Augen und Schwangerschaft

Welche Augenveränderungen können sich in der Schwangerschaft ergeben?

Während der Schwangerschaft kommt es zu einer Reihe von Umstellungsreaktionen bei der werdenden Mutter. Dies betrifft auch die Augen.

Die Brille stimmt nicht mehr, die Kontaktlinsen sitzen nicht mehr komfortabel und werden vermehrt gespürt, die Kurzsichtigkeit wird stärker, Weitsichtige haben Schwierigkeiten beim Lesen.

Die Ursache ist in den meisten Fällen die stärkere Flüssigkeitsaufnahme in das Gewebe. Aber es gibt auch Augenerkrankungen, die dann unbedingt von einem Augenarzt behandelt werden sollten.

Häufig klagen Schwangere besonders in den letzten Schwangerschaftsmonaten über gerötete Augen. Das liegt zum besonders an der verminderten Produktion von Tränenflüssigkeit. Das Auge ist häufig trocken, hier hilft "künstliche Tränenflüssigkeit". 

Bei stark geröteten Augen muss allerdings der Augenarzt aufgsucht werden, da auch ein Infektion derartige Symptome machen kann.

 

 

Diabetische Retinopathie und Schwangerschaft (Retinopathie – Erkrankung der Netzhaut)

 

Die diabetische Grunderkrankung mit der ggf. damit verbundenen diabetischen Retinopathie die häufigste Ursache für einen Besuch beim Augenarzt während der Schwangerschaft dar.

 

Ein bereits bestehender Diabetes sollte bereits vor der Schwangerschaft im Rahmen der normalen Routineuntersuchungen alle 6-12 Monate, je nach Grad der Augenbeteiligung, bei einem Augenarzt kontrolliert werden. Das Risiko eines Voranschreitens während der Schwangerschaft kann von Ihrem Augenarzt eingeschätzt werden und hängt wesentlich mit den bereits bestehenden Augenveränderungen zusammen. Es ist knapp 50 Jahre her, dass  Diabetikerinnen abgeraten wurde, noch einmal schwanger zu werden bzw. die Familienplanung anzugehen. Dies ist aufgrund der heute möglichen guten Diabetes-Einstellung nicht mehr nötig. 

Bestehen nur anfängliche Diabetes-Veränderungen am Auge, so ist das Risiko der dauerhaften Verschlechterung sicher als niedrig einzustufen. Auch bei bereits erheblichen sichtbaren Veränderungen kommt es selten zu dem gefürchteten Stadium der proliferativen Retinopathie (s.Frage: "was ist eine Proliferative Retinopathie"). Zudem kommt es nach der Schwangerschaft auch oftmals zur Beruhigung.

Patientinnen mit bereits proliferativen Veränderungen sollten, wenn planbar, zunächst die augenärztliche Therapie (in der Regel Laserkoagulation) abwarten. Eine durch eine Therapie beruhigte Netzhautsituation lässt Sie während der Schwangerschaft eher in Ruhe, als Befunde, die noch erheblichen therapeutischen Bedarf haben.

Wichtig zu wissen ist, dass auch während der Schwangerschaft, ohne Gefahr für das werdende Leben, eine Augenbeteiligung bei Diabetes gut behandelt werden kann.

Als Zeitplan für die augenärztlichen Kontrollen würde man insofern, wenn möglich, eine Untersuchung vor der Schwangerschaft empfehlen – in diesem Rahmen ist auch eine Beratung bezüglich der weiteren Untersuchungen und optimalen Begleitung während und nach der Schwangerschaft möglich.

Bei milden Befunden sollten alle 3 Monate Kontrollen erfolgen, bei schweren bekannten Veränderungen alle 4-6 Wochen am Ende der Schwangerschaft.

Proliferative Retinopathie – was ist das?

Als Retinopathie wird die Erkrankung bzw. die krankhafte Veränderung der Netzhaut bezeichnet, die im Wesentlichen durch einen Diabetes hervorgerufen wird. Man unterscheidet eine nicht-proliferative von einer proliferativen Retinopathie.

Die nicht-proliferative Retinopathie entsteht durch erhöhte Blutzuckerwerte, die zu Einlagerungen von Fetten und Eiweißen in die Blutgefäßwände führt. Man nennt das eine Mikroangiopathie, das ist eine Erkrankung der kleinsten Blutgefässe. Es entstehen Mikroaneurysmen, das sind kleinste Erweiterungen, dieser Blutgefässe, die im weitern Verlauf platzen können und zu kleinsten Blutungen führen können.

Die proliferative Retinopathie entsteht durch weitergehende Durchblutungsstörungen, die zu einer Sauerstoffmangelversorgung führen. Der Körper reagiert darauf mit dem zusätzlichen Einwachsen von Blutgefässen in die Netzhaut, die aber auch in den Glaskörper vordringen und zu Einblutungen in den Glaskörper führen können.

Sie haben eine hohe Kurzsichtigkeit – was muss man bezüglich der Entbindung berücksichtigen?

Schwangere berichten allgemein über eine Verschlechterung der Kurzsichtigkeit, die sich aber nach der Geburt meist wieder zurückbildet.

Früher wurde Frauen mit starker Kurzsichtigkeit geraten, das Kind mit einem Kaiserschnitt zur Welt zu bringen, aber selbst bekannte und behandelte Netzhautdegenerationen (Netzhaut-Gitter, Netzhaut-Löcher etc.) stellen keinen zwingenden Grund für eine Kaiserschnittentbindung dar.

Der Augenarzt sollte jedoch vor Entbindung bei bekannter Netzhautsituation und zum Beispiel bei Zustand nach bereits erfolgter Laserbehandlung aufgesucht werden. Der Augenarzt wird mit Ihnen dann die Notwendigkeit einer weiteren Untersuchung besprechen und ggf. in Weitstellung der Pupillen die Netzhaut erneut untersuchen.

Sie haben einen grünen Star / Glaukom – wie soll man sich während der Schwangerschaft verhalten?

Der grüne Star wird in der Regel durch lokal am Auge gegebene Augentropfen behandelt. Das Ziel ist eine Augendrucksenkung zum Schutz des Sehnerven. Leider existieren keine systematischen Untersuchungen zu den verwendeten Augentropfen und deren mögliche Nebenwirkungen auf das ungeborene Kind. Die Menge, die bei der Augendrucksenkung lokal appliziert wird, ist jedoch im Vergleich zur systemischen Gabe (z.B. Tabletten zur Blutdruckregulation) äußerst gering. Dennoch sollten Sie die Therapie während und nach der Schwangerschaft unbedingt mit Ihrem Augenarzt besprechen.

Als unkompliziert und lange erprobt (seit über 30 Jahren zugelassen) zeigt sich Timolol® als Augentropfen (Betablocker) während der Schwangerschaft. Auswirkungen auf den Fetus sind nicht beschrieben.

Besprechen Sie bitte mit Ihrem Augenarzt das weitere Vorgehen. Ggf. wird der Augenarzt für den Zeitraum der Schwangerschaft eine Behandlungspause empfehlen.

Auch nach der Schwangerschaft – während der Stillzeit – sollte die Therapie mit Ihrem Augenarzt besprochen werden. Manche Medikamente reichern sich in der Muttermilch an.

Sie haben eine Augeninfektion während der Schwangerschaft – dürfen Sie die Antibiotika von Ihrem Augenarzt nehmen?

Die Erkenntnisse ob und welche Antibiotika während der Schwangerschaft genommen werden dürfen, stützen sich auf die Erfahrungen nach Gabe von Tabletten bei allgemeinen bakteriellen Infektionen. Damit wird aber der Gesamtorganismus behandelt.

Augeninfektionen werden in aller Regel jedoch lokal mit Tropfen behandelt, in einer deutlich niedrigeren Dosierung. Dennoch greift der Augenarzt auf die in der allgemeinen Medizin als unkompliziert eingestuften Antibiotika zurück.

Als unkompliziert und am besten untersucht gelten Penizilline und Cefalosporine der ersten Generation. Alternativ können auch Makrolide (z.B. Erythromycin) genommen werden. Fragen bzw. informieren Sie Ihren Augenarzt über eine Schwangerschaft, damit er das für Sie richtige Antibiotikum aussucht.

Schwangere können häufig die Kontaktlinsen nicht mehr vertragen, was kann man tun?

Da bleibt Ihnen leider nichts anderes möglich, als wieder auf Ihre Brille zurückzugreifen. Das wird übrigens auch unter der Geburt empfohlen.

Der Grund für die Schwierigkeiten mit den Kontaktlinsen liegt vermutlich ebenfalls an der verminderten Produktion der Tränenflüssigkeit. Zugleich schwillt das umliegende Gewebe wie Hornhaut und Linse durch die vermehrte Flüssigkeitseinlagerung an, so dass die Kontaktlinse nicht mehr ihren perfekten Sitz hat.

 

Ich habe gehört, dass manche Frauen in der Schwangerschaft Blitze vor ihren Augen gesehen haben.

Das passiert zwar selten, kann aber besonders bei starker Blutdruckerhöhung als bedrohlicher Hinweis auf eine Praeeklampsie gedeutet werden und bedarf so schnell wie möglich einer ärztlichen Kontrolle.