Blasen-Nierenentzündung und Schwangerschaft

Können Schmerzen beim Wasserlassen und häufiges zur Toilette gehen eine Blasenentzündung sein?

Eine Blasenentzündung, auch Zystitis, genannt, ruft Beschwerden hervor wie häufiges, auch nächtliches Wasserlassen, Brennen beim Wasserlassen, unfreiwilliger Abgang von Urin, unangenehmer Geruch, Blut im Urin u.a.

Bedeuten Bakterien im Urin schon eine Blasenentzündung?

Um das zu klären, muss man die Art der Uringewinnung wissen. Wenn Sie ohne weitere Vorbereitungen auf die Toilette gehen und sofort den Becher in der Urinstrahl halten, werden zahlreiche Keime des äußeren Genitales mit in den Becher gespült.

Aus diesem Grunde empfiehlt Ihr Gynäkologe/Ihre Gynäkologin oder die Helferin den sog. Mittelstrahlurin zu verwenden; d.h. Sie lassen einen Teil des Urins ablaufen und halten erst dann den Becher in den Strahl und fangen die letzten Tropfen nicht auf. Wenn auch in diesem Urin noch zahlreiche Bakterien vorhanden sind, insbesondere gemischt mit weißen Blutkörperchen (Leukozyten) wird der Verdacht auf eine Blasenentzündung verstärkt. Anschließend kann dann mit einer Urinkultur ggf. eine bakterielle Blasenentzündung nachgewiesen werden. Bei einer Urinkultur wird der Urin auf ein Kulturschälchen, in dem sich eine Nährflüssigkeit befindet, gebracht und ca. 3 Tage im Brutschrank bebrütet. Darin können sich die Bakterien vermehren, so dass sie unter dem Mikroskop analysiert werden können. 

Leider gelingt es aber häufig gerade Schwangeren nicht, einen Mittelstrahlurin zu erzielen, um eine bakteriologische Untersuchung durchzuführen. Häufiger wird man eine Katheterisierung der Harnblase durchführen müssen (mit einem Katheter über die Harnröhre oder einer Punktion der Blase oberhalb der Symphyse (Schambein)). Fremdeinflüsse sind dadurch ausgeschaltet, die das Ergebnis verfälschen könnten.

Kann man den Urin auch mit einem Patienten-Selbsttest untersuchen?

Er zeigt durch Messung der Konzentration von Nitrit und Leukozyten (den weißen Blutkörperchen) an, ob ein behandlungsbedürftiger Harnwegsinfekt besteht. Im Gesunden Urin findet sich, im Gegensatz zu Patienten mit Harnwegsinfektionen, kein Nitrit.

Bei einem negativen Test können die Symptome ausschließlich u.a. mit Tee behandelt werden. Sollte sich der Zustand auch nach 4-5 Tagen nicht verbessert haben, ist ein Arztbesuch und die Behandlung mit einem Antibiotikum erforderlich.

Welche Bakterien sind bei einer Blasenentzündung meist nachweisbar?

Es handelt sich zu etwa 70 % um Darmbakterien (E.Coli – Escherichia Coli), die durch Schmierinfektion, seltener durch die direkte Gewebedurchwanderung in die Blase gelangen. Seltener sind Staphylokokken (Eitererreger, die auf Haut und Schleimhäuten angesiedelt sein können) und andere Bakterien anzutreffen.

Achtung: Nach einer erfolgreichen Behandlung können Keime durch den Geschlechtspartner erneut übertragen werden, selbst wenn der gar keine Anzeichen einer Entzündung aufweist. Der Partner sollte also mitbehandelt werden und ein Condom verwenden.

Muss bei einer Blasenentzündung immer eine Antibiotikum eingenommen werden?

Zunächst kann man mit konservativen Mitteln versuchen, die Beschwerden zu lindern.

Da es sich häufig zunächst um eine Reizung handelt und noch nicht um eine Entzündung (mit Reaktion des Gewebes auf bakterielle Erreger), kann man mit verschiedenen Teesorten die Harnproduktion erhöhen. "Tee treibt".

Allerdings ist nicht jeder Tee geeignet. Schwarzer Tee enthält Koffein, das in der Schwangerschaft nur in Maßen zu sich genommen werden sollte. Auch der Großmutter Tipp: "Bärentraubenblättertee hilft immer", sollte in der Schwangerschaft nicht befolgt werden. Dieser Tee kann Wehen auslösen und enthält möglicherweise sogar krebsauslösende Stoffe. Also besser auf grünen Tee oder andere Teesorten ausweichen. Brennesseltee kann man versuchen, wirkt aber leider häufig nicht. Hilfreich sollen auch Cranberry-Saft oder Kapseln sein.

Wenn aber nach 3 – 4 Tagen keine Besserung eingetreten ist, sollte der Urin von Ihrem Arzt bakteriologisch untersucht werden, um ein geeignetes Antibiotikum zu finden. In der Schwangerschaft wird das meist ein Penicillin, ein Cephalosporin oder ein Erythromycin sein. Alle anderen Antibiotika sollten in der Schwangerschaft weitgehend vermieden werden.

Bei einer Penicillinallergie kann auf ein Cephalosporin umgestellt werden. Auf Trimethoprin (Cotrim) sollte bis zur 12. Schwangerschaftswoche verzichtet werden (schränkt die Wirkung der Folsäure ein), auch im 3. Drittel ist es nicht angeraten. Nitrofurantoine sollen nur im 1.und 2. Drittel verabreicht werden. Sie können die Neugeborenengelbsucht verstärken. Sie sollten hier bitte keine Selbstmedikation durchführen, sondern den Rat Ihres Arztes befolgen.

Können Antibiotika für das ungeborene Kind schädlich sein?

Tetracycline, Aminoglykoside und Chlormaphenicol sollen in der Schwangerschaft überhaupt nicht eingesetzt. Einige andere sollten nur zu Beginn der Schwangerschaft, einige andere nicht im ersten Drittel eingesetzt werden.

Antibiotika gehören wahrscheinlich zu den am besten untersuchten Medikamenten in der Schwangerschaft, weil sie auch sehr häufig eingesetzt werden. Aus diesem Grunde sind die Wirkungen auf Mutter und Kind bestens bekannt.

Dennoch scheuen sich viele Mütter, die Antibiotika zu nehmen, weil sie Angst haben, ihrem Kind zu schaden. Bedenken Sie aber, kein Arzt verschreibt in der Schwangerschaft unbegründet Antibiotika. Und eine unbehandelte Erkrankung schadet nicht nur Ihnen, sondern letztlich auch ihrem Kind.

Kann man das Antibiotikum absetzen, wenn die Beschwerden abgeklungen sind?

Das Antibiotikum sollte solange genommen werden, wie es verordnet wurde, sonst besteht die Gefahr, dass besonders resistente Bakterien übrig bleiben, die die Infektion wieder aufleben lassen. (Eine Resistenz bedeutet, dass diese Bakterien bei einer erneuten Infektion keine Wirkung zeigen; ein Problem, mit dem die Medizin immer mehr zu kämpfen hat, meist als Folge zu kritikloser Verordnung und unsachgemäßer Einnahme der Antibiotika).

Sie sollten das Antibiotikum auf jeden Fall so lange nehmen, wie es Ihnen Ihr Arzt oder Apotheker empfohlen hat. Jedes vorzeitige Absetzen führt zu einer Resistenzentwicklung, d. h. in einem Wiederholungsfalle hilft das Medikament möglicherweise nicht mehr.

Das liegt daran, dass Bakterien eine sehr kurze Generationszeit haben, etwa alle 20 – 30 Minuten verdoppelt sie ihre Population (Anzahl der Bakterien). Dabei können sehr schnell Mutationen entstehen (Veränderungen ihrer DNA, des genetischen Materials), die von dem Antibiotikum nicht mehr angegriffen werden können. Diese finden dann für sich Lebensbedingungen vor, in denen sie sich vermehren können.

Wie erklärt sich die starke Zunahme von Antibiotika-Resistenzen?

Eine unkritische Antibiotika-Anwendung mit viel zu frühem Absetzen des Medikamentes oder unkritisches Verschreiben von Antibiotika haben zu einer Zunahme an Resistenzen ( s. 2 Fragen zuvor) geführt; auch Verunreinigungen in Abwässern und die frühere unkontrollierte Anwendung von Antibiotika in der Tierhaltung haben dazu beigetragen.

Folgende Dinge sind hauptverantwortlich:

  1. Die mangelhafte Compliance, d.h. die Anordnungen des Arztes und Apothekers, die Dauer der Medikamenteneinnahme betreffend, werden nicht umgesetzt und befolgt. Das fördert die Resistenzbildung (s. auch die Frage: "Kann man die Antibiotika absetzen…..?").
  2. Leider werden auch von Ärzten viel zu häufig und viel zu schnell Antibiotika verschrieben. Nicht jeder Husten und nicht jede erhöhte Temperatur bis 38,5 °C muss sofort mit einem Antibiotikum behandelt werden. Hier darf man auf die Selbstheilungskräfte der Natur hoffen.
  3. Nach jeder Antibiotikum-Einnahme gelangen auch Antibiotika- Reste ins Abwasser, was wiederum Auswirkungen auf Bakterien in den Kläranlagen hat und zu Resistenzen führt.
  4. Antibiotika wurden noch bis vor kurzem prophylaktisch (vorsorglich) und als Wachstumsförderer in der Massentierhaltung eingesetzt; zumindest in den EU-Ländern ist das mittlerweile seit 2006 verboten. Allerdings enthielt auch die Gülle diese Antibiotika. Damit gelangten Antibiotika- Reste auch heute noch über die Nahrungskette in den menschlichen Kreislauf und tragen zu einer gesteigerten Resistenz von Bakterien gegen diese Antibiotika bei. Dieser Umstand könnte auch für die Zunahmen an Allergien verantwortlich sein.

 

Muss nach dem Abklingen der Beschwerden einer Blasen- und Nierenentzündung der Urin weiter auf Bakterien untersucht werden?

Auf jeden Fall muss nach 2-4 Wochen das Wiederauftreten (Rezidiv) der Blasen- und Nierenentzündung ausgeschlossen werden. Immerhin kommt es in 25 % zu einem Rezidiv.

Es sollten zweiwöchige Intervalle bis zum Ende der Schwangerschaft eingehalten werden, in denen jeweils der Urinstatus, ein Urinsediment (nach zentrifugieren des Urins finden sich die Zell-Bestandteile am Boden des Röhrchen und können so untersucht werden) und ggf. eine Urin-Kultur durchgeführt werden, um ein Rezidiv auszuschließen. Ansonsten könnte sich eine chronische Nierenbeckenentzündung einstellen.

Sie habe Schmerzen im Nierenbereich und sind schwanger, was kann das sein?

Es kann sich um einen Aufstau im Nierenbecken handeln. Zunächst muss eine Nierenbeckenentzündung ausgeschlossen werden. Es kann sich aber auch um eine Abflussbehinderung der ableitenden Harnwege handeln (Nierenstau). Ein solcher Aufstau kann relativ einfach mittels Ultraschall nachgewiesen werden. Auch ein Nierenstein kann derartige Beschwerden machen.

Eine Abflussbehinderung kann einerseits durch die hormonelle Aufweitung der Harnleiter der Nieren aber auch durch eine Entzündung des Nierenbeckens oder durch einen Nierenstein hervorgerufen werden. Mittels Ultraschall kann eine Erweiterung der Nierenkelche auf über 15 mm festgestellt werden, ein Nierenstein etwa ab 5-6 mm Größe. Zusätzlich sollte die Nierenfunktion, besonders der Kreatinin-Wert bestimmt werden (Kreatinin in ein harnpflichtiges Stoffwechselprodukt).

Sind die Werte der Nierenfunktion in Ordnung, kann versucht werden, mittels Lagerung der Patientin, den Druck der Gebärmutter auf den Harnleiter zu nehmen. Der Aufstau ist häufig nur auf einer Seite beschwerlich. Findet sich anschließend im Ultraschall keine Besserung oder sind die Nierenfunktionswerte schlecht, muss ggf. an eine Schienung des Harnleiters gedacht werden. Dabei wird ein Katheter über die Blase in den Harnleiter bis in das Nierenbecken vorgeschoben (Stenteinlage). Erst wenn dieses nicht gelingt, muss eine externe Ableitung der gestauten Niere gewählt werden.

Sie haben einen Aufstau im Nierenbecken gehabt, was bedeutet das für die Zeit nach der Geburt?

In den meisten Fällen bildet sich der Aufstau und die Erweiterung des Harnleiters zurück. Eine Harnsteinbildung ist selten und hat ebenfalls eine gute Prognose. Weiterhin muss konsequent versucht werden, den Urin bakterienfrei zu bekommen. Die Häufigkeit der Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) wird dadurch stark reduziert.

Kann Cranberry bei Blasenentzündungen helfen?

Cranberry besitzt eine natürliche antibiotische Wirkung.

Cranberry ist ein uraltes Hausmittel der nordamerikanischen Indianer . Es enthält viel Vitamin C und macht den Urin saurer. Kurz: Je saurer der Urin, desto weniger Bakterien. Dieses gilt übrigens auch für die Scheide, die einen pH von 4,5 nicht überschreiten sollte.

Man nimmt an, dass die Säure der Cranberry- Beere verhindert, dass die Bakterien, z.B. die Coli- Bakterien (E. Coli), die die Entzündung auslösen, sich an der Blasenwand festsetzen können.

Cranberry gibt es als Saft oder in einer Kapsel mit Preisselbeer-, Kürbissamen- und Traubenkerzenpulver. Nachgewiesen ist zumindest, dass das Wiederauftreten einer Blasenentzündung nach Cranberryeinnahme deutlich verringert ist.

Im 3. Drittel (7.-10. Monat) der Schwangerschaft wird häufig Eiweiß im Urin nachgewiesen, woran liegt das?

Durch das große Blutvolumen gegen Ende der Schwangerschaft muss in der Niere erheblich mehr Flüssigkeit gefiltert werden, so dass das Harnvolumen steigt.Gleichzeitig wird aber auch die Durchlässigkeit des "Filters" größer, so dass vermehrt größere Moleküle wie Zucker oder Eiweiß, die normalerweise zurückgehalten werden, in den Urin gelangen.

Das ist aber zunächst physiologisch, d. h. das ist ein natürlicher Vorgang. Bei einer stark vermehrten Eiweißausscheidung muss aber an eine Nierenerkrankung gedacht werden, die in Verbindung mit einem hohen Blutdruck und Wasser in den Beinen (Oedeme) auf eine Praeeklampsie (typ. nicht ungefährliche Schangerschaftserkrankung) hindeuten kann. Bei Auftreten einer deutlich vermehrten Zuckerausscheidung muss an einen Schwangerschaftsdiabetes gedacht werden.

Welche Aufgabe hat die Niere eigentlich?

Die Niere ist verantwortlich für das Ausscheiden sog, harnpflichtiger Substanzen (Abbauchprodukte des Stoffwechsels), zudem  entgiftet sie den Körper, indem Giftstoffe mit dem Urin ausgeschieden werden. Sie reguliert sie den Blutdruck, kontrolliert die im Blut befindlichen Elektrolyte in Ihrer Zusammensetzung (z.B. Natrium und Kalium) und produziert Hormone, wie z.B. das Erythropoetin, das für die Blutbildung erforderlich ist. Was Nieren wirklich leisten erfahren wir erst, wenn sie entzündet sind oder versagen.

 

Warum muss man in der Schwangerschaft so häufig zur Toilette?

Die verstärkte Produktion des Hormons Progesteron entspannt die Muskulatur der Harnblase, speziell seinen Verschlussapparat. Zudem führt die Zunahme des Blutvolumens zu einer verstärkten Nierentätigkeit, und die größer werdende Gebärmutter drückt auf die Harnblase.

Insbesondere auch der Druck der Gebärmutter, die den bisherigen Raum für die Harnblase zunehmend einengt, führt zum häufigeren Wasserlassen. Das wird im zweiten Schwangerschaftsdrittel besser, weil sich die Gebärmutter aus dem kleinen Becken heraus nach oben entwickelt. Erst gegen Ende der Schwangerschaft verstärkt sich der Druck durch das tiefer liegende Kind wieder. Durch die Hormone wird zudem der Beckenboden aufgelockert, so dass es leicht beim Husten und Niesen auch zu einem unfreiwilligen Urinabgang kommt.

Was kann man gegen die Blasenschwäche tun?

Versuchen Sie es mit Tee oder Cranberry. Gehen Sie, so oft es geht, zur Toilette. Sprechen Sie mit Ihrer Hebamme über eine schonende Beckenbodengymnastik.

Auch bei einer Blasenschwäche sollte eine Blasenentzündung ausgeschlossen werden. Der Versuch, die Schwäche durch weniger Trinken zu verbessern, würde vermutlich eine Blasenentzündung gerade hervorrufen und sollte unterlassen werden.

Auch hier ist es ratsam, mit Tees oder Cranberrysaft oder -kapseln entgegenzuwirken. Ansonsten bleibt Ihnen nur das häufige zur Toilette gehen. Suchen Sie frühzeitig eine Toilette auf, wenn Sie unterwegs sind. Lieber einmal mehr gehen als den Harndrang mühsam zu unterdrücken. Und klären Sie auch Ihren Partner über den Zusammenhang zwischen Schwangerschaft und Blasenschwäche auf. 

Was wird bei der monatlichen Urin-Bestimmung im Rahmen der Mutterschaftsrichtlinien u.a. bestimmt?

Bei der monatlichen Urin-Untersuchung in der Schwangerschaft wird untersucht, ob sich vermehrt Zucker (Glukose) im Urin, Eiweiß und Bakterien und ggf. Blut befinden.

Es wird auf Glucose (Zucker) untersucht, um frühzeitig einen Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) zu erkennen und auf Eiweiß, um eine Nieren-Schädigung auszuschließen.

Zusätzlich werden Leukozyten (weiße Blutkörperchen) zum Nachweis bzw. Ausschluß einer Infektion untersucht, in Verbindung mit dem Nachweis von Nitrit als Hinweis auf das Vorkommen von Bakterien für den Nachweis einer Blasenentzündung. Zusätzlich wird häufig noch auf Blut zum Nachweis von Blut im Urin getestet.