20 Mio. Deutsche grillen. Deshalb sind Wissenschaftler der Uni Freiburg dieser Frage nachgegangen.
Lt. Hamburger Abendblatt vom 3.7.2010 kommt die Soziologin Nina Degele zu folgenden Ergebnissen:
„Am Grill ist der Mann Chef. Hier findet es seine Bestätigung und Anerkennung.“ Und weiter: „Am Grill wird mit der Beute hantiert, die mit eigenen Händen in freier Natur zubereitet wird“. Also doch Caveman.
Ein Sommer ohne Grillen, das geht gar nicht und ist für Viele die schönste Freizeitbeschäftigung im Sommer nach dem Baden.
Aber, bis Holzkohle so richtig auf Temperatur kommt, dauert es schon eine Weile, und die Versuchung das ganze zu beschleunigen ist groß.
Das geht relativ gefahrlos mit den in den Drogerien und Baumärkten erhältlichen festen Grillanzündern. Man kann auch zerrissene Eierbehälter verwenden, wenn man den Grill kippsicher an einem windgeschützten Platz (im Windschatten) aufstellen kann, damit die brennenden Pappschnitzel und Russpartikel nicht verweht werden.
Aber schon bei der Verwendung eines Föns ist Vorsicht angebracht und sollte nicht in der Nähe von Kindern verwendet werden. Zu leicht spritzen glühende Holzpartikel aus der entstehenden Glut und können zu Augenverletzungen führen. Wichtig ist für Kinder: mindestens 3 m Abstand halten.
Die ganz „großen Grill-Könner“ versuchen leider immer noch mit Spiritus oder anderen flüssigen Brandbeschleunigern besonders schnell die erforderliche Gluthitze zu erreichen. Ihr Einsatz führt nach Angaben der Techniker Krankenkasse zu 4000 Grillunfällen im Jahr, von denen über 500 schwerste, lebensbedrohliche Verbrennungen erleiden. Allen Beteiligten ist dann schnell die Lust am Grillen vergangen und nur der schnelle Transport in ein Brandverletztenzentrum kann Schlimmeres verhindern.
Die Verbrennungen, die bevorzugt an Händen und Armen, Gesicht, Ober- und Unterschenkel auftreten, entstehen durch unkontrollierbare Stichflammen und Verpuffungen. Alle Personen im Umkreis von 3-5 Metern sind gefährdet. Die leichte Sommerkleidung sorgt zudem dafür, dass die Flammen eine schnelle Angriffsfläche haben.
Spiritus u.ä. hat also beim Grillen, besonders wenn Kinder dabei sind, nichts zu suchen.
Bitte auch nach dem Grillen an die Unfallverhütung denken. Glühende Holzkohle z.B. am Strand mit Wasser löschen und nicht nur mit etwas Sand abdecken; denn Holzkohle glüht lange nach und kann beim darüber laufen zu schweren Verbrennungen an den Füssen führen.
Gefahrloser sind Elektrogrills, die man aber häufig in Ermangelung einer Steckdose im Freien nicht verwenden kann.
Die Gesundheitsbeilage des Hamburger Abendblattes (09.07.2010) empfiehlt:
1. Löschen
So schnell wie möglich Flammen löschen, sei es durch Wasser, oder Ersticken der Flammen mit Jacketts, Decken o.ä. Verletzte so schnell wie möglich aus der Hitze entfernen. Kinder unter 8 Jahren und Ältere über 60 zum Arzt bringen, ggf. den Notarzt rufen.
2. Kühlen
Verletzte Regionen am besten mit Leitungswasser solange kühlen wie es als angenehm empfunden wird. Kein Eiswasser verwenden; bei Kindern nur kurz kühlen, da Kinder Unterkühlungen nur schlecht regulieren können. Bewusstlose gar nicht kühlen, ggf. muss sogar zur Herzmassage gegriffen werden.
3. Abdecken
Den Verletzten mit sauberen Handtüchern oder Laken abdecken. Brandverletzte kühlen schnell aus, was man u.a. mit Decken verhindern kann.
4. Hausmittel
Verzichten Sie bitte auf die alten Hausmittel wie Mehl, Quark u.a. Sie müssen im Krankenhaus mühsam von der Haut entfernt werden, was durchaus schmerzhaft ist. Bitte auch keine Salben, nur Wasser ist erlaubt.
5.Verband
Kleinere Verbrennungen können auch mit einem klaren, antimikrobiellen Gel aus der Apotheke behandelt werden. Am besten an der Luft trocknen lassen. Später evt. einen leichten Gazeverband verwenden. Sollte sich in den nächsten Tagen die Wunde entzünden, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
6. Wundverband der Zukunft
50 Prozent der Menschen, die an Verbrennungen sterben, sterben an ihren Infektionen. Deshalb entwickelt Toby Jenkins, J.Am.Chem.Soc. 132(18)2010 lt. pressetext austria einen Verband, der mit Nanopartikel besetzt ist, gefährliche Bakterien erkennt und Antibiotika absondert. Das wird vermutlich erst in ein paar Jahren einsetzbar sein, solange sollte man beim Grillen besser noch vorsichtig sein.
Weiter Informationen finden Sie bei www.paulinchen.de des Vereins Paulinchen –Initiative für brandverletzte Kinder.
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