Kaiserschnitt

Was sind die Vor- und Nachteile eines Kaiserschnitts?

Der Kaiserschnitt ist eine geburtshilfliche Operation, bei der die Bauchhöhle und die Gebärmutter zur Geburt des Kindes geöffnet werden. Man unterscheidet einen primären / geplanten Kaiserschnitt, bei dem bereits im Vorfeld die Aufklärung über den Ablauf der Narkose und der Operation erfolgt ist und ein Termin festgelegt wurde, von einem sekundären Kaiserschnitt, der im Verlauf einer beabsichtigten Spontangeburt notwendig wird.

In beiden Fällen wird die Operation in der Regel in Teilnarkose (Spinalanästhesie oder PDA) durchgeführt, nur in seltenen Fällen ist eine Vollnarkose notwendig.

Beim heute praktizierten "sanften Kaiserschnitt" (Operationsverfahren nach "Misgav-Ladach") wird lediglich die Bauchhaut mit dem Skalpell geöffnet und die darunter liegenden Gewebeschichten nur angeschnitten und anschließend manuell auseinander gezogen und gedehnt. So reißt das Gewebe an den "schwächsten" Stellen und schont Nerven und Blutgefäße. Dieses Verfahren beschleunigt den Heilungsprozess (die Frauen sind nach der Geburt schneller wieder mobil), vermindert aber leider nicht den nach-operativen Schmerz.

In jedem Fall kann eine Schnittentbindung für die Mutter in den Tagen nach der Geburt schmerzhaft und anstrengend sein. Die eingeschränkte Mobilität (Beweglichkeit) und Schmerzen im Narbenbereich können die Versorgung des Neugeboren erschweren. Dies ist insbesondere beim Wunschkaiserschnitt zu bedenken. Zwar treten im Vorfeld keine Wehenschmerzen auf, allerdings entgeht der Mutter auch das durchaus befriedigende Erlebnis, ein Kind auf natürlichem Wege geboren zu haben.                            

Auch die Vorstellung, es dem Kind durch einen Kaiserschnitt leichter zu machen, ist nicht ganz zutreffend. Bei einer vaginalen Entbindung wird durch den starken Druck, den die engen Geburtswege auf das Baby ausüben, das Fruchtwasser aus den Atemwegen gepresst. Zudem führt der Wehenschmerz zu einer Adrenalin (=Stresshormon) Ausschüttung, die das Baby darauf vorbereitet, bald selbstständig zu atmen. So haben Kinder, die per Kaiserschnitt geboren werden in den ersten Stunden häufiger Atemstörungen und brauchen häufiger etwas "Starthilfe" oder auch kinderärztliche Hilfe. Diese Anpassungsstörungen sind in der Regel nicht lebensbedrohlich und nur von kurzer Dauer, dennoch sollte kein Kind diesen Risiken grundlos ausgesetzt werden.

Betrachtet man das Risiko für Mutter und Kind, so ist dieses für Kaiserschnitt und vaginale Geburt heutzutage fast gleich.

Dennoch sollte es für jeden operativen Eingriff eine medizinische Indikation geben. Denn, wie es einer der führenden deutschen Chefärzte Prof. Henrich aus der Charité in Berlin sagte: "man beginnt damit eine Op-Karriere":

  • So können nach abdominellen Eingriffen (Bauch-Operationen) Verwachsungen auftreten, die zu chronischen Schmerzen und Kinderlosigkeit führen können.
  • In vielen Fällen, erfolgt die zweite Geburt nach einem Kaiserschnitt ebenfall per Sectio (Kaiserschnitt). Häufig natürlich, weil sich die Grundbedingungen nicht geändert haben z.B. zu enges Becken), weil eine kindliche Notlagensituation das erfordert (z.B. Sauerstoffmangel unter der Geburt) oder aber, weil die alte Kaiserschnittnarbe droht, einzureißen.
  • Auch sog. Fruchtwasserembolien können bei Kaiserschnitten auftreten. Sie sind allerdings sehr selten, man schätzt eine Embolie auf ca. 50.000 Geburten. Dabei tritt bsd. mekoniumhaltiges (grünes) Fruchtwasser in das mütterliche Gefässsystem über und kann eine sofort auftretende Anaphylaxie (Überempfindlichkeitsreaktion) mit Kreißlaufkollaps (pulmonary collaps syndrom) und schwerer Gerinnungsstörung auslösen.
  • Infektionen sind nie ganz ausgeschlossen, zumindest aber bei einer primären Sektio, die meist unter einem Antibiotikaschutz durchgeführt wird, sehr selten. Bei einer Notsektio aber durchaus häufiger.
  • Thromosen und Embolien. Auch sie sind durch die übliche Behandlung mit Heparinen, zur Unterdrückung der zu starken Gerinnung) und durch die Frühmobilisierung (Aufstehen schon am ersten Abend nach Kaiserschnitt) selten geworden.
  • Wundheilungsstörungen treten besonders bei übergewichtigen Patientinnen häufiger auf.
  • Auch Harnverhaltungen können in bis zu 10 % auftreten, die zum Teil mittels Blasenkatheterisierung beseitigt werden muss. Mit zunehmendem Schwangerschaftsalter, d.h. je näher der Eingriff dem berechneten Geburtstermin kommt, nimmt dieses Risiko allerdings ab.





 

Warum heißt der Kaiserschnitt Kaiserschnitt (Sectio Caesarea)?

Der Kaiserschnitt geht vermutlich zurück auf die Zeit des römischen Kaisers Caesar (daher Sectio caesarea – der "kaiserliche Schnitt").

Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass Caesar per Kaiserschnitt geboren wurde; die meisten Operierten starben damals an Wundinfektionen. Caesars Mutter hat aber seine Geburt überlebt.

Es gab das "Lex Caesarea" ("lex", lat. bedeutet: Gesetz), das erlaubte, bei einer versterbenden Schwangeren das Kind über einen Schnitt zu gebären, damit zumindest das Kind überleben könnte.

 

 

 

Sie haben bereits ein Kind per Kaiserschnitt (Sectio) bekommen, können sie noch eine normale Entbindung erleben?

Grundsätzlich, Ja. 

Machen Sie sich aber bitte klar, dass eine vorangegangene Kaiserschnittgeburt Ihre Schwangerschaft zu einer Risiko-Schwangerschaft mit möglichen Komplikationen macht, die einer besonderen Überwachung bedarf. Eine solche Geburt sollte daher auf jeden Fall in einem Krankenhaus stattfinden mit erfahrenen Geburtshelfern, Anästhesisten (Narkoseärzten), Hebammen und Neonatologen (Kinderärzten, die sich speziell um das Kind unter und nach der Geburt kümmern können).

Die Chance für eine vaginale Geburt nach Kaiserschnitt liegt lt. Statistik zwischen 60 und 85 %. Allerdings kommt es auf den Grund an, der zum damaligen Kaiserschnitt geführt hat. Ein Geburtsstillstand oder eine Verschlechterung der kindlichen Herztöne muss bei einer weiteren Schwangerschaft nicht auftreten. Auch eine Beckenendlage oder einer Fehleinstellung des Köpfchens zum mütterlichen Becken muss natürlich bei einer erneuten Schwangerschaft nicht vorliegen.

Bei einem Missverhältnis zwischen Köpfchen und mütterlichem Becken (zu kleines Becken bei einem großen Köpfchen) ist bei einer erneuten Schwangerschaft natürlich mit einem gleichen Problem zu rechnen. Ein Schwangerschaftsdiabetes ist bei der 2. Schwangerschaft möglicherweise besser eingestellt oder eine Gerinnungsproblematik besser behandelt, so dass man eine Spontangeburt wagen kann. In jedem einzelnen Fall muss sorgfältig abgewogen werden, was das Beste für Mutter und Kind ist.

Denken Sie daran, Ärzte/Ärztinnen und Hebammen haben es immer mit 2 Patienten gleichzeitig zu tun.

Welche Voruntersuchungen sollten dann erfolgen (Wunsch natürliche Geburt nach Kaiserschnitt)?

Zunächst müssen natürlich all die Dinge geklärt werden, die überhaupt zum Kaiserschnitt (Sectio) geführt haben. Treten sie wieder auf oder können sie diesmal vernachlässigt werden?

Zusätzlich muss aber per Ultraschall die Lage der Plazenta (Mutterkuchen) beurteilt werden. Ist die Plazenta an der Vorderwand der Gebärmutter im Bereich der Kaiserschnittnarbe lokalisiert, besteht die Gefahr, dass sie sich nach der Geburt nur schwer löst (Plazenta accreta) und es zu schweren Blutungskomplikationen kommen kann. In einem solchen Fall kann möglicherweise ein 3D-Power Farbdoppler-Bild die zahlreichen zusammenhängenden Gefäße erkennen.

Zudem sollte ebenfalls per Ultraschall kurz vor der Geburt (ca. 4 Wochen) die Dicke der Gebärmutter im Bereich der Kaiserschnittnarbe untersucht werden. Ist dieser Bereich zu dünn, könnte das ein Hinweis auf die Gefahr eines Risses unter der Geburt bedeuten.

Sie hatten sich auf eine Spontangeburt gefreut und sind enttäuscht, dass Sie das nicht geschafft haben.

Es ist Ihre erste Geburt und das Kind liegt mit dem Kopf nach oben (Steiß- oder Beckenendlage) oder will sich mit dem Köpfchen partout nicht richtig einstellen, oder es liegt eine Schwangerschaftserkrankung vor. Nun ist es wider Erwarten doch ein Kaiserschnitt (Sectio) geworden.

Zunächst einmal sollten Sie sich über die Geburt Ihres hoffentlich gesunden Kindes freuen. Das muss absolut im Vordergrund stehen. Allen angehenden Müttern wird geraten, sich nicht zu sehr auf eine Spontangeburt festzulegen. Es gibt einfach zu viele Gründe, die auch im letzten Augenblick noch die Notwendigkeit eines Kaiserschnittes (Sectio) erfordern. Machen Sie sich im Verlauf ihrer Schwangerschaft immer wieder klar, dass heute bis zu 30 % aller Kinder per Kaiserschnitt geboren werden; ihre Chance für eine Spontangeburt also von vornherein reduziert ist.

Informieren Sie sich also am besten vor Ende der Schwangerschaft bei ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme schon einmal über einen Kaiserschnitt, dann wird Ihnen die große Enttäuschung erspart bleiben.

Überraschend und interessant ist, dass es in Deutschland starke regionale Unterschiede gibt, was die Häufigkeit von Kaiserschnitten angeht. So werden in Sachsen-Anhalt "nur" 25 % der Kinder per Kaiserschnitt entbunden, im Saarland aber schon über 35 %!!

Werden heutzutage zu viele Kaiserschnitte durchgeführt?

Dazu sehen Sie bitte auch unter "Pro und Kontra zum Kaiserschnitt" die ausführliche Stellungnahme von Prof. Carstensen zu diesem Thema (nächster Punkt).

In den 70er Jahren wurden selbst in Hochleistungs-Krankenhäusern nur in ca. 7 % Kaiserschnitte (Sectiones) durchgeführt. Nach Einschätzung der WHO (Welt-Gesundheits-Organisation) ist heute eine Rate von 15 % medizinisch gerechtfertigt.                                                                                                         Höhere Raten gingen nicht mit einem weiteren Rückgang der Komplikationsraten einher.                        Die höchsten Kaiserschnittraten finden sich in Mittel- und Südamerika, Italien und Portugal. Die niedrigste europäische Rate bieten die Niederlande mit 15 %. Afrika hat eine Rate von 5 %, die allerdings mit der schlechten medizinischen Versorgung in Verbindung gebracht werden muss.

Generell geht man davon aus, dass sich in den letzten 20 Jahren die Zahl der Kaiserschnitt-Geburten verdoppelt hat.                                                                                              

Zu diesem Thema haben im März 2012 die grünen Abgeordneten Birgit Bender und Katrin Göring-Eckardt u.a. eine "Kleine Anfrage" bei der Bundesregierung gestellt:

Darin heißt es u.a.: "Nach Angaben des statistischen Bundesamtes waren 28 % aller Entbindungen im Jahr 2005 Kaiserschnittentbindungen, im Jahr 2009 bereits 31,3 %. Dabei variierte die Zahl der Kaiserschnittentbindungen stark nach Bundesländern. Die höchste Kaiserschnittreten im Jahr 2009 hatte das Saarland mit 38,4 % , die niedrigste hatte Sachsen mit 22,6 %.

Die Kaiserschnittstudie der Gmünder Ersatzkasse (GEK) aus dem Jahr 2006 zeigt, dass Ärzte und Ärztinnen einen massgeblichen Einfluss auf die Entscheidung zum Kaiserschnitt nehmen und bei 60 Prozent aller Kaiserschnitte sie diesen Schritt empfohlen haben. Auf der anderen Seite empfehlen Hebammen Kaiserschnitte deutlich seltener (27 %). Die steigende Tendenz zu Kaiserschnitten ist lt. GEK mit der angeblich "geringeren Intensität der Hebammenbetreuung verbunden".

Die gestiegenen Kaiserschnittzahlen bewertet die Bundesregierung wie folgt:

"Von 2009 (31,4% aller Geburten) auf 2010 (31,9 % aller Geburten) gab es nur noch eine sehr geringe Steigerung (Quelle: Statistisches Bundesamt). Zu den Ursachen gehören vielfältige gesellschaftliche, medizinische, epidemiologische und psychosoziale Aspekte….    …Zu den Faktoren, die für oder gegen eine Sectio in Betracht kommen, gehören Merkmale wie Schmerzen, Eingriffsrisiko, Geburtserlebnis, künftige Schwangerschafts- und Geburtsrisiken, Kontinenzprobleme".                                                       Die Bundesregierung geht davon aus, dass grundsätzlich die Entscheidung zum Einsatz medizinischer Massnahmen verantwortungsvoll zwischen dem Arzt/ Ärztin, der Hebamme und der werdenden Mutter auf der Grundlage der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse getroffen wird und dabei die medizinische Notwendigkeit und Abwägung der gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kind vorrangig ausschlaggebend sind".

Lt. dpa aus aus dem Jahren 2013 hätten im Jahre 2012 31,7 % der Schwangeren einen Kaiserschnitt erhalten, womit möglicherweise der Trend zu immer mehr Kaiserschnitt gebrochen sei, im Vergleich zu 2011 seien es 0,4 % weniger. 

Zu den Unterschieden in den Bundesländern erklärt die Bundesregierung, dass in den neuen Bundesländern das geringere Durchschnittsalter der Schwangeren wegen der damit verbundenen geringeren Rate an Risiken und Komplikationen seltener einen Kaiserschnitt erforderlich macht. Zudem waren schon in den 80er Jahren im Westen die Sectio-Raten deutlich höher als in der DDR.

Die höhere Sectio-Rate im Vergleich zu den Niederlanden wird erklärt mit den unterschiedlichen Versorgungssystemen:

a) der überwiegenden Hebammenbetreuung,

b) der Tatsache, dass eine Entbindung im Krankenhaus ohne zwingende Indikation in den Niederlanden meist selbst bezahlt werden muss.

Die Sectio-Rate ist in den Niederlanden zwar geringer, geht aber vermulich mit einer höhreren Säuglingssterblichkeit einher. Die "im internationalen Vergleich schlechten "Outcome-Ergebnisse" in den Niederlanden führen derzeit zu einer Umstrukturierungvon der Hausgeburtshilfe zu einer klinikgebundenen Geburtshilfe".

 

 

Was versteht man unter dem „sanften Kaiserschnitt“, der Misgav-Ladach-Methode?

Diese Kaiserschnittmethode, auch als der "sanfte Kaiserschnitt" bekannt, ist vor etwa 20 Jahren am Misgav-Ladach- Hospital in Jerusalem entwickelt und standardisiert worden.

Sie unterscheidet sich vom herkömmlichen Verfahren durch eine Verkürzung der Zeit vom Schnitt bis zur Entwicklung des Kindes, durch eine geringere Rate an fieberhaften Komplikationen, durch einen geringeren Blutverlust, geringeren Gebrauch von Schmerzmittel und durch eine schnellere Mobilität der Mutter. Mittlerweile wird empfohlen, diese Methode als Standard zu verwenden, wobei es aber sehr viele Variationen gibt.

"Sanfter Kaiserschnitt" ist ein etwas liebevoller Umgang mit der Tatsache, dass  Bauch und  Gebärmütter natürlich wie bei einem normalen Kaiserschnitt geöffnet werden müssen, um das Baby ans Licht der Welt zu holen. Es wird allerdings weniger geschnitten, sondern das Gewebe wird mit der Hand zur Seite gedrängt. Durch das "Weniger" an Schneiden muss auch hinterher weniger wieder zusammengenäht werden, was Zeit und Narkose einspart. 

Muss bei Frühgeborenen generell ein Kaiserschnitt gemacht werden?

Nein, generell nicht, man möchte aber meist den kleinen Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1500 g  den Stress einer vaginalen Geburt ersparen und führt häufig einen Kaiserschnitt durch.

Hat das gegenüber einer Spontanentbindung positive Auswirkungen auf das Kind? Dazu liegen nach dem 9. Perinatologischen Weltkongreß in Berlin (2009) widersprüchliche Ergebnisse vor  (als "Perinatologie" bezeichnet man die Betreuung von Mutter und Kind um den Geburtszeitpunkt herum).

Aber, weder die Überlebensraten der Kinder, noch die Morbidität (Krankheitshäufigkeit) der Frühgeborenen unterscheiden sich wesentlich voneinander, ob das Kind nun spontan oder per Kaiserschnitt (Sectio) entbunden wurde (s. auch nächste Frage).

Muss bei einer Steißlage (Beckenendlage) immer ein Kaiserschnitt durchgeführt werden?

Die Antwort auf diese Frage ist nach wie vor umstritten.

Erfahrene Geburtshelfer können eine vaginale Geburt bei einer Beckenendlage leiten. Aber, erkundigen Sie sich in Ihrer gewählten Klinik nach der Häufigkeit der dort durchgeführten Steisslagengeburten ohne Kaiserschnitt. Bei nur wenigen auf natürlichem Weg geborenen Kindern aus Steißlage, fehlt einfach die Erfahrung; denn auch hier gilt: "Übung macht den Meister".

Zudem darf das mütterliche Becken nicht zu schmal und das Kind nachweislich, nämlich per Ultraschall gemessen, nicht zu groß sein.

Wenn Sie allerdings schon ein Kind spontan (also ohne Kaiserschnitt) geboren haben, kann beim zweiten Kind durchaus eine vaginale Geburt aus Steißlage erwogen werden. Geht allerdings ein Kaiserschnitt voraus, stellen Sie sich bitte auf einen weiteren Kaiserschnitt ein.

Aus welchem Grunde wird ein geplanter Kaiserschnitt durchgeführt?

Grundsätzlich immer dann, wenn aufgrund der Vorgeschichte oder anhand der vorliegenden Befunde der Vorsorgeuntersuchungen eine Spontangeburt für Mutter und Kind nicht die sicherste Lösung ist, z.B.:

  • eine "vorliegenden Plazenta" (Placenta praevia). Von einer vorliegenden Plazenta sollte frühestens ab 30. SSW gesprochen werden. Eine "tiefliegende Plazenta" vor der 24. Schwangerschaftswoche braucht Sie noch nicht zu beunruhigen, denn der untere Anteil der Gebärmutter dehnt sich im Verlauf der weiteren Schwangerschaft noch stark aus, so dass die Placenta mit "hochgezogen? wirdEine Spontangeburt durch die stark durchblutete, vorliegende Plazenta würde  zu lebensgefährlichen Blutungen führen. Aus dem Grunde wird bei einer total vor dem Muttermund liegenden Plazenta immer ein Kaiserschnitt gemacht.
  • Sollte bei Ihnen eine Plazenta praevia diagnostiziert worden sein und sie bekommen Blutungen, müssen Sie auf dem schnellsten Weg und ohne Verzögerungen ins Krankenhaus gefahren werden.
  • Bei einem zu engem Becken und gleichzeitig großem kindlichen Köpfchen, also bei einem Mißverhältnis zwischen Kind und Mutter, wird häufig zu einem Kaiserschnitt geraten.
  • Besonders kleine Frauen können im Verlauf der Schwangerschaft und unter der Geburt Schwierigkeiten bekommen. Bei Erstgebärenden zeigt sich, dass sowohl die Größe der Mutter als auch die Größendifferenz zwischen Vater und Mutter das Geburtsgewicht, und damit die Wahrscheinlichkeit eines Kaiserschnitts beeinflussen. Bei überschweren Kindern und kleinen Frauen ist die Chance für einen Kaiserschnitt bei doppelt so groß wie bei eher großen Frauen. 
  • Bei Kindern mit Fehlbildungen, die sofort nach der Geburt behandelt werden müssen;                            
  • Bei mehreren vorausgegangenen Kaiserschnitten in der Vorgeschichte;
  • Häufig bei Steißlage des Kindes; 
  • Bei einer Schwangerschaftsvergiftung, der sog. EPH-Gestose; bei einer HIV-Infektion der Mutter, um eine Übertragung des AIDS-Virus auf das Kind zu vermeiden, ebenso wie bei einer akuten Herpes-genitalis-Infektion mit Blässchen (virale Bläscheninfektion).
  • Schnarchen erhöht das Risiko für einen Kaiserschnitt, gerade auch bei übergewichtigen Frauen, so glauben Wissenschaftler der Universität von Michigan festgestellt zu haben. (L. O`Brien et al. Sleep 2013). Chronische Schnarcherinnen trugen ein um 60% erhöhtes Risiko ein small-for-date-baby (zu klein für den berechneten Zeitpunkt /Mangelentwicklung), was häufig einen Kaiserschnitt zur Folge hatte. Wenn Sie wissen, dass Sie Schnarchen, sollten Sie Ihren Frauenarzt/ärztin auf diesen Umstand aufmerksam machen.

Aus welchem Grunde kann auch unter der Geburt noch ein zunächst nicht geplanter Kaiserschnitt (sog. Notkaiserschnitt) erforderlich werden?

  1.  Ein häufiger Grund: Die Herzschlagfrequenz Ihres Kindes wird unter Wehen geringer (z.B. normal liegt der Herzschlag bei 120 Schlägen pro Minute). Liegen sie deutlich unter 100, könnte das auf eine Nabelschnurumschlingung oder auf einen Sauerstoffmangel unter der Geburt hindeuten. Ein Kaiserschnitt befreit das Kind sehr schnell aus dieser problematischen Situation.
  2. Es kann eine Reihe von weiteren Gründen geben, z.B. fehlender Geburtsfortschritt (Geburtsstillstand), Blutungen, mütterliches Fieber, Blutdruckkrisen und anderes mehr.

 

Kann die Kaiserschnitt-Narbe reißen?

Die Narbe in der Haut kann nicht reißen, wohl aber die in der Gebärmutterwand. Es passiert allerdings sehr selten (1-3%). Wichtig ist unter der Geburt deshalb eine genaue CTG-Überwachung und die Überwachung vaginaler Blutungen.

Ein Riss macht sich ggf. durch starke Schmerzen bemerkbar, muss es aber nicht. Deshalb verzichtet man heute eigentlich nicht mehr, wie früher, auf eine Betäubung mittels Periduralanaesthesie (PDA).       Weitere Hinweise können ein mütterlicher Blutdruckabfall oder Dauerkontraktionen (Dauerwehen) sein. Manchmal ist die sogenannte Ruptur (ein Riss) auch von außen zu tasten.

Die Entbindung nach einem vorangehenden Kaiserschnitt sollte aber in jedem Fall in einer Klinik erfolgen, die in der Lage ist, einen Not-Kaiserschnitt durchzuführen.

Die Gefahr eines solchen Risses kann u.U. durch eine Ultraschalluntersuchung erkannt werden (s.auch nächste Frage).

Übrigens, je geringer der zeitliche Abstand zwischen Kaiserschnitt und neuerlicher Geburt ist, um so höher ist das Rupturrisiko. Eine erneute Geburt sollte dann am besten erst in 2 Jahre geplant werden.

Welches ist der beste Zeitpunkt für einen Kaiserschnitt (Sectio)?

Wenn es keine Vorerkrankungen gibt, sollte ein Kaiserschnitt 7 bis 10 Tage vor dem errechneten Geburtstermin durchgeführt werden, da dann die Gefahr einer Lungenunreife weitgehend ausgeschlossen ist, und das Kind reif genug ist.

Liegt dagegen eine Plazentainsuffizienz (Mangelversorgung des Kindes, hervorgerufen durch einen eingeschränkt funktionierenden Mutterkuchen), eine Präeklampsie (auch Gestose genannt, mit Bluthochdruck, Eiweiß im Urin und Wasser in den Beinen) oder eine Plazentaablösung vor, muss je nach Umständen auch eher operiert werden.

Bei Frühgeburten muss das Vorgehen gesondert betrachtet werden (s. Frühgeburt und Kaiserschnitt). Insbesondere, wenn der Muttermund bereits geöffnet ist, die Fruchtblase gesprungen ist oder sich vorwölbt, kann auch hier eine spontane Geburt versucht werden.

Wer entscheidet, ob ein Wunsch-Kaiserschnitt (Sectio) gemacht wird oder nicht?

In Deutschland kommt mittlerweile fast jedes dritte Kind per Kaiserschnitt auf die Welt. Nicht immer aber sind medizinische Gründe dafür ausschlaggebend:                                                                                      Für manche Schwangere muss es der passende Geburtstermin sein. Die Angst vor Schmerzen oder die Angst vor einer "Senkungen des Unterleibs mit frühzeitigen Inkontinenzbeschwerden", führt zum Wunsch des vermeintlich Risiko-ärmeren Kaiserschnitts; als Inkontinenz wird das Unvermögen bezeichnet, Stuhl und Urin willentlich zurückzuhalten. Auch Prominente  leben diesen Trend vor. Eine Studie der Universität Bremen ergab aber, dass nur ca.  2% der Frauen einen derartigen Kaiserschnitt wünschen.

Natürlich haben Sie als autonome Patientin das Recht, selbst darüber zu entscheiden, ob Sie einen "Wunsch-Kaiserschnitt" wünschen. Bei einem vorliegenden schwerwiegenden medizinischen Befund oder in einem akuten mütterlichen oder kindlichen Notfall sollten Sie aber dem Rat des Arztes und der Hebamme folgen.

Sie haben sich für einen Wunsch-Kaiserschnitt entschieden. Wer trägt die Kosten?

Kaiserschnitte werden z.Zt. noch ( ! ) ohne Angabe von Gründen von den Krankenkassen bezahlt. Wenn Sie allerdings einen ganz bestimmten Geburtshelfer wünschen, z.B. den Chefarzt, benötigen Sie eine private Krankenversicherung oder Sie müssen die zusätzlichen Kosten für den Arzt selber bezahlen.

Was spricht für einen Kaiserschnitt (Sectio)?

  1. Das Kind kann zum festgelegten Zeitpunkt geboren werden, was z.B. bei Kindern mit Fehlbildungen einen logistischen Vorteil bedeuten kann (die Geburt findet erst dann statt, wenn auch Kinderärzte anwesend sind, die das Kind übernehmen).
  2. Das Kaiserschnittrisiko für Mutter und Kind ist heute deutlich geringer als früher
  3. Ein Kaiserschnitt geht erheblich schneller als eine Spontangeburt (ca. 30 min)
  4. Mit einem Kaiserschnitt kann man nicht von unvorhersehbaren Dingen unter der Geburt überrascht werden.
  5. Die Geburt verläuft schmerzlos, da eine Spinalanästhesie (sog. Kreuzstich) eine Schmerzfreiheit für 2-3 Stunden bewirkt.
  6. Der Beckenboden wird nicht so strapaziert und man erspart sich den nicht so seltenen Dammschnitt.
  7. Ein stärkerer Geburtsstress für das Kind kann vermieden werden.
  8. Auf diese Weise kann den in späteren Jahren so gefürchteten Senkungsbeschwerden vorgebeugt werden, die mit einer möglichen Inkontinenz einhergehen können.(s.auch nächste Frage).

 

Was spricht gegen einen Kaiserschnitt (Sectio)?

 Der Kaiserschnitt ist eine Bauchoperation. Ein "Null-Risiko" gibt es nicht.

  1. Sollte ein Kaiserschnitt sehr plötzlich gemacht werden müssen, muss eine Vollnarkose gamacht werden, die insbesondere bei Schwangeren nicht risikolos ist, weil sie zuvor meist gegessen oder getrunken haben, also im med. Sinne nicht "nüchtern" sind.
  2. Nach einem Kaiserschnitt können Infektionen der Gebärmutter und der Wunde entstehen.
  3. Sie haben zwar keine Schmerzen unter der Geburt, aber teilweise doch stärkere nach der Geburt, die Sie bei Ihren Bewegungen, insbesondere auch dem Heben und Tragen Ihres Kindes beeinträchtigen.
  4. Es können Narbenkeloide (kosmetisch unschöne Narben) entstehen.
  5. Die Gebärmutternarbe bleibt eine Schwachstelle oder kann bei einer weiteren Schwangerschaft zum gefährlichen Einwachsen der Plazenta führen (Placenta accreta).
  6. Diese "Schwachstelle" kann in ca 2-3% unter der nächsten Geburt einreißen.
  7. Der Krankenhausaufenthalt ist etwas länger als bei einer Spontangeburt.
  8. Häufig dauert es bei erneutem Kinderwunsch etwas länger bis zu einer Schwangerschaft.
  9. Häufig wird muss nach einem Kaiserschnitt in der nachfolgenden Schwangerschaft ein erneuter Kaiserschnitt durchgeführt werden.

 

Wie ist der Ablauf eines Kaiserschnittes?

  1. Zunächst werden Ihre Personalien von einer Krankenschwester oder einer Dame aus der Verwaltung aufgenommen, es folgt  Gespräch mit dem aufnehmenden Arzt statt,
  2. Evtl. gibt es auch ein Aufklärungsgespräch mit dem Narkosearzt.
  3. Nachem Sie ein Klinikhemd angezogen haben,  werden Sie im Schamhaarbereich rasiert (im Bereich der zukünftigen Schnittstelle), Sie müssen Brille, Kontaktlinsenen, den Schmuck und die Uhr ablegen, sowie den Nagellack entfernen.
  4. Sie müssen Kompressionsstrümpfe anziehen, um einer Thrombose vorzubeugen.
  5. Viele Kliniken machen einen Einlauf, schon, damit der Darm nach dem Schnitt besser wieder in Gang kommt.
  6. Wie bei jeder anderen Operation wird ein Katheter gelegt.
  7. Dann werden Sie auf einer Fahrlafette in den Kreisssaal-Operationssaal gefahren. Der Saal ist meist etwas kühl und ist mit vielen medizinischen Geräten zu Ihrer Sicherheit bestückt. Sie werden rücklings auf den Operationstisch gelegt, u.U. etwas auf die linke Seite gekippt, um das Vena-Cava-Syndrom zu vermeiden, das mit einem Kreißlaufkollaps einhergehen kann. Ihre Beine werden an Stützen angeschnallt  und die Arme fixiert. und, Sie werden dann mit meist grünen, sterilen Tüchern abgedeckt, nachdem Sie eine Infusion gelegt bekommen haben, um im Notfall schnell eingreifen zu können und Ihnen Medikamente schnell zuführen zu können; zudem wird eine Blutdruckmanschette an den Arm gelegt. Ihre Arme werden am Operationstisch fixiert und meist wird das Operationsgebiet mit grünen Tüchern abgehängt, so dass es für Sie nicht sichtbar ist; man weiß nämlich nie, wie Sie auf das für Sie ungewohnte Operationserlebnis – das ist ja manchmal etwas blutig- reagieren.
  8. Dann wird die Peridural-Anästhesie ("Kreuzstich") gesetzt. Nach einer Desinfektion verspüren Sie einen leichten Einstich im unteren Bereich der Wirbelsäule und bemerken evt. dass Ihre Beine langsam taub werden..
  9. Dann wird ein Querschnitt im Unterbauch (sog. Bikinischnitt) gelegt, von dem sie hoffentlich schon nichts mehr merken. Es wird die Gebärmutter eröffnet, und die Fruchtblase gesprengt, das Kind "entwickelt", wie es medizinisch heißt und Ihnen anschließend in den Arm gelegt. Kurze Zeit danch wird der Mutterkuchen aus der Gebärmutter entfernt, möglicherweise muss eine Ausschabung erfolgen, damit keine nachfolgenden Blutungen und Infektionen erfolgen.
  10. Im Anschluß daran wird die Wunde in 1-3 Schichten vernäht, und Sie werden aus dem Kreißsaal in das Aufwachzimmer geschoben.
  11. Erst, wenn Sie wieder bei Kräften sind und die Anäethesie aus dem Unterleib und Ihren Beinen abgezogen ist, können Sie sich wieder freier bewegen.

 

Darf mein Partner /Partnerin/Freundin/Mutter im Kreisssaal-Op anwesend sein?

In vielen Krankenhäusern ist es möglich und sicherlich für Sie auch beruhigender, einen vertrauten Menschen um sich zu haben; schließlich ist Ihre Begleitung dann der/die erste, der Ihr Kind zu Gesicht bekommt und es Ihnen in seinen/ihren Armen liegend vorstellt. Im übergezogenen grünen oder blauen Kittel muss Ihre Begleitung auf dem ihr zugewiesenen Platz verbleiben, um die Aktionen des Operationsteams und der Hebamme, ggf. auch des Kinderarztes nicht zu behindern.                             Auch wenn es manchmal ziemlich hektisch sein kann, Sie und Ihr Partner/ Partner sollten wissen: alle kümmern sich ausschließlich um Ihr Kind und Sie und wissen, was zu tun ist.

Was passiert mit Ihnen nach dem Kaiserschnitt?

Da Sie ja aufgrund der  zuvor gelegten PDA (Periduralanästhesie) die Geburt weitgehend schmerzfrei erlebt haben, wird Ihnen Ihr Kind vom Vater oder von der Hebamme gezeigt. Das Kind wird anschließend gebadet, vom Kinderarzt untersucht, warm eingewickelt, in Ihren Arm oder in einem  Körbchen im Überwachungszimmer neben Sie gelegt. Nach einer Kreislauf-Überwachung können Sie das Kind auch immer wieder in der Arm nehmen und vielleicht auch schon einmal an die Brust legen – beim ersten Kind ein völlig neues, beglückendes Gefühl.

Es schließt sich ein mehrtägiger Krankenhausaufenthalt an, bei dem Sie Ihr Baby mehr und mehr kennenlernen und Ihnen die Hebamme oder die Stillberaterin hilfreich zur Seite stehen, auch, da meist einiges nicht gleich zu Anfang so klappt, wie Sie sich das vorgestellt haben.

Sie sollten schon am ersten Tag aufstehen; es dient dem Vorbeugen einer Thrombose ebenso wie das Tragen der Stützstrümpfe und die tägliche Heparinspritze. Das Aufstehen fällt schwer, wird dann meist von Tag zu Tag besser. Zudem erhalten Sie eine Spritze, wenn die Gebärmutter sich zu langsam zurückbilden sollte. Am 2.-4. Tag beginnt die Rückbildungsgymnastik, und der Kinderarzt untersucht Ihr Kind noch einmal etwas genauer.

Nach einer Vollnarkose müssen Sie mit dem Essen noch warten. Nach einer  lokalen (örtlichen) Anästhesie, wie sie die Spinalanästhesie oder PDA darstell, können Sie sofort wieder Nahrung zu sich nehmen.  Rufen Sie bitte jemanden zu Hilfe, wenn Sie das erste Mal aufstehen möchten, da Ihnen schwindelig werden könnte. Zunächst wird das Tragen und Heben des Babies noch schmerzhaft sein, bessert sich aber schnell. Im Hause sollten Sie das Tragen schwerer Teile für ca. 6 Wochen vermeiden, da es ist eine zu starke Belastung für die Narbe ist..

Auch, wenn Sie vielleicht  schnell nach Hause möchten: ohne Hilfe, geht alles deutlich langsamer, weil Sie den Alltag mit ihrem Kind auch erst einmal organisieren müssen – unterschätzen Sie das nicht, sonst stellt sich schnell eine Enttäuschung ein. Beim ersten Kind ist Alles ungewohnt, beim zweiten geht Ihnen sicherlich Manches leichter von der Hand, Sie haben aber noch ein weiteres Kind zu versorgen und zu betreuen, das zwischen Zuneigung und Eifersucht hin und her schwankt und Ihre ganze Aufmerksamkeit nun teilen muss.

Wie sichtbar verbleibt eine Kaiserschnittnarbe?

Wenn sich kein Keloid bildet (eine überschüssige Narbenentwicklung) kann man die Narbe fast nicht mehr sehen, da sie im Schamhaarbereich liegt. Mit einem Bikinihöschen kann sie leicht bedeckt werden. Übrigens kann auch ein eventuelles Keloid später gut behandelt werden.

Bei einem Notkaiserschnitt, wird in seltenen Fällen ein senkrechter Schnitt vom Bauchnabel zum Schambein durchgeführt, um Zeit zu sparen. Eine solche Narbe bleibt natürlich- zumindest im Bikini – sichtbar.

Welche Auswirkungen kann ein Kaiserschnitt auf das Kind haben?

Nach einer Kaiserschnittgeburt haben Kinder ein gering erhöhtes Risiko für Allergien, Asthma, Typ-1-Diabetes oder Leukämien. Nach einer Untersuchung des Karolinska Instituts in Stockholm soll das daran liegen, dass bei der "stressarmen? Kaiserschnittgeburt eine Reihe von Genen im Vergleich zu der stressigen Vaginalgeburt abgeschaltet sind. Schon lange wird diskutiert, ob Einflüsse im Mutterleib Auswirkungen auf das Leben des Heranwachsenden haben. Die Forschungen auf diesem Gebiet stehen aber gerade am Anfang. 

Kaiserschnitte, die um den Geburtstermin geplant sind, haben für das Kind die geringste Komplikationsrate. Bei Kaiserschnitten, die nahe dem Geburtstermin (near term, also 34.-37. Schwangerschaftswoche) durchgeführt werden, ist das Risiko z.B. durch Atemwegskomplikationen so hoch wie bei Notfall-Kaiserschnitten.

Sie haben seit dem Kaiserschnitt starke und verlängerte Regelblutung. Woran kann das liegen?

Es liegt wahrscheinlich ein Defekt an der Vorderwand der Gebärmutter im Narbenbereich vor. Ein solcher Defekt, der die Blutungen auslösen kann, kann mittels eines vaginalen Ultraschalls, am besten zum Zeitpunkt der Blutung, nachgewiesen werden. Mittels eines minimal invasiven Eingriffs kann dieses Nabengewebe entfernt werden, wenn die Uteruswand nicht zu dünn ist.

Wann darf (sollte) man nach einem Kaiserschnitt wieder schwanger werden?

In den meisten Fällen wird empfohlen, nach einem Kaiserschnitt mindestens ein halbes bis ein Jahr mit einer neuen Schwangerschaft zu warten. Uns ist allerdings im Augenblick keine wissenschaftliche Arbeit, die sich einmal mit dem zeitlichen Abstand und möglichen vermehrten Komplikationen beschäftigt hat, bekannt.

Warum sollte man nach einem Kaiserschnitt mindestens ein halbes bis ein Jahr warten? Man möchte auf jeden Fall den Heilungsprozess abwarten und die Narbe in der Gebärmutter nicht zu früh einer erneuten Belastung aussetzen. Die Wahrscheinlichkeit, später erneut mit einem Kaiserschnitt zu entbinden, ist übrigens relativ groß.

Es dauert zudem eine ganze Zeit, bis sie routiniert und sicher mit Ihrem ersten Kind umgehen können. Nehmen Sie sich die Zeit. Gerade das erste Jahr mit Ihrem Kind zu erleben, ist  etwas ganz besonderes. Das können Sie kaum genießen, wenn sie zeitgleich mehr oder weniger heftige Schwangerschaftsbegleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen haben.

Viele Schwangere berichten vor der Geburt, dass sie nach der Geburt so schnell wie möglich wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren wollen. Kaum ist das Kind da,entscheiden sich die meisten dann aber doch für eine längere Auszeit.

Vorwort

Jede Frau hat Ihre ganz eigene Vorstellung von der zu erwartenden Geburt. Sie erwarten wahrscheinlich eine sanfte Geburt in einem nicht zu technisierten Kreißsaal, einfühlsame Hebammen und Ärzte und freuen sich unbändig darauf, endlich Ihr Kind in die Arme zu nehmen.
Diese Vorfreude wird aber u.U. getrübt durch zahlreiche Ängste:

Wird mein Kind gesund sein?
Werde ich starke Schmerzen haben?
Werde ich spontan entbinden können, oder wünsche ich mir lieber einen Kaiserschnitt?
Wie wird es nach der Entbindung sein?
Wie wird mein Partner auf die Geburt reagieren?
Werde ich stillen können?
Wie werde ich mit der neuen Situation zurecht kommen?

Wir wissen: Ängste sind schlechte Ratgeber. Ängste kann man am ehesten überwinden, indem man sich mit Ihnen auseinandersetzt und sich informiert. Je besser ich informiert bin, umso besser kann ich mit den Ängsten umgehen.
Dr. G. Dick-Read hat Anfang des 20. Jahrhunderts diesen Zusammenhang erkannt und festgestellt, dass Ängste zu Verspannungen führen, diese führen wiederum zu vermehrten Schmerzen, die ihrerseits die Ängste verstärken. Das ist wie eine sich nach oben drehende Spirale, wo immer das eine das andere verstärkt.

Es ist natürlich vorher nicht abzusehbar, ob es eine einfache Geburt wird, ob sich der Gebärkanal öffnet und aus welcher Kindslage Ihr Baby geboren wird. Bei sehr großen oder sehr kleinen Kindern sowie bei  kindlichen Geburtslagen, wie z.B. Steiß- oder Querlage, ist möglicherweise der normale Geburtsweg zu gefährlich, so dass der behandelnde Arzt einen Kaiserschnitt empfiehlt, auch wenn Sie sich auf eine normale Geburt vorbereitet haben. Das gleiche kann bei bestimmten Erkrankungen Ihrerseits (z.B. Bluthochdruck, Fieber und v.a.m.) auftreten.

Bereiten Sie sich also gedanklich auch darauf vor, dass nicht alles ganz so glatt laufen wird und Ihr Kind durchaus auch per Kaiserschnitt (Sectio) geboren werden könnte. Heute kommen bereits über 30 % aller Kinder per Kaiserschnitt zur Welt, vor 10 Jahren waren das noch 20 %. 
Das liegt sicherlich an einer ganzen Reihe von Ursachen, z.B.: Wunschkaiserschnitt, steigendes mütterliches Alter bei der ersten Geburt und kontinuierliche – und damit überprüfbare – Überwachung unter der Geburt mittels CTG (Cardiotokograph = Herztonwehenschreiber), um nur einiges zu nennen (s. weiter unten).

Im Folgenden sollen eine Vielzahl von Fragen zum Kaiserschnitt besprochen werden:
 

Ist es wirklich so, dass Frauen nach vaginaler Geburt doppelt so häufig an Harninkontinenz leiden, wie nach einem Kaiserschnitt?

Das geht aus einer norwegischen Studie hervor. Eine dänische Studie kommt hingegen nur auf ein häufigeres Auftreten einer Harninkontinenz (Unfähigkeit, den Urin zu halten) von 20% gegenüber eines Kaiserschnittes.

Die Entscheidung sollte aber nicht allein von solchen Statistiken abhängig gemacht werden, sondern vielmehr von der klinischen Situation:    

  • Wie groß ist das Kind? Bei einem sehr großen Kind kommt es bei einer Spontangeburt zu einer starken Belastung des Beckenbodens, hier sollte eher ein Kaiserschnitt in Anbetracht gezogen werden.
  • Wie verläuft die Geburt? Wenn sich eine Geburt über Stunden hinzieht (sog. protrahierte Geburt) ist die Gefahr für eine Schädigung des Beckenbodens größer, insbesondere, wenn sog. vaginal-operative Eingriffe (Zange oder Saugglocke) notwendig werden.                                                                      
  • Aber auch eine sehr schnelle Geburt (Sturzgeburt) stellt eine Gefährdung des Beckenbodens dar, da der Beckenboden weniger Zeit hat, sich in der Austreibungsphase zu dehnen.
  • Auch bei älteren Müttern neigt man eher zum Kaiserschnitt, da das Gewebe nicht mehr so elastisch ist.
  • Ist es nach einer vorhergehenden Schwangerschaft zu einer Inkontinenz gekommen, wäre bei einer erneuten Spontangeburt mit einer Verschlechterung der Situation zu rechnen, so dass hier ebenfalls ein Kaiserschnitt die geeignetere Entbindungsmethode darstellt.
  • Wenn in der Geburtsvorbereitung durch Hebammen besonders viel Wert auf den Beckenboden, z.B. mit speziellen Übungen, gelegt worden ist, kann eine Spontangeburt in Betracht gezogen werden.     

Allgemein kann gesagt werden, dass ein Kaiserschnitt das Risiko für einen Beckenbodenschwäche und damit auch für eine Inkontinenz senkt. Nicht sicher sind sich aber die Untersucher, ob eine Kaiserschnitt einer solchen Störung auch im späteren Leben vorbeugt. Möglicherweise führt ja die Schwangerschaft selber unabhängig vom Geburtsmodus schon zu einer Schwächung des Beckenbodens, wobei schon eine starke Geichtszunahme und körperlich anstrengende Arbeit zu einer Inkontinenz führen können.

Allerdings kann auch das Gegenteil eintreten, dass es in bis zu 10 % zur Harnverhaltung kommt, es kann nicht mehr spontan Wasser gelassen werden. Teilweise muss dann katheterisiert werden.  Untersuchungen haben gezeigt, dass dieses Problem seltener auftritt, je näher die Geburt zum berechneten Geburtstermin stattfindet.

 

 

 

         

 

Was ist ein „Notkaiserschnitt“?

Unter einem "Notkaiserschnitt" versteht man die sofortige Durchführung eines Kaiserschnittes, auch wenn ein solcher eigentlich gar nicht geplant war.   Die häufigsten Gründe dafür sind:

  • Ein Geburtsstillstand, wenn z.B. festgestellt wird, dass das Baby im Verhältnis zum Becken der Mutter zu groß ist.
  • Bei einem starken Abfall der kindlichen Herztöne (Decelerationen) oder bei Auftreten grünen Fruchtwassers.
  • Bei einer Verschlechterung des mütterlichen Gesundheitszustandes, z.B. starker Anstieg des Blutdruckes, und Auftreten von Fieber u.ä.

Pro und Kontra zum Kaiserschnitt / Prof. Dr. M. Carstensen: Wie möchte ich geboren werden – und wie möchte ich meinem Kind am besten auf diese Welt helfen?

In keinem anderen Bereich der Geburtshilfe und Frauenheilkunde haben sich die Einstellungen der Ärzte und der Schwangeren so verändert, wie in der sich wandelnden Indikationsstellungen zur Kaiserschnittentbindung. Während bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Kaiserschnitt eigentlich nur eine Notfallmaßnahme zur Rettung der Mutter war und stets eine tödliche Bedrohung für Mutter und Kind bedeutete, hat sich die Rate der Entbindungen durch einen Kaiserschnitt alleine in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt. Mittlerweile wird auch in Deutschland fast jedes 3. Kind nicht mehr auf natürlichem Wege geboren.
Hierfür gibt es zahlreiche Gründe, vor allem medizinische, aber auch nicht-medizinische.
Unter den medizinischen Gründen steht als erstes das in den letzten Jahrzehnten stetig ansteigende durchschnittliche Alter der Mütter, mit der Folge zunehmender Risiken.
So haben ältere Schwangere häufiger Vorerkrankungen z. B. der Gefäße, der Nieren und des Zuckerstoffwechsels. Einige dieser in die Schwangerschaft mitgebrachten Vorerkrankungen und Probleme lassen sich nur durch eine Kaiserschnittentbindung lösen.
Außerdem sind in hoch industrialisierten Gesellschaften mit häufigen Überernährungen und wenig Bewegungen Neugeborene immer schwerer und größer geworden.
Darüber hinaus nehmen immer mehr Frauen bei erst im späteren Lebensalter gewünschter Schwangerschaft eine Sterilitätstherapie in Anspruch, mit der Folge, dass es zum einen mehr Mehrlingsgeburten aber auch mehr Frühgeburten gibt.
Als rein klinische Faktoren kennen wir die Überwachung der Geburt mit der Cardiotokographie (CTG) ohne Mikroblutuntersuchung, die bei Nachweis einer krankhaften Veränderung der CTG-Kurve Anlass für eine Kaiserschnittentbindung sein kann, ohne das dem noch Ungeborenen objektiv eine Gefahr droht.

Durch den immer großzügigeren Einsatz der operativen Entbindung durch Kaiserschnitt, besitzen einige Geburtshelfer möglicherweise nur wenig Erfahrung mit der Entbindung aus kindlicher Beckenendlage und auch mit der vaginal-operativen Entbindung durch Vakuum- (Saugglocke) oder Zangengeburt.
Nicht zuletzt hat die rasante Zunahme von Haftpflichtfällen bei Geburtshelfern und Hebammen zu einer zunehmend defensiven Geburtshilfe aus Furcht vor Kunstfehlerprozessen geführt, in denen das Unterlassen einer Kaiserschnittentbindung beklagt werden könnte.

Aber auch der Anteil der Kaiserschnitte ohne direkte medizinische Indikation ist kontinuierlich angestiegen, der durch folgende patientinnenabhängige Faktoren zu erklären ist:
Verzicht auf den natürlichen Geburtsvorgang zu Gunsten eines intakten Beckenbodens und Wunsch nach Perfektion und Planbarkeit des Geburtserlebnisses.
Auf der einen Seite ist ein berechtigtes hohes Anspruchsniveau, auf der anderen Seite aber nur eine geringe Belastungstoleranz in den letzten Schwangerschaftswochen und unter der Geburt – während letzterer auch durch den Lebenspartner – zu beobachten. Ganz oben an steht immer der Wunsch nach den vermeintlich verbesserten Chancen des Neugeborenen durch eine Kaiserschnittentbindung.
Aufgrund dieser Faktoren ist die Geburt nicht als ein Akt zu betrachten, der sich für mehr oder weniger Stunden im Kreisssaal abspielt, sondern die Geburt ist ein Lebensereignis, welches Monate vor der Geburt reflektiert wird und welches auch einen großen Einfluss auf die spätere Gesundheit der Schwangeren in den kommenden Jahren haben kann.

In seltenen Fällen können auch noch Monate nach der natürlichen Geburt sehr störende Probleme wie Blasen- und Enddarmbeschwerden auftreten. Dem gegenüber ist das Erkrankungsrisiko nach einer Kaiserschnittentbindung in den letzten Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen, im Wesentlichen aufgrund verbesserter Operationstechniken und der Möglichkeit ohne Voll-Narkose in Regionalanästhesie (Peridural – oder Spinalanästhesie) zu operieren.

Glücklicherweise sind sowohl die natürliche Geburt als auch die Kaiserschnittentbindung ein außerordentlich sicheres Verfahren mit sehr geringen Risiken für Mutter und Kind geworden. Jede Frau hat die Möglichkeit, in den letzten Monaten ihrer Schwangerschaft mit den sie betreuenden Geburtshelferinnen/Geburtshelfern und Hebammen den für sie besten Geburtsmodus zu bestimmen.
Das Geburtserlebnis ist für jede Frau ein sehr wichtiges Ereignis, über das sie in der Regel zeitlebens informiert bleibt und häufig gern spricht.
Wir Ärzte haben gelernt, dass es nicht nur den medizinisch begründeten Kaiserschnitt gibt, sondern dass wir die Autonomie und das Selbstbestimmungsrecht jeder Schwangeren berücksichtigen und in ihrem speziellen Einzelfall eine Entscheidungshilfe geben für eine natürliche Geburt oder den geplanten Kaiserschnitt.
Hierbei wünschen Schwangere und Geburtshelfer sich einen möglichst hohen Anteil komplikationsloser vaginaler Geburten (natürliche Geburt durch die Scheide) und einen hohen Anteil geplanter Kaiserschnitte und darüber hinaus möglichst wenige langwierige Geburtsverläufe mit schwierigen vaginal-operativen Geburtsbeendigungen durch die Saugglocke oder Zange und vor allem ganz wenig Notfallkaiserschnitte!

Dieses Ziel ist dadurch zu erreichen, dass Schwangere im Rahmen der Mutterschaftsvorsorgeuntersuchungen gut betreut werden, so dass eine Unterscheidung zwischen risikobehafteter Schwangerschaft und nicht risikobehafteter Schwangerschaft erfolgen kann. Wenn eine risikobehaftete Schwangerschaft ausgeschlossen ist, ist es die ureigene Aufgabe von Hebammen und Geburtshelferinnen/Geburtshelfer Ängste und Sorgen vor der Geburt bei werdenden Müttern und Vätern sowie Ängste vor Gefahren für das Ungeborene abzubauen. Hierzu zählt auch die Angst vor nicht erträglichen Schmerzen
Gerade letzteres ist durch zahlreiche Möglichkeiten der Schmerzbehandlung unter der Geburt bis hin zur Leitungsanästhesie durch eine Periduralanästhesie immer möglich!
Jede gesunde Frau hat ein Anrecht auf ein schönes Geburtserlebnis einer natürlichen Geburt!
Geburtsrisiken für gesunde Neugeborene sind grundsätzlich nicht größer bei einer natürlichen Geburt im Vergleich zur Kaiserschnittentbindung.
Eine neuere schwedische Untersuchung bei durch Kaiserschnitt geborenen Kindern zeigte ein höheres Risiko für Allergien, einen Typ I Diabetes und eine Leukämie. Dies ist möglicherweise Folge einer genetischen Veränderung des Erbmaterials in den ersten 3 – 5 Tagen nach der Geburt durch ein anderes Stressniveau des Neugeborenen im Vergleich zu dem auf natürlichem Wege geborenen Kind.
In jedem Fall ist nach einer Kaiserschnittgeburt das Risiko bei folgenden Schwangerschaften für eine Uterusruptur (Gebärmutterwandverletzung) größer, als nach einer natürlichen Geburt und das Risiko für eine Plazenta increta/accreta (gestörte Mutterkuchenanheftung an der Gebärmutterinnenwand) deutlich größer als nach natürlicher Geburt.
Beide Komplikationen sind insgesamt glücklicherweise sehr selten, aber können im Einzelfall lebensbedrohlich für Mutter und Kind sein.

Andere ebenfalls seltene Komplikationen bzw. Faktoren unterscheiden sich zwischen natürlicher Geburt und geplanter Kaiserschnittentbindung nicht signifikant wie z. B. Blutverlust, Wundheilungsstörungen, Blasenentzündungen und Dauer des Krankenhausaufenthaltes!
Sehr wichtig ist allerdings, dass die Kaiserschnittentbindung nicht früher als 7 Tage bis maximal 10 Tage vor dem errechneten Geburtstermin erfolgt, da anderenfalls durch Frühgeburtsprobleme des Kindes z. B. Atemwegserkrankungen auftreten können.

Zusammenfassung:
Es gibt heute eine deutlich größere Anzahl medizinischer Gründe, einer Schwangeren zum Kaiserschnitt zu raten – Indikationen die gut untersucht und gut erklärbar sind.
Ärztinnen/Ärzte und Hebammen haben den Anspruch, Ängste der Mutter vor der natürlichen Geburt abzubauen und bei Abwesenheit von Risiken eine natürliche Geburt zu begleiten. Die Entscheidung zu einem Geburtsmodus obliegt der Schwangeren selbst nach ausführlicher Aufklärung über Vor- und Nachteile sowie Risiken des jeweiligen Entbindungsmodus. Es handelt bei jeder Geburt um eine gut begründete Einzelfallentscheidung bei vollständiger Autonomie der Schwangeren nach beratender Entscheidungshilfe durch uns Ärzte und Hebammen. 

Prof. Dr. M. Carstensen 25.01.2010
 

Einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt?

Diese These ist (s. auch vorige Frage) veraltet. So haben lt. einer Studie von Rossi AC, D`Addario V, Am J Obstet Gynecol 2008.199  73% der Patientinnen, die nach einem Kaiserschnitt beim nächsten Mal eine vaginale Geburt anstrebten, auch tatsächlich Ihr Kind auf diesem Wege zur Welt gebracht. Damit ist diese These widerlegt, oder?

In einer weiteren Studie, 2013 in der British Journal of Obstetrics and Gynaecology veröffentlicht, versucht die Hälfte der Frauen nach einem Kaiserschnitt, das nächste Kind vaginal zu gebären. Dabei sind aber nur 2 von 3 Frauen erfolgreich. Das bedeutet, dass nach einem Kaiserschnitt nur ein Drittel aller Frauen ihr Kind auf dem natürlichen Weg bekommt.

Die wesentlichen Komplikationen waren zwischen erneuter Kaiserschnittgeburt und erstmaliger vaginaler Entbindung waren vergleichbar, allerdings war die Rate der uterinen Rupturen (Riss der alten Kaiserschnittnarbe) nach vaginaler Geburt dreimal höher (0,4 % zu 1,3 %). Musste trotz geplanter Vaginalgeburt doch noch ein Notfall-Kaiserschnitt gemacht werden, waren die Komplikationen gegenüber einem geplanten Kaiserschnitt allerdings erhöht.

 

Welche Folgen haben ein oder mehrere Kaiserschnitte für die Mutter?

Über die relativ große Anzahl von zweit- und dritt-Kaiserschnitten wurde bereits geschrieben, auch darüber, dass nach dem ersten Kaiserschnitt durchaus eine vaginale Entbindung angestrebt werden kann. Die Gefahr eines Gebärmutterrisses (Uterusruptur) steigt aber nach jeden Kaiserschnitt an.                      

 In allen untersuchten Studien (Marshall NE et al.: a systematic review. Am J Obstet Gynecol 205 (2011)262) fanden sich bei zunehmender Kaiserschnittzahl höhere Zahlen an Blutungen und Bluttransfusionen, Infektionen und medizinisch notwendigen Entfernungen der Gebärmutter, ausgelöst durch einen in die alte Narbe eingewachsenen Mutterkuchen (Placenta accreta oder increta), durch eine Uterusatonie (Erschlaffung der Gebärmutter) oder durch Einrisse (Rupturen). Außerdem kommt es nach mehreren Kaiserschnitten häufiger zum Vorliegen der Placenta (Placenta praevia).

Aus den oben beschriebenen Gründen erscheint es bei weiter bestehendem Kinderwunsch ratsam, immer zu erst eine vaginale Entbindung anzustreben und sorgsam abzuwägen zwischen einer Wunsch-sectio oder einer Spontangeburt (vaginale Geburt).

 

                                                                           

 

 

 

 

Wie kann unter der Geburt ein Riss der Gebärmutterwand erkannt und verhindert werden?

Prof. Dr. W.H. Henrich berichtete auf dem gynäkologischen Fortbildungskongress (FOKO) 2011 darüber, dass das Risiko für einen Riss in der Gebärmutter ohne vorhergehende Operation bei 1:17.000 liegt (0,00005 %), also nur sehr selten vorkommt. Nach einem Kaiserschnitt, dem sog. "Tiefen Querschnitt" liegt das Risiko schon bei 0,2-1,5 % und bei einem Längsschnitt sogar bei 10 %.

Das erhöhte Risiko kann mittels Ultraschall schon in der 20. SSW erkannt werden:

a) durch Messung der Wanddicke der Gebärmutter

b) durch einen Ausschluß einer in diesem Bereich eingewachsenen Plazenta. Beides erhöht ganz erheblich das Risiko eines Risses und das Auftreten schwerer Blutungen, die im schlimmsten Fall zur Entfernung der Gebärmutter führen können. 

Liegen entsprechende Risiken vor, sollte der geplante vaginale Entbindungsversuch überdacht werden und besonders eine Geburtseinleitung z.B. mit Oxytocin (wehenauslösendes Mittel) unterbleiben.

 

Ist ein Kaiserschnitt ein Risiko für eine weitere Schwangerschaft?

Die Sectio caesarea gilt als Risikofaktor für nachfolgende Schwangerschaften. So sind Störungen der Einnistung der Plazenta und auch vorzeitige Plazentaablösungen, ebenso wie Uterusrupturen (Risse der alten Uterusnarbe) nach einem Kaiserschnitt häufiger.

 

 

 

Aus welchem Grund belastet Mütter ein Notkaiserschnitt?

Für Schwangere ist es ein Schock, wenn ihnen im Verlaufe der Geburt mitgeteilt wird, dass man sich entschlossen hat, die Geburt mittels Kaiserschnitt zu beenden.

Die Sorge um Ihre und die Gesundheit Ihres Kindes steht erster Stelle, aber auch die Angst, durch eine Narkose den wichtigsten Augenblick der Schwangerschaft zu verpassen. Die Angst vor einer Operation, die Angst nach der Geburt aufgrund der Operationsschmerzen nicht voll für das Kind dasein zu können, all das kann zu einer starken seelischen Anspannung führen. 

Nun haben moderne Operations- und Narkoseverfahren dem Kaiserschnitt selbst seinen Schrecken genommen, und die Kaiserschnittgeburt ist nicht mehr risikoreicher als die spontane vaginale Geburt. Dennoch bleibt ein Unbehagen. Nur durch eine einfühlsame Beratung und Aufklärung der bestehenden Situation, die zum Kaiserschnitt führen soll, kann die Angst gemindert werden. 

Bei den Geburtsvorbereitungskursen wird viel Wert auf die entspannte, glückliche Spontanentbindung gelegt. Wenn aber mittlerweile 30% der Kinder per Sectio entbunden werden, sollten Schwangere in diesen Kursen  auch die Möglichkeit eines Kaiserschnitts vor Augen geführt werden. Je mehr Sie darüber wissen, umso geringer wird die Enttäuschung sein.

Hilfreich ist auch die Anwesenheit des Vaters bei der Kaiserschnitt-Geburt. Während früher Väter in Op-Sälen nicht geduldet wurden, werden sie heute zugelassen und können ihrer Partnerin und ihrem Kind nah sein. Sie können das Baby in Empfang nehmen, während die Mutter noch versorgt wird, oder diese eine mögliche Vollnarkose noch ausschlafen muss.

 

 

Welche der bekannten Narkosemethoden werden beim Kaiserschnitt eingesetzt?

Noch in den 70er Jahren war es üblich, den Schwangeren zur Minderung ihrer Wehenschmerzen Lachgas zum Einatmen zu geben. Das ist ein wenig aus der Übung gekommen.                                               Hingegen wird die bei Operationen übliche Intubationsnarkose (Vollnarkose mit Einführen eines Beatmungsschlauches in die Luftröhre) besonders bei Notfällen unter der Geburt noch verwendet.

Der Nachteil der Intubationsnarkose besteht aber darin, dass man die Geburt des Kindes verschläft und nicht bewußt erleben kann. Dies und mögliche Komplikationen dieser Narkose haben dazu geführt, dass mehr und mehr die sog. Spinal- oder Periduralanaesthesie (auch Kreuzstich genannt – der Einstich findet im Kreuzbeinbereich statt) eingesetzt wird. Bei dieser Methode handelt es sich um eine Rückenmarkkanal-Anästhesie,  Das örtliche Betäubungsmittel wird dabei in den Spalt zwischen den beiden, das Rückenmark umschließenden, harten Rückenmarkkanalhäuten gespritzt.

Bei der Intubationsmethode gehen innerhalb von ca. 3 Minuten die angewendeten Narkosemittel auf das Kind über und machen das Kind schläfrig. Die Ärzte haben also nach dem Beginn der Narkose ca. 3 Minuten Zeit, um das Kind per Kaiserschnitt an das Licht der Welt zu holen.

Im Gegensatz dazu handelt es sich bei der PDA, auch Leitungsanästhesie genannt (weil sie die Weiterleitung der Schmerzempfindung in den Leitungen des Rückenmarkes unterbindet), um eine Medikation, die nicht auf das Ungeborene übergeht. So bleibt Zeit, das Kind nach dem Schnitt in Ruhe "zu entwickeln", wie es im Kreißsaal heißt; zudem bleiben Sie ansprechbar und können die Geburt Ihres Kindes miterleben.

Im Falle eines sofortigen Not-Kaiserschnitts wird allerdings aus Zeitgründen keine PDA (Periduralanästhesie) mehr möglich sein. Hier muss, wie bei anderen Notfällen auch eine andere Priorität gesetzt werden, es geht dann um Ihre Gesundheit und den Erhalt Ihres Lebens ebenso, wie dem des Kindes.

 

Was bezeichnet man als „Kaisergeburt“?

Das ist eine Wort-Neu-schöpfung aus der Berliner Charité. Prof. W. Henrich war es leid, von Müttern, die einen Kaiserschnitt hatten über sich ergehen lassen müssen, zu hören, dass sie betrübt seien, das eigentliche Geburtserlebnis versäumt zu haben. 

Eigentlich ist es ein Kaiserschnitt, wie viele andere auch. Allerdings wird bei der Entwicklung des Kindes aus der geöffneten Bauchhöhle heraus das, die Sicht einengende, grüne Abdecktuch heruntergelassen, so dass die junge Mutter ein Erlebnis hat, das der der Geburt sehr nah kommt, zumal Ihr das Kind sofort nach der Geburt auf die Brust gelegt wird. Man bezeichnet diesen ersten Hautkontakt auch als prefeeding behavior (Verhalten vor dem ersten Stillen).

Die überwiegende Anzahl der Frauen war von dieser Art des Kaiserschnittes begeistert. Mütter die schon einmal einen konventionellen Kaiserschnitt erlebt hatten, würden immer wieder nur nach der von Prof. W. Henrich als "Kaisergeburt" benannten Methode entbinden.                                                                       Man sieht, dass auch kleine Veränderungen im Kreisssaal eine Wohltat für Mutter und Kind sein können, wenngleich sofort leitende Hebammen und Chefärzte warnend den Finger hoben: der Kreisssaal sei kein Experimentierplatz.