Steißlage

Warum kann eine Steißlage problematisch sein?

Das Köpfchen ist der größte Teil des Kindes ist und dehnt bei üblicher Geburt, also bei Schädellage, den Gebärkanal so weit, dass anschließend der schlanke Körper leichter heraus gleiten kann.

Liegt das Kind anders herum, also in Steiß- oder Beckenendlage, muss der schmalere Teil des Körpers den Geburtskanal dehnen, und dann erst folgt, im wahrsten Wortsinn "das dicke Ende?", nämlich das Köpfchen nach. Diese Aufdehnung dauert meist länger;

Bei der Steißlage zieht die Nabelschnur noch am Köpfchen vorbei zur Plazenta. Sie wird beim Durchtritt des Köpfchens zumindest kurzfristig "eingeklemmt", so dass  die Blutzirkulation gestört werden kann. Das ist der Grund, warum dann bei Erstgebärenden häufig ein Kaiserschnitt veranlasst wird, um so einem eventuellen Sauerstoffmangel vorzubeugen.

Bei Frauen, die schon mehrere Geburten hinter sich haben und ein nicht zu großes Kind erwarten, kann auch bei einer Steißlage eine Spontanentbindung möglich sein. Allerdings braucht der Geburtshelfer in einem solchen Fall große Erfahrung, weil es ganz unterschiedliche Steißlagen gibt (beachten Sie dazu auch die nächste Frage). 

Vielen Geburtshelfern fehlt heute die große Erfahrung, da in den Kliniken bei Steißlage meistens per Kaiserschnitt entbunden wird. Deshalb ist bei bekannter Steißlage zu empfehlen, vor der Geburt in der Klinik nachzufragen, wie viele Kinder pro Jahr aus Steißlagen entbunden werden.

Welche unterschiedlichen Steißlagen gibt es?

Es gibt drei verschiedene Steißlagen, und zwar:

  • Reine Steißlage:  Die Beine sind am Körper hochgeschlagen und die Füße liegen in der Nähe des Köpfchens. Das ist nun die beste Lage für eine Spontangeburt.
  • Die Steiß-Fußlage: Die Beine sind vor dem Körper gebeugt und der Po ist unten. In diesem Fall kann eine Spontangeburt versucht werden.
  • Die Fußlage:  Die Beine liegen unterhalb des Körpers und einer oder beide Füße gehen voraus (liegen vor dem Muttermund).  Bei dieser Kindslage wird man in aller Regel einen Kaiserschnitt empfehlen.

 

Sie sind in der 20. Schwangerschaftswoche und Ihr Kind liegt in Steißlage. Bleibt das so?

Zu diesem Zeitpunkt ist eine Steißlage völlig normal und rund 50 Prozent der Kinder liegen so im Mutterleib. Zur Zeit der Geburt sind es dann allerdings nur noch fünf Prozent. Es gibt also um die 20. Schwangerschaftswoche herum keinen Grund, über die Lage nachzudenken und sich gar Sorgen zu machen.

Oft ändern Kinder noch kurz vor der Geburt ihre Lage und können dann bei Schädellage geboren werden. Das lässt sich vom Arzt oder von der Hebamme mit einem einfachen Handgriff und natürlich auch per Ultraschall nachweisen.

Zu Beginn der Schwangerschaft ist in der Fruchthöhle noch viel Platz für das Kind, der sich jedoch umso mehr einengt, je größer das Kind wird. Dennoch kann es sich das Kind auch noch kurz vor der Entbindung in eine günstigere Geburtslage drehen.

Welche Gründe kann es für eine Steißlage geben?

Es gibt drei anatomische Gründe: 

  • Die Maße des Beckens der Schwangeren sind einfach zu klein für den Kopf des Kindes.
  • Myome, das sind in diesem Fall Muskelknoten der Gebärmutter, können den Weg zum Muttermund versperren, so dass sich das Köpfchen des Kindes nicht richtig einstellen kann.
  • Das Kind hat eine sehr länglich-ovale Kopfform, und passt damit nicht in das quer-ovale Becken. Es sucht sich dann eben eine andere Lage.

 

Ihr erstes Kind ist aus einer Steißlage geboren worden, muss das bei der zweiten Schwangerschaft auch so sein?

Eine zutreffende Antwort auf diese Frage kann nicht gegeben werden. Wenn allerdings bei einer vorangegangenen Geburt anatomische Besonderheiten, etwa im Bereich des Beckens, zu einer Steißlage geführt haben, wird das voraussichtlich bei einer folgenden Geburt nicht anders sein. Aber wie gesagt: mit Sicherheit voraussagen kann das niemand.

Muss bei einer Steißlage immer ein Kaiserschnitt durchgeführt werden?

Die Antwort auf diese Frage ist seit langem und nach wie vor umstritten. Erfahrene Geburtshelfer können eine vaginale Geburt bei einer Beckenendlage leiten, doch fragen Sie vor der Geburt in der von Ihnen gewählten Klinik nach, wie viele Geburten aus Steißlage, auch Beckenendlage genannt, es dort im Jahr gibt und wie viele davon der Geburtshelfer selbst geleitet hat. Denn auch hier gilt: "Übung macht den Meister".

Zudem darf das mütterliche Becken nicht zu schmal und das Kind nachweislich, nämlich per Ultraschall gemessen, nicht zu groß sein.

Wenn Sie allerdings schon ein Kind spontan (also ohne Kaiserschnitt) geboren haben, kann beim zweiten Kind durchaus eine Geburt aus Steißlage erwogen werden. Geht allerdings ein Kaiserschnitt voraus, stellen Sie sich bitte auf einen weiteren Kaiserschnitt ein.

Neueste Erkenntnisse zur Steißlage:

Es gibt noch keine schlüssigen Beweise, doch angeblich soll der Mangel eines Schilddrüsenhormons (T4) die Bewegungsfähigkeit des Kindes einschränken und damit auch seinen Antrieb, die Beckenendlage zu verändern. Verspüren Sie also in den letzten Wochen der Schwangerschaft nur wenige Bewegungen des Kindes, kann der Gynäkologe mit Ultraschall das Bewegungsmuster des Kindes kontrollieren und gegebenenfalls Blut zur T-4-Bestimmung abnehmen. Aber wie schon gesagt: ob das Kind sich unter einer zusätzlichen Gabe des Schilddrüsenhormons von der Steiß- in die Kopflage dreht, ist leider nicht sicher.

Was kann man tun, damit sich das Kind in die „richtige“ Lage begibt?

Zunächst sollte man wissen, dass sich im Laufe der Schwangerschaft die allermeisten Kinder ganz von selbst in die Schädellage, also mit dem Kopf nach unten, drehen und nur fünf Prozent der Kinder werden in der Steißlage oder einer anderen Lage verbleiben.


Es soll dahingestellt sein, ob die verschiedenen angebotenen sanften Methoden zur Drehung des Kindes, zum Beispiel die "indische Brücke", überhaupt eine Auswirkung haben. Sofern sie aber keinen Schaden anrichten, ist nichts dagegen einzuwenden. Problematischer ist es da schon bei der so genannten "äußeren Wendung". Lesen Sie dazu auch die nächsten Antworten.
 

Welche Methoden werden angewendet, um das Kind in die richtige Lage zu bringen?

Fünf Methoden dazu sollen nachstehend erläutert werden:

  • Am bekanntesten, aber nicht ganz einfach anzuwenden, ist die "indische Brücke". Das ist eine Becken-Hochlage, mit der ab der 32. Schwangerschaftswoche begonnen werden kann. Sie legen sich dazu mit dem Rücken und mit ausgestreckten Beinen auf eine Gymnastikmatte, auf eine Decke oder etwas ähnliches. Dann schieben Sie ein oder zwei Kissen unter das Becken, damit es deutlich höher liegt als der Brustkorb. Auf diese Weise wird eine starke Hohlkreuzlage erreicht, die für das Kind unbequem ist und die es dazu veranlassen soll, sich zu drehen.                                                                                Diese Übung sollten Sie ein- bis zweimal am Tage ausführen. Das Ganze aber stets nur so lange, wie Sie sich dabei wohlfühlen. Treten Kreislauf-Beschwerden wie Schwindel und Übelkeit auf, oder bildet sich im Mund vermehrt Wasser, dann sollten Sie unverzüglich die Hohlkreuzlage verlassen und sich zur Seite drehen, am besten auf die linke Seite.
  • Die Taschenlampen-Methode nutzt erfahrungsgemäß das Phänomen, dass einige Babys durch den Einfluss des Lichtes der Taschenlampe den Drang verspüren, ihre Lage zu verändern. Dazu müssen Sie jedoch einschätzen können, wohin der Blick des Kindes im Mutterleib gerichtet ist. In diesem Fall setzen Sie eine starke Taschenlampe in Blickrichtung des Kindes auf den oberen Bereich des Bauches und führen sie langsam nach unten – in der Erwartung, dass das Kind dann quasi einen Purzelbaum nach vorne macht und so in die gewünschte Lage kommt.
  • Eine weitere Methode ist die Moxibustion, auch kurz Moxen genannt, die Sie auch von der Hebamme ausführen lassen können. Diese Methode ist aus der chinesischen Medizin abgeleitet. Es werden dabei bestimmte Punkte, zum Beispiel an der kleinen Zehe der Mutter, mit abgebrannten Beifußröllchen erwärmt. Damit soll ein ganz bestimmter Meridian stimuliert werden, der Einfluss auf die Beckenmuskulatur der Mutter hat, was wiederum dem Baby dabei helfen soll, seine Lage zu verändern. Insgesamt ist das eine aufwendige, etwa 20 Minuten dauernde Prozedur, die hintereinander an sieben bis zehn Tagen gemacht werden sollte, am besten in einer Becken-Hochlagerung oder in Knie-Ellenbogenlage. (Das Wort Moxibustion setzt sich zusammen aus dem japanischen Wort mogusa (Beifuß) und dem lateinischen combustus (verbrannt).
  • Die besten Erfolge bei dem Bemühen um eine Lage-Veränderung sollen mit der Akupunktur, einer weiteren Methode aus der chinesischen Medizin, erreicht werden. Dabei werden dieselben Punkte, die bei der Moxibustion erwärmt werden, nunmehr mit Nadeln stimuliert.
  • Dagegen können homöopathische Verfahren vermutlich nur die Beweglichkeit des Kindes verstärken. Eine Methode, die das direkte Drehen des Kindes bewirkt, ist indessen nicht bekannt.
  • Sofern das Baby in der 36. Schwangerschaftswoche sich noch nicht von selbst mit dem Kopf nach unten gedreht hat, kann dies auch von außen, also mit einer äußeren Wendung versucht werden. Lesen Sie dazu auch die nächste Frage und Antwort.

 

Was bedeutet der Eintrag BEL im Mutterpass?

Das ist die Abkürzung für Beckenendlage, d.h. nicht das Köpfchen des Kindes, sondern das Becken, der Po, der Babys würde zuerst geboren werden. Die Beckenendlage ist ein anderes Wort für Steißlage.

Wie funktioniert die „äußere Wendung“?

Durch eine sog. "Äußere Wendung" kann ein Kind, dass sich in Beckenendlage (Steißlage) befindet noch gedreht werden.

Meist wird diese Behandlung zwischen der 36. und 38. Schwangerschaftswoche versucht. Allerdings müssen einige Vorbedingungen erfüllt sein, um einen Wendungsversuch zu starten:

  • Die Schwangerschaft sollte sich sich zwischen der 36. und 38. SSW befinden
  • Es sollte ausreichend Fruchtwasser vorhanden sein
  • Der Steiß darf sich noch nicht fest im Beckeneingang liegen
  • Im CTG darf sich keine Wehentätigkeit nachweisen lassen

Zudem stellen folgenden Diagnosen eine Kontraindikation dar, d.h. in diesen Fällen darf eine Wendung gar nicht erst versucht werden:

  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Vorliegen der Plazenta (Placenta praevia)
  • Mangelversorgung des Kindes 

  • schwere Gestose der Mutter
  • Nabelschnurumschlingung lt. Ultraschall-Befund

Wenn eine äußere Wendung geplant ist, werden Sie meist einen Tag zuvor stationär aufgenommen. Der Arzt prüft noch einmal, ob die oben genannten Bedingungen erfüllt sind und informiert Sie über den Ablauf der Wendung.

Fragen Sie unbedingt, wie häufig in der Klinik eine solche Wendung durchgeführt worden ist, und wieviele davon vom Arzt selber durchgeführt worden sind. Wie bei der vaginalen Entbindung aus Steißlage spielt auch hier die Übung eine ganz entscheidende Rolle.

Am Tage des Eingriffs sollten Sie nüchtern sein (d.h. Sie dürfen morgens nichts zu sich nehmen), denn der Eingriff wird in sog. Sectio-Bereitschaft durchgeführt, d.h. bei plötzlich auftretenden Problemen muss jederzeit ein Kaiserschnitt möglich sein. Gehen Sie dennoch zuversichtlich und gelöst an die äußere Wendung heran, versuchen Sie besonders die Bauchdecke zu entspannen.        

Wenn sich dann bei ausreichender Fruchtwassermenge und nicht übermäßiger Dicke der Bauchdecke der Steiß gut bewegen lässt, kann die Wendung in wenigen Minuten abgeschlossen sein. Anschließend müssen Sie noch einige Zeit am CTG (Herzton-Wehenschreiber) liegen, um die Herzaktionen des Kindes zu überwachen und können dann bald danach nach Hause gehen.

Die Chancen für eine erfolgreiche Wendung liegt bei geübten Ärzten bei bis zu 50 %. Nur selten drehen sich die Kinder in die urspüngliche Lage wieder zurück. Sollten sich bei der CTG-Überwachung die Herztöne des Kindes verschlechtern, wird sofort ein Kaiserschnitt angeschlossen. Auch darüber sollten Sie aufgeklärt sein worden.