Kinder

Ist ein Haustier für mein Kind unbedenklich?

Haustiere sind in vielen Familien beliebte Mitbewohner und bringen viel Freude ins Haus. Mit 260 Tieren pro 1.000 Einwohner liegt Deutschland im europäischen Vergleich an 8. Stelle, Belgien liegt mit 680 Tieren an 1. Stelle. Haustiere haben für Kinder einen äußerst positiven Effekt. Sie bauen in der Regel eine positive Beziehung auf, sie schließen ihre "Lieblinge" in ihr Herz. Besonders Hund und Katze werden als echte Spielkameraden empfunden. Die Förderung der körperlichen Bewegung ist dabei ein wichtiger Aspekt in einer Zeitepoche, in der die Kinder durch Bewegungsmangel zu Übergewicht mit allen anderen Folgeerkrankungen neigen. 

Daneben sind die sozialen Faktoren besonders hervorzuheben. Kinder erlernen mit zunehmendem Alter, auch Pflichten gegenüber den Haustieren zu übernehmen. Diese Familienmitglieder müssen nämlich gefüttert und gepflegt werden, sie brauchen Streicheleinheiten und Bewegung und schließlich müssen sie neben den Impfungen auch bei Erkrankungen medizinisch versorgt werden. Auch müssen die Kinder erlernen, zu welchen Zeiten ihre Lieblinge nicht gestört werden wollen. Dabei kann es auch gefährlich sein, dem Hund den Knochen wegnehmen zu wollen oder ihn im Schlaf zu überfallen.

Von Bedeutung ist auch, sich ein für das Lebensalter des Kindes geeignetes Tier ins Haus zu holen. Für Kinder ab dem 5. Lebensjahr sind Kleinsäuger wie Hamster, Kaninchen, Meerschweinchen und Mäuse geeignet. Hunde und Katzen können in bestimmten Situationen gefährlich sein, wenn sie nicht mit den Kindern zusammen aufgewachsen sind. Dies gilt besonders, wenn sie aus einem Tierheim stammen und im früheren Leben mit Menschen schlechte Erfahrungen gemacht haben. Die ersten Erlebnisse mit einem Tier sind für die Kinder von entscheidender Bedeutung. Bei aggressiven Tieren können bei Kindern lebenslang schwere Angstzustände ausgelöst werden. Haustiere dürfen auch keine "Modetiere" sein, denen man sich bei Bedarf (Urlaubszeit) wieder entledigen kann. Die Kinder müssen gezeigt bekommen, dass mit einer Tierhaltung eine große Verantwortung übernommen wird.

Neben diesen günstigen Einflüssen können von den Haustieren auch Gefahren für die Kinder ausgehen, da diese besonders engen Kontakt mit den Tieren haben und auf Hygiene weniger achten. Diese Gefahren sind mögliche übertragbare Infektionskrankheiten, Unfälle und allergische Reaktionen. Bei den Infektionen kann es sich um Erreger von Tollwut, infektiösen Darmbakterien, Pilzerkrankungen, Flöhe, Toxoplasmose und gefährliche Wurmerkrankungen (Hundebandwurm, Hunde-, Katzenspulwurm) handeln. Beispielsweise sind gegenwärtig in privaten Haushalten 5-21 % aller Hunde und 14-20 % aller Katzen mit Spulwürmern infiziert. Gefahr geht besonders von öffentlichen Parks und Kinderspielplätzen aus, wenn der Kot nicht eingesammelt wird. Daher ist es auch sinnvoll, Hundehalter bei Nichtbeachtung der entsprechenden Verordnung mit einer Geldbuße zu belegen. Der von Straßen und öffentlichen Anlagen in europäischen Großstädten eingesammelte Hundekot enthält bis zu 85 % Eier von Spulwürmern. Alle diese Erkrankungen zeigen die große Bedeutung von regelmäßigen Impfungen und Wurmkuren.

Eine große Bedeutung haben allergische Reaktionen, die sich im Laufe der Zeit gegenüber den Tierhaaren und den Hautepithelien entwickeln können. Diese Allergien können allergischen Schnupfen, ständigen Husten, Augenjucken und schließlich ein chronisches Asthmasleiden auslösen. Bei allergischen Erkrankungen eines Elternteils sollte von einer Tierhaltung Abstand genommen werden, besonders wenn beide Eltern Allergiker sind. Der Schlafplatz der Tiere sollte nicht im Schlafzimmer sein. Zu bedenken ist auch, dass mit der Haltung von Kleinsäugetieren auch eine Pollenallergie durch Heu im Käfig verstärkt werden kann.

 

Wie groß ist das Risiko für ADS/ADHS?

Das Krankheitsbild der Aufmerksamkeit-Defizit-Hyperaktivität-Störung (ADHS) hat im vergangenen Jahr, angestoßen durch die Debatte zu dem gesteigerten Verbrauch des Medikamentes Methylphenidat (z.B.Ritalin) nicht nur in den Medien, sondern auch bei den Politikern eine besondere Aufmerksamkeit erfahren. Es wurde die Frage gestellt, ob diese Medikamente überhaupt notwendig seien und ob sie zu leichtfertig verordnet werden.

ADHS beinhaltet zwei Krankheitsbilder. Zum Einen die seltenere Aufmerksam-Defizit-Störung (ADS), wenn sie bei Kindern im Kindergarten, in der Schule und zu Hause länger als 6 Monate besteht. Diese Kinder träumen mit offenen Augen, vergessen ihre Schularbeiten, sie sind sehr leicht ablenkbar und werden trotz regelmäßiger Ermahnungen der Eltern nie fertig mit den Hausaufgaben. Dabei sind sie sehr impulsiv und aggressiv, wenn sie gefordert werden oder wenn sie auf ihre "Fehler" angesprochen werden. Mädchen sind bei diesem Krankheitsbild häufiger betroffen als Jungen. Zeigen diese Kinder zusätzlich motorische Unruhe und extremen Bewegungsdrang, spricht man von der Aufmerksamkeit-Defizit-Hyperaktivität-Störung (ADHS). Die Kinder sind zusätzlich zappelig, ständig in Bewegung, reden in der Schule oft dazwischen und stören den Unterricht, springen unmotiviert auf und rennen in der Klasse herum. Sie machen Geräusche und spielen den Klassenclown. Sie wollen immer im Mittelpunkt sein und geraten in Wutanfälle, wenn sie ihren Willen nicht bekommen. Dadurch geraten sie schnell in Raufereien mit der Folge von Verletzungen. Diese Kinder fallen in der Schule mit ihren Leistungen bei normaler oder übernormaler Intelligenz rapide ab, die ständigen Ermahnungen verringern ihr Selbstwertgefühl, Freunde und Spielkameraden ziehen sich von ihnen zurück, zu Geburtstagen werden sie kaum noch eingeladen. Sie fallen oft in Depression und äußern Gedanken, sich das Leben zu nehmen. Nicht selten droht die Wiederholung einer Klasse oder gar der Verweis von der Schule mit Besuch einer Sonderschule. Das Positive bei diesen Kindern ist ihre starke Kreativität. Bei ADHS sind Jungen im Verhältnis 5:1 häufiger betroffen als Mädchen.
Der Beginn der Störung ist manchmal bereits im Säuglingsalter zu erkennen: lange anhaltendes Schreien, ausgeprägte Trotzphase, häufige und heftige Wutanfälle und planloses Spielverhalten. Oft wird sehr früh der enge körperliche Kontakt (Schmusen) mit den Eltern abgelehnt. Auf Grund der Impulsivität und Hyperaktivität neigen diese Kinder zur Selbstüberschätzung mit vermehrten Unfallrisiken.
Wenn die Kinder mit ADS/ADHS nicht behandelt werden, geraten sie später leicht in den Konsum von Zigaretten, Alkohol und Drogen, um hiermit ihre soziale Isolation und ihre Mißerfolge zu überdecken.
Die Häufigkeit von ADS/ADHS wird mit ca. 5 % aller Kinder angegeben. Dies bedeutet für Deutschland ca. 500.000 Kinder im Alter von 4 – 16 Jahren. Demnach sitzen im Durchschnitt 1 – 2 Kinder mit ADS/ADHS in jeder Schulklasse.
Für die Eltern bedeuten diese Kinder eine starke Belastung der Ehe. Die Eltern sind unglücklich über die ständige Kritik und Vorwürfe in Kindergarten und Schule, sie trauen sich nicht mehr unter Freunde. Als Ursache glaubte man früher an einen Erziehungsfehler der Eltern, an eine zu strenge und autoritäre Erziehung, dann an eine zu weiche und antiautoritäre Erziehung. Lange Zeit vermutete man einen negativen Einfluß von Phosphaten in den Nahrungsmitteln. Heute weiß man, daß es sich bei dieser Störung um eine erbliche Erkrankung handelt, die therapierbar ist. Durch Unregelmäßigkeit im Transport von chemischen Botenstoffen im Gehirn, die für die Übertragung von Reizen von einem Nerv auf den anderen verantwortlich sind, kommt es zu einer ungebahnten Reizüberflutung im Gehirn mit den Folgen der beschriebenen Störungen. Diese Botenstoffe sind unter anderem Dopamin und das daraus gebildete Adrenalin. Die Kinder haben keine Möglichkeit der Steuerung dieser Überflutung und müssen dies erst erlernen. Die Stärke der Ausprägung dieser Störung ist bei den Kindern unterschiedlich und hat Einfluß auf die Therapie. Neben der genetischen Ursache werden die Symptome zusätzlich durch Einflüsse im Kindergarten, in der Schule und im Elternhaus verstärkt oder gemindert. Besteht ein intaktes Elternhaus, kann die Mutter intensiv für das Kind sorgen. Sind kleine Schulklassen mit besonders geschulten Lehrern vorhanden, wird eine Verhaltenstherapie als alleinige Therapie ausreichend sein. Bei Kindern aus konfliktreichen Familienverhältnissen sowie mit großer Klassenstärke werden die Symptome durch diese ungünstigen Umgebungssituationen verstärkt. Hier müssen neben der Psycho- und Verhaltenstherapie oft auch Medikamente eingesetzt werden. Wichtig ist, daß die Kinder mit ADS/ADHS bereits im Vorschulalter erkannt werden, um sie rechtzeitig auf die für sie erste Belastung in der Klassengemeinschaft vorzubereiten.
Die Diagnostik ist sehr zeitaufwändig und bedeutet in der Regel mehrere Konsultationen beim Kinder- und Jugendarzt oder Kinder- und Jugendpsychiater. Organische Erkrankungen sowie primäre psychische Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden. Unterbegabung und Hochbegabung sowie Gewalt gegen Kinder in der Familie können die Symptome ebenfalls auslösen, ohne daß es sich um eine ADHS handelt. Die Therapie besteht in einer möglichst frühzeitigen Verhaltenstherapie mit Elterntraining. Leider wird dies von den Krankenkassen nicht finanziert, die Kinder gehen daher in der Regel zu einem entsprechend geschulten Ergotherapeuten. In besonderen Fällen ist auch eine Psychotherapie angezeigt. Wenn sich innerhalb von 3-4 Monaten kein Erfolg zeigt oder akute Situationen bestehen (drohende Elterntrennung, Selbstmordabsichten, Schulverweis, Wechsel in eine Sonderschule) müssen als Medikament Methylphenydat (Ritalin, Medikinet, Equasym), Atomoxetin oder Amphetamin verordnet werden. Diese Medikamente sind Stimulantien und werden über Betäubungsmittel-Rezept verordnet. Sie wirken bei ADS/ADHS gegensätzlich: sie putschen nicht auf, sondern bringen Ordnung in das Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn. Die Wirkung der in kleinen Dosen zu steigernden Therapie ist bereits nach wenigen Tagen sichtbar. In ca. 80% aller Fälle stellen sich Erfolge ein: Die Kinder können sich besser konzentrieren, sie können zuhören, sie sind weniger vergeßlich, sie schreiben plötzlich gute Noten und haben Erfolgserlebnisse. Auch sind sie nicht mehr an Raufereien beteiligt und gewinnen Freundschaften.
Mit dem Medikament Methylphenidat hat man bei diesem Krankheitsbild bereits seit über 70 Jahren Erfahrung. Nebenwirkungen sind selten und meist nur in der Einstellungsphase vorhanden. Sie können in der Regel mit einer Verringerung der Dosis oder Umstellung auf ein anderes Medikament beseitigt werden. Die Medikamente erzeugen keine Abhängigkeit und Sucht. Im Gegenteil: sie schützen die Kinder vor einer drohenden Karriere mit Alkohol, Drogen und Kriminalität, da sie wieder in ihren sozialen Bereich integriert werden. In Deutschland erhalten 30-50% der ADS/ADHS-Kinder Medikamente. Der Verbrauch dieser Medikamente ist in den letzten Jahren gestiegen, da viele Eltern auf Grund der Berichte in den Medien erst jetzt zur Diagnostik kommen und nicht mehr an Erziehungsfehler glauben.