Übelkeit und Erbrechen

Wann hört die Übelkeit in der Schwangerschaft meistens auf?

Ab der 14. Schwangerschaftswoche, wenn der ß-HCG Spiegel (das Schwangerschaftshormon) im Blut fällt. Manchmal dauert es aber leider auch bis zur 20. Schwangerschaftswoche und länger.

Manche Frauen begleitet die übelkeit die ganze Schwangerschaft über. 

Morgendliche Übelkeit und Erbrechen

Es gibt Frauen, die von sich behaupten, „sie hätten sich noch nie so wohl gefühlt, wie jetzt in ihrer Schwangerschaft“.  

Leider ist das eine Minderheit. So leiden fast Dreiviertel der Schwangeren in den ersten Monaten (meist betrifft es nur die Zeit zwischen der 6.- und 12. Woche – bis zur 20. SSW sind 90 % der Schwangeren wieder beschwerdefrei) unter der morgendlichen Übelkeit, die manchmal auch mit Erbrechen einhergehen kann. Dieser Zustand kann extrem unangenehm sein, ist aber nicht gefährlich, es sei denn, das Erbrechen steigert sich zum unstillbaren Erbrechen (Emesis gravidarum). Dann allerdings droht Gefahr durch den entstehenden Elektrolyt- und Wasserverlust.
Die Spanne der Befindlichkeiten in der Schwangerschaft reicht also vom Ausbleiben der Übelkeit bis zum unstillbaren Erbrechen, das manchmal sogar im Krankenhaus behandelt werden muss.
 

Warum gibt es überhaupt diese morgendliche Übelkeit?

Genau kann das leider niemand sagen. Es gibt aber eine Reihe von Erklärungsversuchen:

•  Der hohe Wert des Schwangerschaftshormons (HCG=humanes Choriongonadotropin),    das auch zum Nachweis einer Schwangerschaft im Urin untersucht wird, soll einer der            Ursachen sein. Das HCG steigt in der Schwangerschaft bis zur 12. SSW                                  (Schwangerschaftswoche) an, ganz besonders bei Mehrlingsschwangerschaften und              der sog. Blasenmole (krankhafte Veränderung der Plazenta), und fällt danach wieder ab        und es geht den meisten Schwangeren dann auch wieder besser.
   Warum aber leiden dann aber nicht alle Frauen mit steigendem HCG-Wert an dieser              Übelkeit? Die Frage bleibt ungeklärt.
•  Auch andere hormonellen Faktoren wie z.B. die vermehrte Produktion von Thyroxin (T4)        und Trijodthyronin (T3) bei der Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) führen zu            vermehrtem Schwangerschaftserbrechen, man vermutet das aufgrund der Ähnlichkeit der      Schilddrüsenhormone und des HCG.
•  Ein anderer Erklärungsversuch ist der niedrige Blutzuckerspiegel, der sich besonders        morgens, nachdem man lange nichts gegessen hat, mit Übelkeit bemerkbar machen kann.    Darauf zielen auch die meisten Vorschläge zur Behandlung. Hinzu kommt dann noch meist    ein niedriger Blutdruck.
•  Relativ sicher scheint zu sein, dass auch genetische Faktoren mitbestimmend sind; so ist    die Häufigkeit eines Schwangerschaftserbrechens dreimal höher, wenn schon die eigene        Mutter davon betroffen war.
•  Auch psycho-soziale Faktoren können eine Rolle spielen, so können seelische Faktoren,    wie Ängste, Stress, geringe Unterstützung des Partners die Übelkeit verstärken. Dagegen      spricht die 2011 durchgeführte Untersuchung, die zumindest für die Hyperemesis                    gravidarum, das unstillbare Erbrechen, einen solchen Zusammenhang nicht feststellte.          (Dórazio LM et al.: J womens health 20 (2011) 137.)
•  Weitere Risikofaktoren sind: Übergewicht, Mehrlingsschwangerschaft, Unstillbares              Erbrechen in der vorangehenden Schwangerschaft, aber auch Überfunktion der                      Nebenschilddrüse und Ernährungsstörungen wie Bulimie (Esssucht) und Anorexie                  (triebhafte Herabsetzung des Essensaufnahme).
•  Eine weitere mögliche Erklärung soll in unserer Evolution begründet sein: Übelkeit und          Erbrechen könnten in der sensiblen Frühschwangerschaft vor Vergiftungen schützen
•  Allen Erklärungsversuchen ist gemeinsam, dass sie immer nur einen Teil des Problems          erfassen, aber nicht das ganze Beschwerdebild.

Aber, unabhängig davon, wie es Ihnen geht, Sie brauchen keine Angst zu haben, dass es Ihrem Kind, nachdem in der 6. SSW deutliche Vitalitätszeichen wie Herzaktionen und Kindsbewegungen nachgewiesen wurden, durch die Übelkeit und Erbrechen schlecht geht. Ihr Baby bekommt dennoch das, was es für seine Entwicklung braucht, es sei denn, das Erbrechen ist unstillbar (mehr als 5 x am Tag).
 

Was kann man gegen die morgendliche Übelkeit tun?

a) Ernährung:
• stellen sie sich Kekse oder Zwieback ans Bett und essen Sie etwas davon noch vor dem Aufstehen und kauen Sie gründlich, evt. nehmen Sie schluckweise Tee dazu
• schlafen Sie mit leicht hochgelagertem Oberkörper
• essen Sie regelmäßig etwa alle 2 Stunden eine kleinere Menge
• meiden Sie bitte auch fettreiche Speisen und bevorzugen Sie leichtere, z.B.
  Getreideflocken mit fettarmer Milch etc.
• Garen Sie zubereitete Speisen gut durch
• Bittere Speisen wir Rucola, Radiccio-Salat oder Pampelmusen sollen die
  Übelkeit ebenso verringern, wie Ingwer-Tee
• halten Sie für unterwegs immer einige Haselnüsse bereit, die Sie ordentlich             durchkauen sollten. Mit Mandeln geht das auch
• empfohlen werden auch Kaugummis aus der Apotheke

b) Getränke:
• auch, und gerade, wenn sich zu der Übelkeit noch das Erbrechen gesellt,
müssen Sie ausreichend trinken, am besten natürliches Mineralwasser ohne Kohlensäure
• Hebammen empfehlen gern Ingwer, als Tee zubreitet (eine Ingwerwurzel schälen,
in Scheiben schneiden, ggf. durchpressen und einen Teelöffel Ingwer mit heißem Wasser aufgießen und 10 Minuten ziehen lassen, absieben und langsam trinken. Wichtig ist, nach dem Aufgießen den Tee abzudecken, damit die ätherischen Öle erhalten bleiben.)
• Den Tee können Sie auch kalt genießen.
• Pfefferminztee wird ebenfalls empfohlen
• Magen reizende Getränke wie Kaffee und Alkohol sollten Sie meiden

c) Medikamente:
Da Ingwer nicht als Medikament geführt wird, gibt es auch keine entsprechenden Empfehlungen über die Dosis und mögliche Nebenwirkungen. Allerdings war unter allen alternativen Behandlungsversuchen in Studien nur Ingwer wirksam.
Deshalb sollte man
nur in schweren Fällen zu Medikamenten greifen.

• Ärzte verschreiben häufig zu Beginn 10-25mg Vitamin B6 alle 8 Stunden
• z.B. Pyridoxin (Nausema®)
• Desweiteren Dimenhydrinat (z.B.Vomex A®-Zäpfchen, so umgeht man den             Magen bei Übelkeit und Erbrechen. Auch Metoclopramid (z.B.Paspertin®/ MCP-       Ratiopharm® als Zäpfchen) kann ebenfalls helfen.

Auch eine honöopathische Behandlung ist möglich: mit Nux vomica D12, wenn Erbrechen hinzukommt, mit Ipecacuanha D 6 bei lang anhaltender Übelkeit und mit Sepia D12 wenn der Geruch von Speisen bei Ihnen Übelkeit auslöst.

 

Bei unstillbarem Erbrechen bitte unbedingt den Arzt aufsuchen, hier sollte       zusätzlich ein Antihistaminikum verordnet werden. Ca. 70 % der Patienten ist           damit zu helfen.
• Sollte das nicht ausreichend sein, brauchen Sie dringend eine       Infusionstherapie,ggf. im Krankenhaus. Sie erleiden sonst einen zu starken         Flüssigkeitsverlust (Dehydratation), nachweisbar durch einen erhöhten                     Hämatokrit-Wert im Blut (hoher prozentualer Anteil von roten Blutkörperchen im       Blut) einen Verlust an Kalium und Säure mit Auftreten von Ketonkörpern im Urin.

c) Sonstiges:
• Manche Frauen berichten, dass Ihnen die Akupressur der Handgelenke, wie sie auch bei       der Reisekrankheit angewendet wird, geholfen hat.
• Bewegen Sie sich viel, machen Sie Spaziergänge oder Yoga oder gehen Sie schwimmen.
• Meiden Sie Zigaretten
 

Was tun bei unstillbarem Erbrechen (Hyperemesis gravidarum

Das, was im englischsprachigen als „morning sickness“ beschrieben wird, kann sich über den ganzen Tag hinziehen (mehr als 5 x am Tag), medizinisch heißt das: Hyperemesis gravidarum.


Ein ständiges, unstillbares Erbrechen bedeutet eine Gefahr für Mutter und Kind sogar lebensbedrohlich sein.

 

Folgende Komplikationen und Folgeerscheinungen werden befürchtet:

 

erhebliche Gewichtsabnahme (über 5 % der zuvor gemessenen Gewichts)

erheblicher Flüssigkeitsverlust (Dehydratation)

Störungen des Elektrolythaushalts. Durch den Flüssigkeitsverlust verliert der Körper               zusätzlich Natrium und Kalium, beide sind aber für die Aufrechterhaltung der Funktion             der Körperzellen unbedingt notwendig. Dadurch kann es zu Übelkeit, Erbrechen,                     Kopfschmerz, Abgeschlagenheit und Verwirrtheitszuständen kommen. Durch den                   Kaliumverlust kommt es zur Muskelschwäche und ggf. zu Herzrhythmusstörungen

Zusätzlich kommt es zu Vitaminverlusten, insbesondere zu Vitamin B1, B6 und B12 mit         der Gefahr von Blutarmut und Nervenstörungen. Aus diesem Grunde erhalten                         Infusionen im Krankenhaus meist zusätzlich Vitamin B

Für das ungeborene Kind kann unstillbares Erbrechen sowohl eine Mangelversorgung           hervorrufen als auch wie eine Frühgeburt auslösen.

Treten Übelkeit und Erbrechen im ersten Trimenon (1.Drittel) auf, ist das Risiko für eine         Präeklampsie nur leicht erhöht, im 2. Trimenon steigt es dagegen. 

        Diese Entwicklung ist allerdings selten, ebenso wie das spätere Auftreten einer                       Plazentaablösung, die mit Blutungen und Schmerzen einhergehen würde, dann aber ein         sofortiges medizinisches Eingreifen erfordert. (Bolin M, BJOG 120 (2013) 541)

Medikamentöse Behandlung: s. bitte: „Was kann man gegen die Übelkeit tun“/                         Medikamente.

 


 

Welche anderen Ursachen können zu Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft führen?

Das macht die Medizin leider immer etwas schwierig: Symptome, in diesem Fall das Erbrechen und die Übelkeit, können in der Schwangerschaft natürlich auch noch in anderem Zusammenhang auftreten. Die Abgrenzung der verschiedenen Diagnosen voneinander bezeichnet man als Differentialdiagnose:

Folgende Diagnosen, die aber in der Schwangerschaft auch eher selten auftreten, müssen evt. ausgeschlossen werden:
•  Magen-Darm: Infektion, Magengeschwür (Ulcus), Gastritis, Leber-und                                      Gallenblasenentzündung, Blinddarmentzündung
•  Nervensystem: Migräne, Hirnhautentzündung (Meningitis)
•  psychische Beeinträchtigungen: Essstörungen, Bulimie (Ess-Brechsucht)
•  Hals, Nase, Ohren: Innenohr bedingte Schwindelzustände
•  Störungen Hormon produzierender Drüsen: z.B. Schilddrüsenüberfunktion,
   Nebennierenrindeninsuffizienz (Morbus addison) und Nierenversagen.
•  Schwangerschaftserkrankungen: Blasenmole in der Frühschwangerschaft
   (Fehlentwicklung der Plazenta mit blasigen Umwandlungen und hoher HCG-
   Produktion) oder Gestosen (Praeeklampsie) in der fortgeschrittenen Schwangerschaft mit      Bluthochdruck, Oedemen und Eiweiß im Urin.