Allgemein

Was kann man gegen das Nägelkauen von Kindern tun?

Es gibt sicherlich mehrere Gründe, warum Kinder an den Nägel kauen und sie manchmal bis auf das Blut weg beißen. Wenn Eltern beobachten, dass ihr Kind mit dem Nägelkauen anfängt, sollten sie nicht in Panik geraten sondern ein bis zwei Wochen abwarten, ohne viele Worte darüber zu verlieren. Manchmal verschwindet die Angewohnheit nämlich von selbst.
Falls das Kauen länger anhält, sollte man den Eltern raten mit ihrem Kind liebevoll zu sprechen und es zu ermuntern seine Gefühle, Nöte und Ängste mit ihnen zu besprechen. Einige der Gründe können innere Anspannung, Angst vor Anforderungen zu Hause oder in der Schule oder manchmal auch Langeweile sein. Manchmal hilft es dann schon, dass Vater oder Mutter erzählen, dass sie selber auch schon einmal in schwierigen Situationen angefangen haben, ihre Nägel abzukauen, dass sie diese dumme Angewohnheit aber überwunden hätten, weil sie zusammen mit ihren eigenen Eltern/Grosseltern Lösungen für Probleme gefunden hätten. Das Nägelkauen sei dann einfach verschwunden.
So kann das Kind erfahren, dass viele grosse und kleine Menschen an Nägeln kauen. Es hört, dass Vertrauen zu Eltern oder auch zu anderen erwachsenen Personen manchmal eine Last von der Seele nehmen kann und damit dumme Angewohnheiten einfach verschwinden können.
Geschichten von anderen Kindern, die es geschafft haben mit dem Nägelkauen aufzuhören, wirken ermutigend und erleichternd.

Geschichte zum Vorlesen:
Finn ist sechs Jahre alt und kaut an den Nägeln. Er geht gern zur Schule, weil er dort viele Freunde gefunden hat. Vor einigen Wochen musste Finn eine ganze Woche zu Hause bleiben weil er sich eine fiese Grippe eingefangen hatte. Als er wieder zur Schule ging sollte er vor der Klasse ein langes Wort vorlesen und auf einmal kannte er keinen Buchstaben mehr. Er stotterte und stotterte und wurde ganz rot vor Verlegenheit. Er schämte sich sehr und kam sich ganz dumm vor. Zu Haus erzählte er nichts davon und versuchte zu üben und dabei kaute er pausenlos an den Nägeln. Sie waren schon bis auf die Haut herunter gebissen und er wusste, dass Mama schimpfen würde und er konnte doch nichts dagegen machen. Beim Abendessen versuchte er, seine Hände zu verstecken, aber Papa und Mama sehen ja doch alles. Er starrte unglücklich auf den Tisch und wagte nicht aufzuschauen. Plötzlich lachte Papa und sagte: "Solche Fingernägel wie Du hatte ich auch mal. Oma hat Senf draufgeschmiert und noch sonst was fieses, aber das hat gar nicht geholfen. Aber Opa, der hat mir einen bunten Stein aus Mexiko geschenkt, den er von einem weisen Indianer im Dschungel bekommen hatte. Der Stein hat magische Kräfte und kann Schlimmes gut machen, davon war Opa total überzeugt. Ich habe den Stein in meine Hosentasche gesteckt und mir gewünscht, dass das Nägelkauen aufhört. Und immer, wenn ich den Stein anfasste, dachte ich wieder an meinen Wunsch. Und weißt Du was, irgendwann war das Nägelkauen vorbei. Siehst Du," und damit legte er einen glatten bunten Stein vor Finns Teller, "den schenke ich Dir heute. Mal sehen, wie der Zauber wirkt!" Finn freute sich. Er nahm den Stein und steckte ihn in seine Tasche."Einmal Zauber immer Zauber" sagte er grinsend und dann konnte er genüsslich sein Abendbrot essen. "Und, was glaubst Du? Ja, es hat gewirkt. Einmal Zauber, immer Zauber. Und das Lesen hat bald wieder geklappt, ohne Nägelkauen".

Wie kann Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen vermieden werden?

Ein großes Gesundheitsproblem ist das zunehmende Übergewicht bei Kinder und Jugendlichen. Die Zahlen sind erschreckend: waren es vor 10 Jahren noch 10 % aller Kinder, sind es heute 20 %. Somit ist heute jedes 5. Kind zu dick. Wie viele werden es in 10 Jahren sein? Man spricht bereits von einer Epidemie des 21. Jahrhunderts.

Übergewichtige Kinder bedeuten eine große Herausforderung in der Therapie, denn die Ursachen und die Gewohnheiten sind schwer zu beheben. Die Behandlung bedeutet eine starke Motivation der Eltern und ab dem Alter von 10-12 Jahren auch der Jugendlichen.
Meistens kommen diese Kinder erst in die Praxis, wenn sie in ihrem Umfeld bereits negative Erlebnisse gehabt haben: Sie werden in der Schule gehänselt, sie sind im Sportunterricht nicht beweglich, in Wettkämpfen kommen sie rasch außer Puste, sie ziehen sich zunehmend von ihrem sozialen Umfeld zurück. Sie mögen nicht in den Sportverein oder zum Schwimmen, da sie sich ohne bedeckende Kleidung schämen. Sie sitzen lieber zu Hause vor dem Fernseher oder Computer, naschen dazu noch häufig und setzen dadurch noch mehr an Gewicht an. Ein gefährlicher Teufelskreis.

Doch es sind nicht nur seelische Probleme, die durch Übergewicht entstehen können. Diese Kinder haben bereits im frühen Alter ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit der Folge von Herzinfarkt und Schlaganfall, für Überlastungsbeschwerden der Wirbelsäule und Gelenke, für Gicht, Diabetes mellitus und Darmkrebs. Der beste Ansatz zur Vermeidung dieser Folgen ist die Prävention, die bereits im Säuglings- und Kleinkindesalter beginnen muß. Eine gute Möglichkeit, die Eltern auf die sich anbahnenden Gewichtsprobleme anzusprechen, bieten die Vorsorgeuntersuchungen bis zum 6. Lebensjahr.
Doch nicht alle Eltern nehmen diese wahr. Daneben gibt es die Möglichkeit, bei jeder Vorstellung des Kindes im Rahmen von Erkrankungen oder Impfungen den Eltern ein Gespräch und eine Untersuchung anzuraten.

Bei vielen Kindern besteht eine familiäre Veranlagung zu Übergewicht, die dann durch negative Einflüsse aus der Umgebung ausgelöst oder verstärkt wird. Dies sind nicht selten seelische Probleme infolge von Konflikten in der Familie in Form von Elterntrennung, chronischer Erkrankung der Eltern (hierzu zählen auch Drogen und Alkohol), Tod eines Familienmitglieds, Gewalt in der Familie und Rivalitäten unter den Geschwistern. Aber auch Schulprobleme mit Überforderung und Mißerfolgen können den Anstoß zu Übergewicht geben.

Vor einer Therapie müssen organische Erkrankungen und Erbkrankheiten ausgeschlossen werden. Eine mögliche Unterfunktion der Schilddrüse sowie das zusätzliche Risiko einer Cholesterinerhöhung muß durch Blutdiagnostik untersucht werden. Es folgt ein intensives Gespräch mit den Eltern, ab dem 10.-12. Lebensjahr auch mit dem Jugendlichen. Es wird nach Eßgewohnheiten gefragt, die umgestellt werden müssen. Dabei werden Tipps für kalorienarme Ernährung gegeben. Es reicht manchmal schon aus, die abendliche Mahlzeit auf mittags umzustellen oder das gewohnte Trinken von kalorienhaltigen Getränken (Milch!) zu unterbinden. Problem sind die Kinder, die nach der Schule keine elterliche Betreuung haben. Durch regelmäßige Gewichtskontrolle und positive Verstärkung der Motivation können Erfolge eintreten. Eine gute Lösung des Problems mit ca. 80 % Erfolg bietet ein wohnortnahes ambulantes Programm über ein Jahr, in dem die Kinder durch regelmäßiges Treffen mit Aufklärung, psychologischen Gesprächen, Back- und Kochkurs und Bewegung gemeinsam abnehmen. Eine stationäre Kur in einer Klinik kann nur den Anfangserfolg geben, die intensive Weiterbetreuung muß ambulant erfolgen.

Wie groß ist das Risiko für ADS/ADHS?

Das Krankheitsbild der Aufmerksamkeit-Defizit-Hyperaktivität-Störung (ADHS) hat im vergangenen Jahr, angestoßen durch die Debatte zu dem gesteigerten Verbrauch des Medikamentes Methylphenidat (z.B.Ritalin) nicht nur in den Medien, sondern auch bei den Politikern eine besondere Aufmerksamkeit erfahren. Es wurde die Frage gestellt, ob diese Medikamente überhaupt notwendig seien und ob sie zu leichtfertig verordnet werden.
ADHS beinhaltet zwei Krankheitsbilder. Zum Einen die seltenere Aufmerksam-Defizit-Störung (ADS), wenn sie bei Kindern im Kindergarten, in der Schule und zu Hause länger als 6 Monate besteht. Diese Kinder träumen mit offenen Augen, vergessen ihre Schularbeiten, sie sind sehr leicht ablenkbar und werden trotz regelmäßiger Ermahnungen der Eltern nie fertig mit den Hausaufgaben. Dabei sind sie sehr impulsiv und aggressiv, wenn sie gefordert werden oder wenn sie auf ihre "Fehler" angesprochen werden. Mädchen sind bei diesem Krankheitsbild häufiger betroffen als Jungen. Zeigen diese Kinder zusätzlich motorische Unruhe und extremen Bewegungsdrang, spricht man von der Aufmerksamkeit-Defizit-Hyperaktivität-Störung (ADHS). Die Kinder sind zusätzlich zappelig, ständig in Bewegung, reden in der Schule oft dazwischen und stören den Unterricht, springen unmotiviert auf und rennen in der Klasse herum. Sie machen Geräusche und spielen den Klassenclown. Sie wollen immer im Mittelpunkt sein und geraten in Wutanfälle, wenn sie ihren Willen nicht bekommen. Dadurch geraten sie schnell in Raufereien mit der Folge von Verletzungen. Diese Kinder fallen in der Schule mit ihren Leistungen bei normaler oder übernormaler Intelligenz rapide ab, die ständigen Ermahnungen verringern ihr Selbstwertgefühl, Freunde und Spielkameraden ziehen sich von ihnen zurück, zu Geburtstagen werden sie kaum noch eingeladen. Sie fallen oft in Depression und äußern Gedanken, sich das Leben zu nehmen. Nicht selten droht die Wiederholung einer Klasse oder gar der Verweis von der Schule mit Besuch einer Sonderschule. Das Positive bei diesen Kindern ist ihre starke Kreativität. Bei ADHS sind Jungen im Verhältnis 5:1 häufiger betroffen als Mädchen.
Der Beginn der Störung ist manchmal bereits im Säuglingsalter zu erkennen: lange anhaltendes Schreien, ausgeprägte Trotzphase, häufige und heftige Wutanfälle und planloses Spielverhalten. Oft wird sehr früh der enge körperliche Kontakt (Schmusen) mit den Eltern abgelehnt. Auf Grund der Impulsivität und Hyperaktivität neigen diese Kinder zur Selbstüberschätzung mit vermehrten Unfallrisiken.
Wenn die Kinder mit ADS/ADHS nicht behandelt werden, geraten sie später leicht in den Konsum von Zigaretten, Alkohol und Drogen, um hiermit ihre soziale Isolation und ihre Mißerfolge zu überdecken.
Die Häufigkeit von ADS/ADHS wird mit ca. 5 % aller Kinder angegeben. Dies bedeutet für Deutschland ca. 500.000 Kinder im Alter von 4 – 16 Jahren. Demnach sitzen im Durchschnitt 1 – 2 Kinder mit ADS/ADHS in jeder Schulklasse.
Für die Eltern bedeuten diese Kinder eine starke Belastung der Ehe. Die Eltern sind unglücklich über die ständige Kritik und Vorwürfe in Kindergarten und Schule, sie trauen sich nicht mehr unter Freunde. Als Ursache glaubte man früher an einen Erziehungsfehler der Eltern, an eine zu strenge und autoritäre Erziehung, dann an eine zu weiche und antiautoritäre Erziehung. Lange Zeit vermutete man einen negativen Einfluß von Phosphaten in den Nahrungsmitteln. Heute weiß man, daß es sich bei dieser Störung um eine erbliche Erkrankung handelt, die therapierbar ist. Durch Unregelmäßigkeit im Transport von chemischen Botenstoffen im Gehirn, die für die Übertragung von Reizen von einem Nerv auf den anderen verantwortlich sind, kommt es zu einer ungebahnten Reizüberflutung im Gehirn mit den Folgen der beschriebenen Störungen. Diese Botenstoffe sind unter anderem Dopamin und das daraus gebildete Adrenalin. Die Kinder haben keine Möglichkeit der Steuerung dieser Überflutung und müssen dies erst erlernen. Die Stärke der Ausprägung dieser Störung ist bei den Kindern unterschiedlich und hat Einfluß auf die Therapie. Neben der genetischen Ursache werden die Symptome zusätzlich durch Einflüsse im Kindergarten, in der Schule und im Elternhaus verstärkt oder gemindert. Besteht ein intaktes Elternhaus, kann die Mutter intensiv für das Kind sorgen. Sind kleine Schulklassen mit besonders geschulten Lehrern vorhanden, wird eine Verhaltenstherapie als alleinige Therapie ausreichend sein. Bei Kindern aus konfliktreichen Familienverhältnissen sowie mit großer Klassenstärke werden die Symptome durch diese ungünstigen Umgebungssituationen verstärkt. Hier müssen neben der Psycho- und Verhaltenstherapie oft auch Medikamente eingesetzt werden. Wichtig ist, daß die Kinder mit ADS/ADHS bereits im Vorschulalter erkannt werden, um sie rechtzeitig auf die für sie erste Belastung in der Klassengemeinschaft vorzubereiten.
Die Diagnostik ist sehr zeitaufwändig und bedeutet in der Regel mehrere Konsultationen beim Kinder- und Jugendarzt oder Kinder- und Jugendpsychiater. Organische Erkrankungen sowie primäre psychische Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden. Unterbegabung und Hochbegabung sowie Gewalt gegen Kinder in der Familie können die Symptome ebenfalls auslösen, ohne daß es sich um eine ADHS handelt. Die Therapie besteht in einer möglichst frühzeitigen Verhaltenstherapie mit Elterntraining. Leider wird dies von den Krankenkassen nicht finanziert, die Kinder gehen daher in der Regel zu einem entsprechend geschulten Ergotherapeuten. In besonderen Fällen ist auch eine Psychotherapie angezeigt. Wenn sich innerhalb von 3-4 Monaten kein Erfolg zeigt oder akute Situationen bestehen (drohende Elterntrennung, Selbstmordabsichten, Schulverweis, Wechsel in eine Sonderschule) müssen als Medikament Methylphenydat (Ritalin, Medikinet, Equasym), Atomoxetin oder Amphetamin verordnet werden. Diese Medikamente sind Stimulantien und werden über Betäubungsmittel-Rezept verordnet. Sie wirken bei ADS/ADHS gegensätzlich: sie putschen nicht auf, sondern bringen Ordnung in das Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn. Die Wirkung der in kleinen Dosen zu steigernden Therapie ist bereits nach wenigen Tagen sichtbar. In ca. 80% aller Fälle stellen sich Erfolge ein: Die Kinder können sich besser konzentrieren, sie können zuhören, sie sind weniger vergeßlich, sie schreiben plötzlich gute Noten und haben Erfolgserlebnisse. Auch sind sie nicht mehr an Raufereien beteiligt und gewinnen Freundschaften.
Mit dem Medikament Methylphenidat hat man bei diesem Krankheitsbild bereits seit über 70 Jahren Erfahrung. Nebenwirkungen sind selten und meist nur in der Einstellungsphase vorhanden. Sie können in der Regel mit einer Verringerung der Dosis oder Umstellung auf ein anderes Medikament beseitigt werden. Die Medikamente erzeugen keine Abhängigkeit und Sucht. Im Gegenteil: sie schützen die Kinder vor einer drohenden Karriere mit Alkohol, Drogen und Kriminalität, da sie wieder in ihren sozialen Bereich integriert werden. In Deutschland erhalten 30-50% der ADS/ADHS-Kinder Medikamente. Der Verbrauch dieser Medikamente ist in den letzten Jahren gestiegen, da viele Eltern auf Grund der Berichte in den Medien erst jetzt zur Diagnostik kommen und nicht mehr an Erziehungsfehler glauben.

Ist mein Kind gefährdet gegenüber Allergien?

Allergien sind die häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern. Sie nehmen zu und sind heute bei ca. 40 % aller Kinder zu finden. Sie äußern sich als Allergie gegen Pollen (Heuschnupfen), Hausstaub-Milben und Tierhaare sowie als Neurodermitis und Asthma bronchiale. Wesentliche Gründe für die Zunahme sind Umweltfaktoren. Glaubte man früher, daß die Zunahme an Allergien mit der Belastung der Umwelt an Schadstoffen zusammenhängt, ist man heute der Auffassung, daß die Ursache eher bei der übertriebenen Hygiene in der Umgebung der Kinder zu suchen ist. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands hat man festgestellt, daß in den neuen Bundesländern die Kinder deutlich weniger an allergischen Erkrankungen litten, obwohl sie einer vermehrten Schadstoffbelastung ausgesetzt waren (Industrie, Abgase durch Autos und Schornsteine). Heute sind die Kinder dort ähnlich allergiebelastet wie in den alten Bundesländern. Übertriebene Hygiene schadet also der Gesundheit. Bei der Hautmanifestation der Allergie, der Neurodermitis, ist allerdings die Zunahme dieser Erkrankung in Zusammenhang mit der Beimischung der Nahrungsmittel an Konservierungsstoffen und Farbstoffen zu sehen.

Ein anderer wichtiger Faktor ist die erbliche Veranlagung. Wenn einer der Elternteile an einer Allergie leidet, besteht das Risiko zu etwa 30 %, daß die Kinder im Laufe ihres Lebens ebenfalls eine allergische Erkrankung entwickeln. Sind beide Eltern Allergiker, steigt dieses Risiko auf ca. 50 % an. Wenn eine solche erbliche Belastung besteht, können Eltern eines Neugeborenen mit einfachen, aber wirkungsvollen Maßnahmen eine mögliche Allergie verhindern bzw. auf ein späteres Lebensalter verschieben. Diese Vorsorgemaßnahmen sind im einzelnen: Möglichst lange mit Muttermilch ernähren (mindestes bis zum 6. Lebensmonat), bei Stillproblemen alternativ hypoallergenen Nahrung füttern (bei dieser "HA-Nahrung" ist das Milcheiweiß verändert worden), konsequentes Rauchverbot für alle Familienmitglieder, keine Haustiere (Hund, Katze, Kaninchen, Meerschweinchen) im Haushalt sowie Verhinderung der Überwärmung des Zimmers mit der Gefahr der Austrocknung der Schleimhäute. Zur Vorbeugung einer eventuellen Hausstaub-Milben-Allergie sollten im Schlafzimmer des Kindes alle Staubfänger (Kuscheltiere, Teppich, Bettvorleger, Übergardinen) vermieden werden bzw. sollten sie regelmäßig gereinigt werden.
Hier hilft auch viel Frischluft im Zimmer sowie im Freien.

Bei Allergie gegen Pollen und Hausstaubmilben sollten konsequent Medikamente zur Linderung gegeben werden, um einen Wechsel von der Nasen-Rachenschleimhaut auf die Schleimhaut der Bronchien mit der Gefahr eines Asthma bronchiale zu verhindern. Bei beginnendem Asthma sollte eine Hyposensibilisierung durchgeführt werden. Dabei werden die auslösenden Allergenextrakte in steigender Konzentration unter die Haut injiziert. Dies ist in der Regel nur bei Kindern ab dem 6. Lebensjahr möglich, da sie erst dann die Injektionen tolerieren. Eine neue alternative Therapie besteht in der Gabe von Tropfen bzw. Tabletten vor dem Frühstück unter die Zunge. Diese Therapien werden in der Regel über 3 Jahre durchgeführt und bringt bei etwa 80 % einen erheblichen Rückgang der Symptome.

Ebenso muß bei Asthma bronchiale eine konsequente medikamentöse Therapie durchgeführt werden, um bleibende Schädigung der Lunge mit der Gefahr einer frühzeitigen Invalidität zu vermeiden. Dabei wird bei schwerem Asthma regelmäßig mit Cortison inhaliert, um die Kinder dauerhaft von ihren Beschwerden zu befreien. Dieses Cortison wirkt nur lokal in den Bronchien, wird kaum vom Körper aufgenommen und ist weitgehend frei von Nebenwirkungen. Ein großes Problem ist die Behandlung der Neurodermitis, die immer sehr individuell therapiert werden muß und die durch Streßfaktoren sehr beeinflußt wird.

Wann können die Kinder mit Büchern beschäftigt werden?

Eltern sollen unabhängig von ihrem sozialen, materiellen und kulturellen Hintergrund dazu ermutigt werden, ihr eigenes und das Leben ihrer Kinder zu bereichern. Das frühe Vertrautsein mit Büchern erleichtert den Umgang mit Büchern in der Schule und in der Ausbildung.
Kinder lieben es zu entdecken. Sie sind von Beginn ihres Lebens neugierig und wissensdurstig. Bücher sind ein ausgezeichneter Begleiter in der Bereitschaft zum Lernen. Babys lernen mit allen Sinnen, sie wollen ein Buch greifen, hochhalten, hineinbeißen. Sie hören der vertrauten Stimme zu, sie erfreuen sich an Reimen, Liedern und Fingerspielen. Sie lieben endlose Wiederholungen und freuen sich, etwas wieder zu erkennen. Frühes gemeinsames Lesen und Vorlesen von Büchern zusammen mit Eltern, Großeltern und Geschwistern fördert zusätzlich die engen Beziehungen in den Familien. Mit Büchern aufwachsen kann bedeuten, dass sich eine lebenslange Liebe zu Büchern entwickelt.
Damit wird schon vor dem 1. Lebensjahr ein Grundstein gelegt für das Interesse an Büchern. Bücher sind ein wichtiger Gegenpol zu Fernsehen und Computer und können eine einseitige Beschäftigung mit den Medien verhindern. Lesen erhält die eigene Aktivität und führt oft in geliebte Traumwelten.

Ist mein Neugeborenes durch Keuchhusten gefährdet (Keuchhusten allgemein)?

Der Keuchhusten wird durch das Bakterium Bordatella pertussis ausgelöst und durch Tröpfcheninfektion bei engem Kontakt direkt auf andere Menschen übertragen. Weltweit erkranken heute noch ca. 60 Millionen Menschen pro Jahr. Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung beträgt 4 – 14 Tage. Im typischen Verlauf beginnt ein nächtlicher Husten, der sich innerhalb von 3 Wochen zu heftigen Hustenanfällen mit Erstickungsanfällen steigert. Ohne Behandlung dauern diese Hustenanfälle dann auch am Tage über 3 Wochen an, um danach über 3-5 Wochen allmählich zu verschwinden. Der Erkrankte fühlt sich während der Hustenphasen sehr elend, die gesamte Familie kann nachts kaum Schlaf finden. Als Komplikationen sind Lungenentzündungen sehr gefürchtet. Bei Säuglingen und Kleinkindern kommt es bis zu 10 % zu einer Beteiligung des Gehirns im Sinne einer Encephalitis (Gehirnentzündung). Nicht selten können diese Kinder daran sterben.
Neugeborene erhalten gegenüber einer Infektion mit Keuchhusten keinen Nestschutz von der Mutter, wie es bei Masern, Mumps, Röteln und Windpocken der Fall ist. Die Infektion ist in diesem Alter schwer zu erkennen, da kein typischer Husten besteht. Die Säuglinge wirken krank, sie hüsteln leicht und haben Atempausen (Apnoe-Anfälle). Nicht selten ist ein "Plötzlicher Säuglingstod" in Wahrheit eine Keuchhusten-Infektion, die wegen der untypischen Symptome nicht erkannt wurde.

Nach durchgemachter Erkrankung besteht keine lebenslange Immunität, sondern nur für 10-15 Jahre. Dies gilt auch für Personen, die gegen Keuchhusten geimpft sind. Daher ist Keuchhusten auch eine Erkrankung im Jugendlichen- und Erwachsenenalter. Bei den Erwachsenen ist die Diagnose schwer zu finden, da die behandelnden Ärzte meist nicht an Keuchhusten als Ursache für die schweren Hustenanfälle denken. Die Patienten durchlaufen nicht selten eine Odyssee an Diagnostik mit Allergietest, Röntgen, Lungenszintigraphie und Lungenspiegelung, bis die Diagnose schließlich vermutet und dann durch Bluttests bestätigt wird. In dieser langen Phase der Erkrankung wurden dann bereits viele Kontaktpersonen angesteckt.

Die Behandlung besteht in der Gabe eines Antibiotikums. Diese Therapie wirkt jedoch nur in den ersten 2-3 Wochen der Erkrankung, da der weitere Verlauf durch Toxine der Bakterien hervorgerufen werden, die durch Antibiotika nicht beeinflußt werden können. Durch das rechtzeitig eingenommene Antibiotikum ist der Erkrankte nach 6 Tagen nicht mehr ansteckend. Gegen den Hustenreiz helfen nur stark wirksame Hustenblocker.

Der beste Schutz wird durch eine konsequente Impfung gegen Keuchhusten erreicht. Wegen der hohen Gefährdung für Säuglinge wird diese Impfung bereits im Alter von 2-3 Monaten durchgeführt, heute in der 6-fach Kombination auch gegen andere Erreger.
Bis zum 2. Lebensjahr müssen 4 Impfungen durchgeführt werden. Der Impfstoff war bis vor 20 Jahren als "Ganzkeim-Impfstoff" problematisch mit häufigen Nebenreaktionen. Heute ist nur ein Teil der Keuchhustenbakterien ohne Zellkern im Impfstoff enthalten und dieser wird gut vertragen. Der Impfschutz hält nur 10-15 Jahre und sollte dann alle 10-15 Jahre mit einer Impfung aufgefrischt werden. Wichtig ist, daß nach den Empfehlungen der "Ständigen Impfkommission" (STIKO) außer den Säuglingen und Kleinkindern zumindest Jugendliche konsequent geimpft werden, um ihnen den schweren Krankheitsverlauf mit Fehlzeiten in der Schule und Fehlzeiten im Beruf der Eltern zu ersparen. Außerdem ist die Impfung für Erwachsene empfohlen, die engen Kontakt zu Neugeborenen und Säuglingen haben.

Wie wichtig sind Bewegung und Sport für Kinder?

Kinder haben ab dem Säuglingsalter einen natürlichen Drang zur Entdeckung ihrer Umgebung, zu Bewegung und körperlicher Aktivität und müssen dabei von ihren Eltern unterstützt werden. Ab dem Schulalter werden die Kinder in ihrem Lebensrhytmus ruhiger.
Sie müssen in der Schule still sitzen, zuhören und zu Hause ihre Schularbeiten erledigen.
In dieser Phase ist in der heutigen Zeit der Computer zu Hause bereits ein festes Element, dem sich die Kinder nicht entziehen können. Hier müssen die Eltern zum Ausgleich frühzeitig dafür sorgen, daß sie an körperliche Bewegung und Beginn von sportlichen Aktivitäten herangeführt werden und daß sie dabei Spaß haben. Dies geht es in der Regel nicht ohne Vorbild der Eltern. Ähnlich den Bereichen Erziehung, Verhalten und gesunder Lebensführung sollten die Eltern ihre Kinder anleiten und sich möglichst selbst sportlich betätigen. Besonders für Kinder in der Großstadt sind spontane Verabredungen mit Freunden zu Spiel und Sport kaum möglich, da es an Spielplätzen und Plätzen zu Ballspielen mangelt. Die Folgen dieses Bewegungsmangels sind bei den Vorsorgeuntersuchungen zu erkennen: 5-10% der 5-jährigen haben Probleme beim Einbeinhüpfen, Seiltänzergang, Rückwärtslaufen, Fahrrad fahren ohne Stützräder, Ball fangen sowie bei der Koordination der Bewegungen.

Bewegung und Sport sind für die Entwicklung und die Zukunft der Kinder von großer Bedeutung. In einer Zeit, in der jedes 5. Kind an Übergewicht leidet, ist neben der Umstellung der Ernährung sowie psychologischer Betreuung die Motivation zu mehr Bewegung ein wichtiger Baustein. Hier gilt es, den gefährlichen Kreislauf von Bewegungsmangel und Übergewicht frühzeitig zu bremsen. Dabei brauchen sie Hilfe, denn sie verstehen noch nicht, was dies für ihr späteres Leben bedeutet: Herz- Kreislauferkrankungen im frühen Erwachsenenalter, Bluthochdruck, Diabetes mellitus und das Risiko zu Darmkrebs. Bereits im frühen Kindesalter erzeugt Mangel an Bewegung Bindegewebsschwäche im Sinne von Knick-Senkfüßen, Rundrücken, Skoliose und hängende Schultern.

Bewegung und Sport fördert die psychische und seelische Entwicklung. Das Selbstwertgefühl wird gestärkt, Aggressionen werden abgebaut und es werden dauerhafte Freundschaften geschlossen. In der heutigen Zeit der vielen Einzelkinder wird durch Sport ein positives Sozialverhalten gefördert, in der Gruppe werden die Kinder sozial integriert und lernen Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und Toleranz. Sport schützt vor Stubenhocken am Fernseher oder Computer. Sollte bei dem Kind eine Ablehnung zu einem Sportverein bestehen, sollten zu Beginn "Schnupperstunden" ohne Verpflichtung verabredet werden. In der Regel taut das Eis sehr schnell auf und die Kinder sind gut integriert. Judo ist in der Regel ein guter Einstieg, Fußballsport sollte wegen der Verletzungsgefahr frühestens ab dem 6. Lebensjahr begonnen werden.

In der Schule fördert Sport den Klassenverband und das Sozialverhalten innerhalb der Gemeinschaft. Körperliche Bewegung bewirkt eine bessere Durchblutung des Gewebes, das Gehirn wird wieder aufnahmefähig für den Lehrstoff. Unruhige und zappelige Kinder können sich wieder besser konzentrieren. Durch Bewegung werden Aggression und Gewalt abgebaut. Wegen der großen Bedeutung des Schulsports sollten mindestens drei Stunden Sport in einer Woche im Stundenplan stehen. Leider stimmen Eltern oft eher für die Ausweitung der geistigen Fächer und streichen im Zweifel dann die Sportstunde.

Frühe Anleitung zu Bewegung und Sport vermindert das Risiko von Unfällen im Kindesalter. Durch das Training von Koordination, Wahrnehmung, Gleichgewicht und Reaktion reagieren die Kinder bei Gefahr deutlich schneller und können somit oft einen Unfall im Haus, in der Schule oder auf der Straße verhindern. Die Kindergarten- und Schulunfälle ohne Fremdeinwirkung (Ausrutschen, Stolpern, Umknicken) haben sich nach Berichten der Unfallkassen in den letzten acht Jahren verdoppelt und sind auf zunehmend mangelnde Bewegung zurückzuführen.

Welche Gefahren entstehen durch Zeckenbisse?

Die warmen Jahreszeiten sind beliebt für Familien zum Aufenthalt im Freien. Besonders Kinder halten sich dabei gerne auf Wiesen sowie in der Nähe von Büschen und Sträuchern auf. Doch hier halten sich gerne auch Zecken auf, die im Volksmund "Holzbock" genannt werden. Die Zecken tragen verschiedene Krankheitserreger in ihrem Körper, die durch den Biss übertragen werden und schwere Erkrankungen auslösen können. Von März bis Oktober sitzen die kleinen Sauger auf den Spitzen der Gräser sowie an Wald- und Buschlichtungen. Hier halten sich die Tiere auf, deren Blut sie bevorzugen: Rehe, Hasen, Wildschweine, Mäuse. Aber sie beißen auch gerne Menschen, nachdem sie durch deren Körpertemperatur, das ausgeatmete Kohlendioxyd sowie durch Erschütterung angelockt wurden. Sie beginnen dann, auf die Reizquelle loszukrabbeln oder sich abstreifen zu lassen. Die heimischen Zecken beherbergen in ihrem Körper drei verschiedene Krankheitserreger, die beim Saugakt über den Speichel in das Blut des "Opfers" gelangen können. Der Speichel enthält ein Anästhetikum, so daß der Biß nicht bemerkt wird.

Der gefährlichste Erreger ist ein Virus und löst die FSME (FrühSommer-Meningo-Encephalitis) aus, eine Infektion des Nervensystems mit hohem Fieber, Erbrechen, Bewusstseinseintrübung und Krampfanfällen. Bis zu 5 % der Zecken beherbergen dieses Virus, doch nur 10-30 % der Infizierten erkranken. Eine spezifische Therapie gibt es nicht, nur eine dreimalige prophylaktische Impfung gibt ausreichend Schutz. Allerdings kommt das FSME-Virus nur südlich des Mains (Baden-Württemberg, Bayern, Österreich, Schweiz, südliches Polen, Ungarn) sowie in Skandinavien gehäuft vor, so daß sich der nördliche Teil der Bevölkerung nur bei Reisen oder längeren Aufenthalten in diese Gebiete impfen lassen sollte.

Eine deutlich häufigere Erkrankung ist die Borreliose, die auf der gesamten Welt verbreitet ist. Bei uns sind bis zu 30 % der Zecken mit dem Erreger (Borrelia burgdorferi) infiziert, doch auch hier kommt es nicht in jedem Fall zu einer Erkrankung. Man schätzt für Deutschland jährlich ca. 40.000 Erkrankungsfälle. In Europa gibt es bisher noch keine Impfung. Da es sich bei dem Erreger um Bakterien handelt, können diese mit Antibiotika behandelt werden. Nach einem Zeckenbiss ist eine prophylaktische Behandlung nicht sinnvoll. Vielmehr sollte die Bißstelle in den nächsten Tagen genau beobachtet werden. In über 80 % der Infektionen tritt 3-30 Tage nach dem Biß um die Bißstelle herum eine kreisrunde, geschwollene und juckende Rötung, die sich ausbreitet (Erythema migrans). Jetzt sollte sofort eine Antibiotika-Therapie über 14 Tage begonnen werden. Unbehandelt führt die Borreliose zu mehrtägigem Fieber mit chronischer Erkrankung des Nervensystems und der Gelenke.

Eine dritte Erkrankung ist die Escherichiose, die durch Ehrlichien im Speichel der Zecken ausgelöst wird. Ca 4 % der Zecken sind infiziert, nur 30% der Infizierten zeigen Krankheitssymptome: Grippeähnliche Beschwerden, hohes Fieber, Zerstörung der Blutzellen, Funktionsstörung von Leber und Nieren. Besonders häufig und schwer erkranken Kinder und ältere Menschen infolge ihrer verminderten Immunabwehr. Die exakte Diagnose kann nur durch Blutdiagnostik gestellt werden, eine Antibiotika-Therapie bei positivem Befund ist notwendig. Eine Impfung ist nicht möglich.

Kinder sollten nach einem Aufenthalt im Freien immer nach Zecken abgesucht werden.
Gerne saugen die Zecken an dünnen und feuchten Hautstellen (Axel, Leistenbeuge). Die Zecke sollte mit einer spitzen Pinzette oder Zeckenzange dicht unterhalb des Kopfes angepackt werden und mit leichtem Zug und Drehen aus der Haut gezogen werden. Eine gute Prophylaxe sind Einreibung mit abschreckenden Mitteln (Repellents), Kleidung mit langen Ärmeln, lange Hose sowie eine Kopfbedeckung.

Soll man sein Kind gegen Gebärmutterhalskrebs impfen lassen?

Seit Ende des Jahres 2006 ist zum ersten Mal ein Impfstoff gegen einen gefürchteten Krebs bei Frauen zugelassen worden. Es handelt sich um einen Impfstoff gegen das Humane Papilloma Virus (HPV). Dieses Virus befällt die Genitalregion und führt zu einer Infektion vorwiegend der Schleimhaut des Gebährmutterhalses (Cervix). Ca 70 % aller weiblichen Jugendlichen und Frauen infizieren sich im Laufe ihres Lebens durch sexuellen Kontakt mit diesem Virus. Meistens kann der Körper diese Infektion abwehren und eine Teilimmunität ausbilden. Bei ca. 10 % der Infizierten kommt es jedoch zu einer chronischen Infektion, die ohne Beschwerden abläuft und die im Verlauf von 10 – 30 Jahren zu einer bösartigen Entartung mit Ausbildung eines Krebses führen kann. Daneben kann die Infektion auch zur Ausbildungen von Genitalwarzen führen. Das Cervixcarcinom ist nach dem Brustkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jährlich erkranken in Deutschland ca. 6.500 Frauen, die Hälfte von ihnen stirbt daran. Diese Zahlen sind erschreckend hoch, zumal diese bösartige Krebserkrankung durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt mit Hilfe eines Abstrichs frühzeitig erkannt und behandelt werden kann. In Ländern ohne Krebsvorsorge liegt die Häufigkeit zwei bis viermal höher.

Beim HPV-Virus unterscheidet man 120 Typen und nur wenige Typen sind für eine Erkrankung verantwortlich. In den beiden zugelassenen Impfstoffen sind zwei Typen (Typ 16 und 18) enthalten, die ca. 75 % aller Krebsentwicklungen auslösen. Einer der Impfstoffe enthält noch zwei weitere Typen (6 und 11), die für 90% der Warzen im Genitalbereich von Frauen und Männern verantwortlich sind. Diese Warzen sind schmerzhaft und mit starken psychischen Belastungen verbunden. Durch sexuelle Freizügigkeit trotz Risiken von Aids und Hepatitis B sowie immer früherer Aufnahme von Sexualverkehr nehmen die Genitalwarzen in den westlichen Ländern zu.

Diese Impfung ist dringend zu empfehlen, die Krankenkassen übernehmen die Kosten. Eine vollständige Immunisierung im Alter zwischen dem 12. bis 17. Lebensjahr besteht aus 3 Impfungen. Nach der ersten Impfung erfolgt im Abstand von zwei Monaten die zweite Impfung, nach weiteren vier Monaten die 3. Impfung. Der Impfschutz hält nach Aussage von laufenden internationalen Studien mindestens 10 Jahre an und muss in späterer Zeit eventuell aufgefrischt werden. Prinzipiell sollte die Impfung vor Eintritt der Pubertät und vor dem ersten sexuellen Kontakt durchgeführt werden. Männliche Jugendliche können Überträger von HPV sein.

Da durch die HPV-Impfung nur 75 % der krankheitsauslösenden Viren erfasst werden, sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt auch weiterhin notwendig.

Was bedeutet die Jugendgesundheitsuntersuchung?

Seit 1994 ist in der gesetzlichen Krankenversicherung die Jugendgesundheitsuntersuchung als Vorsorge für Jugendliche im Alter zwischen 12 und 14 Jahren eingeführt worden. Diese Vorsorgeuntersuchung war notwendig geworden, nachdem im Rahmen eines Pilotprojektes in Hessen festgestellt wurde, daß bei Jugendlichen deutlich häufiger Gesundheitsrisiken bestehen als man zuvor vermutete: Jeder 4. Jugendliche leidet an allergischen Erkrankungen (Asthma, Allergien, Neurodermitis), jeder 5. an Übergewicht, Sehbeeinträchtigung oder an erhöhten Blutfettwerten, jeder 7. an Erkrankung des Skelett- und Bewegungsapparates und jeder 10. an mangelnder sportlicher Betätigung. Jeder 4. Jugendliche mußte zur weiteren Diagnostik an andere Fachärzte überwiesen werden, bei jedem 5. mußten wichtige fehlende Impfungen nachgeholt werden.

Die Jugendlichen sollten bestimmen, ob die Untersuchung im Beisein der Eltern oder alleine durchgeführt werden soll. Zu Beginn wird eine eingehende körperliche Untersuchung, Urinuntersuchung sowie Bestimmung von Körperlänge und Gewicht durchgeführt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Feststellung von Schäden der Wirbelsäule und der Füße, psychische Probleme, Schulprobleme sowie Über- oder Untergewicht. Bei familiärer Belastung von Bluthochdruck und hohem Cholesterinwert werden die Fettwerte im Blut bestimmt. Wenn diese Veranlagung zu hohem Cholesterinwert vererbt worden ist, erfolgt eine eingehende Beratung zur Prävention des Risikos einer frühzeitigen Gefäß- und Herzerkrankung: fettarme Diät, Bewegung und Sport sowie normales Gewicht.

Einen großen Raum nimmt die Gesundheitsberatung ein. Es wird nach Rauchgewohnheiten in der Familie gefragt. Raucht der Jugendliche, wird versucht, die Motivation zur Reduzierung des Rauchens bis zum Rauchverzicht zu verstärken. Manchmal reicht es aus, neben den Gesundheitsrisiken auf den unangenehmen Geruch der Kleidung, auf die Gelbfärbung der Finger sowie auf die Gefährdung der Umgebung durch Passivrauchen hinzuweisen. Ebenso wichtig ist die Frage nach Gewohnheiten zum Genuß von Alkohol. Nach der Besprechung dieser Gesundheitsrisiken folgt die Frage nach Kenntnissen zur Gefährdung durch Drogen: Wurde in der Schule dieses Thema bereits behandelt? Wird in der Schule mit Drogen gedealt? Wurden schon einmal Drogen ausprobiert? Bei bestehendem Übergewicht wird ein intensives Gespräch angeboten. Dabei wird die Frage nach Ess- und Trinkgewohnheiten gestellt, anschließend die Empfehlung zu sportlicher Betätigung an Stelle von ausgedehnten Computerspielen. Schließlich kommt die Frage nach sexuellen Kontakten und bei weiblichen Jugendlichen die Empfehlung zur Erstvorstellung beim Frauenarzt, der auf Jugendliche spezialisiert ist.

Den Abschluß bildet die Kontrolle des Impfstatus an Hand des Impfausweises oder der Aufzeichnungen in der Praxis. In 20 % müssen fehlende Impfungen nachgeholt werden.
Schwerpunkt bildet die für dieses Alter notwendige Impfung gegen Hepatitis B und Nachimpfung gegen Keuchhusten. Bei weiblichen Jugendlichen wird die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs besprochen und empfohlen.

Wie hoch ist die Gefährdung von Jugendlichen durch Alkohol und Drogen?

In deutschen Krankenhäusern werden mindestens zweimal pro Woche Jugendliche wegen exzessivem Alkoholmissbrauch stationär aufgenommen. Dabei ergibt sich fast immer die typische Vorgeschichte: Party – Geburtstag oder Feier zum Schulabschluss – mehrere Jugendliche unter sich ohne Aufsicht durch Erwachsene – Wetttrinken und Mutproben. Es kommt dabei zunehmend zur Eintrübung des Bewusstseins, zu Sprachstörungen, schließlich zur Bewusstlosigkeit. In dieser Phase ist dringend medizinische Hilfe notwendig, da der Betroffene eine Atemstörung oder durch Erbrechen eine Aspiration des Erbrochen in die Lunge bekommen kann. Durch Lähmung der Muskelreflexe kommt es fast immer zum unkontrollierten Einnässen. Problematisch wird es, wenn außerdem noch zusätzlich illegale Drogen eingenommen wurden. In der Klinik muss sofort eine Entgiftungstherapie eingeleitet werden, da es sich um einen lebensbedrohlichen Zustand handelt. Jungen deutlich häufiger betroffen als Mädchen.

Während der Konsum von illegalen Drogen in der Gesamtbevölkerung zurückgeht, nimmt der Konsum von Alkohol vor allem bei Jugendlichen zu. Jeder zwölfte Patient, der zum Beispiel in einem Krankenhaus in Baden-Württemberg wegen seines Alkoholkonsums behandelt werden musste, ist unter 20 Jahre alt. In dieser Altergruppe steigt auch der Konsum von illegalen Drogen wie Haschisch, Marihuana und die Psyche verändernden Tabletten. Eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ergab, dass 32 Prozent der 12 bis 25-jährigen Drogen probiert haben. Dies ist eine Steigerung von 16 Prozent seit 1979. Dabei hat der exzessive Alkoholkonsum bei Jugendlichen alleine innerhalb des letzten Jahres um 15 Prozent zugenommen. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden mussten, stieg innerhalb der letzten fünf Jahre um 50 Prozent.

Für die meisten Jugendlichen ist der Aufenthalt in der Klinik wegen einer Entgiftung ein einschneidendes Erlebnis und sie werden in Zukunft mit Alkoholkonsum sorgsam und verantwortungsvoll umgehen. Problematisch sind jedoch die Jugendlichen, die in einem schlechten familiären oder sozialen Umfeld ohne Vorbilder leben. Diese Jugendlichen fühlen sich in negativen Gruppen mit ähnlichen Konflikten bestätigt, weil sie in der Familie oder Schule zu wenig Anerkennung finden. Belastende Faktoren sind vor allem die Phase einer Elterntrennung, die Pubertätsentwicklung, schwere chronische Erkrankung der Eltern sowie Arbeitslosigkeit der Eltern, die in dieser depressiven Lebensphase den Kindern weniger Beachtung schenken und leicht dem Alkohol und anderen Drogen zusprechen. Hinzu kommen meist Probleme in der Schule und später bei schlechten Zeugnissen eine ungünstige Voraussetzung für die berufliche Laufbahn mit negativer Zukunftsperspektive. Eine zusätzliche Gefährdung besteht bei Jugendlichen mit Aufmerksamkeit-Defizit-Syndrom, dies sind ca. 5 % aller Jugendlichen. Durch ihr krankheitsbedingtes Verhalten stoßen sie zunehmend auf Ablehnung innerhalb der Familie, des Freundeskreises und in der Schule. Bestätigung und Anerkennung finden sie oft in Randgruppen mit der Gefahr von Alkohol, Drogen und Kriminalität. Diese Kinder müssen frühzeitig erkannt werden und bereits vor der Einschulung eine entsprechende Therapie erhalten.

Welche Ursachen haben immer wiederkehrende Bauchschmerzen?

Bauchschmerzen sind ein häufiger Grund, weswegen Kinder in der Arztpraxis vorgestellt werden. Die Ursache kann organisch oder aber seelisch bedingt sein. Die seelischen Ursachen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen, da die Kinder zunehmend in einem Spannungsfeld der Umgebung aufwachsen. In der Beurteilung müssen zuerst die organischen Ursachen ausgeschlossen werden (Darmentzündung, Nieren-Blasenentzündung, Lungenentzündung, Diabetes, Verstopfung, Durchfallerkrankungen, Nahrungsmittelallergie, Enzymmangel). Wenn alle diese Erkrankungen durch breite Diagnostik ausgeschlossen wurden, muss an seelische Ursachen gedacht werden. Kinder im jungen Alter sind sehr sensibel und reagieren bei seelischen Problemen meist zuerst mit Bauchschmerzen. Man sagt, die Seele eines Kindes steckt im Bauch.
Bei Verdacht auf seelische (bzw. psychosomatische) Ursache müssen Gespräche mit den Eltern bzw. den Erziehungspersonen des Kindes geführt werden. Manchmal müssen auch Erzieherinnen des Kindergartens oder Lehrer der Schule mit einbezogen werden. Welche Ursachen haben die seelischen Konflikte? Elternhaus? Freundeskreis? Kindergarten? Schule? Gewalt in der Familie oder in der Schule? In den Gesprächen kann in der Regel recht sicher die Ursache für die immer wiederkehrenden Bauchschmerzen herausgefunden werden. Meist sind es Probleme im Elternhaus. Es handelt sich dann um Konflikte der Ehepartner, die sich dann irgendwann trennen und die eine für das Kind belastenden Besuchsregelung eingehen. Bereits vor einer Trennung erfahren die Kinder auch bei größter Vorsicht der Eltern die Differenzen zwischen ihren Eltern. Der Auszug eines der Elternteile bedeutet für die Kinder einen tiefen Einschnitt in ihrem Leben. Neben dem Verlust des einen Elternteils kommt die Angst hinzu, auch den zweiten Elternteil durch Krankheit, Unfall und Tod zu verlieren. Bei jeder Erkrankung werden diese Ängste neu stimuliert. Bei der Besuchsregelung nach der Trennung (meist alle 14 Tage beim anderen Elternteil) werden die Kinder mit einer fremden Umgebung konfrontiert, dazu mit fremden neuen Bezugspersonen. Es muss sehr viel Einfühlungsvermögen und Nachsicht aufgebracht werden, um diese Situation für das Kind abzumildern. Oft waren es jedoch auch unterschiedliche Erziehungsvorstellungen, die in dem Ehezwist mitgespielt haben. Nun bestehen erst recht keine Absprachen zwischen den Eltern und das Kind befindet sich in einem zusätzlichen Spannungsfeld. Was ein Elternteil erlaubt, wird beim anderen aus erzieherischen Gründen nicht toleriert. Beide Teile werden gegeneinander ausgespielt. Nach Erfahrungen aus der Praxis sind es höchstens 10% der sich trennenden Eltern, die sich in allen Belangen des Kindes weiterhin absprechen und auch noch gemeinsame Unternehmungen planen.
Neben dem Leistungsdruck in der Schule können Konflikte mit anderen Kinder (Gewalt in Schulen) oder auch mit Freunden sein. Sollten keine Ursachen gefunden werden, muss unbedingt an Gewalt gegen Kinder gedacht werden, hier besteht eine sehr hohe Dunkelziffer. Die Therapie der seelischen Störung besteht in positive Veränderung der Umgebung, in Konfliktgesprächen mit allen Beteiligten sowie bei Bedarf eine psychotherapeutische Betreuung.

Wodurch können Verhaltensprobleme in der Schule ausgelöst werden?

Verhaltensprobleme in der Schule (Unruhe, Zappeligkeit, Stören des Unterrichts, Aggressivität) sind zu Beginn des ersten Schuljahres nicht selten und verschwinden meist von selbst. Besonders Einzelkinder müssen stehen jetzt nicht mehr im Mittelpunkt und müssen soziales Verhalten und Rücksichtnahme erst erlernen. Sollten die Problem jedoch mehrere Wochen anhalten oder bei älteren Schülern plötzlich auftreten, müssen die Ursachen herausgefunden werden.
In den meisten Fällen können die Probleme im familiären Umfeld liegen (Ehekonflikte, Ehescheidung, schwere Erkrankung in der Familie, Tod eines nahen Familienangehörigen, Gewalt in der Familie/Schule/im Freundeskreis). Auch die genetische Anlage zur Hochbegabung kann diese Verhaltensweisen auslösen. Die betroffenen Kinder lernen extrem schnell, sie fragen sehr viel und können alle Antworten und Erfahrungen gut speichern und abrufen. Sie bringen bereits ein umfangreiches Wissen in die Schule mit und können meist bereits lesen und schreiben. Die beschriebenen Verhaltensprobleme sind durch lange Weile zu erklären, die mit Erreichen von mehr Aufmerksamkeit kompensiert wird. In diesem Fall ist eine psychologische Testung mit Bestimmung des Intelligenzquotienten anzuraten.
Wenn keine der beschriebenen Umstände zutreffen, liegt mit großer Wahrscheinlichkeit ein Aufmerksamkeit-Defizit-Hyperaktivität-Syndrom (ADHS) vor. Ca 5 % aller Jungen sind davon betroffen, Mädchen sind eher "Träumer" mit einer Aufmerksamkeitsstörung (ADS). Statistisch sind in jeder Schulklasse 1-2 Kinder mit diesen Störungen anzutreffen. In früheren Zeiten dachte man, diese Verhaltensweisen seien durch fehlerhafte bzw. mangelhafte Erziehung zu erklären, den Eltern wurden familientherapeutische Sitzungen angeraten. Viele Kinder haben dadurch viel Zeit verloren, ohne dass sich die Symptome verändert haben. In den letzten 10 Jahren hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es sich hier um ein erblich bedingtes Krankheitsbild handelt. In der Familie finden sich oft Personen, die in der Schule ähnlich aufgefallen sind und auch heute noch Probleme haben (Ausbildung, Ehe, Streitigkeiten, Neigung zu Drogen und Alkohol, Verkehrsüberschreitungen, Kontakte mit der Polizei).
Die Symptome können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Bei typischer Veränderung fallen die Kinder bereits als Säugling und Kleinkinder auf: Schlafprobleme, extreme Unruhe, nächtliches Schreien und wenig Blickkontakt. Im Kindergarten sind sie Außenseiter, so dass den Eltern oft eine Herausnahme aus dem Kindergarten wegen schlechtem Sozialverhalten und Aggressivität empfohlen wird. Die Familie hat sich oft an dieses abnorme Verhalten gewöhnt und toleriert es mit viel Liebe. Leider sind diese Familien oft abgeschnitten von Freunden und deren Kinder, da das Verhalten für Fremde schwer zu ertragen ist. In der Schule erleben diese Kinder eine extreme Situation: sie sind nicht mehr im Mittelpunkt und werden immer wieder ermahnt. Durch Unruhe und Zwischenreden erreichen sie anfangs zwar Aufmerksamkeit als "Klassenclown", doch nach kurzer Zeit werden sie gemieden. Ohne Therapie kann es zum Verweis von der Schule kommen, durch die soziale Ausgrenzung zur Hinwendung zu Randgruppen, Drogen, Alkohol und zur Kriminalität.
Die Behandlung sollte bereits im Vorschulalter beginnen, um die Kinder rechtzeitig für die Schule vorzubereiten. Im Vordergrund stehen Ergo- und Verhaltenstherapien in besonders spezialisierten Einrichtungen, wobei die Eltern mit einbezogen werden müssen. Sollte diese Therapie nicht ausreichend wirksam sein oder sollten bei der Erstdiagnostik die Verhaltensprobleme extrem sein, ist eine zusätzliche medikamentöse Therapie mit Methylphenidat (z.B. Ritalin, Medikinet) oder mit Atomoxetin (Stattera) erforderlich. Die Kinder haben dann die große Chance, eine normale Schulausbildung zu durchlaufen.

Hilfe! Mein Kind hat Kopfläuse!

Kopfläuse bei Kindern sind weit verbreitet und versetzen die betroffenen Familien immer in großen Schrecken. Sie kommen weltweit vor, besonders im gemäßigten Klima wie in Deutschland. Kopfläuse kommen selbst in den "besten Familien" vor und haben nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Sie leben bei Kindern ausschließlich im Kopfhaar, bei Erwachsenen selten auch an Bart, Augenbrauen und Achselhaaren. Die Weiterverbreitung erfolgt immer über engen Kontakt der befallenen Personen, weshalb Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergarten und Schule besonders häufig betroffen sind. Läuse können im Unterschied zu Flöhen nicht springen, sie werden jedoch über Kopfbedeckungen, Kopfunterlagen, Schals, Decken, Kämme, Haarbürsten, Decken und Spielsachen übertragen.
Die Kopfläuse besitzen einen Stechsaugrüssel, mit dem sie mehrmals täglich Blut als Nahrung aufnehmen. In Folge des manchmal bestehenden Juckreizes kratzen sich diese Kinder sehr heftig auf der Kopfhaut und können durch Übertragung von Bakterien über die Fingernägel eine Hautinfektion bewirken. Die Läuse selbst übertragen in unseren Breiten keine Krankheitserreger. Der Lebenszyklus der Kopfläuse verläuft in verschieden Stadien und dauert bis zur ersten Eiablage ca. 3 Wochen. Befruchtete Weibchen heften ihre Eier (Nissen) in der Nähe des Haaransatzes wasserunlöslich an die Kopfhaare. Je weiter diese an den Haaren angeklebten Nissen über den Haaransatz hinausgewachsen sind, umso länger besteht der Läusebefall. Die Eltern sind entsetzt, wenn sie hören, daß der Befall manchmal schon seit 6-8 Wochen unbemerkt bestanden hat. Nach 7-10 Tagen schlüpfen aus den abgelegten Eiern Larven, die nach etwa 10 Tagen geschlechtsreif werden. Dies bedeutet, daß Nissen, die deutlich über dem Haaransatz zu sehen sind, abgestorben oder leer sind. Die Lebensdauer der Läuse beträgt nur wenige Wochen. Sie sind auf das menschliche Blut als Nahrung angewiesen und können außerhalb ihres Wirtes maximal nur 3 Tage überleben.
Die Läuse selbst sind sehr schwer zu entdecken, die Nissen sind jedoch leichter zu finden. Nahe der Kopfhaut sind die Nissen grau aussehende Eier in durchsichtigen Hüllen. Besser zu sehen sind die weißen, meist toten Eier in einer Entfernung von mehr als einem Zentimeter über der Kopfhaut. Besonders befallen sind die Haare hinter den Ohren sowie in der Schläfen- und Nackenregion.

Zur Behandlung werden behördlich anerkannte Insektizide eingesetzt (Allethrin, Lindan, Pyrethrum, Permethrin). In der Regel werden damit sowohl Läuse und Eier abgetötet. Bei Kleinkindern sowie in der Schwangerschaft und Stillzeit ist Vorsicht geboten, da die Substanzen zum Teil über die Haut aufgenommen werden können und toxisch wirken können.
Alternative Methoden wie Heißluft und Sauna sind wirkungslos. Lauwarmes Essigwasser (3 Eßlöffel Hausessig auf einen Liter Wasser) tötet zwar Läuse und Nissen nicht ab, jedoch können die Nissen nach mehrfachem Auswaschen besser ausgekämmt werden. Die üblichen Läusekämme sind für Kinder nicht geeignet, da Kinder feines Haar haben und die Nissen damit nicht erfaßt werden. Sollte kein feiner Kamm vorhanden sein, müssen die Nissen von Hand zwischen Fingernagel und Daumen abgestreift werden. Eine vollständige Entfernung auch der abgestorbenen oder leeren Nissen ist zu empfehlen, um einen eventuellen Neubefall an Läusen erkennen zu können. Es bestehen Unterschiede in der Wirksamkeit der angewendeten Insektizide.
Daher ist grundsätzlich zu empfehlen, eine zweite Behandlung 8-10 Tage nach der ersten Behandlung durchzuführen. Somit ist sichergestellt, daß eventuell noch ausgeschlüpfte Läuse abgetötet werden und sich nicht weiter vermehren können. Auch sollten sich bei Läusebefall eines Familienmitgliedes alle anderen Mitglieder gegenseitig das Kopfhaar untersuchen, um einen erneuten Befall innerhalb oder auch außerhalb der Familie zu verhindern.

Hilfe! Mein Kind hat Flöhe!

Wie die Kopfläuse sind die Flöhe ebenfalls weltweit verbreitet. Die Flöhe befallen nicht nur den Menschen, sondern auch Katzen und Hunde. Beim Halten von Haustieren ist daher immer mit diesen ungebetenen Gästen zu rechnen. Die Flöhe gehen sehr diskret zu Werk, der Biß und der Stich mit anschließendem Saugen von Blut wird von den Betroffenen nicht bemerkt. Bemerkt wird lediglich die anschließende Hautreaktion. Kinder sind von Flohstichen besonders oft betroffen, weil sie mit Tieren meist engen Hautkontakt haben.

Am weitesten verbreitet ist in unserer Region der etwa 3 mm große, braune Katzenfloh, der in 70 % aller Fälle bei Katze, Hund und Mensch auftritt. Sie nehmen sich mehrfach am Tage ihre Blutmahlzeit. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier in die gemütlichste und wärmste Stelle des Hauses: Bett, Hundekörbchen und Katzenkörbchen. Die ausschlüpfenden Larven ernähren sich von Hautschuppen der Menschen und bluthaltigem Kot der Flöhe. Nach 3 Larvenstadien mit Häutungen entwickelt sich ein Puppenstadium. Diese Puppen können über viele Monate unbeweglich verharren, bis sie nach einem Erschütterungsreiz plötzlich als fertige Flöhe ausschlüpfen und sich ihre Opfer suchen. Bei günstigen Bedingungen (besonders bei warmer Temperatur) kann eine neue Generation bereits innerhalb von 18 Tagen entstehen und zu einem massiven Befall von Flöhen mit einer wahren Plage führen. Denn sie können bis zu einem Jahr leben und über lange Zeit hungern. Außerdem können bis zu 25 cm weit springen und dadurch auch im Sommer bei Gartenarbeit ihren Wirt anfallen.

Flöhe sind sehr sensibel und ziehen bei Erschütterung schnell ihren Saugrüssel wieder aus der Haut und beißen dann erneut zu. Deshalb zeigen sich Reaktionen an den betroffenen Hautstellen meist als 6-10 Stiche in einem kleinen Umkreis. Dies ist wichtig für die Diagnostik, da Flohstiche ähnlich aussehen wie das Anfangsstadium von Windpocken. Durch den injizierten Speichel der Flöhe kommt es nach 30 Minuten bis zu 72 Stunden nach dem Biß zu allergischen Reaktionen der Haut mit Rötung und Schwellung der Bißstelle sowie Juckreiz. Meist ist zentral der Einstich noch zu erkennen.

Im Gegensatz zu den "harmlosen" Kopfläusen können Flöhe Krankheitserreger beherbergen, die sie bei dem Saugakt in die Bißwunde einbringen. Dies sind Viren oder Bakterien, die sie beim Befall von infizierten Personen übernommen haben und weiter verbreiten können. Bekannt ist dies von Hepatitis B – Viren. Ein bekanntes Bakterium, das von Flöhen übertragen werden kann, ist der Erreger der Pest, die in früheren Zeiten über die gesamte Welt wütete und ganze Landstriche entvölkert hatte. Eine weitere Erkrankung ist die Leishmaniose, die durch Sandflöhe übertragen werden kann. Dies ist in eine schwere Erkrankung der Haut und ist nicht selten ein Urlaubsmitbringsel aus dem Mittelmeergebiet und dem vorderen Orient.

Die Behandlung geschieht bei Hunde und Katzen über ein Flohhalsband, welches auch gegen Zeckenbefall gut wirksam ist. Wenn Kinder im Haus sind, sollten die Tiere zumindest in der warmen Jahreszeit dieses Halsband tragen. Haben sich die Flöhe im Hause vermehrt, müssen sie mit Insektizid-Sprays bekämpft werden.
Der Mensch ist nur Zwischenwirt, die Flöhe suchen sich rasch ein neues Opfer (Hund, Katze). Die Kinder sollten gründlich gebadet werde, Kleidung und Bettwäsche in die Waschmaschine.

Wodurch werden häufige Kopfschmerzen bei Kindern ausgelöst?

Gelegentliche Kopfschmerzen sind neben den Bauchschmerzen bei Kindern ein häufiges Beschwerdebild, jedoch ist die Findung der Ursachen deutlich schwieriger als bei Bauchschmerzen. Als chronisch werden Kopfschmerzen bezeichnet, wenn sie mehrfach am Tage oder fast ohne Pause über sechs bis acht Wochen auftreten. Es muß geklärt werden, ob es sich um ein organisches oder ein psychosomatisches (seelisches) Beschwerdebild handelt. Die psychosomatische Ursache hat in den letzten 15 Jahren deutlich zugenommen und findet sich bereits bei 10 % der Kinder im Vorschulalter. 80 % der Kinder machen in den beiden Schuljahren ersten Erfahrungen mit Kopfschmerzen, dies hat ähnliche Ursachen wie bei Erwachsenen: Streß, Überforderung, Ängste und Konflikte mit der Umwelt.

Bereits bei der Erhebung der Vorgeschichte kann eine Differenzierung erfolgen, ob eine organische Ursache vorliegen kann: Bestehen die Kopfschmerzen auch am Wochenende, also außerhalb der Schulzeit? Sind andere Symptome (Übelkeit und Erbrechen) dabei? Leidet jemand in der Familie an Migräne? Es muß dann eine stufenweise Diagnostik erfolgen bis hin zur Erstellung eines Computertomogrammes (CT) des Kopfes zum Ausschluß eines Hirnprozesses. Nur bei ca. einem Prozent der Kinder mit Kopfschmerzen finden sich organische Ursachen.
Zunächst muss eine körperliche und neurologische Untersuchung durchgeführt werden. Hierbei kann ein Bluthochdruck als Ursache durch Messung des Blutdruckes ausgeschlossen werden. Eine Blutdiagnostik schließt eine Blutarmut bzw. eine Leukämie aus. Bei großen Jugendlichen mit niedrigem Blutdruck ist meist die Blutdruckfehlregulation bei längerem Stehen oder beim Aufstehen die Ursache für Kopfschmerzen. Im Rahmen einer Infektionserkrankung sind Kopfschmerzen nur kurzzeitig vorhanden und bedürfen keiner besonderen Diagnostik. Bei länger anhaltenden Kopfschmerzen müssen andere Fachärzte aufgesucht werden: Der Augenarzt zur Überprüfung der Sehfähigkeit und zum Ausschluss von Hirndruckzeichen im Augenhintergrund, der HNO-Arzt zum Ausschluss einer Nebenhöhlenentzündung, der Orthopäde zum Ausschluss einer Fehlhaltung oder angeborenen Fehlbildung der Halswirbelsäule, der Kinderneurologe zur Durchführung eines EEG und zum Ausschluss einer Migräne. Sind alle diese Untersuchungen ohne krankhaften Befund, muss abschließend ein CT durchgeführt werden. Bei zunehmenden und schweren Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen muss die Diagnostik abgekürzt und unmittelbar ein CT durchgeführt werden. Eine rechtzeitige Erkennung eines Hirnprozesses bedeutet eine größere Heilungschance.
Die psychosomatischen Beschwerden bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu, da diese Altersgruppe in steigender Zahl in den Familien nicht mehr im Mittelpunkt steht. Die Eltern der betroffenen Kinder haben nicht selten Probleme mit sich selbst, Krisen in der Familie führen häufiger zur Trennung, es entstehen nicht selten Patchworkfamilien, viele Väter sind arbeitslos, die Armut in den Familien nimmt zu (in Hamburg muss zum Beispiel jedes 5. Kind von der Sozialfürsorge unterstützt werden), in vielen Familien spielen Alkohol und Drogen eine Rolle. Auf der anderen Seite muss herausgefunden werden, ob andere Konflikte bestehen: Unter- oder Überforderung in der Schule? Unterrichtstunden bis in den Nachmittag hinein? Zu hohe Erwartungshaltung der Eltern? Überforderung durch zu viel Freizeitaktivität? Schwere oder chronische Erkrankung in der Familie? Gewalt in der Schule oder Familie?.
Bei psychosomatischen Kopfschmerzen sind meist auch anderen Symptome vorhanden: Schlaflosigkeit, Ängste, Aggressivität, Lustlosigkeit, nächtliches Einnässen, Einkoten.

Welche Gefahren bestehen durch Piercing und Tattoos?

Das Tragen von Körperschmuck in Form von Piercing und Tattoos ist bei Jugendlichen seit vielen Jahren zunehmend beliebt, ein Rückgang dieses Modetrends ist nicht abzusehen. Es wird geschätzt, dass in Deutschland ca. 2-3 Millionen Menschen an anderer Stelle als am Ohrläppchen gepierct sind, in den USA sollen ca.10-20 % der Teenager und jüngeren Erwachsenen ein Tattoo tragen: durchgestochene Nasenflügel, Lippen, Genitalien, Zunge oder Ohren bzw. skurrile Tätowierung, die sich einzeln oder gehäuft auf fast allen Teilen der Hautoberfläche befinden. Im Zeitalter der Massengesellschaft versuchen viele Menschen, auf diese Weise ihre eigene Individualität offen zur Schau zu tragen. Im Alter von 14 bis 24 Jahren sind es 41 % Frauen und 27 % Männer. Die größte Gruppe betrifft das Piercing des äußeren Ohres. Probleme gibt es nicht selten bei der Einstellung in einen Beruf. Viele Firmen verlangen, dass die sichtbaren Tattoos und Piercings entfernt werden. Die Entfernung von Tattoos ist zwar möglich, doch sind mehrere Sitzungen mit Lasertechnik notwendig und es bleiben in der Regel Hautnarben zurück. Die Behandlung ist teuer und wird von den Krankenkassen nicht bezahlt.

Ein besonderes Problem bereiten die Komplikationen von Piercing und Tattoos, die zum Teil lebensbedrohliche Formen annehmen können. Bereits beim Anbringen oder Auftragen besteht die Gefahr der Übertragung von Hepatitis B, Hepatitis C und HIV, wenn die Instrumente nicht steril und hygienisch vorbereitet sind oder die Haut unzureichend desinfiziert wurde. Bei Piercing werden in der Fachliteratur die Komplikationen mit 17-70% angegeben. Unverträglichkeit auf Metalle (z.B. Nickel, Gold ) kann eine lokale Allergiereaktion auslösen. Bei Piercing des äußeren Ohres mit Durchstechen von Haut und Knorpel zur Anlage eines meist metallischen Schmuckelementes kann es zur Entzündung des äußeren Ohres kommen. Eine Infektion mit Staphylokokken und Streptokokken kann durch Ausbreitung über die Lymphbahnen eine Knochenentzündung, Gelenkentzündung, Hirnentzündung ( Meningitis), Herzentzündung sowie schwerwiegende lokale kosmetische Entstellungen mit Gewebsnekrosen hervorrufen.
Auch bei Tätowierungen oder Bemalung mit Henna sind Komplikationen nicht selten. Beim Tätowieren werden die Farbpigmente bis zu 3 mm tief in die Haut eingestochen und bleiben dauerhaft dort liegen. Sehr bunte und leuchtende Farben können Teerfarbstoffe enthalten, die Hautkrebs auslösen können. Auch Farben mit Chlor, Brom oder Schwermetallen sind gesundheitsschädlich. Henna-Tattoos (sog. Temptoos) können durch das häufig der Henna-Paste beigemengte Paraphenyldiamin hochgradige Allergien auslösen.

Wegen der möglichen Gefahren sollten Menschen mit Allergien, Hauterkrankungen, Wundheilungs- oder Gerinnungsstörung, Herzfehler, mit Hepatitis B oder HIV sowie bei fehlender Milz vom Piercen und Tätowieren ausgeschlossen werden. Bei Einhaltung dieser Kontraindikationen und Erfüllung aller Vorschriften der Hygiene ist die Gefahr von Komplikationen relativ gering. Minderjährige benötigen die Erlaubnis der Erziehungsberechtigten. Piercen und Tätowieren ist juristisch gesehen Körperverletzung, daher muss vorher ein schriftliches Einverständnis gegeben werden. Es ist jedoch nicht geklärt, wer Piercen darf. Diese Personen unterliegen in der Regel keiner Kontrolle durch die Gesundheitsämter. Es genügt lediglich ein Gewerbeschein und der Nachweis "geeigneter" Räumlichkeiten, um ein Piercing- und Tattoostudio eröffnen zu können. Die Betreibenden verfügen meist über keinerlei Qualifikation oder Handwerksabschluss und sind in keiner Berufsgenossenschaft organisiert. Die Tätowierfarben unterliegen keiner gesetzlichen Regelung bezüglich Reinheit, Qualität und Prüfung der Unbedenklichkeit.

Pubertät

Was ist Pubertät? Wann beginnt Pubertät? Wie sieht Pubertät aus? Wie erfährt der Jugendliche seine Pubertät als Junge oder wie als Mädchen? Eltern und die Pubertät ihrer Kinder? Wie gehen die Eltern mit der Pubertät ihres Kindes am besten um?
Diese 6 Fragen stellen sich fast alle Erwachsenen, Eltern, Verwandte Lehrer und Erzieher, die mit Kindern im Schulalter zu tun haben. Dabei scheinen sie sich kaum noch an ihre eigene Pubertät erinnern zu können, so dass der Gedanke an diese spezifische Entwicklungsstufe diffuse Ängste und Hilflosigkeitsgefühle auslöst und die Erwachsenen dazu bringt , die Augen zu verdrehen und die irrwitzige Hoffnung zu äußeren, der Kelch möge doch bitte an ihnen vorüber gehen. Der Stoßseufzer, den auch die Band "die Ärzte" besingen, lautet dann ingrimmig : "Und Du warst doch so ein süßes Kind."
Ja, liebe Leserin und lieber Leser, wie war denn eigentlich ihre eigene Pubertät? Wissen Sie noch, wie schrecklich sie sich anzogen, wie "peinlich" ihre Eltern waren, wie muffig, ungnädig, verschlossen, frech, himmelhoch jauchzend und tieftraurig sie waren. Wie alles so schwierig war und niemand sie wirklich verstehen konnte. Lassen sie die Bilder aus ihrer Erinnerung hochsteigen und schauen sie sich alle genau an. Nehmen Sie sich die Zeit, dieser Erinnerung Raum zu geben. Damit ist der erste Schritt getan, der Pubertät ihres Kindes gelassener entgegen zusehen, denn Sie sind ja selber der beste Beweis dafür, dass diese Zeit irgendwann einmal vorbei ist. Atmen Sie tief durch und informieren Sie sich.

Was ist Pubertät?

Pubertät nennt man die Phase, in der sich bei den Kindern die Wandlung zum Erwachsenen vollzieht. Diese Entwicklung findet sowohl auf der körperlichen wie der emotionalen und sozialen Ebene statt. Sie verläuft in Schüben und nicht parallel auf den drei Ebenen. So ist es irritierend zu sehen, dass z.B. manchmal körperlich vollentwickelte Mädchen noch gern mit Puppen spielen und Jungen ein Machogehabe zeigen, das im Widerspruch zu ihrer kindlichen Erscheinung steht.

Wann beginnt Pubertät? Wie sieht Pubertät aus?

Heute beginnt die Pubertät oft schon im Alter von 10 Jahren und ist von unterschiedlicher Dauer. Im Alter von 18 Jahren ist sie im allgemeinen abgeschlossen.
Man könnte diese Entwicklung in drei Phasen unterteilen. In der ersten Phase wird die Produktion der Sexualhormone angeschoben (Östrogene bei den Mädchen ,Testosteron bei den Jungen), was zu Schambehaarung und Körperbehaarung führt und Stimmbruch bei Jungen sowie Menstruation bei den Mädchen auslöst. Bei den Mädchen findet das Wachstum der Brüste statt. In der 2. Phase produzieren die Talgdrüsen zuviel Hautfett und erzeugen Pickel, die Körperproportionen sind häufig unstimmig , da das Wachstum in Schüben verläuft. Die Jungen haben zu dieser Zeit ihre ersten Samenergüsse. In der 3. Phase werden die körperlichen Veränderungen in dem Körper harmonisiert , Sexualkontakte finden statt und Körperlichkeit hat einen hohen Stellenwert.

Wie erfährt der Jugendliche seine Pubertät?

Jungen suchen nach Anerkennung, wollen stark, männlich und cool sein. Sie suchen die Zugehörigkeit zu einer Clique, wollen Grenzen überschreiten und haben doch oft Versagensängste. Sie zeigen sich aufsässig, frech und rücksichtslos und haben häufig eine riesige Selbstüberschätzung, die sie oft in Teufels Küche bringt. Ihre Themen sind Kämpfen und Rivalisieren, die auch über Statussymbole (Handy, Mofa, coole Klamotten)sichtbar werden. Probleme mit Alkohol und Drogen können auftreten, da sie auf jeden Fall "mitmachen" und auf gar keinen Fall als Feiglinge angesehen werden wollen.
Mädchen suchen wie die Jungen nach Anerkennung, die sie zunächst über ihren Körper und gutes Aussehen erlangen wollen. Sie vergleichen sich mit anderen Mädchen, sind häufig unzufrieden mit ihrem Körper, da sie sich an Idealen messen und geraten leicht in Gefahr, Essprobleme zu entwickeln. Sie sind sich in ihrer Weiblichkeit sehr unsicher, überspielen Unsicherheit mit Zickigkeit und Provokation und sind auch, allerdings weniger als Jungen, für Grenzüberschreitungen zugänglich.
In ihrer Unausgewogenheit sind beide Geschlechter häufig extremen Gefühlen von Glückseligkeit bis zu tiefer Traurigkeit ausgesetzt und dadurch sehr verletzlich und kränkbar.

Eltern und die Pubertät ihrer Kinder

Jungen und Mädchen in der Pubertät sind von Erwachsenen oft nicht zu verstehen. Hilfreich ist dann zunächst, wie eingangs vorgeschlagen, sich noch einmal intensiv an die eigene Pubertät zu erinnern. Dabei kann Ihnen sicherlich auch manchmal die Komik ihres damaligen Verhaltens bewusst werden, was für den Umgang mit ihrem pubertierenden Kind heute sehr entlastend sein kann. Erwachsene und vernünftige Masstäbe kann man meistens nicht anlegen, da sich die Kinder in einem Wirrwar von extremen Gefühlen befinden und sich nicht im Gleichgewicht fühlen. Die Balance, die das System "Eltern und kleines Kind" hatte, ist empfindlich gestört und die Eltern fühlen sich oft genauso verunsichert, verärgert und hilflos wie ihre Kinder. Eltern fragen sich, ob sie etwas falsch gemacht haben, befürchten ein Abgleiten ihres Kindes in soziale und kriminelle Abgründe und haben aus diesen Gründen oft nicht die notwendige Gelassenheit und Klarheit, die jetzt so notwenig gebraucht werden.

Wie sollten Eltern mit der Pubertät ihrer Kinder umgehen?

Eltern haben es oft schwer, in der Pubertät die richtige Balance für ihr Verhalten zu finden. Sie sollen binden und gleichzeitig loslassen, Verständnis zeigen, sich nicht einmischen, den Kindern Freiheit lassen, sie aber schützen und Grenzen setzen, sich lieben und gleichzeitig abwerten lassen, also engelgleich ideal sein. Da Erwachsene aber eben keine Engel sind, wird es immer wieder Konflikte und Streitereien geben, deren Ausgang oft nicht ideal ist. Pubertät heißt Irren und Wirren für Eltern und Kinder. Aber – diese Zeit geht vorüber.

Was hilft Eltern mit der Pubertät Ihrer Kinder umzugehen?

Was hilft, sind einige Gebote und Verbote für die Eltern:

  1. Eltern sind Eltern und sollten diesen Status auch zeigen. Sie sollten sich nicht zu jugendlich aufführen, sondern den Kindern die Jugendlichkeit überlassen.
  2. Sie sollten einige wenige wichtige Regeln aufstellen und auf der Einhaltung dieser Regeln bestehen. Außerhalb dieser Regeln sollten Sie flexibel und tolerant sein.
  3. Grenzüberschreitungen sollten diskutiert werden, aber nicht in ewigen Wiederholungen angeprangert werden. Eltern sollten "vergessen" können.
  4. Kritik am outfit, oder an Hobbys, Musik und Freunden sollte möglichst wenig geübt werden. Stellen Sie ihr Kind nicht bloß und vermeiden Sie Ironie. Die Jugendlichen sind außerordentlich verletzbar in ihrem Selbstwertgefühl.
  5. Vertrauen Sie ihrem Kind, denn die Grundlagen für eine gute Eltern-Kind -Beziehung wurden schon vor der Pubertät gelegt. Fehler müssen die Kinder selber machen und sich mit den Konsequenzen auseinandersetzen. Vermitteln Sie jedoch Sicherheit und Unterstützung.
  6. Haben Sie keine Angst vor ihrer Autorität als Eltern. Die Jugendlichen wollen zwar Freiheit, fürchten sie aber auch, da sie sich häufig überschätzen. Sie sind oft froh, wenn Eltern auch einmal "nein" sagen, selbst wenn sie zunächst massiv dagegen opponieren.
  7. Sprechen Sie mit anderen Eltern und helfen Sie sich gegenseitig. Es bedeutet eine große Entlastung zu sehen, dass Sie nicht allein mit diesen Problemen dastehen.
  8. Trauen Sie ihren Kindern etwas zu und zeigen Sie ihnen, dass sie an sie glauben, selbst wenn Sie alle zum gegenwärtigen Zeitpunkt in einer Gewitterfront leben.