Frühgeburt

Was passiert im Krankenhaus zur Vermeidung der Frühgeburt?

An erster Stelle stehen Bettruhe, CTG-Überwachung der Wehentätigkeit, Messung des Muttermundes und die Gabe von Wehenhemmern.

  1. Bei einer drohenden Frühgeburt ist Bettruhe angesagt, bei größerer kindlicher Unreife, also vor der 34. Schwangerschaftswoche, sollte eine stationäre Behandlung erwogen werden, u.a. um ggf. eine vorzeitige Lungenreifung (RDS-Prophylaxe = respiratory deficiency syndrom- Atemnotsyndrom) medikamentös auszulösen; meist wird hierzu Betamethason (Celestan®) 2 x 12 mg im Abstand von 24 Stunden im. (intramuskulär) gegeben.
  2. Es werden regelmäßig CTGs (Cardiotokogramm- bzw. Herzschlag-Wehen- Aufzeichnungen) durchgeführt. Dabei wird ein Wehenschreiber und ein Übertragungsgerät für die Herzschläge mittels eines Bauchgurtes befestigt, und so die Häufigkeit und Regelmäßigkeit der Wehen festgestellt. Bitten Sie die Hebamme die Lautstärke der kindlichen "Herztöne" so weit wie möglich zu drosseln, sonst macht es Sie zusätzlich unruhig. Man hört mittels dieses Gerätes nicht die Herztöne des ungeboren Kindes (das gelingt eigentlich nur mit einem Holzhörrohr) sondern die in akustische Signale umgesetzten Bewegungen des pulsierenden Herzens.
  3. Ein verkürzter Gebärmutterhals (normale Länge ca. 4-5 cm) kann mittels vaginaler Untersuchung, heute aber meist mittels des vaginalem Ultraschalls, festgestellt werden. Aber nicht nur diese Länge ist entscheidend, sondern auch die Form des inneren Muttermundes am unteren Eipol, der tiefsten Stelle der Fruchthöhle. Es ist problematischer, wenn sich eine deutliche Eindellung Richtung Scheide findet (sog. innerer Trichter- "Funneling"). Kommen beide Kriterien zusammen, ist das Risiko deutlich erhöht und erfordert ggf. körperliche Schonung und den Einsatz eines Wehenhemmers.
  4. Im Falle regelmäßiger Wehen und bei verkürztem Gebärmutterhals wird versucht, mittels einer Infusion eines Wehenhemmers, meist Fenoterol (Partusisten®) die Wehen zu stoppen (meist nur für 1-2 Tage). Immer häufiger wird allerdings wegen der geringeren Kreislaufreaktionen das Atosiban (Tractocile®) eingesetzt. Diese sog. Tokolyse wird therapeutisch frühestens ab der 24. Schwangerschaftswoche bis längstens zur 34. Schwangerschaftswoche durchgeführt.

    Bei der Partusistenanwendung kann es anfänglich zu Begleiterscheinungen wie Herzrasen und Kurzatmigkeit kommen, was sich meist im Verlaufe der Behandlung deutlich bessert oder mit anderen Medikamenten abgemildert werden kann. Denken Sie aber bei allen Beschwerden daran, jeder Tag, den Ihr Kind insbesondere unterhalb der 30. Schwangerschaftswoche, noch in der Gebärmutter verbleibt, ist ein gewonnener Tag für eine bessere Ausreifung vor allem von Lunge und Gehirn. Damit verbessern sich die Chancen für ein gesundes, überlebensfähiges Kind.

  5. Früher hat man versucht, mit Aspirin die Wehen zu stoppen. Aspirin ist der direkte Gegenspieler des die Wehen auslösenden Prostaglandins. Diese Behandlung war aber nicht sehr effektiv, weshalb sie heute wieder verlassen wurde.

Kann man bei einer drohenden Frühgeburt in jedes Krankenhaus gehen?

Es gibt mittlerweile eine Klassifizierung der Krankenhäuser je nach ihrer Ausstattung, Erfahrung und personeller Präsenz.

Im Notfall muss Sie jedes Krankenhaus aufnehmen; es kann aber sein, dass, wenn die Situation unter Kontrolle ist, Sie und/oder Ihr Kind in ein Krankenhaus mit einem höheren Versorgungs-Level verlegt werden müssen.

So hat man festgestellt, dass es aus verschiedenen Gründen sinnvoll ist, die Betreuung von Frühgeburten in einigen wenigen Zentren zu konzentrieren, da nur dort eine perfekte Rund-um-die-Uhr- Versorgung gewährleistet werden kann, jederzeit Neonatologen (Kinderärzte für die Betreuung des Kindes unmittelbar nach der Geburt) vor Ort sind und ausreichend Apparate für eine entsprechende intensivmedizinische Behandlung vorhanden sind.       Aus diesem Grunde werden Geburtskliniken heute nach Ihrem Potential hinsichtlich der Betreuung von Frühgeborenen bewertet und in Level 1-, 2- oder 3-Krankenhaus eingeteilt:

  •  Level 1-Krankenhaus – hier werden u.a. extrem kleine Frühgeborene mit eigener Frühgeborenenstation betreut, und es gibt neben dem speziell qualifizierten Leiter der Geburtsklinik einen ausgebildeten Leiter in der Neonatologie; ein Kinderarzt ist rund um die Uhr im Krankenhaus anwesend.
  • Level 2-Krankenhaus – betreut auch Frühgeburten oberhalb 1500 g bzw. jenseits der 30. Schwangerschaftswoche und ist ausgestattet mit Frühgeborenenstation und Kinderarzt.
  • Level 3-Krankenhaus – betreut Kinder oberhalb von 2500 g als Normal- und Regelversorgung. Diese Unterteilung bezieht sich nur auf die Möglichkeit der Vorsorgung von Frühgeburten und sagt meist nichts über die sonstige Qualität einer Entbindungsklinik aus. Auch ein Level 3-Krankenhaus kann notfallmäßig ein Frühgeborenes versorgen, das dann aber weiter verlegt werden muss. Allerdings sollten solche Frühgeborenentransporte nach Möglichkeit vermieden werden, da sie deutlich das Risiko für Komplikationen erhöhen.

140 Neonatologie-Stationen in Deutschland haben eine Level-1-Versorgung. 

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft möchte aber mehr Kliniken in der Frühgeburtenversorgung belassen, um längere Transportwege zu vermeiden, die letztlich eine zusätzliche Gefahr (z.B. Unterkühlung) darstellen könnte.

Zahlen aus Finnland und Portugal sprechen allerdings gegen diese Annahme. 41 Krankenhäuser hatten gegen die Erhöhung der Mindestmenge von 14 auf 30 Frühgeborene (unter 1250g) pro Jahr geklagt. Das Gericht sah die „besondere Abhängigkeit  der Leistungsqualität von der Leistungsmenge“ nicht hinreichend belegt (Az.: L7KA64/10KL). Deshalb wurde vom Landessozialgericht Berlin am 21.12.2012 sowohl gegen die Mindestmengenregelung als auch gegen den gesunden Menschenverstand entschieden.

 

Sie sollten sich dennoch bei drohender Frühgeburt rechtzeitig um ein Level-1 oder -2 Krankenhaus kümmern, um für den Fall einer Frühgeburt das optimale Krankenhaus für den neuen Erdenbürger auszuwählen. 

Literatur:

Stellungnahme des Gemeinsamen Bundesausschusses:

http://www.g-ba.de/downloads/62-492-404/2009-08-20-VB-NICU.pdf

Siehe auch die Stellungnahme des Elternverbandes „das frühgeborene Kind e.V.“:

http://www.fruehgeborene.de/index.php?option=com_content&view=article&id=178&Itemid=1.

 

 

Führen Mehrlingsschwangerschaften häufiger zu Frühgeburten?

Je größer die Zahl der Kinder in der Gebärmutter ist, um so größer ist die Gefahr, dass sie zu früh auf die Welt kommen.

Das ist einfach ein Platzproblem denn die menschliche Gebärmutter ist eigentlich nur für einen Einling vorgesehen. Die übrigen Säugetiere z.B. Kaninchen haben meist 2 längliche Uterushörner, in denen eine größere Anzahl von Nachkommen Platz finden können.

Besondere Beachtung gilt auch den Eihautverhältnissen von Mehrlingen, die ein entscheidendes Kriterium für die Frühgeburtlichkeit darstellen. Schon bei Vorliegen einer Zwillingsschwangerschaft ergeben sich dabei erhebliche Unterschiede, die Frühgeburtlichkiet betreffenn. Aus diesem Grunde wird bereits in der Neuauflage des Mutterpasses zumindest ab 2009 bei Mehrlingen gefragt, ob sie monochorial oder dichorial sind, d.h. ob sie in einer gemeinsamen oder in 2 Fruchthöhlen liegen:

Die Gebärmutter wird ausgekleidet von der Chorionhöhle, in der sich die Amnionhöhle mit Fruchtwasser und dem Kind befinden, quasi wie ein Luftballon in einem weiteren.         

Bei zweieiigen Zwillingen haben wir (fast immer) 2 getrennte Chorionhöhlen und damit auch 2 getrennte Amnionhöhlen (dichorial-diamniot). Hier muss mit einer Geburt um die 38. Schwangerschaftswoche gerechnet werden. Die insbesondere bei Zwillingen vorhandene vermehrte Fruchtwassermenge löst möglicherweise die vorzeitige Wehentätigkeit aus.

Bei eineiigen Zwillingen gibt es immer nur eine Chorionhöhle, aber meist 2 Amnionhöhlen (monochorial-diamniot). Diese Kinder kommen meist schon in der 36. Schwangreschaftswoche zur Welt; während Kinder, die in einer Chorion- und einer gemeinsamen Amnionhöhle (monochorial-monamniot) heranwachsen das größte Risiko haben und häufig schon in der 34. Schwangerschaftswoche geboren werden. Hier ist spätestens ab der 28.-30. Schwangerschaftswoche eine besonders intensive Betreuung erforderlich.

Wie hoch ist die Frühgeburtenrate in Deutschland und in anderen Ländern?

Am niedrigsten ist die Zahl in Irland mit 5-6 %, Deutschland liegt im vorderen Mittelfeld mit ca. 9 %, in Österreich sind 11,4% und in den USA 12,5 % der Geburten Frühgeburten.

Gerade an den USA erkennt man neben den oben genannten Gründen auch ethnische Unterschiede; so erleiden Kaukasierinnen, also hellhäutige Frauen, in 9 % Frühgeburten, Frauen hispanischen Ursprungs in 11-12 % und solche afrikanischen Ursprungs hingegen in 14-18%.

Welche Klinik für welches Frühgeborene?

Lt. Spiegel-online vom 28.02.14 werden in Deutschland ca. 9.000 Kinder pro Jahr mit einem Gewicht unter 1500g geboren.

Da die meisten Frühgeburten vorhersehbar sind und das Gewicht der Kinder mittels Ultraschall gerade bei den kleinen Kindern rel. verläßlich erfasst werden, können Eltern, Ärzte und Hebammen sich rechtzeitig darauf einstellen, die richtige Klinik zu finden.

Das geht mittlerweile über die Seite www.perinatalzentren.org. Nach Eingeben der Postleitzahl ihres jeweiligen Wohnortes können sie das passende Perinatalzentrum ( perinatal – beschäftigt sich mit allem um die Geburt herum, im Gegensatz zu pränatal = vorgeburtlich) in Ihrer Umgebung finden. Zudem lassen sich die Frühgeburten-Fallzahlen, die Behandlungsroutine und die Überlebensraten mit anderen Kliniken vergleichen.

Leider hat bislang erst die Hälfte der Kliniken in Deutschland Ihre Daten im Internet veröffentlicht; vielleicht ein Argument, diese Kliniken erst gar nicht für die Entbindung bei Frühgeburtlichkeit in Betracht zu ziehen.





 

 

Allgemeines zur Frühgeburt

Trotz aller Bemühungen verbleibt die Frühgeborenenrate auf einem hohen Niveau. Das liegt insbesondere am höheren mütterlichen Alter und der größeren Zahl an Mehrlingsschwangerschaften.

Während die Säuglingssterblichkeit in den letzten 40 Jahren drastisch gesenkt werden konnte, u.a. durch die intensiven Schwangerschafts-Vorsorgeuntersuchungen und die apparative Überwachung mittels Ultraschall und CTG, verbleibt die Frühgeburtenrate jetzt bei ca. 9 % (vor 40 Jahren 7%). Die Gründe hierfür sind u.a. das höhere mütterliche Alter (in den 80er Jahren waren 7% der Schwangeren über 35 Jahre alt, ab 2000 waren es bereits über 25 %) hinzu kommen vermehrt Mehrlingsschwangerschaften sowie eine Veränderung im Personenstandsrecht, wonach jüngere Frühgeborene nicht mehr zu den Aborten gezählt werden.

Wann spricht man von einer Frühgeburt?

Findet die Geburt vor der 37. vollendeten Schwangerschaftswoche (SSW) statt, spricht man von einer Frühgeburt.                                                                             Insgesamt ist der sehr komplexe Vorgang der Entstehung von vorzeitigen Wehen oder vorzeitigem Blasensprung nach wie vor weitgehend ungeklärt. Aber es gibt eine Reihe von Risiken, die Frühgeburten fördern können.  Man unterscheidet dabei u.a.:

  • Frühgeburt von Kindern vor 22+0 Schwangerschaftswoche (SSW):
    Trotz der erheblich verbesserten Möglichkeit, Frühgeborene zu behandeln, muss in diesen Schwangerschaftswochen von einem nicht lebensfähigen Kind ausgegangen werden.
  • Frühgeburt von Kindern mit 22+0 SSW bis 23+6 SSW:
    Hier steigt zwar die Überlebenschance auf fast 50 %. Das Risiko erheblicher körperlicher und geistiger Behinderungen ist aber deutlich erhöht. Bei der Versorgung dieser extrem früh geborenen Kinder sollen kindliche und elterliche Bedürfnisse gegeneinander abgewogen werden.
  • Frühgeburt von Kindern mit 24+0 SSW und mehr:
    Hier sind die Überlebenschancen dank der z. T. hervorragenden neonatologischen Versorgung (spezialisierte Abteilung zur Behandlung von Früh- und Neugeborenen)  erheblich besser und erreichen bis zu 80 %. Dennoch gibt es auch in diesem Lebensalter Grenzsituationen, in denen man zum Wohle des Kindes oder der Eltern auf eine intensivmedizinische Versorgung verzichtet.

Was ist so gefährlich an einer Frühgeburt?

Je früher ein Kind geboren wird, umso unreifer ist es.

Einer der wesentlichen Faktoren, die das Überleben von Frühgeborenen erschweren, ist die mangelnde Lungenreife. Das bedeutet, das Kind bekommt Atemschwierigkeiten und das Blut wird nicht ausreichend mit Sauerstoff angereichert. Besonders bei sehr kleinen Frühgeborenen kann das zu Folgeschäden z.B. im Gehirn führen, was mit körperlicher und geistiger Retardierung (Verzögerung der Entwicklung) einhergehen kann.

Ein besonderes Ziel muss es daher sein, die Geburt so weit wie möglich hinauszu- zögern, um die notwenige Lungenreife zu erlangen. Das kann durch Gabe eines Cortisonpräparates (z.B. Celestan Depot®) an die Schwangere erreicht werden. Dieses Medikament fördert die Bildung des Surfactant, (eine auf der Lungen-Oberfläche angesiedelte Fettsubstanz), die erforderlich ist, damit die Lungen sich nach der Geburt entfalten können.

Da aber zusätzlich die Blutgefäße des sehr kleinen Frühgeborenen extrem empfindlich sind, kann es zu Blutungen, insbesondere im Gehirn kommen, mit der Gefahr von erheblichen neurologischen Störungen (z.B. Entwicklungsverzögerungen, Seh- und Hörstörungen sowie motorischen Einschränkungen). Es ist vor allem aber auch der Sauerstoffmangel um die Geburt herum, der für diese Hirnschäden verantwortlich sein kann. Hirnzellen mit Ihren weit verzeigten Ausläufern können dann keine schützende "Myelinscheide" bilden, die isolierend wirken und die die Erregungsausbreitung in den Nerven vor fremden Nervenimpulsen schützen.

Die Bestrebungen gehen dahin, den Verlust dieser Myelinscheiben zu verhindern oder sie zu ersetzen z.B. durch Gabe von EGF (epidermal growth factor) (Wachstumsfaktor), der intranasal gegeben werden könnte. Die Hoffnungen richten sich aber auch auf Nabelschnurstammzellen des Neugeborenen selbst, mit denen erste ermutigende Ergebnisse im Labor erzielt werden konnten.

 

 

 

Ein Blasensprung, deutlich vor dem Entbindungstermin (sog. vorzeitiger Blasensprung) führt häufig zu einem baldigen Ende der Schwangerschaft. Nur selten kann dann die Geburt länger als 1-2 Wochen hinaus gezögert werden.

Welche Risikofaktoren können eine Frühgeburt fördern?

Eine Fülle von Ursachen sind bislang dafür verantwortlich gemacht worden; an erster Stelle stehen wahrscheinlich vaginale Infektionen.

Weitere Ursachen können sein:

  1. Risiken, die sich aus der Anamnese (Vorgeschichte) der Patientin ergeben, wie häufigere Fehlgeburten, bereits vorangehende Früh- und Totgeburten und eine Konisation. (Operation am Muttermund zur Beseitigung einer Krebsvorstufe).
  2. Risiken, die sich in der momentanen Schwangerschaft ergeben haben: insbesondere vaginale Infektionen, Harnwegsinfektionen, Vorliegen der Plazenta vor dem Muttermund (Placenta praevia), Mangelversorgung des Kindes durch eine Plazentainsuffizienz, eine vermehrte Fruchtwassermenge (Hydramnion), eine Cervixinsuffizienz (mangelhafte Verschlussfunktion des Muttermundes)  sowie Lageanomalien und Fehlbildungen.
  3. Mehrlingsschwangerschaften. Drillingsschwangerschaften gehen mit einem deutlich höheren Risiko für eine Frühgeburt einher als Zwillingsgeburten. Bei Zwillingen muss unterschieden werden, ob es sich um zweieiige oder eineiige Zwillinge handelt. Eineiige habe wiederum ein höheres Risiko für eine Frühgeburt als zweieiige Gemini (Zwillinge).
  4. Soziale Faktoren wie Familienstand (ledig, getrennt lebend), Beruf, Rauchen, Alkohol- und Drogenkonsum, übermäßiger Stress sowie Schwangerschaften sehr junger und bzw. älterer Mütter (unter 18 und über 35 Jahren).
  5. Weitere Krankheiten der Mutter die zu vorzeitigen Wehen und zur Frühgeburtlichkeit führen können sind: spät auftretende Präeklampsie (auch Gestose oder Schwangerschaftsvergiftung genannt), Diabetes mellitus, Schilddrüsenfunktionsstörungen, bestimmte Blutgerinnungsstörungen (Antiphospholipid-Syndrom, Faktor-V-Leiden-Mutation), Virusinfekte, starkes Über- oder Untergewicht, ausgeprägte Zahnfleischentzündungen,
  6. Uterusfehlbildungen sowie große Myome.                                                                                                                                                                                        Aus dieser Aufstellung geht hervor, dass man sich gegen eine Reihe von Risikofaktoren nicht wappnen und sie nicht verändern kann, einige dagegen sind mit konsequenter Behandlung zu vermeiden.

Wieso können Infektionen (z.B. Scheideninfekte) Frühgeburten auslösen?

Infektionen in der Scheide, meist ausgelöst durch Bakterien, können im Muttermundkanal  aufsteigen und einen Blasensprung auslösen. Zudem werden bei Infektionen Prostaglandine (s.u). freigesetzt, die Wehen auslösen können.

Was passiert bei einer Infektion im Körper? Je nach Gewebeart reagiert der Körper auf eine Infektion meist mit Rötung, Schmerzen und Wärme.

In der Schwangerschaft breiten sich Infektionen von der Scheide über den Muttermundhals bis in die Gebärmutter zum unteren Pol der Fruchtblase aus. Dieser wird durch eine Infektion angegriffen, dadurch verletzlicher, was einen Blasensprung mit Fruchtwasserabgang auslösen kann.

Bei einer solchen Entzündung werden sog. Botenstoffe freigesetzt, die z.B. die Blutgefäße weiterstellen und flüssigkeitsdurchlässiger machen, was zur Wärmeentwicklung und auch zu Schwellungen führt.

Eine wichtige Gruppe von Botenstoffen, die dabei freigesetzt werden, sind die "Prostaglandine", die u.a. den Muttermund "aufweichen", Schmerzen und Wehen hervorrufen und somit zur Frühgeburt führen können.

Wie kann man eine Scheideninfektion frühzeitig erkennen?

Der pH-Wert (Säuregrad) der Scheide sollte regelmäßig überprüft werden.

Um eine Scheideninfektion möglichst sicher zu verhindern, zumindest aber eine solche Entzündung auszuschließen, sollte der pH-Wert in 3-4 tägigen Intervallen selbst untersucht werden.

Das geht zwar mit normalem Lackmuspapier, aber am besten mit einem sog. Selbsttest (Careplan VpH®). Dabei handelt es sich um einen Einmal-Handschuh, der mit einem Stück Lackmuspapier präpariert ist. Man führt den Zeigefinger 3 cm tief in die Scheide ein und vergleicht den sich verfärbenden Lackmusstreifen mit einem beiliegenden Schema und kann den pH-Wert bestimmen.

Bei einem pH-Wert von 4,4 oder weniger können die meisten Bakterien nicht zur Entfaltung kommen. (s. auch nächste Frage: Was kann man tun, um eine Frühgeburt zu vermeiden). Bei einem pH-Wert über 4,4 sollte ein bakteriologischer Abstrich beim Frauenarzt gemacht werden und bei Bedarf eine Behandlung eingeleitet werden.

Diese Methode, die vom Altvater der deutschen Praenatal- und Perinatalmedizin, Prof. Dr. E. Saling aus Berlin entwickelt wurde, hat bei Studien in Erfurt sowie ganz Thüringen zu einem deutlichen Rückgang der Frühgeburtlichkeit geführt. Leider erstatten nur wenige Krankenkassen die Kosten dieses pH-Tests.

Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach: Ein paar Euro für die Handschuhe erscheinen doch günstiger als die wochenlange Behandlung eines Frühgeborenen im Krankenhaus. Die Medizinjournalistin M.E. Lange-Ernst schreibt 2005: "das Projekt rechnet sich, wenn pro Jahr drei Babys, die mit weniger als 1000 g zur Welt gekommen wären, nun gesund das Licht der Welt erblicken".

Selbstverständlich wird man damit nicht alle Frühgeburten verhindern können, weil es ja noch andere auslösende Faktoren gibt (s. nächste Frage), andererseits ist jede Verringerung der Frühgeburtenzahl ein Erfolg.

Was kann man tun, um eine Frühgeburt zu vermeiden?

  1. Natürlich müssen mütterliche Erkrankungen sorgfältig behandelt werden wie Diabetes mellitus, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Harnwegsinfekte und andere Infektionen.

  2. Generell sollte bei vorzeitiger Wehentätigkeit und einer Krankheitsvorgeschichte mit Früh- und Fehlgeburten eine vaginal-sonographische Untersuchung durchgeführt werden. Die meisten Frauen kennen eine solche vaginale Ultraschalluntersuchung aus der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung in der 12. SSW. Mit ihr kann die Länge des Gebärmutterhalses ("Zervix") exakt bestimmt werden. Unter 1,5 cm ist das Risiko, eine Frühgeburt zu erleiden, deutlich erhöht.
  3. Sehr bewährt hat sich die Bestimmung des vaginalen pH-Wertes (des Säuregrades) mittels eines pH-Messstreifens oder besser, und von den meisten Frauen auch besser akzeptiert, mit einem Handschuh, auf dessen Zeigefinger eine pH-Messfläche angebracht ist (Careplan VpH®), die farblich den pH-Wert aufzeigt. Bei einem Wert oberhalb von pH 4,4 sollte Ihr Arzt aufgesucht werden.
  4. Bei drohender Frühgeburt sollten wegen des erhöhten Infektionsrisikos durch Geschlechtsverkehr zumindest Kondome verwendet werden, besser ist es in dieser Situation, ganz auf  den Geschlechtsverkehr zu verzichten. Zudem können die im Sperma enthaltenen Prostaglandine Wehen auslösen.
  5. Zusätzlich sollte bei drohender Frühgeburt eine Krankschreibung erfolgen. Nachtarbeit und schweres Tragen ist Schwangeren ohnehin untersagt. Aber auch im Haushalt und im Freizeitbereich sollten Belastungen deutlich heruntergeschraubt werden.
  6. Häufig werden Ihnen auch Magnesiumtabletten verschrieben, die einen entspannenden Effekt auf die Gebärmuttermuskulatur haben können.

 

Was ist eine Cerclage nach Shirodkar?

Bei einer Cerclage, benannt nach dem indischen Arzt Shirodkar, wird ein straffes Band mittels einer Operation um den Muttermund geschlungen und zugebunden. Eine Cerclage nach McDonald ist ein abgewandeltes Verfahren. Beide sollen die vorzeitige Öffnung des Muttermundes verhindern und damit eine Frühgeburt verhindern.

Kann man mit einer Cerclage eine Frühgeburt verhindern?

Bei niedrigem Risiko ist eine Cerclage heutzutage nicht mehr angezeigt. Bei sehr früher Anwendung könnte aber der totale Muttermundverschluss einen Vorteil ergeben.

Nach einer Studie der bekannten und weltweiten akzeptierten Cochrane-Library, in der eine große Anzahl von Veröffentlichungen zu bestimmten Themen zusammengefasst sindsollte bei Frauen mit mittlerem oder niedrigerem Risiko eine Cerclage nach Shirodkar nicht angewendet werden.

Im Ausland wird sie als einziges operatives Verfahren angewendet. Das Problem ist, dass dieser Eingriff nicht den Infektionsweg von der Scheide über den Muttermund bis zur Fruchtblase unterbindet.

Aus dem Grunde ist von Prof. Saling, einem der Experten von mothers-talk.de, der prophylaktische "Frühe Totale Muttermund-Verschluss" (FTMV) entwickelt worden. Dieser sollte bei entsprechenden Risikosituationen (z.B. vorangegangene Frühgeburt) in etwa der 12. Schwangerschaftswochen durchgeführt werden. Im Gegensatz zur Cerclage wird dabei der Muttermund komplett verschlossen. Dieser Eingriff wird allerdings nur in bestimmten Kliniken durchgeführt. Sie finden eine stets aktuelle Liste der Kliniken auf der Website des Saling-Instituts: http://www.saling-institut.de.

Zwischen dem "Totalen Muttermundsverschluß (TNM)" und der Cerclage nach Shirodkar und dem gelegentlich verwendeten Pessar (Scheidenring) bestehen gravierende Unterschiede. Während beim "Totalen Muttermundverschluß" der Zervikalkanal tatsächlich verschlossen wird, und so ein Aufsteigen von Mikroorganismen, z.B. Bakterien verhindert, wird dieser bei der Cerclage nur verengt.

Manchmal wird auch ein Scheidenpessar gelegt, das nur das Tiefertreten des kindlichen Köpfchens verhindern soll und damit das zu frühe Aufdehnen des Muttermundes, es stellt aber keinen Verschluß dar.                                                                    

Beim totalen Muttermundverschluß wird zwischen "frühem" und "späten" Muttermundverschluß unterschieden. Wegen der wesentlich besseren Ergebnisse bei der Vermeidung von Spätaborten und Frühgeburten wird empfohlen, den Muttermundverschluß so früh wie möglich durchzuführen.

 

 

Wie kann man eine vorzeitige Wehentätigkeit von den sogenannten Vorwehen unterscheiden?

Treten Kontraktionen häufiger als 12 mal am Tag auf spricht man von vorzeitigen Wehen.

Vorwehen können ab der 20. Schwangerschaftswoche bis zu 10-12 mal am Tag auftreten und dauern meist nicht länger als 30 Sekunden.

Reguläre Wehen treten in regelmäßigen Abständen auf, die länger als 30 Sekunden dauern und sind sie häufiger als 12 mal pro Tag. Da in solchen Fällen eine Frühgeburt drohen kann, sollte vorsichtshalber Ihr Arzt, Ihre Hebamme oder das nächst gelegene Krankenhaus aufgesucht werden. Dort wird ein CTG inklusive einer Wehenmessung geschrieben und der Muttermund untersucht.

Führt jede vorzeitige Wehentätigkeit zur Frühgeburt?

Seien Sie zuversichtlich, selbst eine vorzeitige Wehentätigkeit führt nur in einem Drittel der Fälle zur Frühgeburt.

Woran merkt man, dass eine Frühgeburt droht?

Eine regelmäßige Wehentätigkeit vor der 37. Schwangerschaftswoche sowie Schmierblutungen und ein Fruchtwasserabgang sind Vorzeichen einer drohenden Frühgeburt.

  • Häufig machen sich zunächst ziehende Schmerzen im Unterleib, manchmal auch im Rücken bemerkbar
  • Eine Wehentätigkeit (Kontraktionen) tritt vorzeitig, vor der 37. Schwangerschaftswoche auf (s.o.)
  • Manchmal kommt es zu Schmierblutungen aus der Scheide
  • Seltener tritt ein Fruchtwasserabgang auf. Fruchtwasser riecht eigentlich nicht und schon gar nicht nach Urin. Es ist eine klare Flüssigkeit, die mit ein wenig Blut vermengt sein kann.
  • In all diesen Fällen sollten Sie unverzüglich Kontakt zu Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme aufnehmen. Häufig wird eine Krankenhausaufnahme notwendig sein.

Wie kann man einen Fruchtwasserabgang sicher nachweisen?

Ein vorzeitiger Blasensprung tritt immerhin in ca. 10 % aller Schwangerschaften auf, meist allerdings erst in den letzten Schwangerschaftswochen.

Relativ selten ist er vor dieser Zeit (ca. 1-2 %) und kann mit der Verfärbung von Lackmuspapier (von rot zu blau) aus der Apotheke nachgewiesen werden, da ein erhöhter pH-Wert der Scheidenflüssigkeit durch einen Fruchtwasserabgang bedingt sein kann.

Das Fruchtwasser selbst hat einen pH-Wert (Säuregrad) von 7. Je nachdem, wie viel Fruchtwasser sich mit der Scheidenflüssigkeit vermischt, steigt der pH-Wert mehr oder weniger stark an. Dieser Test ist leider auch deshalb nicht so besonders sicher, da er durch Blut, Samenflüssigkeit u.a. verfälscht werden kann.

Sicherer sind hier ebenfalls in der Apotheke erhältliche Tests ("actim Prom" oder "AmniSURE"), das sind Schnellteste, die auf einem biochemischen Proteinnachweis (Eiweißnachweis) beruhen.