Schmerzlinderung

Was sind Wehen und warum lösen sie Schmerzen aus?

Die Gebärmutter ist ein Muskel. Muskeln arbeiten, indem sie sich zusammenziehen und nach getaner Arbeit auch wieder erschlaffen. An der Gebärmutter sind es einzelne Muskelbahnen, die scherengitterartig angeordnet sind und beim Zusammenziehen einen starken Druck erzeugen, der notwendig ist, um das Kind zu gebären. Genau das passiert bei der Geburt.                                  

Dafür muss allerdings der straffe Muttermund, der ja die ganze Schwangerschaft über entgegen der Schwerkraft, die Gebärmutter verschließt, eröffnet werden. Gerade in diesem Bereich sind zum Zeitpunkt der Geburt die meisten Schmerzezeptoren vorhanden; diese werden beim Geburtsvorgang aktiviert und lösen den Schmerz aus, der entsteht, wenn das Köpfchen des Kindes (es kann auch der Steiß sein) durch die Wehen in Richtung Muttermund gedrückt wird.

Wehen sind also Muskelschmerzen, die am ehesten Wadenkrämpfen ähneln, besonders aber Dehnungsschmerzen.

 

 

Warum werden Wehen so unterschiedlich empfunden?

Niemand weiß so ganz genau, warum Wehenschmerzen so unterschiedlich empfunden werden. Warum gibt es Frauen, die von schmerzarmen Wehen berichten und andere meinen, sie gar nicht aushalten zu können.

Zum einen ist sicherlich die Schmerzempfindung bei den Menschen ganz unterschiedlich. Zum anderen wissen wir, dass Angst vor dem Geburtsverlauf besonders beim ersten Kind den Adrenalinspiegel ansteigen läßt, so dass der Schmerz intensiver empfunden wird; und Angst wird insbesondere durch Nichtwissen, durch fremde Menschen in fremder Umgebung bei der Geburt gesteigert.

Hier setzen insbesondere die Geburtsvorbereitungskurse und Besuche der Geburtskliniken an, die auf Dick-Read, Lamaze und Leboyer zurückgehen.    

 

 

Was haben die Ärzte Dr. G. Dick-Read, Dr.F. Lamaze und Frederik Leboyer in Bezug auf die schmerzärmeren Geburtsmethoden erreicht?

Es war zunächst der englische Geburtshelfer G. Dick-Read, der in den 50er Jahren den Zusammenhang zwischen Angst und Wehenschmerzen erkannte und auf Entspannungs- und Atemtechniken zur Schmerzlinderung unter der Geburt setzte.        


In seinem Buch "Mutterwerden ohne Schmerz" beschreibt er, dass die Geburt kein unerträgliches Erlebnis sein müsse, sondern ein natürliches und höchst erfreuliches. Seine Erkenntnisse sind noch heute Bestandteile jeglicher Geburtsvorbereitung.

In dem Buch von Dr.G.Dick-Read findet sich aber keine Anleitung darüber, was man tun könnte, um so ein positives Erlebnis zu erzielen.

 

Das wurde durch den französischen Wissenschaftler Dr. F. Lamaze erreicht. Seine Methode geht nicht nur auf die psychologischen Aspekte der Geburt ein, sondern vermittelt auch Techniken. 

Er ging in den späten 50er Jahren davon aus, dass ein Zusammenspiel von Wissen um die Geburtsvorgänge und einem trainierten Körper dazu führen würde, das eindrucksvollste Erlebnis des Lebens ganz bewußt mitzuerleben.


In den 70er Jahren entwickelte Frederik Leboyer auf diesen Grundlagen das Prinzip der “sanften Geburt”, indem er die Intensivierung des nachgeburtlichen Hautkontaktes zwischen Mutter und Kind empfahl.

 

 

Was kann ich selber tun, um die Wehenschmerzen zu lindern?

1. Wichtig ist, dass Sie über die verschiedenen Phasen der Geburt gut informiert sind, auch darüber, dass sich in den verschiedenen Phasen die Intensität der Wehen und Schmerzen verändert.
2. Besuchen Sie deshalb die Geburtsvorbereitungskurse, die Ihnen dieses Wissen vermitteln, die Sie aber auch darauf hinweisen müssen, dass nicht alle Geburten so verlaufen, wie man es sich wünscht. Seien Sie sich im Klaren, dass in über 30% Geburten als Kaiserschnitts-Geburten stattfinden.
3. Sie benötigen eine „häusliche“ vertraute Umgebung, suchen Sie sich Ihre Geburtsklinik, Ihr Geburtshaus vorher aus. Eine solche Besichtigung wird inzwischen von allen dieser Institutionen angeboten.
4. Nehmen Sie Kontakt zu den Personen auf, die Sie bei der Geburt begleiten, also zu Hebammen und Ärzten.
Wenn möglich lassen Sie sich in der Schwangerschaft von einer Hebamme betreuen, die Sie auch als Beleghebamme im Krankenhaus betreut. Das wird aber nicht immer wegen des damit verbunden Zeitaufwandes möglich sein.
5. Und machen Sie sich mit den verschiedenen Methoden zur Schmerzlinderung vertraut. Je mehr Sie darüber wissen, um so selbstbestimmter können Sie darüber mitentscheiden.

 

Welche Schmerzlinderung in welcher Geburtsphase?

1. Im frühen Wehenstadium lassen sich die Beschwerden meist durch Massage oder durch „Wegatmen“ beseitigen, also durch das Einatmen durch die Nase und Ausatmen durch den Mund mit lockeren Lippen, (so wie ein Pferd locker ausschnauben).

Halten Sie die Luft nicht an und atmen nach jeder Wehe tief in den Bauch, als wenn er sich aufblähen würde.
Diese Phase nennt man auch die
Eröffnungsphase, d.h. mit jeder Wehe öffnet sich der Muttermund ein wenig mehr. Allerdings ist die Eröffnung von Null auf 10 cm auch harte Arbeit, weshalb die Geburt im Englischen „labor“ und im Französichen „travaille“ heißt, was jeweils Arbeit bedeutet.

Wenn Schmerzmittel erforderlich sein sollten, kann zunächst versucht werden, mit einem Spasmolytikum krampflösen auf die glatte Muskulatur des Muttermundes einzuwirken. Bei stärkeren Schmerzen fördern Opioide (morphinähnliche Substanzen) die Entspannung in der Wehenpause und wirken damit kräfteschonend.
Wenn das, oder eine lokale Betäubung (Pudendusanästhesie), nicht ausreichen, kann auch eine Periduralanästhesie gelegt werden.

2. In der Übergangsphase
Kommen die Wehen rascher und intensiver. Jetzt kann man die Periduralanästhesie nachdosieren. Opioide bieten sich jetzt nicht mehr an, da sie auch auf das Kind übergehen und die Atemtätigkeit des Neugeborenen hemmen können, zugleich machen sie das Kind schläfrig und wirken sich auf seine Wärmeregulation aus. Auch andere Schmerzmittel werden nicht mehr gern gegeben, für Sie aber ein Zeichen, dass Sie es bald geschafft haben.

Meist wird von den Frauen diese Phase, die ca. eine halbe Stunde dauert (es gibt aber auch viel kürzere und längere Phasen), als die unangenehmste bezeichnet. Die Wehen kommen heftig und unregelmäßig, so dass ein Wegatmen schwer wird. In dieser Phase ist die Angst am größten, die Kontrolle über sich zu verlieren. Man würde am liebsten heftig mitpressen, was aber unterbleiben sollte, wenn der Muttermund noch nicht vollständig eröffnet ist.

3. Austreibungsphase
Ihr Kind hat mittlerweile den Beckenboden erreicht und löst damit einen Pressreflex aus, sie verspüren den Drang zu pressen. Aber achten Sie auf die Ansagen der Hebamme oder des Arztes. Zu frühes Pressen erschöpft Sie und das Baby.

Die Wehen sind jetzt sehr stark und belasten Mutter und Kind gleichermaßen. Sie sind aber für die Mütter meist erträglicher, weil sie endlich mitpressen dürfen.
Üblicherweise sind es 3-5 Presswehen in 10 Minuten, da bleibt wenig Zeit zum tiefen Luftholen und Entspannen. Diese Phase dauert 30 – 50 Minuten.
Und?
Nur wenig später halten Sie Ihr Kind in den Armen, der höchste Lohn für Ihre Mühen.

 

Was hilft noch ohne Medikamente und Apparate gegen die Geburtsschmerzen?

1. Begleitpersonen bei der Geburt
Zahlreiche Berichte und Untersuchungen belegen, dass die Anwesenheit eines vertrauten Partners (Ehemann, Freund, Freundin, ggf. Mutter) in einer angenehmen Umgebung in sanftes Licht getaucht, den Gebrauch von Schmerzmitteln stark einschränkt.

2. Die oben beschriebene Atemtechnik, durch die Nase einatmen und durch locker geschlossenen Lippen wieder ausatmen, kein Luft anhalten und nach jeder Wehe tief in den Bauch einzuatmen, wodurch auch das Baby wieder mehr Sauerstoff bekommt, reduziert ebenfalls den Bedarf an Schmerzmitteln.
3. Duftstofftherapie.

In fast allen Kreißsälen findet sich mittlerweile findet sich mittlerweile eine Sammlung von Aromastoffen. Je nach Wunsch werden Lavendel-, Rosen-, Salbei-, Jasmin-Öl u.a. auf einen feuchten Wickel geträufelt oder über eine Duftlampe im Raum verteilt. Sie entscheiden allein, was Sie gut riechen können.

4. Akupunktur

In Untersuchungen konnten zeigen, dass die Akupunktur aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) ab der 36. SSW, den Muttermund unter der Geburt rascher eröffnet und damit die Geburt verkürzt. Dabei werden bestimmte Akupunkturpunkte an Kopf, Unterarmen und Füßen genadelt.
Frauen die unter der Geburt im Unterleib genadelt wurden brauchten ebenfalls weniger Analgetika (schmerzlindernde Medikamente).

5. Auch Hypnose
kann beim Geburtsvorgang eine tiefe Entspannung durch Abbau von Ängsten hervorrufen. Auch Selbsthypnose ist möglich, nachzulesen unter Hypno Birthing.
Dazu gibt es mittlerweile Kurse und CDs.

6. Mobilität und Lagerung zur Geburt

Wenn Ihnen danach ist, zwischen den Wehen herumzulaufen, tun Sie es am besten gemeinsam mit der Person Ihres Vertrauens, denn Ihnen könnte zwischendurch schwindelig werden und auch bei einer Wehe können Sie den Halt gebrauchen.
Positiv aber ist, dass sich dadurch sich der Druck des vorangehenden Teils (Köpfchen oder Steiß) auf den Muttermund verstärkt, was die Geburt beschleunigt. Das kann übrigens auch bei einem Geburtsstillstand die Geburt wieder in Gang bringen.
Sie sollten mit Ihrer Hebamme in den Geburtsvorbereitungskursen verschiedene Geburtsstellungen aufprobiert haben. Sie können sich aber nicht sicher sein, unter der Geburt eine gänzlich andere Position zu bevorzugen.
 

Welche apparativen oder medikamentösen Mittel helfen gegen den Geburtsschmerz (Peridural-Anästhesie)?

1. Was ist TENS?
Tens bedeutet transkutane elektrische Nervenstimulation.
Über einen kleinen Apparat werden elektrische Impulse erzeugt, die über Elektroden über die Haut (transkutan) auf das Nervensystem einwirken, und die körpereigenen schmerzhemmenden Systeme aktivieren.
Je 2 Elektroden werden links und rechts der Wirbelsäule in Höhe des unteren Brustkorbes und in Höhe der Beckenschaufel angebracht und geben von dort leichte elektrische Reize ab.
Sie sollen die Weiterleitung der Schmerzsignale insbesondere vom Muttermund unterbrechen. Unter der Geburt kann man selbst die Stärke der Impulse steigern oder verringern.
Sie sollten aber ein solches System zuvor an einem Leihgerät ausprobieren, damit Sie sich mit dem System vertraut machen.


2. Formen der Anästhesie im Kreißsaal

Eine medikamentöse Schmerzlinderung, zu der in diesem Fall auch die Narkosegase zählen, wurde erstmals 1847 durchgeführt. Die Mittel waren Äther und Chloroform.
Seitdem wurde die Geburtsanästhesie konsequent weiter entwickelt.
In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde das Lachgas favorisiert, häufig in einer Atemmaske, die von der Schwangeren selber aufgesetzt werden konnte.
Eine Überdosierung wurde dadurch vermieden, dass ihr die Maske bei einer tieferen Narkose aus den Händen glitt.
Durch andere Verfahren verschwand die Lachgasmaske aus den Kreißsälen, erlebt aber gerade eine Wiedergeburt.
Das Lachgas ist ein farbloses Gas, mit beruhigenden, Angst-lösenden und schmerzlindernden Eigenschaften.
Seine euphorisierende Wirkung macht sie mittlerweile zur nicht ganz ungefährlichen Freizeitdroge.
Nach dem Einatmen wird das Lachgas schnell im Körper aufgenommen und zu 99 % wieder über die Lunge entfernt.

3. Weit verbreitet ist die Anwendung von Medikamenten, die
krampflösend und damit auch schmerzlindernd
wirken, wie Spasmolytika z.B. Buscopan®, als Zäpfchen oder als Spritze in den Gesäßmuskel gegeben. Auch damit wird die Spirale: Angst-Verspannung-Schmerz unterbrochen.
Die Wirkung tritt relativ rasch ein und dauert ca. 3 Stunden an.
Eine vollständige Schmerzausschaltung ist damit aber nicht gegeben.

4. Am gebräuchlichsten ist mittlerweile die Peridural-Anästhesie.
Wenn der Muttermund schon ein wenig erweitert ist, die Geburt also schon im Gange ist, wird zunächst entweder in Seitlagerung oder im Sitzen eine örtliche Betäubung in Höhe der unteren Lendenwirbelsäule angelegt. Nach kurzer Zeit wird dann der Wirbelkanal (Periduralraum) punktiert (sog. Kreuzstich) und ein dünner Katheter eingelegt, über den dann örtlich betäubende Medikamente gegeben werden können.
(Der Periduralraum liegt in dem schmalen Bereich zwischen beiden Blättern der harten Wirbelkanalhaut).
Im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule gibt es kein Rückenmark mehr, so dass es auch nicht verletzt werden kann.

Die Kanüle wird dann entfernt und der Katheter am Rücken festgeklebt; damit stört er den weiteren Geburtsverlauf nicht. Dadurch besteht aber die Möglichkeit zum Nachspritzen, falls die betäubende Wirkung nachlässt. Ggf. kann die Schwangere über eine Pumpe das Nachspritzen selbst steuern.
So kann der größte Teil der Eröffnungsphase schmerzfrei erlebt werden und Sie sparen sich Ihre Kräfte für den Pressvorgang auf. Sie spüren Ihre Beine noch, auch wenn Sie sich etwas taub und wie eingeschlafen anfühlen.

Im Falle eines Kaiserschnittes wird ein höher konzentriertes Mittel gegeben, so dass keine weitere Narkose erforderlich wird.
So sind auch die Risiken einer Allgemeinnarkose vermindert, das Kind wird nicht beeinträchtigt und die Geburt kann bei vollem Bewusstsein erlebt werden.
Komplikationen wie punktionsbedingte Kopfschmerzen und Nervenschäden sind sehr selten geworden.
Sie müssen von Anästhesisten (Narkosearzt) über die Vorgehensweise und mögliche Komplikationen aufgeklärt werden.
Nachteilig ist, dass Sie meist in liegender Position entbinden müssen, da eine senkrechte Haltung aufgrund der fehlenden Kraft in den Beinen kaum möglich ist.
Auch die Wehentätigkeit kann etwas nachlassen, so dass mit einer Oxytocin-Infusion (Wehen-auslösendes Hormon) ein wenig nachgeholfen werden muss.
Sie müssen dafür etwas kräftiger mitpressen, da der unbedingte Pressreflex nicht ausgelöst wird. Dadurch fehlt Pressdrang und es verlängert sich die Austreibungsphase. Aus diesem Grund muss auch häufiger eine Saugglocke oder Zange eingesetzt werden, um Ihrem Baby den Weg ans Tageslicht zu erleichtern.

 

Wann ist es zu spät für eine PDA (Periduralanaesthesie)?

Während der Geburt kommt die PDA zur vorübergehenden Schmerzlinderung zum Einsatz.

Voraussetzung für eine PDA ist ein Geburtsbeginn.
Da die PDA auch die Gebärmuttermuskulatur entspannt, sind die Wehen im Verlauf öfter nicht mehr kräftig genug, um einen Geburtsfortschritt zu bewirken, so dass sie mit einem Wehentropf unterstützt werden müssen. Mit einer PDA kann man z.T. weiter umherlaufen und verschiedene Positionen ausprobieren. Manchmal sind die Beine jedoch schlapp und taub, so dass die Mobilität deutlich eingeschränkt ist.
Für die aktive Pressphase der Geburt ist es wichtig, dass wieder etwas Gefühl im Bereich der Geburtswege vorhanden ist, um Pressdrang zu spüren und diesen dann auch effektiv umsetzen zu können. (Es ist schwer in Richtung einer Stelle im Körper zu schieben, die komplett taub ist.) Somit ist eine PDA als Schmerzerleichterung innerhalb der Eröffnungsphase sinnvoll, aber nicht unbedingt für das Pressen am Ende der Geburt. In dieser Situation wird im Kreißsaal keine PDA mehr empfohlen, da das Baby bald auf die Welt kommt.