Spontangeburt

Was bezeichnet man als Spontangeburt?

Als "Spontangeburt" bezeichnet man alle unkomplizierten Geburten, die ohne medizinische Eingriffe ablaufen.

Das Geburtsgeschehen hat sich allerdings im Laufe des letzten Jahrzehnts zu mehr Eingriffen hin verschoben. Kamen z.B in Hamburg um 2002 noch 72 % der Kinder spontan zur Welt, waren es 2008 nur noch 65 %. Das bedeutet, dass der Anteil an Kaiserschnittgeburten ständig zugenommen hat.                                                                 Als Gründe dafür sind u.a.  Zustand nach einem vorausgegangenen Kaiserschnitt, schlechte Herztöne, Missverhältnis zwischen kindlichem Kopf und mütterlichem Becken und der Wunsch der Schwangeren nach einem Kaiserschnitt.

 

Wo finden die Geburten statt?

 Der überwiegende Teil der Schwangeren wünscht sich eine "natürliche Geburt", aber: 

Die meisten Frauen haben sich zwischen der 30. und 36.SSW mit den Möglichkeiten der Entbindung auseinandergesetzt und haben abgewogen, ob sie eine Hausgeburt, ein Geburtshaus oder eine Geburtsklinik vorziehen. Ein frühzeitiges Kennenlernen der Räumlichkeiten, ggf. auch der Hebamme gibt Ihnen Sicherheit und Vertrauen. Allerdings nutzen nur knapp 2 % der Schwangeren (ca. 10.000 Frauen) die Möglichkeit, außerhalb einer Klinik zu entbinden.

Außerhalb der Klinik entbinden 90 % ! spontan und 80 % benötigen keine Schmerzmittel. Das aber trifft überwiegend auf Schwangere zu, bei denen die Aussicht auf einen unkomplizierten Geburtsverlauf besteht, d.h. es liegen keine mütterlichen Erkrankungen, kein Zustand nach Kaiserschnitt, keine Lageanomalien wie Steiß- oder Querlage, kein Mißverhältnis zwischen kindlichem Köpfchen und mütterlichem Becken und keine Mehrlingsschwangerschaften vor. Häufig sind es auch Mehrgebährende, die schon eine einfache Spontangeburt erlebt haben.                                                                                 Von diesen Frauen mußten allerdings doch 12,4 % noch vor der Entbindung in ein Krankenhaus verlegt werden und 3,4 % nach der Entbindung z.B. wegen des Nichtlösens des Mutterkuchen oder starker Blutungen.

(die Zahlen entstammen aus Loytved,C und P. Wenzlaff "German-out-of-Hospital Birth Study 2000-2004,Hans Huber Verlag, Bern).

Wie kündigt sich eine Geburt an?

Etwa 4 Wochen vor dem eigentliches Geburtstermin kommt es zum Auftreten von sog. Senkwehen, d.h., das Köpfchen tritt ins Becken ein, häufig verbunden mit Spannungsgefühlen, Rückenschmerzen, verstärktem Harndrang und auch Verstopfungen. Gleichzeitig ergeben sich ein paar Erleichterungen. Die Gebärmutter drückt dann nicht mehr so sehr auf die Leber, das Atmen fällt etwas leichter und auch der Druck auf den Magen wird geringer.

Beim ersten Kind sind die Senkwehen meist noch nicht so ausgeprägt, das steigert sich meist von Kind zu Kind und kann dann sehr unangenehm sein.

Etwas später löst sich der Schleimpropf, der die Gebärmutter in der Schwangerschaft verschließt. Man nennt das auch das "Zeichnen", es kann Wochen oder Tage vor der Geburt auftreten.

 

 

Wie unterscheiden sich Vorwehen (Braxton-Hicks-Kontraktionen) von Senkwehen?

Schon die ganze Schwangerschaft über werden Sie vermutlich immer wieder einmal ein Hartwerden des Bauches oder ein Ziehen im Rücken verspürt haben. Das sind die sog. Vorwehen, die Gebärmutter trainiert für den Ernstfall. Man nennt diese Wehen auch Braxton-Hicks-Kontraktionen.

Die Senkwehen davon zu unterscheiden ist nicht ganz einfach. Aber Senkwehen finden üblicherweise 4-6 Wochen vor der Geburt statt und führen auch zu einer Änderung Ihres Erscheinungsbildes. Wenn Sie sich in der Schwangerschaft seitlich vor einen Spiegel gestellt haben, wölbt sich insbesondere ab der 30 SSW der Bauch oberhalb des Bauchnabelbereiches, mit Eintreten der Senkwehen tritt dieser Bereich deutlich tiefer. Zusätzlich kommt es zu den zuvor beschriebenen Veränderungen der Beschwerden.

 

 

Wie unterscheidet sich ein Blasensprung bei Erst- und Mehrgebärenden?

Ein Blasensprung, der unabhängig von Geburtsvorgängen, wie Wehen, auftritt bezeichnet man als vorzeitigen Blasensprung

Meist kommt es zum Blasensprung, wenn regelmäßige Wehen alle 5 Minuten auftreten. Stressig wird das ganze, wenn der Blasensprung zu Hause mit den ersten Wehen auftritt: 

Mehrgebärende, bei denen das kindliche Köpfchen noch keine Beziehung zum Becken aufgenommen hat, sollte sich hinlegen und einen Krankenwagen rufen, damit sie liegend transportiert werden. Das Problem ist das Vorfallen der Nabelschnur, die dann, durch das tiefer tretende Köpfchen abgedrückt werden und so zu einem Sauerstoffmangel führen könnte.

Bei Erstgebärenden ist das meist nicht der Fall, da das Köpfchen schon eine rel. feste Beziehung zum Becken aufgenommen hat. Der Blasensprung besteht dann hier auch meist nur aus einem kurzer Schwall, da das Köpfchen des Kindes den Beckeneingang abdichtet, und das darüber befindliche Fruchtwasser nicht abfließen kann.

 

Was ist ein Blasensprung und was macht man dann?

In der Regel spürt man, dass mehr oder weniger viel Flüssigkeit aus der Vagina herausläuft. Aber keine Angst, wenn die Fruchtblase platzt, bevor die Wehen einsetzen. Ohne Wehen kann kein Kind geboren werden!

Bei den meisten Frauen platzt die Fruchtblase am Anfang oder am Ende der ersten Geburtsphase. Bei einigen Frauen dagegen geschieht dies gegen Ende der Schwangerschaft, leider jedoch vor Beginn der Wehen. Das nennt man einen vorzeitigen (=vor Wehenbeginn) Blasensprung. 

Wann muss eine Geburt eingeleitet werden?

Es gibt verschiedene Gründe, die eine Geburtseinleitung erforderlich machen, z.B.

  • wenn nach einem Blasensprung nicht innerhalb von 12 -24 Stunden Wehen einsetzen,
  • der errechnete Geburtstermin schon mehr als 10 -14 Tage vorbei ist,
  • Erkrankungen von Mutter oder Kind bestehen,
  • oder sich im CTG (Herzton-Wehenschreiber) auffällige Veränderungen zeigen.                                                                                                                                                                                                                                                                                                           Gründe und Vorgehensweisen werden üblicherweise vorher ausführlich besprochen. 

Wann sollte ich in die Klinik gehen?

Man könnte ganz einfach sagen: dann, wenn Sie es für richtig halten.
 Wenn Sie das Gefühl haben, jetzt geht es los, ist das für Sie der richtige Zeitpunkt.


Rufen Sie Ihren Partner an, oder wecken ihn auf, greifen Sie sich Ihren bereits vorher gepackten Klinikkoffer, der an der Tür bereit steht, stecken Sie Ihren Wohnungsschlüssel ein, Ihr Mobiltelefon und vergessen nicht, in der Küche die Herdplatten auszustellen oder das Gas abzudrehen.
Natürlich kann es immer wieder einmal passieren, dass Sie aus der Klinik wieder nach Hause geschickt werden. Na Und? Niemand wird Ihnen einen Vorwurf machen. Sie werden untersucht, um den Muttermund zu beurteilen. Sie werden an ein CTG angeschlossen, um die Herzaktionen des Kindes in Bezug zu den Wehen zu beurteilen, und man erklärt Ihnen, wann Sie wieder in die Klinik kommen sollen.                                                                    Aber auch trotz des CTG kann Ihnen niemand genau sagen, wann die Geburt stattfinden wird.

Lieber kommen Sie zweimal zu früh als einmal zu spät.

Woran erkenne ich einen Fruchtwasserabgang?

In der Endphase der Schwangerschaft kommt es zu einer verstärkten Bildung von dünnflüssigem Scheidensekret  als Vorbereitung auf die Geburt.

Es kann schwierig sein, diesen Ausfluß vom Fruchtwassrabgang zu unterscheiden. Das ist zwar kein Problem, wenn das Fruchtwassr im Schwall abgeht, wohl aber, wenn es in der Fruchtblase nur zu einem leichten Einriss gekommen ist, aus dem das Fruchtwasser heraussickert. Wenn Sie sich unsicher sind, nehmen Sie Kontakt zu Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme auf.

Sie können das allerdings auch selber ganz schnell klären, wenn Sie rotes Lackmuspapier im Hause haben. Ein kleiner Streifen davon in der Vorlage bringt Ihnen Gewißheit: bleibt es bei "Rot" handelt es sich um Scheidensekret, verfärbt es sich "Blau", muss man von einem Blasensprung ausgehen.

Das auseinander zu halten ist wichtig, weil bei einem Blasensprung immer die Gefahr einer durch die Scheide nach oben aufsteigende Infektion und damit eine Gefährung Ihres Kindes besteht.

 

Warum teilt man den Geburtsverlauf in Phasen ein?

Diese Einteilung ist der Versuch den natürlichen Prozess der Geburt, der bei jeder Frau ein wenig anders verläuft in in ein allgemein gültiges Schema zu passen.

Einer meiner Professoren sagte einmal: "Die Natur, die ist kein Schema, doch das Schema ist bequema".

Allerdings gibt es bei jeder Geburt Abläufe, die gleich sind: Der Durchtritt des kindlichen Köpfchens durch den Geburtskanal. Fast alle Kinder treten mit ihrem längsovalen Kopf in den querovalen Beckeneingang ein und werden über den längsovalen Beckenausgang geboren. Beim Tiefertreten des kindlichen Köpfchens muss also eine Drehung durchgeführt werden, die anschließend vom Körper nachvollzogen werden muss.

Es kommt also in Beziehung zum mütterlichen Becken zu unterschiedlichen Höhenständen des Köpfchens, was für die Beurteilung des Geburtfortschrittes von Bedeutung ist und im Notfall zu unterschiedlichen Handlungsweisen führt, d.h. bis wann man noch einen Kaiserschnitt machen könnte und ab wann das Köpfchen mit einer Zange oder einem Vacuum-Extraktor hinausgeleitet werden muss.

Das gleiche gilt für bestimmte Formen der Schmerzlinderung unter der Geburt.

 

 

Welche Geburtsphasen unterscheidet man?

 Man unterscheidet 

  • die Eröffnungsphase
  • die Übergangsphase
  • die Austreibungsphase
  • die Nachgeburtsphase

Was ist die Eröffnungsphase?

Im frühen Wehenstadium lassen sich die Beschwerden meist durch Massage oder durch das „Wegatmen“ beseitigen, also durch die Nase ein- und durch den Mund mit lockeren Lippen ausatmen, so wie ein Pferd locker ausschnauben. Halten Sie die Luft nicht an und atmen Sie nach jeder Wehe tief in den Bauch, als wenn er sich aufblähen würde.

 

Diese Phase nennt man auch die Eröffnungsphase, d.h. mit jeder Wehe öffnet sich der Muttermund ein wenig mehr.  Allerdings ist die Eröffnung von Null auf 10 cm auch harte Arbeit, weshalb die Geburt im Englischen „labor“ und im Französischen „travaille“ heißt, was jeweils Arbeit bedeutet.

Das Köpfchen hat dabei Beziehung zum Becken aufgenommen und übt bereits einen Druck auf den Muttermund aus.

 

 

Was passiert in der Übergangsphase?

Die Wehen kommen jetzt rascher und intensiver. In dieser Phase dreht sich das Köpfchen aus der Quer über eine Schräg- in eine Längslage und tritt dabei nach una nach tiefer.

Meist wird von den Frauen diese Phase, die ca. eine halbe Stunde dauert (es gibt aber auch viel kürzere und längere Phasen), als die unangenehmste bezeichnet. Die Wehen kommen heftig und unregelmäßig, so dass ein Wegatmen schwer wird. In dieser Phase ist die Angst am größten, die Kontrolle über sich zu verlieren. Man würde am liebsten heftig mitpressen, was aber unterbleiben sollte, wenn der Muttermund noch nicht vollständig eröffnet ist.

 

 

 

Was passiert in der Austreibungsphase?

Ihr Kind hat mittlerweile den Beckenboden erreicht und löst damit einen Pressreflex aus, sie verspüren den Drang zu pressen. Aber achten Sie auf die Ansagen der Hebamme oder des Arztes. Zu frühes Pressen erschöpft Sie und das Baby.

Die Wehen sind jetzt sehr stark und belasten Mutter und Kind gleichermaßen. Sie sind aber für die Mütter meist erträglicher, weil sie endlich mitpressen dürfen.
Üblicherweise sind es 3-5 Presswehen in 10 Minuten, da bleibt wenig Zeit zum tiefen Luftholen und Entspannen. Diese Phase dauert 30 – 50 Minuten.
Und?
Nur wenig später halten Sie Ihr Kind in den Armen, der höchste Lohn für Ihre Mühen.