Oedeme/Wassereinlagerungen

Was sind Ödeme?

Ödeme sind Wassereinlagerungen im Gewebe, die sich zunächst an den Knöcheln und Unterschenkeln, im Verlaufe der Schwangerschaft auch an den Händen sowie am gesamten Körper bemerkbar machen können. Sie sind zunächst einmal nur lästig und für das Kind nicht gefährlich.

Allerdings muss man sie im Auge behalten. Besonders, wenn Symptome wie Blutdruckerhöhung und vermehrtes Auftreten von Eiweiß im Urin hinzu kommen, besteht eine Gefährdung. Sollten diese 3 Symptome zusammentreffen, spricht man von einer Präeklampsie auch Gestose genannt.
 

Wodurch kommt es zu einer Gewichtszunahme in der Schwangerschaft?

Die Gewichtszunahme einer Schwangeren wird nicht allein durch das Gewicht des Kindes, des Mutterkuchens und des Fruchtwassers hervorgerufen. Auch die Gebärmutter und die Brüste tragen zum Gewicht der Schwangeren bei und belaufen sich auf 5-6 kg.

Ein ebenso großer Gewichtsanteil wird durch Wassereinlagerung hervorgerufen. Dieses sog. Gesamtkörperwasser, bestehend aus Wasser in den Zellen (ca. 60%), Wasser in den Räumen zwischen den Zellen (ca. 30%) und Wassern in den Blutgefäßen (10%), nimmt im Verlauf der Schwangerschaft kontinuierlich zu.

So steigt die Wasserzunahme von ca. 1.500 ml bis zur 20. SSW auf ca. 3.500 ml bis zur 30. SSW und auf 7.000 ml bis zur 40. SSW.

Bei Untersuchungen zeigt sich eine enorme Streuung:
• Bei Frauen, die äußerlich keine nachweisbaren Wassereinlagerungen (Ödeme) haben,           beträgt die Wasserzunahme 3,5-5 Liter,
• bei Frauen mit leichten Wassereinlagerungen ca. 7,0 l
• und bei Frauen mit generalisierten Ödemen, d.h. Wassereinlagerungen im gesamten             Körper und an Armen und Beinen auf 10 – 17 l.
 

Ich habe abends geschwollene Beine und bekomme meinen Ring nicht mehr vom Finger.

Viele Frauen beklagen sich besonders bei warmen Wetter über diese Beschwerden.
Sie sind zunächst einmal nur lästig, aber nicht gefährlich. Sie sind neben der ständig steigenden Wassereinlagerung im wesentlichen auch zurückzuführen auf unsere meist sitzende oder stehende Tätigkeit.
Dabei „versackt“ das Wasser geradezu in den Geweben, die am weitesten vom Herzen entfernt sind, wie an Füßen, Fesseln, Unterschenkeln und Händen und bildet Ödeme.
Es macht dem Kreislauf sichtlich Mühe, das Zuviel an Wasser gegen die Schwerkraft zum Herzen zurück zu führen und über die Nieren auszuscheiden. 
 

Wie kann ich Ödeme selber feststellen?

 Wenn Sie feststellen, dass Ihre Schuhe zu klein geworden sind, Ihre Fesseln dicker werden und die Füße anfangen, zu kribbeln, haben Sie wahrscheinlich Ödeme. 

 

Sie können es selber feststellen: drücken Sie mit dem Daumen im Sitzen oder Liegen auf Ihr Schienbein oberhalb der Knöchel. Wenn nach dem Lösen des Druckes eines Delle verbleibt, ist das ein sicheres Zeichen, dass Sie Ödeme haben. 

 

Sehen Sie in Ihren Mutterpass: ist dann der Blutdruck deutlich unter 140 / 80 (im Gravidogramm des Passes als RR angegeben, 11. Spalte von links) und kein Eiweiß im Urin nachweisbar (13. Spalte von links), können Sie zunächst beruhigt sein, weisen aber bitte Ihren Arzt oder Ihre Hebamme auf Ihre Beobachtung hin. 

 

Was kann ich gegen Ödeme tun?

Am einfachsten ist es, sich hinzulegen und die Beine dabei hochzulegen. So erleichtern Sie es Ihrem Kreislauf, das als Öedeme vorhandene Wasser in den Beinen wieder in den Kreislauf zurückzuführen.

Besonders, wenn Sie einen stehenden oder sitzenden Beruf haben, sollten Sie sich angewöhnen, Spaziergänge zu machen oder zu schwimmen. Dabei wirkt die Wadenmuskulatur wie eine Muskelpumpe und fördert damit den Rücktransport des Wassers über die Venen zum Herzen.
Sitzen Sie viel am Schreibtisch, sollten Sie sich angewöhnen, mit den Füßen auf und nieder zu wippen, wie man es auch im Flugzeug auf Reisen machen sollte, auch das aktiviert die Muskelpumpe.

Ist die Zeit zum Ausruhen nicht gegeben, helfen auch Wechselbäder an den Beinen. Duschen Sie die Beine im Wechsel mit warmem und kaltem Wasser ab. Das trainiert die Muskulatur ihrer Blutgefäße.

Auch Stützstrümpfe können hilfreich sein, sie sollten aber nicht oberhalb der Wade den Blutrückfluss unterbrechen; deshalb sind Stützstrumpfhosen besser geeignet. Ziehen Sie bitte die Stützstrümpfe erst an, nachdem Sie die Beine 5 Minuten hoch gelegt hatten und das Wasser z.T. abgeflossen ist.

Es ist besser flachere Schuhe zu tragen, welche die Wadenmuskulatur besser trainieren als hochhackige Schuhe und achten Sie auf eine nicht zu hohe Gewichtszunahme, die ebenfalls ein Grund für die Ausbildung von Ödemen sein können, weil auch sie den Rückfluss der Blutes behindern.
 

Worauf sollte ich bei der Ernährung achten?

Auch wenn es Ihnen widersinnig erscheint, Sie müssen auch weiterhin ausgiebig Trinken.


Wählen Sie Tees, die entwässern: z.B. Roibostee, grüner Tee, Brennessel-Tee und andere Kräutertesssorten.


Auch einige Gemüsesorten wirken entwässernd, wie Spargel, Sellerie, Obst wie Ananas, Sauerkirschen und Birnen. Reis wirkt ebenfalls entwässernd; ganze Reistage werden aber nicht mehr empfohlen.

 

Ödeme: Soll ich Salzen oder nicht?

Noch bis in die 90er Jahre galt vielfach:
1. nicht Zusalzen, 2. Reistage und 3. Obsttage.

Eine sehr dankenswerte Initiative ist den Gestose-Frauen, einer Selbsthilfegruppe (www.gestose-frauen.de), zu verdanken:

Ausgehend von eigenen, schlechten Erfahrungen mit der obigen Behandlungsweise, haben sie bei anderen Frauen, die eine Gestose hatten, nachgefragt, ob Ihnen das Nicht-Zusalzen, die Reis- oder Obsttage geholfen hätte.

Ernähren Sie sich bitte völlig normal, also fettarm, eiweißreich und reich an Ballaststoffen und salzen Sie zunächst einmal nicht übermäßig.

Was ist eine Gestose / Präeklampsie?
Eine Gestose ist eine typische Schwangerschaftserkrankung, die mit Ödemen (E=engl: Edema), Eiweiß im Urin (P= Proteinurie) und Bluthochdruck (H-Hypertonie), im internationalen Sprachgebrauch als EPH-Gestose bezeichnet wird; leider etwas verwirrend: sie wird auch als Präeklampsie bezeichnet.
Das Wort Prä steht für „vor“ und das Wort „Eklampsie“ für Schwangerschaftskrampf, das sind gefürchtete Krämpfe bei Schwangeren, die mit oder ohne Bewusstseinsverlust einhergehen können, und zu einer massiven Gefährdung von Kind und Mutter führen, meist im Rahmen einer Plazentainsuffizienz (Mangelversorgung der Plazenta).

Als das von den Befragten der „Gestose-Frauen“ überwiegend verneint wurde, hat man sich mit einem Ernährungsphysiologen zusammengesetzt und noch einmal neu angefangen, „zu denken“.

Das überraschende Ergebnis war, dass genau das Gegenteil von dem, z.B. Salz-arm essen, was bislang Ärzte und Hebammen im Falle einer Gestose empfohlen hatten richtig war.      

Im Falle einer von Ödemen dürfen Sie nun ordentlich zu-salzen.
Allerdings sollten Sie sich hierzu ausführlich bei den Gestose- Frauen (www.gestose-frauen.de) informieren und das auf jeden Fall mit Ihrem Arzt absprechen, ganz besonders im Falle von gleichzeitiger Blutdruckerhöhung.
 

Fallbeschreibung einer Getose.

Fallbeschreibung:
Ein ärztlicher Kollege musste seine leitende Mitarbeiterin in der 30. SSW krankschreiben, weil sie eine Gestose hatte.
Es fand sich eine zunehmende Wassereinlagerung am ganzen Körper, steigender Blutdruck und Wasser in den Beinen. Bei der Ultraschalluntersuchung fand sich ein Kind im unteren Bereich der Norm und bei der Doppleruntersuchung der mütterlichen Blutgefäße ein auffälliges Blutflussmuster. Letzteres ist ein Hinweiszeichen für eine zunehmende Mangelversorgung des Kindes.

Eine 14 tägige Behandlung mit Reis- und Obsttagen und weitestgehend salzarmer
Kost erbrachte keine Besserung, im Gegenteil, die Ödeme verstärkten sich.

Nach weiteren 14 Tagen stellte sich die Patientin wieder vor: die Ödeme waren weitestgehend verschwunden, der Blutdruck normalisiert und bei der Doppleruntersuchung ergab sich kein auffälliger Befund mehr.

Was war die Ursache für eine solch drastische Verbesserung der bedrohlichen Situation? Sie hatte sich an die Vorgaben der „Gestose-Frauen“ gehalten.

Für die beteiligten Ärzte und Hebammen war es nicht einfach, das Gegenteil von dem zu akzeptieren, was sie bislang für richtig hielten.

"Menschen werden immer Fehler machen, aber wenn man sie als solche erkannt hat, sollte man sie vermeiden und wann immer es möglich ist, sein Wissen weitergeben".

Was tun, um gar nicht erst Probleme mit Ödemen zu bekommen?

•  Vermeiden Sie langes Stehen und Sitzen
•  Benutzen Sie jede Gelegenheit, um sich zu bewegen
•  Machen Sie Spaziergänge, fahren Sie mit dem Rad, gehen Sie schwimmen, auch längeres    Liegen im angewärmten Wasserbad, mit Badesalz versetzt, ist hilfreich
•  Trinken Sie ca. 2 Liter täglich Wasser, Fruchtschorlen aber keine gesüßten Limonaden.          Milch und Milchprodukte hingegen scheinen die Ödemneigung eher zu verstärken,
•  Essen Sie eiweißreich: Fleisch, Fisch und Eier. Auch Obst und Gemüse entwässert.              Salzen Sie wie üblich
•  Entwässernde Medikamente sollten Sie in keinem Fall nehmen, verzichten Sie ebenso auf    die früher üblichen Obst- und Reistage.
•  Tragen Sie keine hochhackigen Schuhe, keine Strümpfe mit zu engem Bund und legen Sie    frühzeitig Ihre Ringe ab – es wäre nicht der erste Ring, der wegen stark geschwollener          Finger aufgeschnitten werden muss.