Kreuzschmerzen

Wodurch entstehen Kreuzschmerzen bei Schwangeren?

Kreuzschmerzen sind eine häufige. lästige Begleiterscheinung in der Schwangerschaft, viele Frauen klagen darüber.

Grundsätzlich müssen bei Kreuzschmerzen mechanische und / oder neurogene (von den Nervenbahnen ausgehende) Ursachen unterschieden werden.
Da eine Schwangerschaft mit einer Gewichtszunahme und einer Verlagerung des Körperschwerpunktes (Übergang in den „stolzen Gang des schwangeren Frau“, Hohlkreuzbildung) verbunden ist, führt diese zu einer Mehrbelastung der Rückenmuskulatur. Die Muskulatur versucht, den Rumpf auch bei Verlagerung des Schwerpunktes in der Balance zu halten. D.h. der Ruhetonus (die Spannung) der Rückenmuskulatur erhöht sich und damit verkürzt sich auch die Rückenmuskulatur.
Dadurch kommt es zu einer schmerzhaften Verkrampfung, d.h. zu einer Dekompensation der aktiven Rumpfstabilisatoren. Diese verhärteten Rückenmuskeln können dann nicht mehr die passiven Rumpfstabilisatoren (Bandscheibe, Grund- und Deckplatten der Wirbelkörper sowie Gelenksehnen und –Kapseln) entlasten.
Das Ergebnis ist dann zunächst eine Reizung dieser passiven Stabilisatoren z.B, Hexenschüsse oder diffuse Rückenschmerzen mit Ausstrahlungen in die Leiste, den Unterbauch und Oberschenkel.
Eine neurogen Ursache ist selten und zeichnet sich durch ein akuten Geschehen mit radikulärer d.h. von der Nervenwurzel ausgehenden Ausstrahlung im Ausbreitungsgebiet eines Nerven aus. Der Arzt stellt in einem solchen Fall die Diagnose durch Nachweis positiver Nervenkompressions -(Einengung des Nerven) und irritationszeichen.

 

Was kann man gegen die Kreuzschmerzen bei Schwangeren tun?

Die Schwangere sollte schon zu Beginn Ihrer Schwangerschaft eine regelmäßige Physiotherapie der Rumpf-, Bauch-, Beckengürtel- und Oberschenkelmuskulatur durchführen. Zunächst werden dabei die verhärteten Muskelstrukturen durch eine heiße Rolle oder durch Massage aufgelockert, denn nur ein weicher Muskel ist leistungsfähig und ansprechbar. Anschließend sind dann gezielte Dehnungs- und Kräftigungsübungen unter physiotherapeutischer Anleitung notwendig, die später selbstständig fortgesetzt werden sollen, um Muskelungleichgewichten vorzubeugen.
 

Welche Medikamente, die in der Schwangerschaft eingenommen werden dürfen, helfen bei Kreuzschmerzen?

Besonders in den ersten 16 Wochen sollte man sich hiermit möglichst zurückhalten.

Später kann dann versucht werden, die Beschwerden mit Paracetamol® zu lindern. Obwohl Paracetamol® über die Plazenta auf das Kind und in die Muttermilch übergehen kann, bestehen keine medizinischen Bedenken und kann eingenommen werden, so keine Lebererkrankung vorliegt, und die Dosis von 3 mal 500 mg pro Tag nicht überschritten wird.

Die sog. „Nichtsteroidalen Antirheumatika“ wie Diclofenac®, Ibuprofen® und Indometacin® helfen meist zwar besser, sollten aber nach der 28. SSW nicht mehr angewendet werden.                                                                                                        Diese Medikamente können die Wehentätigkeit unterdrücken und den Verschluss des sog. Ductus Botalli am Herzen verhindern. Der vorgeburtlich wichtige Umgehungskreislauf des kindlichen Herzens schließt sich üblicherweise am 3 Tag nach der Entbindung. Ein zu früher Verschluss beeinträchtigt die Blutversorgung lebenswichtiger Organe des ungeborenen Kindes. Aspirin ist aus gleichen Gründen ab dieser Zeit untersagt, zumal es die Blutungsbereitschaft des Kindes verstärkt. In Ausnahmefällen können Cortisonpräparate verabreicht werden.
Pflanzliche Medikamente (Phytotherapeutika) sollten vermieden werden, da sie meist auf Alkohol basieren.
 

Darf man bei Kreuzschmerzen in der Schwangerschaft örtliche Infitrationen geben?

Hierbei ein lokales Betäubungsmittel in die schmerzende Region gespritzt. Dabei ist alles erlaubt, was die Schwangerschaft nicht gefährdet, z.B. Bupivacain®. Auch lokale Cortison-Anwendungen sind in Ausnahmefällen bei besonders starken Schmerzen erlaubt. 

Wodurch entstehen in der Schwangerschaft Schmerzen im Symphysenbereich (Schambeinbereich)?

Der Beckengürtel bzw. die Schambeine werden im Schambereich durch bindegewebige Strukturen und Bänder zusammengehalten.

Der Schmerz in diesem Bereich ist auf eine schwangerschaftsbedingte Lockerung des Bandapparates und auf eine Lockerung der Ileosacralfugen (schmaler Gelenkspalt zwischen dem Kreuzbein und den angrenzenden Beckenschaufeln) zurückzuführen. Hinzu kommt es, wie bei den Kreuzschmerzen, zu einer Mehr- und Fehlbelastung des Beckengürtels durch die schwangerschaftsbedingte Verlagerung des Körperschwerpunktes. 

Was kann man gegen die Symphysenschmerzen (Schambeinschmerzen) tun?

Zunächst ist auch hier, wie bei den Kreuzschmerzen, eine Physiotherapie die erste Wahl.

Zusätzlich ist ein Symphysengürtel sehr hilfreich, da dieser durch Kompression der Beckenschaufeln Symphyse und Ileosacralfugen zusammenpresst und damit stabilisiert.

Lokale Betäubungsmittelinjektionen (z.B. mit Bupovacain® oder Cortison) können kurzfristig Linderung verschaffen, auf längere Sicht kann in schweren Fällen auch hier auf die nichtsteroidalen Antirheumatika wie Diclofenac® u.ä. zurückgegriffen werden.

 

Welche weiteren schwangerschaftsbedingten Knochen- und Gelenkschmerzen gibt es?

Durch die schwangerschaftsbedingte Kippung des Beckens nach vorne kommt es zu einem Impingement der Hüftgelenke. Als Impingement wird, vereinfacht ausgedrückt, eine Funktionseinschränkung der Gelenkbeweglichkeit bezeichnet.                                       Bauch- und Rückenmuskeln sind nicht in der Lage, das Becken aufrecht zu halten, so dass es durch die Kippung des Beckens nach vorne im Bereich des Hüftgelenkes zu einer solchen schmerzhaften Bewegungseinschränkung kommen kann. Häufig wird dann auch über Leistenschmerzen geklagt.

Auch hier schafft, wie bei den Kreuzbein- und Symphysenschmerzen, die Physiotherapie (Krankengymnastik) Abhilfe oder zumindest Linderung.

Zusätzlich kann eine Überlastung der Muskulatur durch das stärker werdende Übergewicht im Hüftknochenbereich auftreten und dort zu Schmerzen bsd. an der Außenseite der Oberschenkel führen. Eine medikamentöse Therapie ähnelt der bei Kreuzbein- und Symphysenschmerzen beschriebenen.

Alle anderen degenerativen Erkrankungen (z.B. Osteoporose, die bei Mehrgebärenden ebenso auftreten kann wie bei Frauen die besonders lange stillen) können sich durch das Übergewicht in der Schwangerschaft verstärken.

 

Hier muss mit entsprechendem Muskelaufbau, Funktionstraining, lokalen entzündungshemmenden Maßnahmen (Eis) sowie ggf. mit systemischer Maßnahmen (mittels Tabletten) oder mit zusätzlichen Lokalinfiltrationen (örtlich gesetzte Spritzen) behandelt werden.