Kindspech, also der Stuhlgang, der aus abgeschilferten Zellen der Darmwand und Galle des Kindes besteht. Dieser Stuhlgang tritt normalerweise erst nach der Geburt auf, kann aber bei einem Sauerstoffmangel bereits noch unter der Geburt stattfinden. Da das Kind auch vorgeburtlich schon "atmet" (d.h. Atembewegungen vollzieht), wird das Mekonium aspiriert (es gelangt in die Lunge) und kann die Atemwege verlegen und Infektionen nach sich ziehen.                                                                                                  
  • Zumindest diese 3 Gründe führen zu einer sowohl höheren vaginal-operativen Entbindungs- als auch zu einer erhöhten Sectiorate (Kaiserschnittsrate).

Welche Untersuchungen sind ab 41+0. Schwangerschaftswoche angezeigt?

In der 42. Schwangerschaftswoche sollte die Fruchtwassermenge in 2-tägigen Abständen untersucht werden und ein CTG geschrieben werden.

Da es genügend Gründe gibt, Schwangeren ab 41+0 Schwangerschaftswoche eine Einleitung zu empfehlen, müssen Frauen, die keine Einleitung wünschen, sorgfältig über die Risiken aufgeklärt werden, über eine erhöhte Rate von kindlichen Todesfällen um die Geburt herum (perinatal), eine erhöhte Rate von Mekoniumaspirationen sowie eine erhöhte Rate operativer Schwangerschaftsbeendigungen.

Genauere Untersuchungen zeigen, dass eine Einleitung zwischen der 41+0.SSW und der 41+6.SSW die Sterblichkeit der Kinder stark verringert, das Risiko für die Mekoniumaspiration gesenkt und die Kaiserschnittrate dadurch nicht erhöht wird.

 

Kommt es bei einer Übertragung immer zu einer Gewichtszunahme des Kindes?

Wenn die Plazentafunktion nicht beeinträchtigt ist (kein Nachweis einer Plazentainsuffizienz), kommt es zu einer Gewichtszunahme des Kindes. Das Risiko für ein Kind über 4000 g liegt in der 42. Schwangerschaftswoche um ein Viertel (25 %) höher als bei einer Geburt am Termin. Die kann zu einem verlängerten Geburtsverlauf, zu einer größeren Zahl operativer Entbindungen, zu vermehrten mütterlichen Weichteilverletzungen sowie zu kindlichen Verletzungen wie Schulterdystokie (das ist in Bezug auf den Geburtskanal eine Einstellungsanomalie, die wegen eines drohenden Sauerstoffmangels einen geburtshilflichen Notfall darstellt) und Plexusparesen (Armlähmungen). Nur für den Fall einer Plazentainsuffizienz (Mangelversorgung) ist mit keiner weiteren Gewichtssteigerung zu rechnen.

Ab wann sollte bei Übertragung eine Geburt eingeleitet werden?

Möglichst zu Beginn der 42. Schwangerschaftswoche, d.h. ab 41+0.

Wie genau ist die Bestimmung des Geburtstermins, wenn man von der letzten Regel ausgeht?

An dem so errechneten Geburtstermin kommen gerade 4 % aller Babys auf die Welt. Aber auch alle Kinder, die zwischen der 38. und 42. Schwangerschaftswoche geboren werden zählen zur Termingeburt.

Das genaue Schwangerschaftsalter sollte möglichst früh bestimmt werden.

Den Geburtstermin kann man selber errechnen, indem man vom Datum des ersten Tages der letzten Regel ausgeht, 7 Tage hinzuzählt, 3 Monate abzählt und 1 Jahr ergänzt. Einfacher geht es mit der Schwangerschaftsscheibe, die Sie unter "Nützliches" finden.
Bitte beachten Sie, dass bei dieser Berechnung immer von einem 28-tägigen, regelmäßigen Zyklus ausgegangen wird (Dabei darf natürlich ein regelmäßiger Zyklus unter der Pilleneinnahme nicht berücksichtigt werden.).
Da der Zyklus selten ganz regelmäßig ist, kaum jemand exakt den Zeitpunkt des Eisprungs und den der Befruchtung kennt, ist die Terminangabe aufgrund des 1. Tages der letzten Regel sehr unzuverlässig.

Sehr viel zuverlässiger ist die Bestimmung des Schwangerschaftsalters mittels Ultraschall, am besten zwischen der 8. und 12. Schwangerschaftswoche.

Was ist so gefährlich an einer Übertragung?

Das Maß aller Dinge ist hier die Sterblichkeit rund um die Geburt, die perinatale Mortalität.

Die perinatale Mortalität (kindliche Sterblichkeitsrate um die Geburt herum) steigt nach 41+0. Schwangerschaftswoche langsam und nach der 42.0.SSW deutlich an. Daneben gibt es aber noch eine ganze Reihe weiterer Komplikationen.

Neben der höheren Wahrscheinlichkeit des Kindstodes um die Geburt herum findet sich eine steigende Rate kindlicher Erkrankungen, wie Aspiration (Einatmen von Fruchtwasser bzw. Mekonium), Nabelschnurkomplikationen, Lungenentzündung, Infektion und Nervenschädigungen. Auf diese Probleme müssen Sie hingewiesen werden, wenn Sie die 42. Schwangerschaftswoche beendet haben.

Der Anstieg dieser Komplikationen ist der Grund dafür, dass nach Überschreiten des Geburtstermins regelmäßige, alle zwei Tage stattfindende Untersuchungen empfohlen werden.

Was wird getan, wenn sich die Wehen nicht einstellen wollen und der Geburtstermin bereits überschritten ist?

Eine so genannte Übertragung ist immer eine Gefahr für Mutter und Kind. Nach dem Überschreiten des errechneten und durch Ultraschall bestätigten Stichtages sollte das weitere Vorgehen mit dem Frauenarzt oder der Hebamme besprochen werden.

Alle Kinder, die zwischen der 38+0. bis 41+6. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, gelten als zeitgerecht geboren. Die über diesen Termin hinaus getragenen Kinder, also über den 294. Tag hinaus, werden als "übertragen" bezeichnet.

Es sollte dann aber immer noch einmal geprüft werden, ob bei der Bestimmung des Schwangerschaftsalters vielleicht ein Rechenfehler unterlaufen ist (durch Beachtung der Ultraschallwerte im 1. Schwangerschaftsdrittel), oder ob es sich um eine Wehenschwäche handelt.

Die Häufigkeit der Terminüberschreitungen liegt bei etwa zehn Prozent aller Schwangerschaften, die der Übertragungen bei einem Prozent.

Diese niedrige Quote ist wahrscheinlich auf das Eingreifen der betreuenden Ärzte und Hebammen zurückzuführen. Diese Zahlen haben sich in letzter Zeit auch international kaum verändert. In deutschsprachigen Ländern sollen Übertragungen noch seltener vorkommen, weil durch die lt. Mutterpass erfolgten Ultraschalluntersuchungen im ersten Trimeon (12.-14.SSW) der Geburtstermin recht sicher vorausgesagt werden kann.
 

Wie sieht ein übertragenes Kind aus?

Ein übertragenes Kind hat sog. genannte "Waschfrauenhände", also schrumpelige Hände, wie wir sie haben, wenn wir zu lange in der Badewanne liegen.
Die Haut des Kindes ist dann besonders an den Fingerspitzen schrumpelig und die Fingernägel überragen das Nagelbett.

Es fehlt das, was man die "Käseschmiere" nennt, die weißliche, schmierige Auflage auf der Neugeborenen-Haut, die aus abgeschilferten Hautzellen und dem Talg aus Talgdrüsen des ungeborenen Kindes besteht. Diese Schicht schützt vor Infektionen und fettet die Haut des Kindes ein. Und wahrscheinlich spielt sie auch als Gleitmittel bei der vaginalen Geburt eine Rolle.
Je länger sich die Geburt verzögert, umso mehr nimmt die "Käseschmiere" ab, was auch ein Hinweis ist, dass das Kind übertragen wurde.

Im nächsten Stadium sieht man im Fruchtwasser das "Kindspech" (Mekonium), also den ersten Stuhlgang, der normalerweise erst nach der Geburt erfolgt. Er verfärbt das Fruchtwasser grün. Das bedeutet nun, dass bereits in der Gebärmutter die Versorgung des Kindes mit Sauerstoff nicht mehr ausreichend ist, sei es, dass die Plazenta stark verkalkt ist oder eine Kompression der Nabelschnur vorliegt.
 

Warum wird ab 42+0. SSW eine Beendigung der Schwangerschaft durch Kaiserschnitt empfohlen?

Ab 42+0. Schwangerschaftswoche steigt das Risiko für einen intrauterinen Fruchttod (Tod des Kindes noch in der Gebärmutter) und für kindliche Erkrankungen stark an.

Wie kann man eine Übertragung verhindern?

 Eine routinenmäßige Einleitung am berechneten Geburtstermin wird nicht empfohlen.

Empfohlen wird aber überraschenderweise regelmäßiger Geschlechtsverkehr um den Termin herum. Einer der Gründe für diese effektive Methode scheint der Prostaglandingehalt der Samenflüssigkeit zu sein, der zum Aufweichen des Muttermundes und zu leichten Kontraktionen führen kann.

Eine "untere Eipollösung" ab der 38.SSW ist nicht zuletzt wegen einer möglichen Infektionsgefahr um stritten.