Krabbeln und Laufen lernen

Krabbeln – ein allgemeiner Hinweis

Eine Bitte an alle Eltern: seien Sie bitte nicht darauf fixiert, dass Ihr Kind unbedingt dieses und jenes zu diesem oder jenem Zeitpunkt machen MUSS.

Auch Vergleichen Sie Ihr Kind nicht ständig mit anderen Kindern. Säuglinge und Kleinkinder sind Individuen mit einem eigenen, sehr unterschiedlichem Entwicklungstempo. Und wie überall gibt es "Spätentwickler" und "Frühaufsteher".

Die  folgenden Angaben sind nur Zeitfenster und Durchschnittswerte.

Ab welchem Alter sollten Kinder krabbeln können?

90 % der Kinder krabbeln zwischen dem 9. und 11. Monat. Es gibt aber auch Kinder, die schon früher soweit sind, andere wiederum fangen erst später mit dem Krabbeln an.
Die Entwicklung der Kinder kann völlig unterschiedlich verlaufen und ist abhängig von der Spannung in seiner Muskulatur, die für die Kopfkontrolle und den (Unter-) Armstütz erforderlich ist und seinem Gleichgewichtsgefühl (der Unterarm-Stütz entwickelt sich ab dem 4. Monat, wenn das Baby in Bauchlage das Köpfchen hebt und sich auf den Unterarmen bis zum Nabel hoch-"stützt").
Meist kommt vor dem Krabbeln das Robben, wobei sich das Kind mit den Armen im Unterarmstütz vorzieht, der Bauch ein wenig angehoben ist, die Beine aber noch nicht so recht zum Einsatz kommen.
Sollte ein Kind bis zum ersten Lebensjahr nicht krabbeln oder sich anderweitig eigenständig fortbewegen, sollten Sie das mit Ihrem Kinderarzt besprechen.

Muss man sich Sorgen machen, wenn sein Kind mit 10 Monaten noch nicht krabbelt?

Es gibt Kinder, die eine lange Phase des Robbens haben und andere, die sich mehr rollend über den Fußboden bewegen.
Sollte das Kind aber überhaupt nicht in den Unterarmstütz kommen und sich also auch nicht von allein in die Bauchlage bewegen, sollten Sie auch in diesem Fall Kontakt zu Ihrem Kinderarzt aufnehmen.
Bei Kindern deren Muskelspannung noch nicht so ausgeprägt ist, kann es länger dauern, bis die Kinder sich diese Bewegungsmuster erarbeiten. Manchmal wird der Kinderarzt diese Entwicklung fördern wollen durch Hinzuziehen einer Physiotherapeutin (früher Krankengymnastin), die speziell für Kinderbehandlungen ausgebildet ist.

Krabbeln alle Kinder gleichermaßen?

Das Erlernen des Krabbelns erfolgt unterschiedlich. Der Endstand sollte aber folgendes Bewegungsschema ergeben: z.B. linke Hand nach vorn, das rechte Bein folgt, die rechte Hand vor, es folgt das linke Bein. Dabei ist der Kopf angehoben mit Blickrichtung nach vorn und auch wechselnd zu den Seiten, ohne die Balance zu verlieren.

Warum ist das Krabbeln eines Kindes überhaupt wichtig?

Die Krabbelphase ist für die Gesamtentwicklung des Kindes wichtig.
Aus dem Krabbeln heraus lernt das Kind das selbständige Hinsetzen (wichtig ist, dass es zu beiden Seiten geschieht). Es lernt die Verteilung des Körpergewichtes auf 4 Punkte (Hände und Knie) und die Drehung zwischen Schulter- und Beckengürtel, die wir auch beim Gehen brauchen.
Die Wirbelsäule ist noch entlastet, anders als später beim Laufen.
Das Kind macht durch das Krabbeln wichtige Erfahrungen: wo stoße ich mir den Kopf; wie weit muss ich die Tür öffnen, um hindurchzupassen und meiner Mutter zu folgen?
Damit schult es auch die Körpereigenwahrnehmung, die Wahrnehmung des Raumes, in dem es sich bewegt, lernt etwas über die Geschwindigkeit, mit der es sich bewegt und erlernt das räumliche Sehen.
Das Kind erweitert durch das Krabbeln ständig seinen Lebensraum.

Dürfen Babys tagsüber auf dem Bauch liegen?

Wenn es wach ist, selbstverständlich. Die Bauchlage ist eine ganz wichtige Entwicklungsstufe, die den Unterarm-Stütz und die Kopfkontrolle fördert, es ist die Vorbereitungsstufe zum Krabbeln und ist wichtig für die Handfunktion des Erfassens verschiedenen Unterlagen auf denen es sich bewegt.

Ab wann sollte ein Kind stehen können?

Das Stehen schließt sich an das Krabbeln an. Über das Vorsetzen eines Füßchens und das Hochziehen oder Hochstützen an Gegenständen kommt das Kind zwischen dem 11. und 12. Lebensmonat zum Stand. Die meisten Kinder stehen vom 15.-18. Lebensmonat sicher auf ihren Beichen und können ohne Hilfe laufen. Lauflerngeräte sind eher schädlich und sind überflüssig.
Im Stand lernt es sein Gleichgewicht auf den Füßen auszubalancieren. Deshalb sollte Ihr Kind auch viel barfuss laufen, es fühlt den Untergrund besser. Im Winter sind die praktischen Anti-Rutsch-Socken oder weiche Lederpuschen festen Schuhen vorzuziehen. Feste Schuhe sollte man erst anziehen, wenn das Kind sicher läuft, dabei sollte die Sohle biegsam sein und die Ferse im Schuh nicht hoch rutschen, genügend Platz für die Zehen sein (ein Finger breit, damit die Zehen sich strecken können).
Gute Schuhverkäufer messen die Länge des kindlichen Fußes, anschließend die Innenlänge des Schuhs. Sie sollten dann die Schuhe kaufen, die ca. 1 cm länger sind.

Was kann man tun, wenn Kindern Schwierigkeiten beim Stehen und Laufen haben?

Wenn ein Kind mit 15 Monaten nicht zum freien Stand und zum Laufen mit Festhalten an Gegenständen kommt, sollte man den Kinderarzt ansprechen. Der Kinderarzt wird das Kind untersuchen und Sie in den meisten Fällen beruhigen können. In bestimmten Fällen kann er Ihnen aber auch raten, eine kinderkrankengymnastische Behandlung zu beginnen. Diese kann 1-2 mal pro Woche verschrieben werden.
Niemand kann Ihnen aber im vornherein sagen, wie lange Ihr Kind braucht, um die entsprechende Hilfen auch umzusetzen.

Ab wann kann ein Baby robben?

Einige Kinder fangen schon mit 6 Monaten an, zu robben oder zu krabbeln. die meisten jedoch erst zwischen dem 8. und 10. Lebensmonat. 

Es gibt aber auch Kinder, die nur robben und dabei die Krabbelphase überspringen oder nur auf dem Po durch die Wohnung rutschen.

 

Wann kann ein Baby sitzen?

 Das Sitzes des Kindes entwickelt sich relativ spät, im Alter von 9-10 Monaten, erst nach dem Erlernen des Krabbelns. Erst jetzt kann es sich frei und ohne Unterstützung hinsetzen.

Vor dieser Zeit gelingt das Sitzen meist nur mit Hilfe von Kissen oder auf dem Schoß von Mutter oder Vater.

Durch das Krabbeln erlernt das Kind die aktive Streckung der Wirbelsäule bis zum Becken hinunter, außerdem durch den Armstütz auch den seitlichen Stütz, was eine Grundvoraussetzung ist, um sich selbständig hinzusetzen, und von dort dann auch wieder in die Krabbelposition zu kommen.

Ab wann darf das Baby im Kinderwagen oder auf einem Babystuhl sitzen?

Ein Baby sollte erst länger auf einem Babystuhl oder im Kinderwagen sitzen, wenn es selbständig frei sitzen kann. Das ist meistens im Alter von 8-9 Monaten der Fall.

Zum Füttern kann es auf den Schoß gesetzt werden oder es darf für kurze Zeit im Kinderstuhl sitzen, wenn es in der Lage ist, mit Unterstützung zu sitzen.