Blutgruppen / Rhesus-Unverträglichkeit und Schwangerschaft

Wie kommt es, dass es trotz der Anti-D-Prophylaxe immer noch Fälle mit einem Morbus haemolyticus (Rhesus-Erkrankung des Kindes) gibt?

Unzweifelhaft ist, dass die Anti-D-Prophylaxe die Häufigkeit vorgeburtlicher kindlicher Todesfälle und solche unter und nach der Geburt drastisch verringert hat. Dennoch kommt es immer wieder dazu, dass die Anti-D-Spritze vergessen wird oder sie fälschlich auch an Rh-positive Frauen verabreicht wird.

Man schätzt, dass es in Deutschland immer noch völlig unnötig über 300 Fälle des Morbus haemolyticus neonatorum gibt (Morbus=Krankheit, haemolyticus von Hämolyse=Auflösung der roten Blutkörperchen, neonatorum von neo= neu und natus=Geburt. Der Begriff bezeichnet also die bei einer Rhesus-Unverträglichkeit auftrende Erkrankheit Neugeborener durch Auflöung der Blutkörperchen)

Achten Sie deshalb als Rhesus-negative Schwangere selbst darauf, dass

a) die Blutgruppe Ihres neugeborenen Kindes bestimmt wurde, und 

b) wenn diese ein RH-positives Kind ausweist, Sie innerhalb von 48 Stunden nach einer Entbindung, Fehlgeburt oder nach         Blutungen eine Anti-D-Spritze erhalten. Dann sind die Gefahren für eine Rh-Erythroblastose in einer neuen Schwangerschaft     gebannt. Allerdings benötigen Sie in der nachfolgenden Schwangerschaft erneut Anti-D-Prophylaxe.

 

Wie wirkt die Anti-D-Spritze (Anti-D-Gammaglobulin)?

Heute ist diese Gefahr der schweren Rh-Erythroblastose weitestgehend behoben. Mittlerweile gibt es, Dank der Untersuchungen an den Rhesus-Äffchen, das sog. Anti-D-Gammaglobulin, z.B. das Rhophylac ®, das Rh-negativen Müttern in der 28. SSW in die Vene (intravenös) oder in den Muskel (intramuskulär) gespritzt wird;  nach der Geburt erneut, wenn herausstellen sollte, dass das Kind als „D“ (Rh-pos) ist. 

Damit werden die oben genannten Probleme bei dem nachfolgenden Kind fast vollständig behoben. Allerdings muss nach jeder Fehlgeburt oder jeder weiteren Geburt erneut das Anti-D gegeben werden.

 

Warum muss ich nach einem Abort oder einer Bauchhöhlenschwangerschaft eine Anti-D-Spritze erhalten, wenn ich Rh-negativ bin?

Bei den dazugehörigen Eingriffen können kindliche Blutkörperchen übertreten, die ebenfalls schon in der Frühschwangerschaft eine Antikörperbildung auslösen können. Auch hier darf die 72-Stunden Frist (zwischen Eingriff und Gabe des Anti-D) nicht überschritten werden.

Ich bin Rh-negativ. Warum muss ich nach einer Chorionzottenbiopsie oder einer Amniocentese eine Anti-D-Spritze erhalten?

Beides sind sog. invasive Eingriffe, bei denen kindliches Blut, z.B. vom Rande der Plazenta, in den mütterlichen Kreislauf gelangen kann. Auch hier muss, um eine Sensibilisierung zu vermeiden, das Anti-D-Gammaglobulin gegeben werden. Die Zeitspanne von 72 Stunden (besser 48 Stunden) sollte dabei nicht überschritten werden.

Welche Risiken ergeben sich bei der Gabe von Anti-D-Gammaglobulin?

Seit über 30 Jahren wird dieses Mittel zur Rhesus-Prophylaxe verwendet. Nur in seltenen Fällen treten Allergien gegen die Inhaltsstoffe auf. Es ist also Vorsicht geboten bei entsprechenden Überempfindlichkeiten. 

Das Blutplasma wird aus dem Blut gesunder Spender gewonnen. Einer der Hersteller (Behring) schreibt: „Trotzdem enthält das Herstellungsverfahren Schritte, die möglicherweise doch im Blutplasma enthaltene Krankheitskeime inaktivieren und entfernen. Dabei wird insbesondere auf AIDS-Viren (HIV) und Viren geachtet, die Lebererkrankungen hervorrufen (Hepatitis B und C) können, aber:

Weltweit ist bis heute kein Fall einer Übertragung von HIV nach Gabe von Anti-D-Immunglobulin bekannt geworden“.

Und das Bundesgesundheitsministerium ergänzt, dass bei der Behandlung mit Immunglobulinen, zu denen auch das Gammaglobulin zählt, kein HIV-Risiko besteht. Für in Deutschland verwendete Anti-D-Präparate,  gibt es auch für andere Infektionen keinen Nachweis einer Übertragung.  

 Anti-D-haltiges Serum wird von Frauen und Männern gewonnen, die gegen den Blutgruppenbestandteil „D“ sensibilisiert worden sind. Die Gewinnung dieses Serums könnte sich in den nächsten Jahren deutlich verschlechtern, da durch die zunehmende Verwendung der Rhesus-Prophylaxe Sensibilisierungen nach Schwangerschaften und fehlerhaften Bluttransfusionen (was in Notfällen immer möglich ist) seltener geworden sind. 

 

Was wird bei einem Antikörper-Suchtest untersucht? Was ist ein Coombs-Test?

Bei der ersten serologischen* Untersuchung nach den Mutterschaftsrichtlinien wird ein Antikörper-Suchtest (sog. Coombstest) durchgeführt, bei dem sog. irreguläre Antikörper nachgewiesen werden könnten. Dieser Test (sog. indirekter Antiglobintest – oder indirekter Coombstest) wird mit den Antigenen D,C, c, E, e, Kell, Fy und S durchgeführt.  Das sind ähnliche, aber seltener auftretende Antikörper wie die aus dem Rh-System, die allerdings sehr viel seltener Probleme wie beim Rh-System auslösen.

* Die Serologie beschäftigt sich mit den physiologischen Eigenschaften und den pathologischen Veränderungen des Blutes.

Was ist eine Rhesus-Erythroblastose?

Eine Rh-Erythroblastose trat vor Einführung der Rhesus-Prophylaxe in etwa 0,2-0,6% (je nach Untersucher) aller Schwangerschaften auf. Das wären heute etwa 1200-3600 Fälle pro Jahr. Eine derartige Sensibilisierung führt zu keinerlei Beschwerden bei der Schwangeren selbst..

Beim Feten entsteht eine Anämie (Blutarmut) durch Abbau der roten Blutkörperchen, die bekanntlich Träger des Sauerstoffs sind. Dieser Abbau führt zum Sauerstoffmangel im Gewebe und zu einem vermehrten Anfall des Blut-Abbauproduktes Bilirubin (bekannt als Gallenfarbstoff). Dieser Farbstoff wird über den Mutterkuchen (Plazenta) an die Mutter zum weiteren Abbau und Ausscheiden über Stuhl und Urin abgegeben, und hat somit in der Schwangerschaft auch noch keine Auswirkungen auf das Kind.  

Eine schwere Anämie kann aber in Verbindung mit einem ansteigenden kindlichen venösen Druckes (venös = sauerstoffarm) zu Flüssigkeitseinlagerungen im Bereich des fetalen Kopfes, und zu einer starken Einlagerung von Wasser im Bauch kommen (Aszites). Man bezeichnet das als Hydops fetalis, der mit einer extrem hohen Sterblichkeit verbunden ist.

Wie kann eine Sensibilisierung und damit die Gefahr der Rhesus-Erythroblastose (Morbus haemolyticus neonatorum) erkannt werden.

Zunächst wird nach einer Blutgruppenbestimmung der Mutter der sog. Antikörper-Suchtest durchgeführt. Das ist die Kontrolle auf irreguläre Antikörper wie auch Antikörper gegen das Rhesus-System.

Dieser sollte bei Rh-negativen („d“) Schwangeren auch im 2. Trimenon (ca. 16.-28. SSW) wiederholt werden. Ein Titer über 1:16 wurde früher als Grenzwert angesehen und löste eine Fruchtwasserpunktion zur Bestimmung des Bilirubingehaltes im Fruchtwasser aus. (Ein Titer ist der Wert in einer Verdünnungsreihe, z.B. 1:2, 1:4, 1:8,1:16 usw) bei der die Antikörper noch nachgewiesen werden können).

In den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde darin photometrisch der sog. Delta-E-Wert nach Schellong G. u.a., Dtsch med.Wschr. (1976) 100: 1591 bestimmt

Da der Delta-E-Wert von der Schwangerschaftswoche abhängt, hatte Liley A.W. bereits 1961 ein Schema dafür entwickelt (Amer.J.Obstet.Gynec. (1961) 82: 1359). In ihm wurden 3 Gefährdungsbereiche dargestellt, wobei Zone II einen kontrollbedürftigen Gefährdungsbereich darstellt, Zone III bereits auf eine schwere Erkrankung hinweist.

Aber weder die Antikörperkontrollen noch der Nachweis des Bilirubingehaltes (Abbauprodukt des Haemoglobins, des Blutfarbstoffes) im Fruchtwasser können den Krankheitsverlauf sicher bestimmen, auch die Abklärung einer Anämie mittels Ultraschalluntersuchung (Doppleruntersuchung der Arteria cerebri media, eines der Hauptstammgefässe des Gehirns,) erbrachte keine absolute Sicherheit. 

Erst die Laboruntersuchung des fetalen Blutes, zum Beispiel durch eine Nabelschnurpunktion, bringt hier Klarheit.

Dabei werden die Antikörpermenge (Titer) im Blut des Feten direkt bestimmt, ebenso, wie der Hb-Wert (Blutfarbstoffgehalt), wie die fetale Blutgruppe und der Hämatokrit-Wert, das ist der Anteil der roten Blutkörperchen am Gesamtblut. Auch die Zahl der Blutplättchen (Thrombozyten) kann so untersucht werden.

Nun ist eine Nabelschnurpunktion nicht gänzlich risikolos, man rechnet bei geübten Untersuchern mit einem 1 % igen Risiko. Die Punktion wird allerdings nur angewendet, wenn entsprechende Faktoren auf ein hohes Risiko einer Rh-Erythroblastose hinweisen.

Bei Rhesusunverträglichkiet (Rhesusinkompatibilität) und Nachweis einer Anämie (Blutarmut = erniedrigter Haematokritwert) kann dann  in gleicher Sitzung ein Konzentrat aus roten Blutkörperchen (Erythrozytenkonzentrat) zur Behebung der Amämie in die Nabelvene transfundiert (eingeleitet) werden. Dieses Konzentrat besteht aus gewaschenen und bestrahlten 0 Rh-negativen – und CMV-negativen (Cytomegalie-neg)- roten Blutkörperchen.

Wie steht es mit den Chancen einer Behandlung der Rhesus-Unverträglichkeit?

Der Fortschritt der Medizin ist insbesondere an den immer weiter entwickelten Techniken bei der Behandlung der Rh-Inkompatibilität zu erkennen.

Während es noch bis weit in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts, also bis 1965, keine Behandlungsmöglichkeit gab, entwickelten sich diese rasant, nachdem man die Ursachen der Erkrankung erforscht und erkannt hatte.

In dieser Zeit wurde die sog. intrauterine Transfusion eingeführt (also eine Bluttransfusion in das lebende Kind im Mutterleib). 

Nachdem man bei einer Schwangeren mittels Fruchtwasserpunktion das hohe Risiko einer Rhesus-Unverträglichkeit erkannt hatte (Zone III nach Liley, s.o.), wurde über die liegende Kanüle ein Röntgen-Kontrastmittel in das Fruchtwasser gegeben. Da Fruchtwasser auch vom Kind geschluckt wird, gelangte dieses Kontrastmittel in den Darm des Kindes, wo es über eine Strahlen-reduzierende Röntgenkette sichtbar gemacht werden konnte. Solange der Mutterkuchen noch nicht mit Ultraschall dargestellt werden konnte (bis 1970), musste  der Mutterkuchen mittels Radioisotopen dargestellt werden, um eine Punktion durch die Plazenta zu vermeiden. Am darauffolgenden Tag wurde eine erneute Punktion durchgeführt, und, nachdem die Kanüle im Fruchtwasser zu erkennen war, die Bauchdecke des Kindes punktiert und das Erythrozytenkonzentrat eingeleitet (transfundiert).

Leider musste diese Prozedur alle 2-3 Wochen wiederholt werden. Es gab nur wenige Zentren in Deutschland. In Hamburg-Eppendorf war es die Gruppe um Prof. Fischer / Dr. Poschmann aus der Kinderklinik und Prof. Schulze-Mosgau und, die in der Lage, waren dies komplizierte Verfahren durchzuführen. Später wurde diese Abteilung der Universitäts-Frauenklinik von Dr. Masson weitergeführt.

Auf diese Weise konnten über 60% der Kinder gerettet werden, die zuvor allesamt verstorben wären.

Die zunehmende Verbreitung und Verbesserung der Ultraschallgeräte ermöglichte es, auf die Radio-Isotopendarstellung der Plazenta ebenso zu verzichten, wie auch die Röntgenkontrastmittel-Darstellung des fetalen Bauches. Zudem wurde die zuvor nicht erkennbare Nabelschnur sichtbar. In der Folge wurden an den Zentren in Basel, Bonn, Berlin, Erlangen, Frankfurt a.M., Freiburg, Hamburg, München und Münster die intrauterine Transfusion direkt in die Nabelschnur geleitet und damit die Überlebenschancen der betroffenen Kinder auf über 90 % angehoben.

Zugleich aber sank der Anteil der notwendigen Behandlungen durch die Einführung des Anti-D-Gammaglobulins, da dadurch immer weniger  Rh-negative Mütter gegen „D“ (Rh-positiv) sensibilisiert wurden. 

Häufig erhalten aber Schwangere das Anti-D-Gammaglobulin überflüssigerweise, weil der Rhesusstatus des Ungeborenen nicht bekannt ist.

Dies wird nunmehr in Erlangen durch Prof. Dr. Weisbach untersucht, der Rh-negative Mütter sucht. Bei den Blutabnahmen im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge müsste einmal ein zusätzliches Röhrchen abgenommen und an Prof. Dr. Weisbach gesendet werden, um aus der fetalen DNA (der Erbsubstanz) im mütterlichen Blut, den Rhesus-Faktor zu erkennen. Dazu ist in 2013 und 2014 eine große Anzahl von Untersuchungen erforderlich, um in Zukunft unnötige Impfungen zu vermeiden (s. Anhang).

PDF Icon Fetale Bestimmung des Merkmals D

Wie werden die Rhesusfaktoren vererbt?

Der Augustinerpater Mendel hat 1865 die Vererbungsregeln aufgestellt, die später als Mendelschen Gesetze bezeichnet wurden. Sie erinnern sich? Geforscht hat er u.a. an Wicken (Blumen). Wenn er eine rote mit einer weißen Wicke kreuzte, ergab es in der ersten Generation rosa Wicken, die, untereinander gekreuzt, ergaben in der nächsten Generation zu 25 % weiße, zu 50 % rosa und zu 25 % rote Wicken. 

Das gilt allerdings nur, wenn beide Erbanlagen gleichwertig sind – d.h. gleich dominant sind. Anders sieht es aus, wenn eine Erbanlage dominant (vorherrschend) ist, die andere jedoch rezessiv (zurückhaltend). Ein rezessives Erbmal kann sich nur dann durchsetzen, wenn es homozygot (reinerbig) auftritt. Betr. der Wicken bedeutet das, das bei Dominanz der roten Wicken beim Kreuzen mit Wicken mit weißem, rezessivem Farbstoff in der ersten Generation nur rote Wicken auftreten, die allerdings alle heterozygot (mischerbig) sind, so dass beim Kreuzen untereinander "Rot" zu "Weiß" im Verhältnis von 3:1 auftritt, einmal reinerbig "Rot", zweimal mischerbig "Rot" und einmal reinerbig "Weiß". 

  So ähnlich verläuft das auch mit der Vererbung des Rhesusfaktors:                                             Z.B. Der Vater ist reinerbig Rh-pos. (DD), die Mutter reinerbig Rh-neg (dd).  Nach Mendel gibt es     jetzt 4 Möglichkeiten: Dd, Dd, dD, dD. Damit wäre das Kind immer Rh.pos.                                      Ist der Vater mischerbig Rh-pos (Dd), die Mutter weiterhin reinerbig Rh-neg (dd), ergibt sich             folgende Konstellation: Dd, Dd und dd und dd, d.h. das Kind hätte eine 50 %ige Chance Rh-neg.     zu sein.                                                                                                                                              Ist der Vater mischerbig (Dd), die Mutter aber auch (Dd) sind beide demnach Rhesus positiv, das   das D dominant ist und es ergibt sich folgende Konstellation: DD, dD, Dd und dd. Bei dieser             Konstellation hätte das Kind eine 75 %ige Chance, Rhesus positiv zu sein.                                        Ist der Vater hingegen reinerbig Rh-neg (dd), ist es wie in der obigen Konstellation, das Kind ist       immer Rh-pos, egal ob nun reinerbig oder mischerbig. Das heißt, in dieser Konstellation kann es     nie zu einer Rh-Inkompatibilität (Unverträglichkeit) kommen. 

Deshalb wäre es so gut, die exakte Blutgruppe von Mutter und Vater zu wissen.

 

Bei welcher elterlichen Rhesus-Konstellation besteht ein erhöhtes Risiko?

Aufgrund der vorigen Frage wird klar, bei folgenden Kostellationen besteht kein Risiko:

1. Mutter Rh-negativ  Vater Rh-negativ   kein Risiko

2. Mutter Rh-positiv   Vater Rh-negativ   Kein Risiko

3. Mutter Rh-positiv   Vater Rh-positiv    Kein Risiko

Ein Risiko kann bei folgender Konstellation bestehen:

Mutter Rh-negativ  Vater Rh-positiv    

Hier ist ein Risiko möglich!  Zumindest, wenn der Vater reinerbig Rh-positiv ist, in seiner Blutgruppe also  „DD“ vermerkt ist, hier wird das Kind zu 100 % Rhesus positiv sein, ist er hingegen mischerbig (Dd), hätte das Kind eine 50%ige Chance Rhesus pos. zu sein. Sollte die Rhesuskonstellation aber „Dd“ lauten, bestände die Chance, dass der Vater das "d" vererbt und damit das Kind Rhesus-negativ würde „dd“ (das zweite „d“ stammt ja von der Mutter).

Das aber kann letztlich nur durch eine vorgeburtliche fetale Merkmalsbestimmung (Prof. Weisbach) aus dem mütterlichen Blut erkannt werden. Ansonsten müssten hier weiterhin regelmäßige Antikörperuntersuchungen und Ultraschalluntersuchungen durchgeführt werden.

Sollten alle Männer Ihre Blutgruppe kennen? Besonders für Rh-negative Schwangere ist Blutgruppenstatus des Partners wichtig.

Generell ist es sicherlich sinnvoll, die Blutgruppe im Ausweis mitzuführen. Im Falle eines Unfalls könnte hier wertvolle Zeit eingespart werden, wenngleich aus Sicherheitsgründen die Blutgruppe ohnehin neu bestimmt werden muss (lt. Hämotherapie-Richtlinie).

Manche Männern haben einen Blutgruppenausweis, manchmal noch aus ihrer Zeit bei der Bundeswehr. Ansonsten muss die Blutgruppe neu bestimmt werden, um frühzeitig die Möglichkeit einer Risikosituation zu erkennen, wenn die Partnerin Rh-negativ ist.

Eine solche Blutgruppenbestimmung kostet zwischen € 50,- und € 80,-.

Was tun, wenn die Anti-D-Spritze in der 28.-30.SSW vergessen wurde?

Die Wirksamkeit einer Anti-D-Prophylaxe bietet einen Schutz über mindestens 12 Wochen, insofern reicht eine Spritze in der 28-30.SSW bis zur Geburt aus.
Wenn sie vergessen worden ist, sollte sie so schnell wie möglich verabreicht werden, um die, gegen Ende der Schwangerschaft immer stärker werdende Sensibilisierung (Bildung von Antikörpern), zu verringern.
 

 

Warum sollte man als Schwangere seine Blutgruppe wissen?

Es gibt 4 Blutgruppen: A, B, AB oder O (Null)

Es ist wichtig, die Blutgruppe zu wissen, falls z.B. unter der Geburt Bluttransfusionen erforderlich sein sollten. Unverträglichkeiten, die Auswirkungen auf das Kind haben könnten, sind in diesem Blutgruppensystem eher selten. 

Die 80% der Bevölkerung in Europa haben die Blutgruppe A oder 0 (Null), die wenigsten haben die Blutgruppe AB (5 %).

 

Die Blutgruppe "0" kommt bei 20% der Bevölkerung vor. Die Konstellation: Mutter Blutgruppe "0" , Kind Blutgruppe A oder B, besteht bei etwa 20 % der Schwangerschaften; aber nur in einem kleinen Prozentsatz (3-5 %) tritt eine schwere Erkrankung auf, die eine Behandlung des Kindes nach der Geburt erforderlich macht.

 

Die Blutgruppe muss nur einmal bestimmt werden, sie bleibt lebenslang bestehen. Auch der Rh-Faktor (Rhesusfaktor) wird nicht erneut bestimmt .Sollte die Blutgruppe aus einem alten Mutterpass übertragen werden, sollten zusätzlich die Labornummer, das Labor und das Datum der Bestimmung mit übertragen werden.

Aber auch wenn die Blutgruppe bekannt ist, ist jeder Arzt verpflichtet, vor einer Bluttransfusion eine sog. Kreuzprobe mit dem Spenderblut durchzuführen.

 

 

Was ist das Rhesus-System?

Das als Rhesus-System bekannte Blutgruppensystem ist erstmalig 1940 den Wiener Pathologen Landsteiner und Wiener bei Rhesusäffchen beschrieben worden. Es wird durch die Faktorenpaare C-c, E-e und das Merkmal D gekennzeichnet.

Dabei finden die meisten Antikörperbildungen gegen das „D“ statt. Träger des Merkmals „D“ sind damit Rhesus-positiv (früher Rh-pos), Träger des Merkmals „d“ sind entsprechend Rhesus-negativ (früher rh-negativ). 

 

Gegen das „d“ (klein d) gibt es somit keine Antikörperbildung, wohl aber sehr selten gegen „C“, „c“, „E“ und „e“. Bei Europäern und Nordamerikanern kommt „D“ (rhesuspositiv) in ca. 80 % vor, bei Asiaten und Schwarzafrikanern nur in über 95 %.

 

Warum ist die Bestimmung des Rhesus-Faktors so wichtig?

In der Schwangerschaft kann es nur dann in der Schwangerschaft zu einer Antikörperbildung kommen, wenn die Mutter „d“ (rh neg), und der Vater „D“ (Rh pos) ist. In dieser Konstellation hätte der Fetus eine mindestens 50%ige Chance, Rh pos zu sein. 

Im Laufe einer Schwangerschaft kommt es immer wieder zum Übertreten geringer Mengen des kindlichen Blutes auf die Mutter. Eine Rh-negative Mutter aber „kennt“ die Rh-positive Blutkörperchen nicht und bildet Antikörper dagegen. Diese Antikörper können wiederum auf den Feten übergehen und die kindlichen Blutkörperchen schädigen.
Das hat meist bei der ersten Schwangerschaft noch keine Bedeutung. In der zweiten Schwangerschaft kann das eine starke Blutmauser (Zerstörung der fetalen Blutkörperchen) hervorrufen und unmittelbar nach der Geburt schon zu erheblichen Komplikationen führen. Die Kinder können eine schwere Gelbsucht (Morbus haemolyticus neonatorum auch Rhesus-Erythroblastose) erleiden, da die Leber die vielen Blutabbauprodukte (u.a. Bilirubin) nicht mehr abbauen kann, die sich dann in der Haut, der weißen Lederhaut (Skleren) des Auges und im Gehirn ablagern und schwere Schäden hervorrufen können.

 

 

Warum sollte ich auch nach Blutungen in der frühen Schwangerschaftsphase eine Anti-D-Prophylaxe erhalten?

Die embryonale Blutbildung beginnt überraschend früh, und das Rhesus-Antigen ist bereits ab dem 30.-45. Tag nach Empfängnis vorhanden. In der Schwangerschaft kommt es immer wieder zum Übertritt kleiner Mengen an roten Blutkörperchen mit dem Rh-Antigen in den mütterlichen Kreislauf. Das könnte eine Sensibilisierung, d.h. die Bildung von mütterlichen Antikörpern, auslösen, die dann auf das ungeborene Kind übertreten und die kindlichen Blutkörperchen zerstören können.

Insofern sollte auch schon sehr früh, besonders nach Ereignissen, wie Blutungen, Fehlgeburten, Schwangerschaftsabbrüchen, Blasenmolen und Bauchhöhlenschwangerschaften sowie nach Chorionzottenbiopsien und Fruchtwasserpunktionen eine Rhesus-Prophylaxe erfolgen.

 

Was tun, wenn die Anti-D-Spritze nach der Geburt vergessen wurde?

Die Konstellation lautet:

  • Sie, als Schwangere sind Rhesus-negativ, Ihr Kind ist ebenfalls Rhesus-negativ: Sie brauchen gar nichts zu tun, da von Rh-negativen roten Blutkörperchen keine Antikörperbildung ausgelöst werden kann.
  •  Sie, als Schwangere sind RH-negativ, Ihr Kind ist Rh-positiv und die Anti-D-Spritze ist nach der Geburt vergessen worden. Bis zu 14 Tage später kann mit einer dreifachen Dosis versucht werden, eine Sensibilisierung zu verhindern. Ob das gelungen ist, sollten Sie ca. 5 Monate später durch eine Antikörperkontrolle aus Ihrem Blut überprüfen lassen!


 

Wie lange hält der Schutz der Anti-D-Gabe vor?

Üblicherweise werden 300yg (Microgramm) intramuskulär injiziert. Diese Standarddosis schützt für 12 Wochen. Bei einer in der 11. SSW durchgeführten Chorionzottenbiopsie sollte also eine weitere Spritze in der 23. und der 34.SSW gegeben werden.
Vorsichtshalber kann eine Spritze nach der Geburt eines Rh-positiven Kindes erneut gegeben werden.

PDF Icon Fetale Bestimmung des Merkmals D

 

Muss bei Zwillingen eine doppelte Dosis des Anti-D-Immunglobulins gegeben werden?

Nein, das ist nicht erforderlich (s. auch die Informationsbroschüre der CSL Behring GmbH (www.cslbehring.de)).
Nur in Ausnahmefällen wäre eine Dosiserhöhung gerechtfertigt.

Wie lange ist das Anti-D nach der Injektion nachweisbar?

Es handelt sich dabei um IgG-Immunglubuline, die bis zu 11 Wochen nach der Injektion nachgewiesen werden können, in seltenen Fällen sogar bis zu 6 Monaten. Immunglobuline (Antikörper) sind  Eiweiße (Proteine), die als Reaktion auf bestimmte Stoffe (Antigene) vorwiegend von weißen Blutkörperchen und Lymphozyten gebildet werden. 

 


Muss die Anwendung von Anti-D-Gammaglobulin dokumentiert werden?

Ja, nach Maas,D. (1/2004, ImpfDialog, 35) muss nach dem bestehenden Transfusionsgesetz (§14) jede Anwendung eines Blutproduktes 30 Jahre lang dokumentiert werden, wobei die Patientenidentifikationsnummer, die Chargenbezeichnung, die Pharmazentralnummer nebst Datum und Uhrzeit der Anwendung vermerkt werden muss.
 

6 Wochen nach einer Anti-D-Spritze wurden beim Antikörper-Suchtest Rh-Antikörper nachgewiesen. Bin ich jetzt sensibilisiert?

Nach einer durchgeführten Rh-Prophylaxe (eine Art Schutzimpfung) sind die damit in der mütterlichen Kreislauf eingebrachten Immunglobuline (IgG) mit speziellen Tests erkennbar.
Das Anti-D-Immunglobulin wird individuell unterschiedlich langsam abgebaut. Manchmal ist es nach einer Spritze noch 10 Wochen bis 6 Monate später nachweisbar, das bedeutet aber keine Sensibilisierung bei Ihnen und keine Gefahr für Ihr Kind. Der Titer sollte aber in einigen Wochen noch einmal kontrolliert werden.

Sollten bei Ihnen also nach einer Fehlgeburt oder Geburt Antikörper nachgewiesen sein, informieren Sie Ihren Arzt/Ärztin, wann Sie zuletzt eine Anti-D-Spritze erhalten haben. Häufig findet man dann noch die Antiköper der vorherigen Prophylaxe.      

Deshalb:  Die Anti-D-Gabe sollte immer im Mutterpass vermerkt werden.

 

Welches sind die wichtigsten Blutgruppen-Systeme?

 Beim Menschen gibt es zahlreiche Blutgruppen-Systeme (ca. 29). Die wichtigsten sind das AB0-System und das RhesussystemSie unterscheiden sich dadurch, dass die roten Blutkörperchen an ihrer Oberfläche sog. Antigene aufweisen. Antige sind Substanzen, häufig Eiweisse, die von einem anderen Organismus als fremd erkannt werden und diesen zu einer Antikörperbildung anregen.

So gibt es das AB0 System. Es wurde 1901 von Landsteiner entdeckt und umfasst 4 verschiedene Hauptgruppen: A, B, AB und 0 (Null). Dabei hat die Blutgruppe A Antikörper gegen B, die Blutgruppe B Antikörper gegen A, die Blutgruppe 0 (Null) Antikörper gegen A und B, während die Blutgruppe AB keine Antikörper bildet.                                                                                                   Erst die Entdeckung der unterschiedlichen Blutgruppen machte es möglich, Bluttransfusionen gefahrloser durchzuführen, die in den Jahren zuvor häufig tödlich verliefen.

Das zweit wichtigste Blutgruppen-System ist das Rhesus-System, das Landsteiner bei versuchen an Rhesusaffen entdeckt hatte. Er nannte diese Faktoren C,D und E, wobei der Rhesusfaktor D medizinisch besonders wichtig ist.

Ein drittes System wird in Deutschland und Österreich obligatorisch mit getestet, das ist das Kell-System. 92 % der Menschen in dieser Region sind Kell-negativ (kk), nur ganz wenige (0,2 %) sind Kell-positiv und brauchen Kell-positives Blut. Alle übrigen dürfen kell-negatives Blut erhalte, weil es keine Antikörper gegen kell-negativ gibt.

Eine Blutgruppe wird auf dem Blutgruppenausweis oder dem Mütterpass (als Beispiel) wie folgt vermerkt:                                                                     

                     A1 Rh (pos)2 CcDDEe3 Kell neg4.   

  1.  A steht für das AB0-Systen                                                                         2.  Rh (pos) für die vereinfachte Beschreibung des Rhesus-Systems           3.  CcDDEe für die genaue Beschreibung des Rhesus-Systems und             4.  Kell neg  für das Kell-System

        

 

 

 

 

 

 

Ab wann wird Anti-D verabreicht?

Die embryonale Blutbildung findet bereits in der 3. Woche nach der Befruchtung statt. Deshalb kann es bei Blutungen schon sehr früh zu einer Sensibilisierung (Immunantwort auf ein unbekanntes Antigen) kommen. Aus diesem Grunde sollte bei Blutungen oder Eingriffen, die einen Übertritt fetaler roter Blutkörperchen in den mütterlichen Kreislauf auslösen könnten, bereits ab der 6. SSW ein Anti-D-Gammaglobulin verabreicht werden.

s. auch Patientenbroschüre der CLS Behring (www.clsbehring.de) Tel.:+49 69 305 84437

 

Was ist das Anti-D-Gammaglobulin?

Gammaglobuline sind Eiweißkörper, die nach einem Kontakt mit einem sog. Antigen (z.B. dem „D“ – Rhesus positiv – auf den kindlichen roten Blutkörperchen) als Antikörper von Zellen des weißen Blutbildes (Lymphozyten und Plasmazellen) gebildet werden.
Dieses sog. Immunglobulin entfernt in diesem Falle die kindlichen Blutkörperchen mit dem Merkmal D (Rh-pos) aus dem Kreislauf der Mutter, indem es sie zerstört, so dass eine Antikörperbildung nicht in Gang gesetzt werden kann.
 

Ich bin Rh-negativ. Warum muss ich in der 28.SSW und nach der Geburt eine Anti-D-Spritze erhalten?

Im Laufe der Schwangerschaft kann es zum Übertreten kindlicher Blutkörperchen in den Kreislauf der Mutter kommen. Eine Sensibilisierung (Antikörperbildung) setzt erst ab einer bestimmten Menge der übergetretenen Blutkörperchen ein. Deshalb wird zu Beginn des letzten Drittels eine Anti-D-Spritze gegeben.
Um auch hier einer Sensibilisierung vorzubeugen, die Auswirkungen auf die nächste Schwangerschaft haben könnte, erhalten Sie nach der Geburt eine weitere Anti-D-Spritze. Das Immunglobulin muss aber innerhalb von 72 Stunden nach der Geburt gespritzt werden, da sonst die Antikörperbildung bereits begonnen hat.
 

Kann auf die Anti-D- Spritze in Zukunft in vielen Fällen verzichtet werden?

Die Anti-D-Gabe, die zudem kostenintensiv ist, könnte vielen Rh-negativen („d“-) Schwangeren erspart bleiben, wenn man frühzeitig erkennen würde, dass auch das Kind Rh-negativ ist, und es somit keine Antikörperbildung auslösen könnte.
Dieses soll mit der vorgeburtlichen Bestimmung des fetalen Merkmals „D“ aus dem Blut Rhesus-negativer Schwangerer, wie von Prof. Weisbach aus Erlangen vorgestellt, ermöglicht werden (s. bitte Anlage).
Fetale Bestimmung des Merkmals D
 

Was ist eine Rhesus-Erythroblastose ?

Eine Rh-Erythroblastose trat vor Einführung der Rhesus-Prophylaxe in etwa 0,2-0,6% aller Schwangerschaften auf, das wären heute etwa 1200-3600 Fälle.

Eine derartige Sensibilisierung führt zu keinerlei Beschwerden der Schwangeren.
Beim Feten hingegen kommt es zum Abbau der roten Blutkörperchen, es entsteht eine Anämie (problematisch, weil die roten Blutkörperchen u.a. Träger des Sauerstoffs sind). Dieser Abbau führt zu einem vermehrten Anfall des Abbauproduktes Bilirubin (bekannt als Gallenfarbstoff), das aber über die Plazenta an die Mutter zum weiteren Abbau abgegeben wird und somit in der Schwangerschaft auch noch keine Auswirkungen auf das Kind hat.
Eine schwere Anämie kann aber in Verbindung mit einem ansteigenden kindlichen venösen Druckes zu Flüssigkeitseinlagerungen im Bereich des fetalen Kopfes, und zu einer starken Einlagerung von Flüssigkeit im Bauch kommen (Aszites). Man bezeichnet das als Hydops fetalis, verbunden mit einer extrem hohen Sterblichkeit.